Jesco von Putkamer hat eine Handvoll Science Fiction Romane veröffentlicht, dazu die wilden Kurzgeschichten aus der Zeit des Fanzines M.R.U. Anschließend ist er in die USA gegangen, um für die Nasa zu arbeiten. Auch heute noch zeichnet die Romane eine Reihe von exzentrischen Ideen aus, auch wenn die handlungstechnischen Grundgerüste teilweise arg konstruiert erscheinen.
„Die sechste Phase“ reiht sich in diese Phalanx ein, wobei die Verbindung der beiden Handlungsebenen relativ früh zu erkennen ist. Aber im Gegensatz zu vielen anderen rein militärischen Leihbuchabenteuern, sieht Jesco von Putkamer den Geist bzw. die Geisteswissenschaften als eine relevante Größe an und zeigt auf, dass Macht zwar verführen kann, aber eine gestandene Persönlichkeit und damit einen fairen Herrscher (in diesem Fall natürlich der bekannten Galaxis) nicht korrumpieren muss.
Das Buch erschien Ende der fünfziger Jahre als Leihbuch im Balowa Verlag als Abenteuer „Aus Zeit und Raum“. Einige Jahre später wurde eine gekürzte Fassung als Terra Heftroman unter dem gleichen Titel nachgedruckt. Beide Versionen sind antiquarisch noch erhältlich, wobei das Leihbuch deutlich schwieriger zu bekommen ist.
Die Geschichte beginnt mit einem Piratenüberfall auf das Fernraumschiff „Tarth Myrnah“ – Jesco von Putkamer kann der Versuchung nicht widerstehen, komplizierte und nicht komplexe Namen auszuwählen – mit dem Berater des Herrschers über die angesprochene bekannte Galaxis an Bord. Ronar buur Ymmgharith hat aber eigene Pläne und der Überfall der Piraten ist nur Teil des angesprochenen komplizierten Plans.
Anschließend schwingt die Handlungsebene zur Erde der Gegenwart. Robert Malcom ist ein durchschnittlicher Erdenbürger. Er arbeitet als Schadenssachbearbeiter für eine Versicherung. Er ist Single und einsam. Er wird im Laufe der Handlung Opfer eines Experiments, das in einer der zahllosen Parallelwelten ausgeführt wird. In jeder dieser Welten gibt es natürlich eine Inkarnation von Robert Malcom und in einer dieser zahllosen Welten ist Robert Malcom natürlich auch mehr als der langweilige Sachbearbeiter. Diese Idee ist heute ein gängiges Klischee in der Science Fiction Literatur und wurde neben unzähligen Büchern und Kurzgeschichten auch in Fernsehserien wie „Sliders“ verwandt. Allerdings denkt Jesco von Putkamer deutlich kosmopolitischer und der Unterschied zwischen den beiden Welten und den jeweiligen Inkarnationen könnte nicht größer sein.
Robert Malcom wird mit einem fremden Bewusstsein konfrontiert und behält auch nach dem Abbruch des Kontakts dessen Wissen, während auf der zweiten Handlungsebene die Verschwörungspläne gegen die ältlichen, amtsmüden Herrscher der Galaxis fortschreiten. Allerdings hat der Mann ein As im Ärmel und der Leser kann an dieser Zusammenfassung auch schon erkennen, um was es sich handelt.
Die mehr als sechzig Jahre merkt man dieser Geschichte an. Die Charaktere erscheinen eher funktional beschrieben. Insbesondere die Frauen – wobei hier wie in einem Film Noir positiv eher von DER FRAU gesprochen werden muss – entsprechen den Klischees der in sich gekehrten, nur auf den zweiten Welt schönen und intelligenten Frau, die noch stupidere Arbeiten als Robert Malcom erledigen muss. In der Beziehung zu einer Kollegin beginnt Robert Malcom mit dem „geerbten“ Wissen förmlich aufzublühen.
Am Ende überschlagen sich die Ereignisse. Der große Plan wird enthüllt und die Umsturzpläne der von den Piraten unterstützten inneren Kräfte entlarvt und verhindert. Dazwischen hat Jesco von Putkamer eine Reihe von Actionszenen platziert, welche das anfänglich in wenig schleppende Tempo deutlich beschleunigen und über ausreichend große futuristische Waffen verfügen, um diese Leserschaft zu befriedigen. Am Ende konzentriert sich der Plot auf den Showdown quasi in der Regierungshalle des entsprechenden Herrschers und die Fakten werden für die Protagonisten, aber nicht mehr die Leser auf den metaphorischen Tisch gelegt. Das Ende der Geschichte ist natürlich in doppelter Hinsicht auch ein neuer Anfang.
Viele Passagen lesen sich ein wenig sperrig. Jesco von Putkamer versucht mit einem leicht übertriebenen Stil und vor allem gestelzten Dialogen die Zukunftshandlung unnötig übertrieben von der deutlich interessanteren Gegenwartsebene abzuheben. Robert Malcoms tragisch trauriger Alltag ist spannender und lesenswerter – vor allem aus heutiger Sicht – als die kosmopolitischen Verschwörungen.
In Hinblick auf die Technik bleibt der Autor erstaunlich vage. Hier folgt Jesco von Putkamer eher der Ideen Science Fiction seines Freundes Walter Ernsting alias Clark Darltons als den in dieser Hinsicht herausragenden Leihbüchern K. H. Scheers. Trotzdem ist die Geschichte deutlich, aber nicht unbedingt in Ehren gealtert und liest sich eher wie ein Versatzmuster des im Genre zu oft verwandten Plots.
„Die sechste Phase“ ist eher eine der schwächeren Geschichten aus Jesco von Putkamers Gerne. „Galaxis Ahoi“ – auch wenn der Humor deutlich kindischer ist – und natürlich „Der Unheimliche vom anderen Stern“ seien in dieser Hinsicht eher empfohlen, als diese ohne Frage ambitionierte, aber zu stark konstruierte Story.

Leihbuch
Balowa Verlag
247 Seiten
