PR Neo 66- Novaals Mission

Alexander Huiskes

Der Handlungsbogen in „Novaals Mission“ schwenkt wieder zum Verräter Enban da Mortur und gegen Ende des Romans auf Atlan, Belinkhar und Ihin da Achran um.  Alexander Huiskes Roman ist einer der wenigen des laufenden Zyklus, in dem die Handlung wirklich auf einer Ebene voran getrieben wird. Auch häufen sich nicht so die haarsträubenden Fehler wie in den letzten „Neo“ Romanen. Das macht aber aus diesem Band immer noch keinen guten oder handlungstechnisch empfehlenswerten Roman.

 Interessant ist, dass der Regent da Treffon zu sich bestellt, damit mit allen Vollmachten nach dem flüchtigen Adjutanten fahnden kann. Zusätzlich erhält er den Rang des Hochrangbevollmächtigen. Diese Beförderung impliziert, dass der Regent auf Augenhöhe das Geschehen um Enban da Mortur und damit auch da Treffon verfolgt hat. Sollte das der Fall sein, dann erscheint es unwahrscheinlich, dass er von allen Vertrauten – oder gibt es nur noch einen – ausgerechnet da Treffon nimmt, der in Vergangenheit in den Augen jedes Herrschers versagt hat. Weiterhin ist es immer wieder verwunderlich, wie schnell Manipulationen an Positroniken rückblickend aufgelöst werden können, während ansonsten besonders bei der Suche nach Perry Rhodan eher Fußarbeit zu verrichten ist. Diese Diskrepanz zwischen den einzelnen Handlungsbögen löst die „Neo“ Serie noch unrunder erscheinen als es schon jetzt innerhalb eines einzelnen Romans der Fall ist. In der finalen Konfrontation wird schließlich da Treffon mittels zweier von einem Naatarzt vor dem Ratsvorsitzenden Granaar abgespielter Aufzeichnungen als Verräter in doppelter Hinsicht entlarvt. Was vielleicht im Kino funktioniert, wirkt im vorliegenden Roman eher bemüht und stark konstruiert. Wenn dann auch noch Atlan, Belinkhar und Ihin da Achran ihre Tarnfunktuionen im Saal ausschalten und dem Rat ihre Hochachtung bekunden, dann erreicht der Roman den zweiten Tiefpunkt. Anscheinend kümmert sich niemand um Sicherheitsvorrichtungen und vor allem Tarnanzüge scheinen auch keine neue Erfindung zu sein. Daher funktioniert diese Art des Erscheinens nur, wenn man wirklich jegliche Logik ausschaltet.

Ebenfalls interessant ist, dass in diesem ganzen Roman widersprüchliche Hinweise auf die Katastrophe auf ARKON II zu finden sind und sich anscheinend alle im Sonnensystem so bewegen als sei nichts wirklich Gravierendes geschehen. Bedenkt man, dass das industrielle Herz des Systems zumindest in den gänzlich überzogenen Vorstellungen Frank Borsch und Andrea Bottlingers am Verbrennen ist und der unfähige Gouverneur bislang unter den Augen der ganzen Öffentlichkeit Hilfe abgelehnt hat – Überwachungssatelliten, Verknüpfungen zwischen Computersystemen oder einfach nur im System fliegende Schiffe müssten die hier beschriebenen Brände selbst mit verbundenen Augen erkennen oder durch den Ausfall der Verbindungen „spüren“ – , dann wirkt „Novaals Mission“ wie aus einem anderen Zyklus.

Enban da Mortur und seine Geliebte Celista Nurit Oteres befinden sich ja zum Zeitpunkt der Katastrophe auf Arkon II. Im Gepäck haben sie neben dem Zellaktivator noch das Tarkanchar. Sie stürzen sich geplant in die Flammen, um schwere Brandverletzungen zu erleiden. Sie werden gerettet – das widerspricht aber den bisherigen Anweisungen des Gouverneurs und vor allem negiert Rhodans Hilfsmaßnahmen – und auf den atmosphärelosen Mond Honlon gebracht, der eine abgeschirmte Celista Klinik beherbergt. Alleine diese Idee ist fragwürdig entwickelt. Wie schon angesprochen haben die Arkoniden bislang wenig Hilfsbereitschaft gezeigt und zweitens stellt sich die Frage, wie und warum sollte ein einfacher Adjutant mit seiner Geliebten ohne ihre wahre Identität zu offenbaren ausgerechnet in diese Spezialklinik gebracht werden. Dann hätten nach den Beschreibungen tausende, wenn nicht Millionen ebenfalls dort hin transportiert werden müssen. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, in dem Chaos an Bord eines der vielen vielleicht imaginären Hilfsraumschiffe vom Planeten zu fliehen?

Nach dem relativ schnellen Abheilen der angeblich so schweren Verletzungen dringen sie dann in ein medizinisches Labor ein, um Zellaktivator und Tarkanchar zu untersuchen. Sie werden entdeckt, töten einen Ara, simulieren eine Explosion und fliegen schließlich mit einem Celista Einsatzboot. Was auf Arkon II nicht ging, soll jetzt auf  diesem isolierten Mond funktionieren, ohne dass jemand aufmerksam wird. Das sie das Tarkanchar auch noch im Analysator vergessen, soll wohl der Ausgangspunkt einer weiteren Handlungsebene werden. Sie landen auf Arkon XXII – zumindest lernt der „Neo“ Leser sehr viel mehr über das arkonidische System -, auf dem das Arkonit Legierungsmetall Rhenium unter eher primitiven Umständen abgebaut wird. Da es sich um eine Eiswelt handelt, landen sie in einer Community von Prospektoren und Bergleuten.

Auch Arkon XXII scheint eine ambivalent entwickelte Welt zu sehen. Bedenkt der Leser, wie wichtig das Rhenium ist und vor allem wie hochstehend die arkonidische Kultur trotz aller Versuche der „Neo“ Redaktion immer noch ist, macht die Idee einer kleinen Gruppe von Prospektoren und Bergleuten wenig Sinn. Die Ausbeutung des Planeten müsste mit deutlich moderner Technik erfolgen, die im Grund keine Bergleute mehr benötigt. Auch die Idee, dass ein Unith Prospektor den Zellaktivator untersuchen darf und dabei eine fürchterliche Hitzeentladung auslöst, wirkt aufgesetzt. Zumindest darf Enban da Mortur einen Moment den Schurken spielen und seine lebensgefährliche verletzte Freundin endlich verlassen. Noch schlimmer ist aber der nächste Schritt des Romans. Novaal lässt sich von der arkonidischen Flotte rekrutieren. Inzwischen müsste er eine genetische Spur durch das ganze System gezogen haben. Sowohl auf dem Celista Mond als auch bei der Rekrutierung sollten die Aufnahmebedingungen deutlich tiefer gehen als hier beschrieben. Mittels Computer können innerhalb von Sekunden schon auf der Erde Daten ausgetauscht und ausgewertet werden. Bei Arkon ist davon keine Rede. Viel mehr ist die Suche nach dem Verräter und den wichtigen Gegenständen, die er gestohlen hat, eine One-Man- Show. Viel eher ist es so, dass jeder – selbst Naats in Hawaihemden – Daten manipulieren oder ersetzen kann. Es ist erstaunlich, mit welcher Naivität die Autoren und natürlich auch Frank Borsch an diesen Punkt ihrer Zukunftssaga herantreten. Auf der anderen Seite ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass Arkon es im Gegensatz zu anderen Aspekten der „Neo“ Serie im Grunde nicht aus der Scheer´schen Vergangenheit in die Gegenwart geschafft hat. Vieles wirkt wie der verzweifelte Versuch, vor einem alt vertrauten Hintergrund etwas Neues zu inszenieren, ohne das man wirklich nachhaltige Ideen hat. Akzeptiert der Leser, dass Novaal jetzt wirklich eine neue Identität übernommen hat, dann wird seine Grundausbildung endgültig zu Farce. Anstatt Simulationen durchzuführen, wird am lebenden Objekt geübt. Das soll arrogant und brutal erscheinen, widerspricht aber jeder Logik. Die Autoren schreiben über ein Volk, dass sich anscheinend immer wieder in virtuellen perfekt ausgestaltete Realitäten flüchtet, aber in der Praxis dieses technische Wissen an keiner Stelle wirklich effektiv einsetzt. Unglaublich. Es werden also flugfähige intelligente Mitglieder einer Insektenrasse aus dem Randbereich des Universums missbraucht. Die Männer sollen wertvolle Kristalle abbauen und die Frauen sollen mit den Naat kämpfen. Da anscheinend diese Insekten bislang eher gewonnen haben, gelingt es den Naat nur mit der Erfahrung Novaals, die Insekten zu besiegen. Im Grunde sind aber die Naats ein bedauernswertes Volk. Sie sind undiszipliniert – das konnte man schon in einem der früheren Minizyklen feststellen – und anscheinend so zahlreich, dass man sie immer wieder an jeder Stelle des arkonidischen Militärs findet. Die Idee, reale Manöver durchzuführen, ist wie schon geschrieben eher unlogisch und wirkt aufgesetzt. Aber wie Alexander Huiskes diese Szenen beschreibt, ist schon erschreckend einfallslos und zeigt, dass ihm in diesen Szenen zumindest im vorliegenden Roman das Gefühl für die Situation abhanden gekommen ist. Aber das alle auf Novaal gewartet haben, um den Sieg davon zu tragen, ist absurd. Wenn die Fremden den Naat so überlegen scheinen, dann hätte man sie nie als Gegner eingeführt. Immerhin erhalten die Naats bis zu diesen Duellen ja auch schon eine kostspielige Ausbildung.

Um den Bogen komplett zu machen, findet der Showdown des Romans auf Naat statt, wo interessanterweise Novaals Tarnung plötzlich auffliegt und er vor der Tribunal der Triumphatoren gebracht wird.

„Novaals Mission“ – auch der Titel des Romans ist Irreführung, denn Novaal übernimmt keinen Auftrag, sondern befindet sich kontinuierlich auf der Flucht – ist ein weiteres Stückwerk dieses langweiligen und unterdurchschnittlichen Zykluses, in dem Borsch du leider auch der bislang eher solide Huiskes beweisen, wie schwer es ist, eine Handlung solide auf nachvollziehbaren Ideen wirklich nachhaltig und für den Leser ansprechend zu en

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 1302 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 161 Seiten
  • Verlag: Perry Rhodan digital (27. März 2014)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B00HJYUIFW
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