Retro-Kiste

Retro-Kiste: Vier Weltkriege später - A Boy and his Dog

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A Boy and his Dog Movie Still

In diesem Jahr starb einer der bekanntesten US-amerikanischen Sci-Fi-Autoren: Harlan Ellison. Am bekanntesten ist er für seine kurze Mitarbeit an der klassischen Star-Trek-Serie sowie zahlreiche Kurzgeschichten wie "Ich muss schreien und habe keinen Mund" (im Original: "I have no mouth and I must scream"). Schlagzeilen machte er unter anderem auch mit seiner Plagiatsklage gegenüber James Cameron. Ellison behauptete, seine Drehbücher für zwei Folgen der US-Serie The Outer Limits (die bereits in den 1960ern in den USA lief) wären die Grundlage für Camerons Handlung in Terminator. Die beiden einigten sich außergerichtlich und spätere Veröffentlichungen von Terminator enthalten Hinweise auf Ellisons Arbeiten.

Ellison galt für seine Zeitgenossen als charakterlich schwierig, besonders wenn es um Adaptionen seiner Werke ging. Für eine Verfilmung der Kurzgeschichte I, Robot von Isaac Asimov verfasste Ellison ein Drehbuch, das aber nie realisiert wurde, weil der Studiochef und er nicht überein kamen. Gleichzeitig setzte sich der Autor aber mit Nachdruck für eine freie Presse, das Ende der Zensur und eine Anerkennung von Künstlern ein.

Ein Schauspieler, der Regie führt

Kein Wunder, dass Schauspieler und Teilzeit-Regisseur L. Q. Jones die Hosen gestrichen voll hatte, als er eine von Ellisons Kurzgeschichten als Film adaptieren wollte. Jones wurde eines Tages Ellisons post-apokalyptische Story "A Boy and his Dog" auf den Schreibtisch gelegt, und nachdem er sie gelesen hatte, wollte Jones sie als Film umsetzen. Dazu kontaktierte er Ellison, aber der hatte kaum Zeit. Nachdem die Rechtesituation geklärt war, schrieb Jones das Drehbuch und kümmerte sich dann um die Realisierung des 1975 erschienen Films.

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A Boy and his Dog Movie Still

Angesichts eines knappen Budgets von geschätzten 400.000 US-Dollar gestaltete sich die Produktion schwierig. A Boy and his Dog spielt in der post-apokalyptischen Zukunft: Innerhalb von fünf Tagen während des Vierten Weltkrieges wurde die Erde in ein atomares Inferno gehüllt und die Menschheit überlebt nun, im Jahr 2024, in Erdlöchern in einer Wüste. Es herrscht Mangel an allem: Wasser, Nahrung, Anstand, Menschlichkeit, Bildung und vor allem – Frauen. Der junge Mann Vic, aufgewachsen ohne Eltern und Moral, ist ständig auf der Suche nach einer Frau, an der er sich vergehen kann. Dabei hilft ihm Blood, ein telepathisch begabter Hund, der zwar kein Essen riechen kann, dafür aber Weibchen. So bilden die beiden eine ungleiche Symbiose. Denn wo es Vic an Bildung mangelt, hat Blood genug davon und gefällt sich als Lehrer wider Willen des Jungen. Zusammen begeben sich die beiden auf die Suche nach Nahrung und Fortpflanzungsmöglichkeiten.

Sie begegnen dabei einer Gruppe Menschen, die den Krieg in einem unterirdischen Bunker, komplett mit Parks, Schulen und einer städtischen Infrastruktur, überlebt hat und einen jungen, zeugungsfähigen Mann wie Vic für ihre Fortpflanzung brauchen. Da die aber ohne den physischen Akt stattfinden soll und Vic, so denn er leer gepumpt wurde, ein eher unrühmliches Schicksal droht, wirft er sein Engagement als menschlicher Zuchthengst hin und flieht zusammen mit der listigen jungen Frau Quilla aus dem Bunker.

Zynismus nach dem Weltuntergang

Nicht nur die Handlung macht den zynischen Unterton des Films klar: Es fängt schon in der Eröffnung an. Dort explodieren Bomben und eine Schrift gibt einen Abriss der Post-Apokalypse. Der letzte Satz lautet: Innerhalb von fünf Tagen hat die Politik den "Verfall der Innenstädte" aufgehalten. Angesichts der Millionen Toten des Atomkrieges eine bewusst zynische Formulierung, auch vor dem Hintergrund des Jahres 1975 – Mitten im Kalten Krieg. Aber es ist gerade die zynische Grundhaltung, der schwarze Humor des Films und nicht zuletzt die teilweise absurde Fixierung Vics auf seinen Sextrieb, welche die Geschichte einzigartig machen.

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A Boy and his Dog Movie Still

A Boy and his Dog war für alle Beteiligten ein Herzensprojekt, allen voran Regisseur L. Q. Jones. Der ist eigentlich Schauspieler und vor allem aus zahlreichen Nebenrollen bekannt (IMDB zählt 163 Auftritte in Filmen). Aber er hatte auch eine kleine Filmproduktionsfirma, mit der er hin und wieder kleine Projekte realisierte. A Boy and his Dog sollte das Bekannteste dieser Projekte werden. Als der Film aber in den Kinos anlief, stieß er auf gemischte Reaktionen. Verschiedene Kritiker lobten entweder den subversiven Humor des Films oder zerrissen die in ihren Augen primitiven Charaktere und die nihilistische Botschaft. Der in Amerika anerkannte Filmkritiker Roger Ebert nannte den Film "seltsam" und prophezeite ihm "eine Art kultigen Erfolg". Das sollte sich bewahrheiten: Zwar blieb A Boy and his Dog der kurzlebige Erfolg an den Kinokassen verwehrt, aber er bildete die Inspiration für zahlreiche andere, vor allem post-apokalyptische Werke.

Und er entwickelte sich tatsächlich als Geheimtipp. In einem lesenswerten Interview aus dem Jahr 2003 mit dem Regisseur L. Q. Jones behauptet dieser, der Film beziehungsweise seine Kopien seien seit dem Erscheinen ständig im Verleih und der Film würde jeden Tag gezeigt werden. Mit Sicherheit ist dies eine kleine Übertreibung, wahr ist aber, dass sich der Film trotz seines Alters gehalten hat. Man kann ihn auch heute noch anschauen, wenn man mit dem niedrigen Budget und einer, je nach Version, durchwachsenen Bildqualität klarkommt.

Der richtige Hund für den Job

Die Schauspieler zu finden war weniger ein Problem, als den richtigen Hund. Don Johnson übernimmt in einer ersten Kinorolle den Part des Vic und spielt ihn überzeugend, die anderen Darsteller machen ihren Job ebenfalls solide. Der Regisseur konnte sogar den renommierten Schauspieler Jason Robards als Anführer der Untergrundgemeinde gewinnen, da Robards diese Rolle als Freundschaftsdienst für L.Q. Jones spielte und das Skript überzeugend fand. Der Filmhund Tiger begeisterte den Regisseur durch sein Training und sein Talent vor der Kamera und gewann so die Rolle des Blood. Seine Stimme wurde nach langem Suchen in Tim McIntire gefunden, der gleichzeitig an der Filmmusik mitwirkte.

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A Boy and his Dog Movie Still

Gedreht wurde der Film in der Gegend um den Coyote Dry Lake in der Mojave-Wüste zwischen Kalifornien und Nevada. Dort wurden die Außenaufnahmen verwirklicht und die Löcher gegraben, in denen die post-apokalyptische Bevölkerung lebt. Dagegen wirken die Innenaufnahmen im Bunker etwas deplatziert.

Aber das ist in gewisser Weise Absicht: Die Bunkerbewohner laufen allesamt mit weißer Schminke im Gesicht herum und kleiden sich in einem ländlich-amerikanischen Idyll der 1950er Jahre. Das ist dann die Kritik an einer idealisierten US-amerikanischen Gesellschaft, die an ihrem Konsum-Ideal festhält, ohne die zerstörte Welt über ihren Köpfen in Betracht zu ziehen. Überhaupt spart A Boy and his Dog nicht mit einer gewissen Kritik an einer Gesellschaft, die nur das Recht des Stärkeren kennt. Die Rücksichtslosigkeit und emotionale Abstumpfung von Vic und Blood sind direkte Konsequenzen daraus. Und dass Vic in vielen Belangen ungebildet und stellenweise unsympathisch daher kommt, ist ebenfalls eine Konsequenz aus der barbarischen Umgebung, in der Vic groß geworden ist. Noch bevor der große Post-Apokalypse-Boom der 70er und 80er-Jahre einsetzte, schien A Boy and his Dog sagen zu wollen: "Seht her, der Weltuntergang gebiert nicht Helden des Überlebens, sondern Schurken und Bösewichter, macht aus Menschen Monster."

Inspiration für anderen Post-Apokalypsen

Diese zynische Grundhaltung ist mit einer der Gründe für den anhaltenden Kultstatus des Films. Er ist eine fortwährende Inspiration für Künstler und Autoren in vielen Bereichen. So sagte Mad-Max-Regisseur George Miller über den zweiten Teil seiner Action-Film-Reihe, er hätte A Boy and his Dog genommen und kommerziell erfolgreich gestaltet – und tatsächlich hat der Protagonist von Mad Max 2 einen (niedlichen) Hund dabei, der ihm mit unerschütterlicher Loyalität folgt. Auch die erfolgreiche Fallout-Spielereihe hat sich in großen Teilen von dem kleinen Kultfilm inspirieren lassen: Untergrundbunker, ein 50er-Jahre-Stil, Zynismus, die Postapokalypse und nicht zuletzt ein treuer Gefolgshund, welcher sich der Heldengruppe anschließen kann.

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A Boy and his Dog Movie Still

Nach dem Start des Films überlegte Regisseur L. Q. Jones noch einen Nachfolger zu produzieren, der diesmal einer jungen Frau und ihrem Hund folgen würde. Die junge Frau namens Spike wäre das genaue Gegenteil von Vic. L. Q. Jones war sich bewusst, dass sein Film die Frauenfiguren nicht unbedingt positiv darstellt, daher sollte der Nachfolger ein besseres Bild malen. Doch haperte es an der Finanzierung und schließlich starb auch der Hundedarsteller Tiger, so dass das Projekt namens A Girl and her Dog im Sande der Mojave-Wüste verlief.

Das Werk eines Lebens

Auch wenn A Boy and his Dog kein Kassenschlager war: Sein Einfluss auf die Popkultur – und unser Bild der Nach-Weltuntergangs-Gesellschaft – hat dieser kleine Film stark geprägt. Und zumindest bei einem Zuschauer hatte er Erfolg: L. Q. Jones organisierte eine private Vorführung des Films für Harlan Ellison, dessen Geschichte Jones in vielen Belangen umgeschrieben hatte. Daher fürchtete der Regisseur die Reaktion des notorisch jähzornigen Ellison auf seine Änderungen und wollte kein Publikum dabei haben. Nach dem Film, so erzählt es Jones, sei Ellison dann rasch aufgestanden, wäre in wenigen großen Schritten auf den Regisseur zugegangen und hätte ihm euphorisch die Hand geschüttelt. „Das ist die Geschichte, die ich geschrieben habe!“ soll er dabei gesagt haben. Allerdings hatte Harlan Ellison dann doch eine große Kritik: Das Ende habe ihm überhaupt nicht gefallen.

Trotzdem gehört A Boy and his Dog zu den Filmen, die zumindest spirituell nah am Werk von Harlan Ellison bleiben. Darauf, und den Kultstatus des Films, ist L. Q. Jones auch heute noch stolz und bezeichnet A Boy and his Dog als die wichtigste Arbeit seines Lebens.

A Boy And His Dog - trailer

Retro-Kiste: Ich hab gedacht, es wäre Weihnachten – Gremlins

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Gremlins

Gremlins – Kleine Monster schafft es bereits während des Vorspanns, eine wunderschöne Weihnachtsatmosphäre aufzubauen: Darlene Love Weihnachtssong "Christmas (Baby please come Home)" schallt auf den Boxen, während der Zuschauer auf den verschneiten Marktplatz des Städtchens Kingston Falls herab schaut. Festlich geschmückte Läden und spielende Kinder im Schnee runden das perfekte Bild der vorweihnachtlichen US-Kleinstadt ab.

Diese Idylle ist aber nicht von Dauer, schließlich ist Gremlins ein Horrorfilm, und so schleicht sich auch hier das Grauen ins Weihnachtsglück – und damit ist nicht Mrs. Deagle gemeint, die über den Ort herrscht wie ein weiblicher Ebenezer Scrooge und gleich zu Beginn den jungen Helden Billy Peltzer droht, seinen Hund umzubringen. Solch eine Figur gehört zum festen Inventar eines jeden nostalgischen Weihnachtsfilms. Das Böse kommt in Joe Dantes Monsterfilm zunächst auf plüschigen Pfoten daher.

"Fantastische Ideen für eine fantastische Welt – Ich mache das Unlogische logisch."

Aber der Reihe nach: Vor dem Vorspann und dem seligen Weihnachtsglück in Kingston Falls sieht man Randall Peltzer, der in New York ein Weihnachtsgeschenk für seinen Sohn Billy sucht. In Chinatown gelangt er auf nicht ganz legale Weise an den Mogwai Gizmo. Von dem Enkel des Ladenbesitzers bekommt er beim Verkauf drei Regeln zur Haltung des niedlichen Mogwais eingeschärft.

Setze ihn nie grellem Licht oder gar dem Sonnenlicht aus, denn das kann die Kreatur töten. Lass den Mogwai nicht nass werden. Und die letzte und wichtigste Regel: Gib ihm nach Mitternacht nichts mehr zu fressen. Der Film wäre recht langweilig, wenn es Billy gelänge, sich an alle Regeln zu halten.

Gremlins

So kommt es zwangsläufig zu einer Verkettung unglücklicher Umstände: Erst entspringen Gizmos Rücken beim Kontakt mit Wasser mehrere neue Mogwais, die natürlich nach Mitternacht an Nahrung gelangen. Die plüschigen Wesen verwandeln sich in monströse Gremlins, welche im Laufe des Films die anfängliche Weihnachtsidylle und die gesamte Kleinstadt Stück für Stück zerschlagen.

"Nun dann wissen Sie ja nun, worum Sie den Weihnachtsmann bitten können."

Die Regie bei Gremlins – Kleine Monster führte Joe Dante. Der Regisseur begann seine Karriere 1978 mit den Horrorfilm Piranhas. 1981 folgte Das Tier und drei Jahre später hatte Dante mit dem weihnachtlichen Monsterfilm seinen endgültigen Durchbruch. 1990 inszenierte er dann die Fortsetzung Gremlins 2 – Die Rückkehr der kleinen Monster, welche der Regisseur selbst mehr schätzt als den ersten Teil.

Dante hatte bei Gremlins prominente Unterstützung: Das Drehbuch schrieb Chris Columbus, der sechs Jahre später mit der Weihnachtskomödie Kevin - Allein zu Haus auch als Regisseure bekannt wurde. Weltberühmt dürfte er spätestens ab 2001 durch die Verfilmung der ersten beiden Harry-Potter-Romane geworden sein.

Neben Dante und Columbus war vor allen Steven Spielberg am Erfolg des Monsterfilms beteiligt. In den 80er-Jahren schien Spielberg an allen fanatischen Filmprojekten mitgewirkt zu haben, obwohl er in dem Jahrzehnt als Regisseur nur bei den ersten beiden Indiana-Jones-Filmen und E.T. - Der Außerirdische in Erscheinung trat. Dafür produzierte er Erfolgsfilme wie Zurück in die Zukunft, Die Goonies, Poltergeist, Die Reise ins Ich, Das Wunder in der 8. Straße und eben Gremlins.

Für die meisten Schauspieler erwies sich der Horrorfilm jedoch nicht als Karrieresprungbrett. Hauptdarsteller Zach Galligan war außer bei der Fortsetzung anschließend nur in kleineren Kinorollen, TV-Filmen und verschiedenen Serienfolgen zu sehen. Seine Filmpartnerin Phoebe Cates hatte durch die Teenie-Komödie Ich glaub' ich steh' im Wald schon eine gewisse Bekanntheit erlangt – die große Filmkarriere blieb aber auch ihr verwehrt.

Einige Darsteller waren zumindest in den 80er-Jahren immer wieder im Kino zu sehen, wenn auch viele von ihnen in den kommenden Jahrzehnten von den Bildschirmen verschwanden. Judge Reinhold dürfte durch seine Rolle als Detectiv Billy Rosewood in der Beverly-Hills-Cop-Reihe sowie durch Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone bekannt sein. 1994 war er noch in der Weihnachtskomödie Santa Clause - Eine schöne Bescherung mit dabei.

Dick Miller ist als Murray Futterman wieder in Gremlins 2 zu sehen und gehörte mit vielen kleinere Auftritte in Dantes anderen Filmen (Das Tier, Explorers, Matinée) scheinbar zum festen Inventar des Regisseurs. Corey Feldman, der in Gremlins den Jungen Pete spielt, hat quasi seine ganze Kindheit in 80er-Jahre-Kinofilmen (Die Goonies, Stand by Me) verbracht, bevor er als Teenager (Meine teuflischen Nachbarn) seinen Zenit als Kinderstar überschritten hatte.

Frances Lee McCain spielte Billys Mutter Lynn Peltzer. Die Schauspielerin war in einer ganz ähnlichen Rolle auch in Zurück in die Zukunft zu sehen. Dort spielte sie im Jahr 1955 die Mutter von Lorraine Baines und somit Marty McFlys Großmutter. Dies ist nicht die einzige Verbindung zwischen den beiden Filmen. So ist das Set für Kingston Falls dasselbe, welches ein Jahr später als Kulisse für Zurück in die Zukunft diente. Steven Spielberg ist nicht nur ein guter, sondern scheinbar auch ein sehr sparsamer Produzent.

Gremlins

Aber der Erfolg des Monsterfilms liegt vor allen an der technischen Umsetzung der Kreaturen. Hierfür was Chris Walas verantwortlich, der später auch bei Enemy Mine - Geliebter Feind und dem Remake von Die Fliege die Spezialeffekte schuf. Bei der Kreation der Mogwais und Gremlins hat er sehr gute Arbeit geleistet. Seine Monster können ganz ohne den Einsatz CGI auch heute überzeugen.

Joe Dante schätzt das Kino und thematisiert diese Leidenschaft oft in seinen Filmen wie in seiner Kinohommage Matinee oder, der Film-im-Film-Szene in Gremlins 2. Aber auch bereits in Gremlins sind viele Anspielungen auf andere Kinofilme zu finden. So spielt Gizmo auf einem Spielzeugklavier die Musik aus Unheimliche Begegnung der dritten Art. Das Kino zu Beginn von Gremlins in Kingston Falls zeigt die Filme A Boy's Life und Watch The Skies, beides Arbeitstitel von Spielbergs E.T. - Der Außerirdische und Unheimliche Begegnung der dritten Art. Außerdem sind Ausschnitte aus Das Leben ist schön und Die Dämonischen zu sehen.

Auf der Erfindermesse sind im Hintergrund Robby der Roboter aus Alarm im Weltall und die Zeitmaschine aus dem gleichnamigen Klassiker aus dem Jahr 1960 zu sehen. Nicht zu vergessen, dass der Showdown des Films in einem Kino spielt, in dem sich die Gremlins den Trickfilm Schneewittchen anschauen.

Hier ist auch Dantes schwarzer Humor zu erkennen. Eine friedliche Weihnachtsfeier ist in dem Film keinen vergönnt. Die Menschen werden aus Weihnachtsbäumen heraus von Gremlins attackiert und wer, wider besseren Wissens, doch bei Gefahr die Treppe herauf flieht, muss auf die harte Tour lernen, dass er dabei besser nicht den Treppenlift nehmen sollte.

"Während überall Weihnachtsgeschenke geöffnet werden, öffnen sie sich die Pulsadern."

Wie oft bei Dante wird die fieseste Geschichte scheinbar ganz nebenbei im Dialog zwischen Billy und der von Phoebe Cates gespielten Heldin erzählt. Ihre Begründung, warum sie Weihnachten seit ihrer Kindheit immer gehasst hat, ist quasi das genaue Gegenteil von der heilen Weihnachtswelt zu Beginn des Films.

Trotzt der weihnachtlichen Atmosphäre startete Gremlins 1984 nicht wie geplant im Dezember, sondern bereits im Sommer. Das Filmstudio Warner Bros. wollte so dem Film Ghostbusters Konkurrenz machen. Seit der Fortsetzung gibt es immer wieder Gerüchte um einen dritten Teil oder ein Reboot der Reihe, an denen auch Chris Columbus beteiligt sein soll. Konkrete Informationen gibt es zurzeit nicht.

Gremlins lässt die Zuschauer mit einigen offenen Fragen zurück: Was passiert, wenn man einen Mogwai füttert, während man mit einem Flugzeug die Datumsgrenze überquert? Warum vermehren sich Gremlins eigentlich nicht im Schnee? Und was ist eigentlich aus dem Gremlin geworden, den Billy allein in der Schule zurückgelassen hat?

Vielleicht bekommt man die Antworten irgendwann in einem dritten Gremlins-Film – vielleicht sind sie aber auch gar nicht nötig, weil der Film auch so die perfekte Unterhaltung für Menschen, die Weihnachten mögen, und solche, die das Fest nicht leiden können, bietet.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Warner Bros./Amblin Entertainment

GREMLINS - Trailer Deutsch HD German

Retro-Kiste: Wer glaubt denn schon an Drachen? – Die Comicserie Bone

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Bone

Auf den ersten Blick scheinen die drei Bones nicht so recht in eine Fantasysaga voller Monster, Verschwörungen und mutiger Helden zu passen. Zu niedlich wirken die Figuren aus der Feder von Jeff Smith für ein großes episches Abenteuer.

Dennoch gehört die Serie Bone zu den großen Werken innerhalb des Genres ohne auf typische Vertreter der High Fantasy wie Zwerge oder Elfen, zurückzugreifen – nur Drachen bekommen ihren Auftritt, aber wer glaubt denn schon an Drachen?

Die Vettern Fone Bone, Smiley und Phoney haben sich in einer Wüste verirrt. Die drei weißen Wesen, deren Kopfform entfernt an Knochen erinnert, wurde aus Boneville verjagt. Es gibt verschiedene Versionen, warum sie ihrer Heimatstadt verlassen mussten, bei denen verdorbener Pflaumenkuchen, Giftmüll oder ein riesiger Werbeballon eine Rolle spielen. Klar ist nur, dass einer der raffgierigen Pläne von Phoney aufgeflogen ist.

Durch einen Heuschreckenschwarm werden die drei Bones getrennt. Auf der Flucht vor den Insekten gelangt Fone Bone in ein idyllisches Tal. Dort jagen ihn zwei Rattenmonster, denen er nur durch das Eingreifen eines geheimnisvollen roten Drachen entkommt.

Durch den Ratschlag der Wanze Ted trifft Bone auf Thorn, die mit ihrer Großmutter in einer abgelegenen Hütte im Wald lebt. Leider können die beiden Fone Bone und seinen Vettern auch nicht den Weg zurück nach Boneville weisen.

Die Hütte wird nachts von weiteren Rattenmonstern angegriffen, welche hinter den Bones her sind. In letzter Sekunde rettet sie wieder der rote Drache – den außer Bone auch Großmutter Buster zu kennen scheint. Aber ihre unheimlichen Feinde planen bereits ihren nächsten Angriff und Thorn plagen zudem seltsame Albträume, in denen der mysteriöse Herr der Heuschrecken zu ihr spricht.

„Wir gehören nicht hierher ... ich meine, sieh dir mal diese Leute an: Die glauben an Träume."
Fone Bone, Kapitel 38

Was zunächst als eine heitere Geschichte beginnt, wächst im Laufe der Handlung zu einem klassisch anmutenden Fantasyepos heran. Thorn und die Bones erfahren mehr über die Vergangenheit von Großmutter Buster und dem roten Drachen, müssen sich neuen Feinden, wie den undurchsichtigen Berglöwen Rock Ra, stellen und zuletzt in der alten Hauptstadt Atheia gegen innere und äußere Feinde kämpfen.

Bone fängt scheinbar mit einzelnen Cartoon-Episoden an. So funktionieren die ersten Begegnungen von Fone Bone mit dem roten Drachen, den Rattenmonster oder den Tieren im Wald als lustige kleine Einzelgeschichten, die nicht zwingend auf eine große Erzählung hinaus laufen müssten. Dabei arbeitet Smith stark mit Bildwitzen, wie zum Beispiel beim plötzlichen einsetzenden Wintereinbruch, als keine einzelnen Flocken vom Himmel rieseln, sondern gleich die geschlossene Schneedecke von oben herab fällt.

Nachdem sich die Vettern in Bumper Hill wieder getroffen haben, stehen zunächst noch Phoneys Pläne und das traditionelle Kuhrennen im Vordergrund, aber die vielen kleinen Andeutungen vom Anfang verdichten sich immer mehr zu einer Fantasysaga mit dunklen Bedrohungen und fiesen Monstern. Die lustigen Comic-Elemente verschwinden nie komplett aus der Serie. So ziehen sich die beiden dämlichen Rattenmonster, welche sich nie entscheiden können, ob sie aus ihren Opfern Gulasch oder Auflauf machen sollen, als Running Gag bis zum Schluss durch die Handlung.

„Sieh ihn dir an, er gäbe doch wirklich ein leckeres Gulasch ab!" „Und das kommt noch hinzu: Ich hab die Nase voll von Gulasch! ... Ich will ihn für einen Auflauf verwenden." „Für einen Auflauf! Das ist doch keine Ernährung für Ungeheuer!"
Die beiden dämlichen Rattenmonster, Kapitel 1

Fone Bone, Smiley und Phoney lassen den Betrachter nicht nur durch ihren niedlichen Zeichenstil an typische Disney-Figuren denken. Phoney erinnert mit seiner Goldgier und seinen skrupellosen Geschäftsidee stark an Onkel Dagobert.

Smiley hingegen ähnelt durch seine Größe und seine vordergründige Einfachheit Goofy. Aber die Figur ist auch das Herz der drei Vettern – mehr als einmal ist es scheinbar der so simple Smiley, der in den entscheidenden Momenten Fone Bone und Phoney Mut zu spricht und ihnen den Weg zu den richtigen Entscheidungen weist.

Fone Bone ist die klassische Heldenfigur, der sich aus Liebe zu Thorn ins Abenteuer stürzt. Dabei ist er nicht der große übermächtige Krieger, sondern eher ein Hobbit, der ins Abenteuer hinein stolpert und daran wächst.

Ihre Heimat Boneville scheint im Gegensatz zum Tal ein moderner Ort zu sein. So berichtet Fone Bone in seinen Erklärungen, warum man seinen Vetter Phoney fortgejagt hat, von Atomkraftwerken oder Giftmülldeponien. Allerdings wundern sich die Bones auch nie darüber, dass sie in einer mittelalterlichen Welt gestrandet sind.

Smiths Fantasywelt ist trotz all der dunklen Wesen ein recht idyllischer Ort. Der Beginn, als Fone Bone den Winter bei den Tieren im Wald verbringt, erinnert entfernt an den Hundert-Morgen-Wald in Pooh der Bär, nur mit üblen Rattenmonstern als Bedrohung im Hintergrund.

In seiner Serie verzichtet Smith auf übermäßige Gewaltdarstellungen, um ein realistisches Pseudomittelalter zu zeigen – auch wenn durchaus Blut fließt, Figuren der Arm abgeschlagen wird und nicht alle Helden bis zum Ende überleben. Neben dem europäischen Mittelalter stand auch der amerikanischen Siedlermythos Pate für das Tal und seine Bewohner. Dieses wird noch durch Auswahl der auftretenden Tiere (Oppusum und Puma) unterstützt.

„Was soll das heißen? Du glaubst an Rattenmonster, warum dann nicht an Drachen?"
Fone Bone, Kapitel 3

Jeff Smith ist nicht nur der Autor, sondern auch der Zeichner von Bone. Er versteht es sehr gut, mit wenigen Strichen Slapstickszenen sowie auch komplette Naturlandschaft darzustellen. Diese entwickeln auch oder gerade in der schwarz/weiß-Ausgabe eine komplette Fantasywelt im Kopf des Lesers zum Leben. Kritisch anmerken kann man, dass manchmal die Proportionen von einigen Figuren nicht zu stimmen scheinen, was aber insgesamt gesehen wenig stört.

Die Comicreihe startete im Jahr 1991 und fand 13 Jahre später ihr Ende. Smith veröffentlichte die Abenteuer der Bones in 55 einzelnen Heften im Eigenverlag sowie zwischenzeitlich bei Image Comics. 2004 veröffentlichte der amerikanischen Verlag Scholastic Press eine farbige Ausgabe der Serie. Auf Deutsch erschien Bone zunächst schwarz/weiß in 20 Bänden bei Carlsen. Eine kolorierte Ausgabe gibt es zurzeit bei Popcom Comics.

Neben der abgeschlossen Handlung rund um die Abenteuer von Fone Bone und Thorn gibt es noch zwei Sonderbände, welche die Abenteuer von Big Johnson Bone, dem Gründer von Boneville, sowie der Jugendzeit von Großmutter Buster erzählen. Außer Bone hat Smith noch die Steinzeitsaga Tuki und die Geschichte über Rasl, der in Paralleldimensionen auf Diebestour geht, geschrieben. Zudem arbeitete er für DC an Shazam!: The Monster Society of Evil mit.

Seit längerem ist eine Verfilmung von Bone geplant. Im November 2016 wurde bekannt, dass Mark Osborne (Kung Fu Panda) die Regie übernehmen soll. Bei der Adaption soll es sich voraussichtlich um einen Animationsfilm handeln, der in drei Teilen in die Kinos kommen soll.

Mit Bone hat Jeff Smith die Fantasy nicht neu erfunden. Durch die Mischung aus Cartoon und klassischem Epos auf der einen und einer Welt zwischen Moderne, Mittelalter und amerikanischen Siedlermythos auf der anderen, hat er dem Genre aber seinen eigenen Stempel aufgedrückt.

Das Comic zieht dem Leser sofort durch die liebevollen Figuren in seinen Bann. Auch nach mehrmaligem Lesen der kompletten Serie schlägt man den letzten Comicband ein wenig wehmütig zu, da man sich von all den lieb gewonnen Helden und Rattenmonstern verabschieden muss.

„Liest du uns aus Moby Dick vor? Ich will den Kleinen beibringen, wie man nach dem Essen ein Nickerchen macht." „He! Das ist Literatur und kein Schlafmittel!" „Du willst darüber diskutieren? Noch besser!"
Smiley und Fone Bone, Kapitel 28

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Jeff Smith/Cartoon Books/Scholastic Press

Retro-Kiste: Meine teuflischen Nachbarn - Das riecht ja, als ob die da drüben eine Katze grillen

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Meine teuflischen Nachbarn

Was wären die 80er-Jahre ohne Joe Dante? Der Regisseur, der seine Karriere 1978 mit den Horrorfilm Piranhas begann, prägte zusammen mit Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft), James Cameron (Terminator), Richard Donner (Die Goonies), Ridley Scott (Blade Runner), Ron Howard (Willow) und vor allen Steven Spielberg (E. T.) den fantastischen Film dieses Jahrzehnts. 1981 drehte Dante Das Tier. Drei Jahre später hatte er mit Gremlins – Kleine Monster seinen endgültigen Durchbruch.

Es folgten Explorers – Ein phantastisches Abenteuer und Die Reise ins Ich. In den 90er-Jahren inszenierte er noch die Fortsetzung Gremlins 2 – Die Rückkehr der kleinen Monster oder Small Soldiers mit Kirsten Dunst in der Hauptrolle. Dann wurde es lange still um den Regisseur, und er geriet ein wenig in Vergessenheit – außer man schaut sich jedes Jahr zu Weihnachten wieder Gremlins an.

Im Vergleich zu seinen anderen Erfolgen aus den 80er-Jahren ist auch die Horrorkomödie Meine teuflischen Nachbarn ein wenig in Vergessenheit geraten. Der Film aus dem Jahr 1989 fährt immerhin Tom Hanks als Hauptdarsteller auf – obwohl das auch wieder nichts heißen will, da Hanks (Splash: Jungfrau am Haken, Big, Schlappe Bullen beißen nicht, Scott & Huutsch) zwischen 1980 und 1989 gefühlt in jeder zweiten Komödie mitgespielt hat.

"Kleinstädte sind voll von solchen Geschichten."

Im Vorspann des Films ist das Markenzeichen des Filmstudios Universal zu sehen. Von diesem Globus wird dann langsam immer näher auf die Erdoberfläche herangezoomt. Am Ende blicken die Zuschauer in eine typische amerikanische Vorstadtstraße – dem Handlungsort von Dantes Meine teuflischen Nachbarn.

Das heißt, ganz so typisch ist die Vorstadtidylle nicht. Ein heruntergekommenes Haus mit vertrocknetem Vorgarten stört die nächtliche Perfektion der Sackgasse. Ray Peterson, einer der Bewohner der Straße, steht im Pyjama vor seinem Haus und starrt zu der Bruchbude hinüber. Seltsame Geräusche und Lichter, die aus dem Gebäude dringen, haben ihm geweckt.

"Ich beobachte die schon, seit sie hier angekommen sind – niemand geht rein, niemand kommt raus."

In das unheimliche Haus ist vor Kurzem die Familie Klopek eingezogen, welche von den anderen Nachbarn misstrauisch beäugt wird. So stößt Ray auf offene Ohren, als er seinen Nachbarn Art Weingartner, den ehemaligen Soldaten Rumsfield und den jugendlichen Ricky Butler am nächsten Morgen von seinen nächtlichen Beobachtungen berichtet.

Von dieser Ausgangslage entwickelt sich schnell eine temporeiche Handlung mit immer absurderen Situationen. Die Nachbarn versuchen auf verschiedenen Wegen, mehr über ihre seltsamen Nachbarn – die Theorien reichen von einfachen Kriminellen bis zu satanischen Sektenmitgliedern – herauszufinden.

Als die naheliegendste Methode – einfach an der Tür zu klingeln und sich vorzustellen – misslingt, greifen die Bewohner der Sackgasse zu härteren Methoden: Sie beobachten die Klopeks nachts mit Infrarotbrillen, durchwühlen ihren Müll und dringen in ihren Garten ein. Ihr Misstrauen wächst, als ein älterer Herr aus ihrer Nachbarschaft scheinbar spurlos verschwindet – zurück bleibt nur sein Toupet.

Da kann auch ein von Rays Ehefrau Carol arrangiertes Treffen mit den Klopeks die Vorurteile nicht abbauen. Als sowohl ihre Ehefrauen als auch die Familie Klopek am Wochenende wegfahren, holen Ray und seine Nachbarn zum finalen Schlag gegen die teuflischen Hausbewohner aus. Es endet im Chaos – welches nur noch Ricky und seine jugendlichen Freunde als Zuschauer des Spektakels genießen können.

"Da gibt es gar keinen Zweifel mehr. Es ist Realität. Deine Nachbarn ermorden lebende Menschen."

Neben Tom Hanks als Ray Peterson ist Sternenprinzessin Carrie Fisher (Blues Brothers) als seine Ehefrau Carol zu sehen. Als ihre Nachbarn sind Corey Feldman (Stand by Me) als Ricky Butler, Rick Ducommun (Mel Brooks' Spaceballs) als Art Weingartner, Bruce Dern (Lautlos im Weltraum) als Ex-Sergeant Rumsfield und Wendy Schaal (Das Wunder in der 8. Straße) als Bonnie Rumsfield mit dabei. Die unheimlichen Familienmitglieder der Klopeks werden von Courtney Gains (Can't Buy Me Love), Brother Theodore (Das letzte Einhorn) und Henry Gibson (Die Reise ins Ich) dargestellt.

Außerdem ist Robert Picardo als Müllmann zu sehen, der auch schon in Dantes Das Tier, Explorers, Gremlins 2 und Matinée kleinere Auftritte hatte, aber dem breiten Publikum als Holo Doc in der Serie Star Trek: Raumschiff Voyager bekannt sein dürfte. Sein Kollege wird von Dick Miller dargestellt, der auch in mehreren Filmen des Regisseurs mit dabei ist, unter anderen als Murray Futterman in den beiden Gremlins-Filmen.

Die Filmmusik stammt von dem Komponisten Jerry Goldsmith, der mit den Soundtracks zu Poltergeist, Rambo, Explorers, Gremlins und Total Recall Die totale Erinnerung die Kinofilme der 80er-Jahre musikalisch prägte.

Meine teuflischen Nachbarn ist eine typische Komödie des Jahrzehnts, welche sich über spießige Vorstadtbewohner lustig macht, ohne dabei allzu böse zu werden. Dante besitzt durchaus einen hintergründigen Humor. Aber jeder subtile Ansatz im Film wird schnell wieder im Klamauk erstickt.

Am Ende schreit der Film seine Moral deutlich erkennbar heraus. Allerdings ist Joe Dante so etwas wie der böse Zwilling von Steven Spielbergs. Erkennbar am Twist zum Ende von Meine teuflischen Nachbarn. Wo Spielbergs Filme oft gut oder zumindest moralisch eindeutig enden, lässt Dante die Zuschauer etwas ratlos zurück. Wurde nicht gerade noch genau das Gegenteil vermittelt? Vielleicht ist der Sieg der Vorstädter und das vermeintliche Happy End gar keines, sondern eher eine neue Bedrohung?

"Das hier ist die Wirklichkeit. Hier bin ich aufgewachsen."

Dem Regisseur geht es um die Wahrnehmung des Fremden. Der Hauptgrund, warum die Nachbarn den Klopeks nicht über den Weg trauen, ist aber nicht ihre osteuropäische Herkunft, sondern vielmehr die mangelnde Pflege ihres Vorgartens und ihr unangepasstes Benehmen. Die Klopeks verhalten sich nicht wie die restlichen Bewohner der Straße – und sind zudem die ideale Ablenkung davon, dass Ray und seine Freunde sich oft untereinander nicht allzu grün sind.

Horrorfilme spielen fast immer mit der Furcht vor dem Fremden und Unbekannten. Dante hat seine Geschichte ganz bewusst nicht in einer verlassenen Moorlandschaft oder einer verfallenen Burgruine angesiedelt, sondern in einer spießigen Stadtrandsiedlung.

Anders aber als zum Beispiel John Carpenters Vorstadt-Slasher Halloween, steht der Horror nie im Vordergrund. Es erstaunt deswegen schon, dass der Film eine Altersfreigabe ab 16 bekommen hat. Die einzige ansatzweise gruselige Szene ist Tom Hanks Alptraum sowie einige Knochen und Totenschädel.

Es sind die kleinen nebenbei erzählten Geschichten über die vergangenen Verbrechen in der Siedlung, die den realen Horror anklingen lassen. Eigentlich benötigen die amerikanischen Vorstädte keine fremden Teufelsanbeter, die wahren Monster wohnen schon längst vor Ort.

Dantes Kunststück ist es, das eigentlich ernste Thema nie zu schwer werden zu lassen. Ray und seine Nachbarn werden nie als unsympathische Wutbürger zu Schau gestellt, sondern als die naiven Spießer entblößt, die sie sind. Selbst bei ihren schwachsinnigsten Aktionen kann man bedenkenlos mit ihnen mitfiebern und lachen.

Für eine 80er-Komödie ist der Film recht gut gealtert. Auch nach wiederholten Anschauen des Films kann man sich Ricky Butlers Ausspruch am Ende des Films immer noch anschließen:

"Junge, ich liebe diese Straße!"

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Imagine Entertainment/Universal Pictures

"The 'Burbs (1989)" Theatrical Trailer

Retro-Kiste: Schmeißen Sie nicht noch mal mit Köpfen nach mir – Lake Placid

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Lake Placid

Es gab eine Zeit, da hatten Horrorfilme mit Krokodilen, die in der Kanalisation zu wahren Monstern heranwachsen, ihren festen Sendeplatz im Fernsehen. Zu Beginn der Neunzigerjahre zeigte RTL spät am Heiligabend immer den Film Der Horror-Alligator von Lewis Teague. Alligator, so der schlichte Titel im Original, dürfte somit wohl der bekannteste Krokodilschocker sein, aber nicht der beste. Das ist Lake Placid von Steve Miner.

Der Regisseur war kein Neuling im Horrorgenre, als er seinen ersten Tierhorrorfilm inszenierte. Miner hatte bereits zwei Fortsetzungen zu Freitag der 13., Warlock - Satans Sohn und Halloween H20 gedreht, bevor er 1999 die Regie bei Lake Placid führte.

Der Film beginnt idyllisch mit einer Kamerafahrt über den friedlichen See. Dort sitzt Sheriff Hank Keough (Brendan Gleeson) in einem Boot und diskutiert mit einem Mitarbeiter US-Forstbehörde über die Ironie von Stadtmenschen. Der Mann entzieht sich den weiteren Argumenten des Sheriffs, in dem zu einem Biberbau taucht. Unterwasser wird er allerdings von etwas Großem angefallen. Als der Sheriff Keough ihm vom Boot aus zur Hilfe kommt, kann er nur noch die obere Hälfte des toten Tauchers an Bord ziehen.

„Hier ist noch nie jemand verschwunden und hier ist noch nie etwas Ungewöhnliches passiert."

Der Vorfall zieht seine Kreise, und der Wildaufseher Jack Wells (Bill Pullman) von der US-Forstbehörde wird zum See gesandt. Er soll ermitteln, welches Tier für den Angriff verantwortlich sein könnte. Zeitgleich kommt die New Yorker Paläontologin Kelly Scott (Bridget Fonda) in Maine an. Sie soll den Zahn untersuchen, welcher in der Leiche des Tauchers steckte. Scott hat sich nur unfreiwillig aus ihrem sicheren Museumsbüro in die Wildnis aufgemacht. Aber für ihren Chef war die Anfrage aus Maine eine gute Gelegenheit seine Ex-Geliebte eine Weile los zu werden.

Mit einigen Deputy (irgendwas muss das Krokodil im Laufe des Films ja fressen) schlagen sie am Ufer des Sees ihr Lager auf. Dort landet schließlich auch der Helikopter des exzentrischen Krokodilforschers Hector Cyr (Oliver Platt), der sich sehr zum Unwillen des Sheriffs der Truppe anschließt.

Soweit klingt Lake Placid nach einem typischen Tierhorrorfilm. Ein Genre, welches selten Meisterwerke wie Der weiße Hai hervorbringt. Oft handelt es sich um klassische B-Movies oder gar C-Movies mit schlechten Schauspielern und miesen Tieranimationen. Bereits in den ersten Minuten des Films wird deutlich, dass dies in Lake Placid anders ist.

„Wir sind gerettet, ein Museum in New York hat uns eine Spezialistin vorbei geschickt."

Außer Brendan Gleeson (Mr. Mercedes, The Guard, Edge of Tomorrow) standen die Hauptdarsteller 1999 auf den Höhepunkt ihrer Karriere. Bill Pullman hatte seinen endgültigen Durchbruch 1997 mit den beiden sehr unterschiedlichen Filmen Independence Day und Lost Highway. Seine Kollegin Bridget Fonda war mit dem Thriller Weiblich, ledig, jung sucht ... bekannt geworden und hatte bereits mit Quentin Tarantino Jackie Brown gedreht. Auch Oliver Platt dürfte dem Publikum 1999 noch aus dem Film Flatliners bekannt gewesen sein, auch wenn er nie zum richtig großen Hollywoodstar aufstieg.

Was mag also vier begabte Schauspieler bewogen haben, in einem Film über ein Killerkrokodil mitzuspielen. Vielleicht ein Blick ins Drehbuch. Autor David E. Kelley hatte zuvor die Fernsehserien Picket Fences – Tatort Gartenzaun und Ally McBeal mit entwickelt. Schon der erste Dialog zwischen dem Sheriff, dem Wildhüter und der Paläontologin zeigt, dass Kelley den Humor seiner Serien auch in seinen Horrorfilm mit einfließen lässt. Es kommt im weiteren Verlauf des Films immer wieder zu einem sehr unterhaltsamen und lustigen Schlagabtausch zwischen Gleesons Sheriff und Platts Krokodilforscher.

Der Film vergisst aber nie, den eigentlichen Horror zu zeigen. So verliert einer der Deputy bei einer Attacke des neun Meter langen Krokodils seinen Kopf. Zwischen den Krokodiljägern kommt es danach zur Debatte, ob man das einzigartige Tier nun lebend fangen oder auf der Stelle abknallen soll. Wild spekuliert wird auch über die Herkunft des Monsters. Dieses schlägt zwischendurch im Wasser und auch an Land immer wieder zu.

„Was auch immer da im See ist, ein Schuss hiermit, und es ist tot!"

Hier kommt der zweite Punkt hinzu, der Lake Placid nicht in einen billigen Trashfilm abgleiten lässt: die Spezialeffekte. Diese stammen von Stan Winston, der zuvor schon in den ersten beiden Terminator-Filme sowie in Predator 1 und 2 sein Können bewiesen hat. Sowohl während der Unterwasseraufnahmen als auch am hellen Tag an Land wirkt das Reptil stets lebensecht und bedrohlich.

Der Horrorfilm war so erfolgreich, dass es ab 2007 vier Fortsetzungen gab, die alle nicht an das Original herankamen. Von den ursprünglichen vier Hauptdarstellern kehrte niemand mehr für die Fortsetzungen zurück. Im fünften Teil der Reihe Lake Placid Vs. Anaconda muss das Monsterkrokodil gegen eine Riesenschlange aus der Anaconda-Fimreihe antreten. Für 2018 hat der Sender Syfy mit Lake Placid Legacy einen weiteren Film mit dem Killerkrokodil angekündigt.

Vom Spannungsaufbau, Komplexität und Bildsprache kommt Lake Placid nicht an Genreklassiker wie Alfred Hitchcocks Die Vögel und Steven Spielbergs Der weiße Hai heran. Aber das lag wohl auch nicht in Miners und Kelleys Absicht. Das Besondere an dem Horrorfilm ist die perfekt ausbalancierte Mischung aus Spannung, Horror und Humor. Mit diesem Mix ähnelt der Film eher Tremors - Im Land der Rakentenwürmer als den klassischen Vertretern der Tierhorrorgenres.

Wer jetzt nicht bis Heiligabend warten will, um sich mit der versammelten Familie in gemütlicher Atmosphäre mal wieder einen Krokodilschocker anzusehen, sollte vor dem Start der Badesaison einen Horrorfilmabend einplanen. Lake Placid ist die ideale Vorbereitung für den nächsten Besuch am Badesee. Auch wenn die Zeitungen in den letzten Sommern nur von bissigen Alligator-Schildkröten in den heimischen Badegewässern berichteten, weiß man nie, was dort noch so alles lauert. Besser man ist vorbereitet und hat zumindest eine Paläontologin an seiner Seite.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Fox 2000 Pictures/Phoenix Pictures/Rocking Chair Productions

LAKE PLACID (1999) Trailer GERMAN

Retro-Kiste: Heute, Morgen oder Übermorgen – Die Hörspielserie Jan Tenner

Wenn man sich die allererste Jan-Tenner-Folge anhört, wundert man sich schon ein wenig, dass die Hörspielreihe in den Achtziger Jahren so erfolgreich war. In Angriff der grünen Spinnen muss sich der Held in eine Riesenspinne verwandeln, um so die Erde zu retten. Die ganze Handlung spielt eindeutig nicht in der obersten Unterhaltungsliga und man befürchtet beim Titel der zweiten Hörspielkassette Tödlicher Nebel, der Held würde sich nun in eine rosa Wolke verwandeln – was nicht der Fall ist. Aber trotz aller Schwächen zeichnen sich in der ersten Episode bereits alle Stärken ab, welche die Serie in den kommenden 45 Folgen auszeichnen sollten.

Im Jahr 1980 veröffentlichte das Hörspiel-Label Kiosk, heute Kiddinx, die erste Hörspielkassette der Science-Fiction-Serie Jan Tenner. Bis 1989 folgten unter der Regie von Ulli Herzog 45 weitere Folgen. Herzog, der in den sechziger Jahren als Radiosprecher für den Sender Freies Berlin arbeitete, übernahm in der gesamten Reihe auch die Rolle des Erzählers.

Die Serie ist, aus Sicht der achtziger Jahre, in einer nahen Zukunft angesiedelt. So gibt es Sonnenkraftwerke, Laserkanonen und Supercomputer. Professor Futura, eine der Hauptfiguren, hat zudem verschiedene Seren entwickelt, die es Menschen ermöglicht zu fliegen, unter Wasser zu atmen, Gedanken zu lesen oder die Gestalt zu verändern. Gesprochen wird der Professor von dem Theaterschauspieler Klaus Nägelen, dessen Stimme auch in den Hörspielreihen Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg zu hören ist, die ebenfalls bei Kiosk unter der Regie von Ulli Herzog erscheinen.

Der eigentliche Held der Serie ist aber der junge sportliche Physikstudent Jan Tenner. Er steht dem Professor als Versuchskaninchen für seine Seren zur Verfügung und muss ein ums andere Mal die Welt retten. Gesprochen wird er von Lutz Riedel, der auch James-Bond-Darsteller Timothy Dalton im Deutschen seine Stimme leiht. Jan Tenner steht bei seinen Abenteuern Laura, die Assistentin von Professor Futura, zur Seite. Sie wird von Marianne Groß (Synchronstimme von Phylicia Rashād als Claire Hanks-Huxtable in der Bill Cosby Show) gesprochen.

Letzte, der ständig auftretende Hauptfiguren, ist General Forbett. Der General will am liebsten alle Problem mit Bomben oder Kanonen lösen, ist im Grunde aber ein gutmütiger Mensch. Ihm leiht Heinz Giese seine Stimme, der unter anderen Yul Brynner in Die glorreichen Sieben synchronisierte.

Die ersten sechs Episoden schrieb Dick Farlow alias H. G. Francis (Die Gruselserie). Danach stammen die Geschichten aus der Feder von Kevin Hayes alias Horst Hoffmann (Perry Rhodan). Der Wechsel der Autoren macht sich in der Serie stark bemerkbar. Bei Francis gibt es immer eine Bedrohung pro Folge, die von Jan mithilfe eines Serums des Professors überwunden wird.

Mit der Folge "Finsternis über Westland" übernimmt Hoffman die Serie als Autor. Jetzt gibt es einen Folgen übergreifenden Erzählbogen, in den durch kleine Korrekturen auch die ersten sechs Episoden eingebunden werden. Den Höhepunkt bildet sicherlich die Suche nach dem Stein der Macht, welche sich über acht Kassetten erstreckt. Trotzdem ist fast jede Jan-Tenner-Episode ohne Vorwissen zu verstehen. Nicht groß weiter entwickelt werden hingegen die Figuren. So bleibt die Beziehung von Laura und Jan immer in der Flirt- und Picknick-Phase stecken.

"Nun Laura habe ich Dir zu viel versprochen, ein Picknick im Mondschein. Du und ich ganz allein im stillen Rockytal. Um uns herum die friedliche Natur und ..."
"Mein lieber Jan, ich habe Deine Einladung zu diesem Picknick nur angenommen, weil ich nach dem Aufregungen der letzten Zeit mal ausspannen wollte. Vergiss das bitte nicht!"

Jan und Laura, Folge 31 "Die Steinzeitseuche"

Jan Tenner und seine Freunde leben im fiktiven Staat Westland, welcher in den ersten Folgen von verschiedenen Aliens bedroht wird. Meist beruhen die Angriffe auf einem Missverständnis, welches am Ende der Episode aus dem Weg geräumt werden kann. Anders ist das bei den aggressiven Leonen, die an die Uranvorkommen der Erde heran wollen. Unter anderem versuchen sie ihre Pläne mit künstlichen Vulkanausbrüchen ("Red-Rock in Flammen"), geheimer Unterwanderungen der Menschheit ("Invasion der Androiden") oder Killerpflanzen ("Angriff der Weltraumpflanzen") zu verwirklichen.

In der zehnten Folge taucht mit Professor Zweistein (Klaus Miedel) zudem ein weiterer wiederkehrender Gegner auf. Mit dem gestohlenen Wissen von Professor Futura versucht der irre Wissenschaftler, die Weltherrschaft zu erlangen ("Der wahnsinnige Professor" oder "Die Zeitfalle").

"Warum sollte Zweistein Mitleid mit Euch törichten Menschen haben?"
"Zweistein, Sie sind doch auch ein Mensch."
"Ich bin ein Genie. Ich bin der erste Übermensch! Werden Sie mit den Leonen allein fertig und halten Sie mich nicht auf."

Professor Zweistein und Oberst Anderson, Folge 17 Zweisteins Falle

1984 führt Hoffmann in "Zweisteins Falle" die beiden Gegner der Menschheit in einer Geschichte zusammen. Jan Tenner, Laura, Professor Futura und General Forbett fliegen mit dem Raumschiff Silbervogel ins Weltall. Nachdem sie die Machenschaften Zweisteins verhindert haben, können sie nicht nach Hause zurückkehren. Die Leonen haben den Planeten besetzt und abgeriegelt. Die einzige Hoffnung zur Befreiung der Erde, ist der sagenhafte Stein der Macht – doch auch Zweistein ist längst hinter dem Artefakt her.

So beginnt ein Wettlauf durch das All auf der Suche nach dem Planeten der 1000 Wunder. Die Helden landen auf einem Planeten mit Vogelmenschen, einer Wasserwelt ("Der Schatz von Lurya"), einen Waldplaneten ("Die grüne Hölle") und auf einem Totenschiff – die wohl gruseligste Folge der Serie. Während der Weltraumodyssee zeigen sich deutlich die Stärken der Reihe. Zum einen der Senses of Wonder, der sich deutlich näher an Flash Gordon als an Star Trek orientiert.

Außerdem wird an Bord des Silbervogels das Zusammenspiel der vier Helden untereinander vertieft und weiter ausgebaut. Mit dem Bordcomputers Mimo (Wilfried Herbst) kommt auch eine neue ständig wiederkehrende Figur hinzu. Der General erhält in Mimo einen Gegenpart, der ihn ständig in Auseinandersetzungen und Streitereien verwickelt.

"General, General, verscherzen Sie sich nicht meine Sympathie, die ich gerade eben für Sie entdeckt habe."
"Ach, Du kannst mich mal!"

Mimo und General Forbett, Folge 17 "Zweisteins Falle"

Nachdem die Erde befreit wurde, folgen ein paar Hörspielkassetten, in denen sich die Helden mit den Hinterlassenschaften der Leonen ("Explosion der Sonne") und den irren Plänen Zweisteins ("Die Steinzeitseuche") herumschlagen müssen. Erst 1986 treten in der Folge "Planet der Puppen" neue dauerhafte Feinde aus einem anderen Universum auf. Jan Tenner muss schließlich im dunklen Imperium gegen das Nichts kämpfen.

Zum Ende der Reihe gibt es jeweils zwei Doppelfolgen mit neuen Bedrohungen. Wobei die beiden Kassetten über das Unterseevolk der Azzarus sicher die bessere Geschichte erzählen. "Invasion der Ginnicks" und "Krieg der Planeten" bieten mit den niedlichen Aliens allerdings die unterhaltsameren Gegner. Auch die 45. Episode "Zweisteins Rückkehr" war 1989 als Doppelfolge geplant. Die Fortsetzung kam aber nicht in die Läden und die Serie wurde von Kiosk im selben Jahr ohne Angaben von Gründen eingestellt. Erst im November 2000 erschien mit "Mimo, der Rächer" die Abschlussfolge der Serie.

Unter den Kinderhörspielen der Achtziger Jahre war Jan Tenner eine der wenigen Science-Fiction-Reihen. Die Serie erfindet das Genre nicht neu und bietet – gerade beim Wiederhören als Erwachsener – zum Teil recht trashige Unterhaltung. Im puncto Emanzipation war die Serie ihrer Zeit sicherlich nicht voraus, was man an Laura sieht. Sie begleitet Jan zwar auf all seinen Abenteuern, es ist aber immer die Frau, welche sich fürchtet und von den Helden gerettet werden muss. Laura ist auch die einzige Figur, außer dem Bordcomputer, die nur einen Vornamen besitzt.

Etwas moderner ist die Rolle des Militärs dargestellt. Gerade an den gegensätzlichen Auffassungen von General Forbett auf der einen und Jan, Laura und Professor Futura auf der anderen Seite, wird immer wieder gezeigt, dass friedliche Lösungen im Konflikt mit Fremden besser sind. Obwohl, gerade Jan Tenner gerne auch einmal seine Fäuste für sich sprechen lässt.

"Die Pistolen kann ich besser gebrauchen als Sie, Commander. Dafür schenke ich Ihnen diesen Kinnhaken."

Jan Tenner, Folge 43 "Invasion der Ginnicks"

Neben den Geschichten, den Helden und ihren Sprechern ist es auch die Musik von Jutta Stahlberg, die den Charme der Hörspiele ausmacht. Diese war in der Neuauflage der Serie Jan Tenner – Die neue Dimension aus dem Jahr 2001 nicht mehr zu hören. Die neue Reihe war Fortsetzung und Reboot zugleich. Die Figuren wurden zum Teil leicht verändert, so ist Laura nicht mehr die Assistentin Futuras, sondern eine Computerspezialistin. Die gravierendsten Änderungen beim Neustart waren wohl die Sprecher, die für Jan Tenner – Die neue Dimension neu besetzt wurden.

Die Zeit für Jan Tenner war 2001 aber abgelaufen. Der Erfolg der neuen Serie blieb aus und so wurde sie nach nur elf Folgen wieder eingestellt, obwohl noch mindestens drei Episoden geplant waren. Ein Held, der mit Hilfe verschiedener Seren die Welt rettet und sich bei Bedarf auch einmal in eine grüne Riesenspinne verwandelt, war nicht mehr zeitgemäß.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Kiddinx

Jan Tenner | Folge 01 - Angriff der grünen Spinnen - HÖRSPIEL IN VOLLER LÄNGE

Retro-Kiste: Vom Becher mit dem Fächer - Der Hofnarr

The Court Jester - To whom do I hum?

Schon lange vor Helden in Strumpfhosen (1993) hat es Parodien auf epische Filme mit Darstellern in enganliegenden Beinkleidern gegeben. Einer der bekanntesten, der auch heutzutage noch zu unterhalten weiß, ist Der Hofnarr.

1955 war er mit Produktionskosten von rund 4 Millionen Dollar der bis dahin teuerste Comedy-Film. Für Paramount Pictures ein riesiger Flop, denn Der Hofnarr spielte 1956 gerade mal die Hälfte der Kosten wieder ein.

An mangelnder Bekanntheit des Casts kann der Mißerfolg an den Kinokassen nicht gelegen haben: Die Hauptrolle spielt Danny Kaye. Das Multitalent galt für viele Jahre als einer der beliebtesten Komiker der USA. An seiner Seite sind unter anderen Basil Rathbone (Sherlock Holmes), Glynis Johns (Mary Poppins) und die junge Angela Lansbury (Mord ist ihr Hobby) zu sehen.

Mit den Jahren mauserte sich der Film über das VHS-Geschäft und TV-Vermarktung zum Kult. 2004 wurde er in den USA von der Library of Congress in die Reihe Filme mit besonderen kulturellen, geschichtlichen oder ästhetischen Wert aufgenommen.

Mit einer wilden Verwechslungsgeschichte, und natürlich einem Hauch Romantik, nimmt Der Hofnarr die diversen, oftmals sehr düster-dramatischen, Ritterfilme und Robin-Hood-Erzählungen mit einer ordentlichen Portion Humor aufs Korn.

Der einstige Jahrmarktkünstler Hubert Hawkins schließt sich der Rebellengruppe rund um den mysteriösen "Schwarzen Fuchs" an, um den unrechtmäßig auf den Thron gelangten König zu stürzen. Statt wilden Abenteuern wird Hawkins jedoch eher mit Babysitting betraut - er soll den einzigen männlichen Überlebenden der Königsfamilie an einen geheimen Ort bringen und wird dabei von Jean, einer Anführerin unter den Rebellen, beschützt.

Auf dem Weg treffen sie auf Giacomo, dem "König der Narren und Narr der Könige". Jean erkennt in ihm eine große Chance für einen Vorteil. Sie schlägt ihn nieder und lässt Hawkins in die Rolle des Narren schlüpfen, um das Vertrauen des Königs zu gewinnen und so über einen Geheimgang den Rebellen den Angriff aufs Schloss zu ermöglichen.

Weitere Verwirrung entsteht, da ein Edelmann am Hof den vermeintlichen Hofnarren Giacomo als professionellen Auftragsmörder für ein Attentat auf den König beauftragt hat.

Besonders liebenswert wird der Film nicht nur durch die diversen Gesangseinlagen von Danny Kaye, sondern auch die legendären Wortspiele.

"Der Wein mit der Pille ist im Becher mit dem Fächer. Im Pokal mit dem Portal ist der Wein gut und fein. Der Becher mit dem Fächer ist zerbrochen. Im Kelch mit dem Elch ist der Wein gut und fein(...)"

Mit angenehmen 97 Minuten Laufzeit kann man sich Der Hofnarr am besten in heiterer Runde an einem klassischen Fernsehabend zu Gemüte führen. Der Film ist günstig auf DVD zu haben, Amazon bietet ihn auch als digitale Ausleihe an.

Der Hofnarr - Szene mit dem Becher mit dem Fächer

Retro-Kiste: Die letzte, einzige Hoffnung auf Frieden - Babylon 5

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110 Episoden in 5 Staffeln, 6 TV-Filme, ein Spin-Off - ein Geheimtipp ist Babylon 5 sicherlich nicht. Es soll in diesem Artikel auch nicht um wilde Fachsimpelei oder Details der Produktionsgeschichte gehen - wer das möchte kann sich gerne in den Kommentaren austoben. Vielmehr möchte ich darauf eingehen, warum ein Rewatch gerade jetzt noch einmal eine ganz neue Erfahrung sein kann. Denn keine andere Serie kreuzte bei der politischen Lage der letzten Jahre so oft meine Gedanken wie Babylon 5.

Zugegeben, wenn man die Serie nun zum ersten Mal überhaupt sieht, muss man sich auf die spezielle Optik sicherlich bewusst einlassen - doch die Charaktere und Handlungsstränge müssen sich auch in der veränderten Medienlandschaft nicht verstecken und haben nach wie vor jede Menge zu bieten. Und wie schon ein weiser Commander sagte: "Früher oder später landet jeder auf Babylon 5".

Anders als im eher utopisch angelegten Star Trek bietet Babylon 5 ein noch intensiveres Zusammenleben unterschiedlichster Arten, und hat neben den für eine Raumstation luxuriösen Quartiere der Kommandoriege verschiedenste Bereiche bis runter zum braunen Sektor, wo allerlei Gestrandete und gescheiterte Existenzen ihr Leben bestreiten.

So bietet sich schon im Kleinen reichlich Konfliktpotential. Doch eigentlich dient Babylon 5 als neutraler Anlaufpunkt und Hafen, wo auch Räte abgehalten und vermittelt wird. Entsprechend gilt die Raumstation auch als die in der Titelsequenz erwähnte "letzte, einzige Hoffnung auf Frieden".

Krieg und Frieden, Autoritarismus vs. Freier Wille, Ordnung vs. Chaos oder auch Religion - aus den großen Überthemen und den diversen kleineren Nebenhandlungen, Charakterentwicklungen und für viele Sci-Fi-Serien typische aufkommende Ethikfragen in einzelnen, in sich abgeschlossenen Episoden sticht nun gerade in letzter Zeit besonders die Handlung rund um Präsident Clark und die Lossagung von der Erdregierung hervor.

Nachdem Vizepräsident Clark seinen Konkurrenten, Präsident Santiago, ermorden ließ, gelangt er an die Macht über die Erde und baut mit Hilfe der paramilitärischen Einheit Nightwatch und dem PsiCorp, der strengen Vereinigung der Telepathen, seine Diktatur auf. Frei nach dem Motto "Make Earth great again!" soll es in erster Linie um die Erde gehen und diese von Einflüssen anderer Rassen beschützt werden.

Als Beweise für die Mittäterschaft Clarks an Sandtiagos Mord öffentlich werden, stellen sich einige Kolonien, darunter Mars und Babylon 5, gegen seine Regierung. Doch Clark ist mittlerweile viel zu einflussreich und hat einen mächtigen Militärapparat hinter sich, mit dem er größtenteils den Widerstand brutal brechen kann.

"Sometimes before you can deal with a problem, you have to redefine it. But you can't deal with the problems by pretending they don't exist. There's no need to embarrass our leaders by pointing out the flaws that they're aware of and dealing with in their own way. Some people just enjoy finding fault with our leaders they're anarchists, troublemakers, or they're simply just unpatriotic."

Was einst - und damit meine ich etwa das Jahr 2004, als ich Babylon 5 zum ersten Mal durchsuchtete - eher wie eine im futuristischen Kleid gut verpackte Aufarbeitung der Geschichte wirkte, scheint nun erstaunlich treffend und aktuell.

Auch die wenig subtile Szene, in der  "reale Fakten" in "gute Fakten" geändert werden sollen, weil dies der Regierung mehr nützt, scheint in Zeiten der Diskussionen rund um "Fake News" und "alternative Fakten" nicht mehr ganz so abwegig.

Bei zunehmenden Nationalismus und geschürter Angst vor dem "Fremden", ist es ein kleiner Schritt zum Misstrauen vor der Gefahr und Störenfrieden in den eigenen Reihen.  Was liegt also näher, als die eigenen Bürger zur Spionage gegeneinander einzusetzen?

Bei einer so umfangreichen und von Serienschöpfer J. Michael Straczynski durchgeplanten Serie ist dies natürlich nur die Spitze des Eisberges. Aber vielleicht motiviert es den ein oder anderen ja, trotz der reichlichen Auswahl an neuem Stoff, doch noch einmal einen Rewatch zu starten, oder überhaupt zum ersten Mal Babylon 5 zu sehen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

"Das Universum spricht in vielen Sprachen, aber nur mit einer Stimme.
Es ist nicht die Sprache der Narn oder der Menschen oder der Centauri oder der Gaim oder der Minbari.
Es spricht in der Sprache der Hoffnung.
Es spricht in der Sprache des Vertrauens.
Es spricht in der Sprache der Kraft und in der Sprache der Leidenschaft.
Es ist die Sprache des Herzens und die Sprache der Seele.
Aber es ist immer dieselbe Stimme.
Es ist die Stimme unserer Vorfahren, die aus uns sprechen.
Und die Sprache unserer Erben, die darauf warten, geboren zu werden.
Es ist die kleine, leise Stimme, die sagt, dass wir alle eins sind.
Ungeachtet des Blutes, ungeachtet der Hautfarbe, ungeachtet der Welt, ungeachtet des Planeten - Wir sind eins.
Ungeachtet des Leids, ungeachtet der Finsternis, ungeachtet der Verluste, ungeachtet der Furcht-  Wir sind eins.

Hier, vereint im Streben nach unserem gemeinsamen Ziel, anerkennen wir hiermit diese einzige Wahrheit und die einzige Regel: Dass wir gütig zueinander sein müssen.
Denn jede einzelne Stimme bereichert uns und adelt uns.Und jede verlorene Stimme schwächt uns. Wir sind die Stimme des Universums, die Seele der Schöpfung, das Feuer, das uns den Weg in eine bessere Zukunft erleuchten wird. Wir sind eins."

Babylon 5 - All Intros

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