Der im Jahr 2020 verstorbene Teilzeit Perry Rhodan Autor Konrad Schaef präsentiert mit „Mauern der Macht“ den vierten und letzten „Space Thriller“. Robert E. Feldhoff und Konrad Schaefs Arbeiten zeigen vielleicht unabsichtlich einen roten Faden, der ausbaufähig gewesen wäre. Hinter den beiden Antagonisten steckt anscheinend die gleiche Organisation, welche vor allem in den 1600er Perry Rhodan mehrmals für Unruhe gesorgt hat. Auch die Taschenbuchminiserie „Ara- Toxin“ wird diese Organisation wiederbeleben.
Konrad Schaef verfasste unter dem Pseudonym Conrad Shepherd drei Perry Rhodan und der Atlan Romane. In den sechziger Jahren die Perry Rhodan 306 sowie 318 und 319. In den siebziger Jahren folgten dann drei Atlan Heftromane. In den neunziger Jahren verfasste Konrad Schaef unter seinem Geburtsnamen drei Perry Rhodan Planetenromane und den vorliegenden Space Thriller.
„Mauern der Macht“ ist ein ausgesprochen geradliniger Thriller, der allerdings auf einer Perry Rhodan internen falschen Information basiert. Das angebliche exklusive Wissen der LFT und die paranoide Furcht, diesen waffentechnischen Vorsprung zu erhalten, ist nicht richtig. Allerdings bedeutet das nicht, das der ganze Plot sinnlos ist. Auch Weiterentwicklungen können die falschen Interessenten anlocken. Der Leser sollte sich an dieser unglücklichen Ausgangsbasis nicht zu lange aufhalten, sie wird im letzten Viertel des Buches angerissen und führt dann direkt in den abschließenden Showdown über.
Die Chefin der TLD ist besorgt. Zahlreiche Wissenschaftler von insgesamt neun Mitgliedern eines Teams des Projektes „Nexus“ sind spurlos verschwunden. Bei der Suche nach den Wissenschaftlern sind zahlreiche Agenten getötet worden, ohne dass es brauchbare Spuren gibt.
Die Eingangsprämisse ist ein wenig wackelig, da es angesichts der Bedeutung des Projektes erstaunlich erscheint, wie lange die TLD und dann auf einen Hinweis des „letzten“ ermittelnden Agenten die anderen Forscher abzieht. Die Verbindung hätte den Verantwortlichen allerdings im Gegensatz zum eingeschränkt informierten Leser schon länger bekannt gewesen sein müssen.
Der bislang letzte TLD Agent Russo Gambucci wird ebenfalls ermordet, vorher sind alle relevanten Informationen quasi aus seinem Gehirn ausgesaugt worden. In ihrer Verzweiflung reaktiviert die TLD den Agenten Bron Keijze, der früher mit Gambucci zusammengearbeitet hat.
Keiijze ist außer Dienst, weil beim letzten Einsatz zusammen mit Gambucci die attraktive wie erotisierende Agentin Chess ihr Leben für den Keijze geopfert hat.
Im Gegensatz zu zum Beispiel Robert E. Feldhoffs fast narzisstischem TLD Agenten ist Bron Keijze keine tickende Zeitbombe. Beide sind Frauencharmes, beide können Sex und Emotionen gut voneinander trennen und beide sind im Grunde jetzt Einzelgänger, wobei das Team Gambucci, Keijze und Chess die Alarmglocken eines jeden TLD Psychologen hätte anschlagen lassen müssen.
Die Spur ist erstaunlich leicht zu verfolgen. Auf der einen Seite bekommt der Agent ausreichend Informationen aus seinem Quartier, auf der anderen Seite öffnet ihm seine gegenwärtige Freundin – die Anwältin Anabel Cory – einige wichtige Türen.
Trotzdem ist Keijze – wie es sich für derartige Thriller gehört – anfänglich immer einen Schritt zurück. Ein Freund und Spezialist der Neurochirurgie gibt ihm einen Hinweis, wird aber umgehend ermordet. Einer der letzten Wissenschaftler des Teams wird effektiv vor der Nase des Agenten mit einer Transmitermanipulation entführt, die auf einen technisch sehr hochstehenden Gegner hindeutet.
Das Finale wird in James Bond Manier eingeleitet. Ein superreicher arroganter Industrieller provoziert zwar nicht unbedingt den Agenten, wirkt aber unsympathisch. Natürlich finden sich auch dank NATHANs Hilfe schnell Spuren, die auf eine Verbindung zwischen dem Industriellen und einer hinter ihm stehenden Organisation, exotischen Plätzen und schließlich dem Verschwinden der Wissenschaftler hindeuten.
Zumindest verzichtet Konrad Schaef bei seinem Finale auf eine ausschließlich einzelgängerische Konfrontation in der Tradition der britischen Agentenserie. Wie bei Robert E. Feldhoff kommt eine Teilrettung von außen.
Wie erwähnt ist die Handlung ausgesprochen stringent und Konrad Schaef erzählt den Roman vor allem auf einer Ebene. Der Leser wird zusammen mit dem Agenten von den Ereignissen phasenweise überrollt. Aber im Gegensatz zu seinen Vorgesetzten kann dieser die einzelnen Versatzstücke relativ schnell zusammensetzen, nur die Bedeutung des Projekts „Nexus“ bleibt ihm verborgen. Oder besser wird von seinen Vorgesetzten vor ihm zurückgehalten. Als er die Hintergründe erfährt, weiß er sofort, welchen Plan die Schurken haben. Das wirkt wie erwähnt ein wenig zu statisch und nimmt dem anfänglich vielschichtigen Roman die Tiefe.
Um den Charakter vor allem von Bron Keijze dreidimensionaler darzustellen, greift Konrad Schaef zu zwei Mitteln. Ein Rückblick zeigt das erste Zusammentreffen zwischen Keizke und schließlich auch Chess. Ein weiterer Rückblick ist die Verleihung eines Tapferkeitsordens, bei dem die ausgezeichnete Mission noch einmal von einem Dritten erläutert werden muss. Diese umständliche Vorgehensweise hemmt längere Zeit den Handlungsfluss, abschließend schiebt Konrad Schaef noch eine zwischenmenschliche Erklärung hinter her, die eher pragmatisch als überzeugend erscheint. Da hätte es andere Möglichkeiten gegeben, eine persönliche Rechnung zu begleichen.
Zu den Stärken des Buches gehört die durchaus realistische Zeichnung der Protagonisten mit einem kleinen Exkurs in die cineastische Agentenwelt. Vor allem die Schurken werden immer einen Tick überdimensionaler gezeichnet, ihre Handlungen wirken vor allem gegen den Mann dann wieder seltsam zurückhaltend. Mit ein wenig mehr Entschlossenheit und vielleicht Feuerkraft wäre Keijzke der Nächste in der Agentenreihe gewesen, der vorzeitig aus dem Dienst ausscheidet.
Es sind unabhängig vom Agenten mit dem kontinuierlich schlechten Gewissen seiner verstorbenen Partnerin gegenüber vor allem aber die Nebenfiguren, die Konrad Schaef prägnant, dreidimensional und mit vielen Stärken sowie Schwächen zeichnet. Sie wirken wie eine Art Auffangbecken für Keijze, der seinem Instinkt folgend zwar den Spuren gut folgen kann, aber gegenüber der Technik wie ein Mensch wirkt, der ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Konrad Schaef baut seinen Roman nicht auf Actionszenen auf. Eine dunkle Sequenz wie Gambuccis Tod oder das effektive Finale stehen interessanten Rätsel wie dem Verschwinden des Wissenschaftlers aus seiner Wohnung bei nur einem einzigen verzeichneten Transmittersprung gegenüber.
„Mauern der Macht“ ist ein solider Abschluss der in sich abgeschlossenen Space Thriller. Der Handlungsbogen ist wie bei allen Romanen stringent, das Tempo hoch und die Aufgabe, Science Fiction/ Perry Rhodan mit Thrillerelementen zu verbinden ist allen vier Autoren gelungen.

- Dateigröße : 1488 KB
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 241 Seiten
- Word Wise : Nicht aktiviert
- Herausgeber : Perry Rhodan digital (6. Juli 2016)
- ASIN : B01CSVZ9ZE
- Sprache: : Deutsch
