Unter dem Verlagspseudonym Roy Chester veröffentlichte Konrad Schaef 1960 mit „Die unheimlichen Kegel“ seinen ersten professionellen Science Fiction Roman. In der normalen Utopia Zukunftsroman Reihe sind vorher schon mehr als eine Handvoll Romane unter dem Pseudonym Roy Chester erschienen. Konrad Schaef hat in einem Interview gesagt, dass diese Romane nicht von ihm stammten. Unterstrichen wird diese These durch die Ankündigung in „Planetenstürmer( Utopia Zukunftsroman 193), dass der Autor des nächsten Band Josef Cepak ist. Der Roman erschien dann unter dem Verlagspseudonym Roy Chester. Vielleicht um die osteuropäische Herkunft des Autoren zu verdecken.
„Die unheimlichen Kegel“ ist aber noch in anderer Hinsicht ein kurioser Roman. Mit knapp 75 Textseiten inklusiv mehrere ganzseitiger Anzeigen erfüllt er umfangtechnisch nicht den Anspruch an einen Utopia Großband. Stanley Weinbaums Kurzgeschichte „Die Welten des Wenns“ füllt den Band auf. Diese Seiten sind auch nicht nummeriert worden, als wenn sie erst kurz vor Drucksatz nachgeschoben worden sind.
Konrad Schaef stellte in einem Interview heraus, dass „Die unheimlichen Kegel“ im Rahmen eines Wettbewerbs gewesen ist, denn der Pabel- Moewig Verlag ausgerufen hatte, um neue deutsche Science Fiction Autoren zu finden. Dabei ging es wahrscheinlich nur um die Kosten, denn auf deutsche Autorennamen auf den Covern verzichtete man weiterhin. Aber man sparte sich die ausländischen Rechte inklusiv einer entsprechenden Übersetzung. Der ursprüngliche Titel war „Die Kegel des Mars“. Anscheinend hat Günter Schelwokat den Roman vor der Veröffentlichung umbenannt. Es gibt zwar vier Kegel auf dem Mars, die imposant aus der Landschaft hervorragen, aber grundsätzlich sind sie nicht unheimlich und werden von den Menschen relativ schnell untersucht.
Auch wenn in diesem Debütroman der doppelte Doktor auch Mitglied einer terranischen Behörde ist, die auch im Geheimen operieren kann, ist er menschenscheue Wissenschaftler vor allem ein Forscher, der quasi zu seinem Glück gezwungen werden muss und keiner der Geheimagenten, die viele von Konrad Schaefs späteren Romanen dominieren sollten.
Im ganzen Roman finden sich so gut wie keine Actionszenen. Im Mittelpunkt steht über einen Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren das Terraformung und schließlich die Besiedelung des Mars, da die Erde überzubevölkern droht.
Die Idee des Forschers, der ein wenig naiv innerhalb weniger Stunden nach seiner Präsentation an Bord eines Raumschiffs zum Mars geschickt wird, ist bestechend simpel. Der rote Planet besteht an seiner Oberfläche aus Ablagerungen von Eisenoxid. Mit einem mehrfach beschrieben, komplizierten, aber effektiven und nicht kostspieligen Vorgang kann aus diesem Eisenoxid genügend Sauerstoff gewonnen werden, um den Mars zu bevölkern.
Der Mars ist schon besiedelt. Unter Kuppeln leben einige Pioniere, denen der Protagonist technisch zu Hilfe eilen soll.
Zusätzlich haben die Menschen auf dem Mars beginnend mit den offensichtlich künstlichen Kanälen Hinterlassenschaften einer untergegangenen fremden Zivilisation gefunden, die laut der Theorie vieler Wissenschaftler entweder vor vielen Jahren untergegangen ist oder sich – wie sich im Laufe der Handlung herausstellt – möglicherweise vom roten Planeten ins Universum ausgebreitet hat.
Während des Endes fügt Konrad Schaef noch eine weitere Variante hinzu, die eher einige der Evolutionstheorien der Perry Rhodan Serie vorwegnimmt.
„Die unheimlichen Kegel“ ist ein fast klassisch zu nennender Debütroman, der überambitioniert fast zu viel Handlung in zu wenig Raum packt. Erst in seinen späteren Roman wird der Autor ein besseres Gespür für Dramatik und ruhigere für den Leser dann aber informative Passagen entwickeln.
Zu den größten Schwächen gehört die allerhöchstens pragmatische Zeichnung der Protagonisten. So räumt die einzige attraktive wie junge Frau und gleichzeitig Ärztin die Junggesellenbude auf, weil der Protagonist Geburtstag und als Studierter diesen natürlich auch prompt vergisst. Die Ehe und Kinder auf dem Mars sind vorprogrammiert.
An einer anderen Stelle muss der Doktor Doktor quasi aus seinem Elfenbeinturm heraus motiviert werden, seine eigentliche brillante Theorie auch vorzutragen und dank der treibenden militärisch orientierten Kräfte auch direkt vor Ort umzusetzen. Da wird auch der Start einer Versorgerrakete kurzzeitig verschoben. Auf welche technische Art und Weise der Sauerstoff aus dem Eisenoxid in einer „anderen“ Art von Atmosphäre herausgefiltert wird, bleibt unausgesprochen.
Das letzte Klischee ist der Soloflug über die unendlichen Weiten des Mars inklusiv des obligatorischen Absturzes. Wie gut, dass die erfahrenen Militärs auf dem roten Planeten besser retten können, als vorher eine vernünftige Meldung abgeben können.
Konrad Schaefs ausgesprochen distanzierter und fast einschläfernd sachlicher Stil wird durch eine Reihe von guten Ideen ausgeglichen. Der Roman teilt sich im Grunde in drei große Abschnitte auf. Die Szenen bis zu Ankunft und teilweise Akklimatisierung des Protagonisten. Dann ein Abschnitt zwei Jahre nach den Auftaktszenen und schließlich eine Passage, die zwanzig Jahre später spielt. Hier hat die Menschheit nicht nur den Mars erobert, sondern macht sich auf, dahin zurückzukehren, wo sie in einer an von Däniken erinnernden These auch mal gekommen ist.
Der erste Abschnitt mit der Ankunft und dem Aufeinandertreffen von Theorie und Wirklichkeit wirkt zu stringent, zu wenig emotional und vor allem ohne den bei Konrad Schaef manchmal spürbaren Humor niedergeschrieben. Der Autor versucht eher verzweifelt, den Leser bei der Stange zu halten und erschlägt ihn förmlich mit Informationen, die nicht nur einmal, sondern mehrmals in längeren Monologen präsentiert werden.
Die vier Kegel aus dem Titel sind schon lange bekannt. Der Autor impliziert, dass erst in im Grunde dritten Schritt mit der Idee gespielt wird, dass es sich nicht nur um künstliche Gebilde handelt, sondern um viel mehr. Angesichts der zahllosen aufgefundenen „Beweise“ für untergegangenes intelligentes Leben auf dem roten Planeten hätte die offensichtliche Lösung viel näher liegen müssen. Die Erkundung ist wie der ganze Roman zu sachlich beschrieben worden.
Aber die Ansätze sind interessant. Viele kleine Ideen hat Konrad Schaef für den Ausbau, aber nicht den Aufbau der Kolonie entwickelt. Auch verzichtet der Autor auf die klassische Pionierszenarien. Es gibt schon einen regelmäßigen Verkehr zwischen der Erde und dem Mars. Die bisherigen Besiedelung ist an seine technischen Grenzen gestoßen. Sein Protagonist durchschlägt den gordischen Knoten, ohne das sein Ansatz zu phantastisch erscheint. Die technische Abwicklung wird anschließend routiniert beschrieben.
Stilistisch vertraut Konrad Schaef weniger Dialogen als langen Beschreibungen. Das macht den Plot nicht runder und vor allem aus sich selbst heraus spannender. Teilweise ist die Lektüre belehrend ermüdend. Spätere Romane wird Konrad Schaef erzählerisch mehr bis ausschließlich auf Augenhöhe der Leser gestalten, so dass die einzelnen Wendungen realistischer und packender wirken.
„Die unheimlichen Kegel“ ist für die Zeit ein zwar ungewöhnlicher, aber wie angesprochen als reine Erzählung auch kein guter Roman. Zu distanziert, zu wenig auf einen individuellen Spannungsaufbau wert legend und vor allem angesichts der Plottiefe zu oberflächlich erzählt. Positiv ragt heraus, dass die Menschheit durchaus verstanden hat, welche Wege sie friedlich gehen muss. Sie wird zwar auf der einen Seite mit ihrer bislang missinterpretierten Evolutionsgeschichte konfrontiert, auf der anderen Seite sieht sie es auch als Ansporn, wieder zu den Sternen zurückzukehren.

Utopia Großband 120
97 Seiten
Pabel Verlag
