Kritik zu Raya und der letzte Drache: In Kumandra ist der Drache los

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Raya und der letzte Drache

Vor vielen Jahrhunderten war das Land Kumandra geeint, und Menschen und Drachen lebten in friedlicher Eintracht. Die Drachen halfen den Menschen mit ihren magischen Fähigkeiten, und so war Kumandra ein Land des Friedens und des Wohlstands. Doch dann tauchten eines Tages die finsteren Druun auf, mysteriöse schwarze Wolken, die Menschen versteinerten. Die Drachen stellten sich den Druun entgehen, doch auch viele von ihnen wurden versteinert. Nur ein letzter Einsatz der Drachenmagie stoppte die Druun und beendete die Versteinerung der Menschen, im Gegensatz zu den Drachen, die weiterhin zu Stein erstarrt blieben.

In der Folge zerfiel das Land Kumandra, und es bildeten sich fünf verschiedene Reiche. Rund 500 Jahre, nachdem die Druun scheinbar besiegt wurden, sorgt die Missgunst der Menschen schließlich dafür, dass die Wesen zurückkehren und das Land erneut ins Elend stürzen. Nur die junge Kriegerin Raya glaubt, dass sie die Monster aufhalten kann. Dafür begibt sie sich auf die Suche nach dem letzten Drachen. Allerdings stellen sich ihr nicht nur die Druun entgegen, auch alte Feinde und frühere Freunde erweisen sich als Hürden, die es zu überwinden gilt.

Mit Raya und der letzte Drache veröffentlicht Disney zum zweiten Mal einen eigentlich für das Kino geplanten Film gegen eine zusätzliche Gebühr auf dem hauseigenen Streaming-Dienst Disney+. Ähnlich wie bei Mulan im Vorjahr steht dabei wieder eine starke weibliche Figur im Mittelpunkt, und die Handlung spielt im asiatischen Kulturkreis. Allerdings dient dieses Mal nicht China als Vorlage, sondern der südostasiatische Raum. Grundsätzlich kann man zunächst festhalten, dass ein vergleichsweise unverbrauchtes Setting im Bereich Fantasy immer gern gesehen ist. Als deutscher Zuschauer lässt sich dabei zwar nur schwer überprüfen, ob die Macher der Region wirklich gerecht werden, aber allein rein optisch bringt das Setting schon einmal eine willkommene Abwechslung.

Allerdings muss man auch festhalten, dass die Geschichte keinen Innovationspreis gewinnt. In gewisser Weise wirkt die Handlung etwas generisch und hätte technisch gesehen auch ohne große Änderungen in einem europäischen Mittelalter-Setting spielen können. Gerade weil Disney mit Vaiana bereits bewiesen hat, wie man es deutlich besser machen kann, wirkt das Setting in Raya und der letzte Drache etwas verschenkt.

Abgesehen von diesem Punkt ist die Handlung selbst sehr kurzweilig und unterhaltsam geraten. Durch das schnelle Erzähltempo kommt auch zu keiner Zeit Langeweile auf. Gerade Familien bekommen mit Raya und der letzte Drache einen Film, mit dem sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder ihren Spaß haben dürften. Ein wirkliches Highlight ist er allerdings nicht. Dafür ist die Geschichte am Ende dann doch zu generisch und bietet zu wenig Überraschungen. Viele Entwicklungen lassen sich vorhersehen, und auch wenn die Moral der Geschichte durchaus wichtig ist, wird sie in Raya dann doch etwas mit dem Holzhammer vermittelt.

Was dagegen gut funktioniert sind die Figuren. Besonders erwähnenswert ist hier natürlich Raya, aber auch ihre Gegenspielerin Namaari fällt kaum ab. Dabei ist auch positiv zu erwähnen, dass die Macher trotz starker Frauenfiguren keine Geschichte erzählen, in der es unbedingt um Gleichberechtigung oder den Kampf gegen das Patriarchat gehen muss. Nicht dass dies nicht wichtige Themen sind, aber gerade in den vergangenen Jahren konnte man das Gefühl bekommen, dass große Hollywoodproduktionen mit starken Frauenfiguren sich nur darum drehen dürfen. Mit Vaiana hat Disney Animation zuvor schon bewiesen, dass sich Frauenfiguren durchaus auch mit anderen Problemen beschäftigen können, und Raya geht einen ähnlichen Weg, was zu begrüßen ist.

Animationstechnisch kann man Raya und der letzte Drache ebenfalls kaum kritisieren. Die Animationen sehen richtig gut aus und sind absolut stimmig. Wenn man ein Haar in der Suppe finden möchte, dann vielleicht die Tatsache, dass es mitunter etwas zu süß und knuffig wird. Die Drachendame Sisu und Rayas Gürteltier-artiger Begleiter Tuk Tuk schreien ja ohnehin schon nach Merchandise-Verkäufen, und wenn dann im Film irgendwann auch noch ein Baby auftaucht, wird es fast etwas zu viel des Guten. Trotzdem wird optisch einiges geboten, was das unterhaltsame Gesamtbild abrundet

Fazit

Raya und der letzte Drache bietet kurzweiligen Animationsspaß für die ganze Familie. Auch wenn der Film inhaltlich vielleicht etwas vorhersehbar ist und echte Überraschungen vermissen lässt, kommt doch zu keiner Zeit Langeweile auf. Gepaart mit den tollen Animationen und den gut geschriebenen Figuren lohnt sich der Blick für alle Animations-Fans. Ob man dafür allerdings unbedingt 22 Euro ausgeben muss oder lieber wartet, bis der Film in drei Monaten allen Abonnenten von Disney+ zur Verfügung steht, muss jeder selbst entscheiden.

Raya und der letzte Drache Poster
Originaltitel:
Raya and the Last Dragon
Kinostart:
05.03.21
Regie:
Don Hall, Carlos López Estrada
Drehbuch:
Qui Nguyen, Adele Lim
Darsteller:
Kelly Marie Tran, Awkwafina, Gemma Chan, Daniel Dae Kim, Sandra Oh, Benedict Wong, Alan Tudyk
Um die Menschheit zu retten muss die junge Kriegerin Raya den letzten Drachen finden.

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