Star Trek: Discovery

Die Serie spielt im Star-Trek-Prime-Universum, zehn Jahre vor der Classic-Serie und der Fünf-Jahres-Mission von Captain Kirk.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 3.04

PODCAST

Diesmal kommt der neue TrekCheck mit etwas Verspätung - auch wenn Anne, Johannes und Nele sich zur Aufnahme bereits getroffen haben, als der Ausgang der Wahl in den USA noch nicht klar entschieden war (wobei, das ist ja eigentlich immer noch der Fall). Unser Podcast-Trio unterhielt sich allerdings hauptsächlich über Star Trek: Discovery 3.04 "Forget Me Not", fragwürdige Poolerlebnisse, leuchtende Würmer und (un-)hilfreiche Ratschläge.

“Vergiss mich nicht” kommt einerseits gleich auf den Punkt und bringt die Handlung voran, wirkt andererseits aber auch wie eine recht typische Zwischen-/Füllerepisode, in der nicht all zu viel geschieht. Das schnelle Vorangehen in beiden Handlungssträngen lässt zudem leider deutlich weniger emotionale Tiefe zu, als wenn man sich mit der Charakterzeichnung von Adira und auch den immer offensichtlicer werdenden Problemen der Crew über einige Folgen mehr Zeit und Raum gelassen hätte. Allerdings ist die für Discovery vergleichsweise unspektakuläre Einfachheit hinter Adiras Geheimnis und Detmers Verwirrtheit arg begrüßenswert und der Episodenaufbau fühlt sich im Trek-Universum sehr vertraut an.
 

Forget Me Not - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.04

SPOILER

Star Trek: Discovery 3.04 “Vergiss mich nicht” (OT: “Forget Me Not”) teilt sich recht konsequent in zwei Erzählstränge. Beide sind stellenweise sehr übers Knie gebrochen, ähneln aber klar klassischen Füller-Episoden von Star Trek: The Next Generation und Co..

Außenmission hinterm Parkplatz

Erfreulicherweise zieht sich Adiras Gedächtnisverlust nun doch nicht über die ganze Staffel, sondern wird direkt im Eilverfahren erledigt. Sie hat keine Ahnung, wie sie an ihren “Tintenfisch” gekommen ist und wer sie überhaupt ist. Keiner kennt sich mit Trill-Symbionten aus, vor allem nicht in einem menschlichen Wirt - also einfach mal eben den Sporenantrieb (jetzt nicht mehr schädlich?) genutzt für einen Abstecher nach Trill. Culber wird von den Serienmachern an Bord der Discovery gebraucht, wo man für Burnham gerade keine Verwendung hat, also soll Michael Adira begleiten.

Was für ein Glück, dass es den Planeten überhaupt noch gibt und die Bewohner weiterhin freundlich gesinnt scheinen. Leider hat man das Budget für die Animation des Upside-Downs verbraten, also blieb für Trill an sich nur der Grünstreifen hinterm Produktionsparkplatz mit drei Darstellern und vier Statisten in farbcodierten Chorgewändern.

The Burn hat auch die Trill hart getroffen, es wird immer schwieriger, geeignete Wirte für die verbliebenen Symbionten zu finden. Aber dass nun ausgerechnet ein Mensch einen beherbergt, scheint ein Sakrileg zu sein, mit dem Bösewicht in Senfgelb nicht klar kommt. Praktisch, dass Burnham und Adira mit dem Shuttle gekommen sind, statt sich beamen zu lassen und man auf der Discovery auch kein Interesse an der Überwachung der Außenmission zu haben scheint. Wie sonst hätte Senfgelb-Bösewicht seinen Hinterhalt so herrlich schlecht versuchen sollen?

Avatar Adira

Zugegeben, wir sehen von Trill nicht nur den Parkplatz, sondern besuchen auch die Höhlen von Mak’ala (Star Trek: Deep Space Nine 3.04), in denen die Symbionten aufgezogen und von Wächtern gepflegt werden. Einer der Wächter (rotes Gewand) lotst Adira und Burnham zu den Becken, in denen Adira geholfen werden soll, die Verbindung zum Symbionten zu bekommen.

Ein Prozess, der deutlich spiritueller und weniger biologisch daher kommt als angenommen und von der Art der Darstellung eher an das Upside-Down aus Stranger Things und die Geisterwelt aus Avatar / Legend of Korra erinnert. Auch hier braucht es eine weitere Person, die eingreift und Adira hilft, wieder hinaus zu finden. Natürlich kann das niemand anderes sein als Burnham, während die Trill in ihren heiligen Hallen entsetzt daneben stehen.

Der Trip in den Pool bringt uns rasch Adiras Vorgeschichte: Sie ist zum Glück keine synthetische Bajoranerin, die von Klingonen entführt wurde und als Spion in Menschenkostüm dient. Adira und ihr Partner Gray lebten zusammen auf einem Generationenschiff. Gray ist Trill und hatte gerade erst den Symbionten Tal erhalten, als ihr Schiff ausgerechnet an der Stelle ihrer Kabine von einem Asteroiden getroffen wurde. Gray wurde tödlich verletzt, und da sonst gerade niemand greifbar war, hat sich Adira aus Liebe zu Gray als Wirt angeboten. Tragisch, aber eben zum Glück auch sehr simpel.

Schwups funktioniert das auch mit der Verbindung zum Symbionten und der Erinnerung an die vorherigen Wirte (musste noch jemand an den 50. Geburtstag von Doctor Who denken?), Adira ist nun offiziell anerkannter Wirtskörper und alle haben sich lieb. Tschüss, Trill.

So froh ich bin, dass das Geheimnis rund um Adira nicht ewig hinausgezögert wurde, aber emotional hätte die Folge etwas später besser funktioniert. Noch kennen wir Adira quasi gar nicht, weswegen die sofort folgende Einführung von Gray als weiteren neuen Charakter übereilt erscheint - gerade wenn man bedenkt, dass sowohl Ian Alexander (Gray) als auch Blu del Barrio (Adira) kürzlich für die vierte Staffel bestätigt wurden, uns also noch eine Weile begleiten dürften.

Counselor Culber

Wie schon letzte Woche gilt: Mit Voice-Over-Logbucheinträgen in Space als Intro bekommt jede Folge direkt Bonuspunkte. An Bord der Discovery geht Culber fröhlich tänzelnd seiner Arbeit nach - er soll den Gesundheitszustand der Crew kontrollieren und macht sich zunehmend Sorgen um die psychische Verfassung seiner Kolleginnen. Alle halten sich an das “wenn wir die Föderation finden”-Mantra, aber eigentlich hat jeder durch den Sprung durchs Wurmloch jeglichen Halt verloren. Da kann der Stresslevel schon mal hochgehen.

“It’s starting to hit everyone … just how little we have to hold onto. The personal moments we use to define ourselves - birthdays, anniversaries, graduations, funerals - we’ve jumped past all of them.”

Saru ist besorgt, aber auch ratlos, was denn nun zu tun sei. Klar, die Crew braucht wieder mehr Bindung und Halt - aber wie erreicht man das? Eine uns bereits bekannte Stimme kommt zu Hilfe: Zora! Der weiterentwickelte Schiffscomputer mit eigener Persönlichkeit, der aus dem Short Trek "Calypso"bekannt ist. Dort tauchte übrigens auch schon der Discovery-Popcornbecher auf, den in dieser Folge nun Georgiou von Linus (da geht doch was!) gereicht bekommt. Saru zieht mir etwas zu schnell die Folgerung, dass es sich bei dem Wechsel im Computersystem um das Sphärenwissen handele, das nun das Schiff und die Crew bewache. Na dann ist ja alles klar, kein Grund zur Besorgnis.

Nun interessiert es natürlich, in wie weit der Short Trek noch mit Discovery verbunden wird. Erleben wir die langsame Weiterentwicklung des Chiffscomputers hin zu Zora? Zeitlich spielt Calypso ca. 1000 Jahre nach den Ereignissen der zweiten Staffel, also theoretisch nun grob 70 Jahre in der Zukunft der aktuellen Disco-Zeitlinie?

Geh doch einfach mal spazieren

Nun bin ich wieder etwas gespalten - eigentlich begrüße ich es sehr, dass auf die Belastung der Crew eingegangen wird und Detmer nicht von Control besessen ist. Allerdings geschieht alles doch sehr im Schnelldurchlauf, und die Tipps des Computers (Yoga, Meditation, weniger Milchprodukte, Ausmalbücher, interstellares Shopping) kommen recht lapidar als gut gemeinte Ratschläge daher, die alleinstehend der Crew nun auch echt nicht sonderlich helfen dürften.

Wobei die Crew aus Überfliegern, wie es Culber ausdrückt, überhaupt erstmal eingestehen müsste, dass sie Probleme haben. “You were impaled and in a koma” -“Yeah, but other than that, he is fine”.

Stamets ist fies zu Tilly, und beim Captain's Dinner eskalieren spontan alle. Nur um sich kurz darauf schon wieder in den Armen zu liegen - eine ähnlich schnelle Wandlung wie bei den Trill. Immerhin darf Culber noch nachschieben, dass mit dem Wunderheilmittel Buster Keaton nicht gleich alles gut ist, man sich aber auf dem Weg befände.

Und wann schläft Culber nun, wenn er mit ~80 Crewmitgliedern regelmäßig ausführliche Counseling-Gespräche zur Traumabewältigung durchführen will/muss?

Fazit

“Vergiss mich nicht” kommt einerseits gleich auf den Punkt und bringt die Handlung voran, wirkt andererseits aber auch wie eine recht typische Zwischen-/Füllerepisode, in der nicht all zu viel geschieht. Das schnelle Vorangehen in beiden Handlungssträngen lässt zudem leider deutlich weniger emotionale Tiefe zu, als wenn man sich mit der Charakterzeichnung von Adira und auch den immer offensichtlicer werdenden Problemen der Crew über einige Folgen mehr Zeit und Raum gelassen hätte.

Allerdings ist die für Discovery vergleichsweise unspektakuläre Einfachheit hinter Adiras Geheimnis und Detmers Verwirrtheit arg begrüßenswert und der Episodenaufbau fühlt sich im Trek-Universum sehr vertraut an.

Star Trek: Discovery - Produktion der 4. Staffel hat offiziell begonnen

Nachdem Mitte Oktober offiziell bekannt gegeben wurde, dass CBS All Access Star Trek: Discovery für eine 4. Staffel verlängert hat, erfolgte nun auch der Startschuss für die Produktion der neuen Folgen. Co-Showrunner Michelle Paradise gab den Start selbst über Twitter bekannt.

Die Produktion der neuen Folgen wird unter strengen Hygieneschutzmaßnahmen erfolgen. So befanden sich Cast und Crew beispielsweise in den letzten Wochen in Quarantäne und werden im Laufe des Drehs drei Mal in der Woche auf das Covid-Virus getestet. Darüber hinaus sind weniger Außendrehs geplant, um das Risiko für alle Beteiligten zu reduzieren. Stattdessen wird verstärkt mit einer AR-Wall gearbeitet. Diese erlaubt es, virtuelle Sets zu schaffen. Die Technik wurde beispielsweise schon sehr erfolgreich bei The Mandalorian eingesetzt.

Während die Arbeiten an 4. Staffel von Star Trek: Discovery nun laufen, setzen CBS All Access und Netflix am Freitag die Ausstrahlung der 3. Staffel fort. Auf dem Programm steht die vierte Episode, die den Titel "Forget Me Not" tragen wird. In dieser suchen Burnham und Neuzugang Adira die Heimatwelt der Trill auf. Hier hoffen sie Hilfe zu erhalten, um die verborgenen Erinnerungen von Adiras Trill-Symbionten zu entschlüsseln.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 3.03

PODCAST

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Star Trek: Discovery scheint langsam dann doch mal im Trek-Universum anzukommen und auch unsere Trekcheck-Kombo läuft wieder warm. "Bewohner der Erde"  liefert eine vollgepackte Episode, die sowohl eine zufriedenstellende Rahmenhandlung als auch die weitere Beleuchtung der Crew und ihrer Aufarbeitung des bisher Geschehenen bietet. Nicht nur Burnham ist “leichter”, auch alle drei Folgen der Staffel sind in sich schlüssiger und mit der richtigen Menge Humor aufgelockert, als man es bislang von Discovery gewohnt ist.

Was nicht heißt, dass Anne, Johannes und Nele keine Nachfragen mehr hätten. Und bei aller (mal mehr, mal weniger) Begeisterung und Hoffnung, dass Disco die Kurve bekommen hat, mahnen die Erfahrungen mit den bisherigen beiden Staffeln und auch Star Trek: Picard zur Vorsicht.

People of Earth - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.03

SPOILER

Die dritte Staffel von Star Trek: Discovery geht mit Episode 3.03 “People of Earth” stark weiter. Das Drehbuch stammt vom Autorenduo Bo Yeon Kim und Erika Lippoldt, und man merkt der Folge die routinierte Führung mit Trek-Verstand von Regisseur Jonathan Frakes an.

Wir wissen nichts

Statt mehrere Folgen lang Burnhams Reise durch mehrere Welten auf der Suche nach Überresten der Föderation und der Discovery zu zeigen, hat man sich für ein schnelles Rückblick-Voice-Over entschieden. Angesichts der knappen Zeit und der geteilten Begeisterung für den Charakter Burnham vermutlich eine gute Entscheidung.

So bekommen alle, die in den ersten beiden Folgen vielleicht nicht ganz so gut zugehört haben, nochmal einen kurzen Abriss: Es ist Sternzeit 865211.3 oder auch das Jahr 3188. Handlungserzählenden Voice-Overs verzeihe ich fast alles, wenn sie mit “Sternzeit 47110815” zu Blicken in den Weltraum eingeleitet werden.

Burnham war das Jahr mit Book als Kurier unterwegs und hat dabei versucht, soviel Informationen wie möglich zu sammeln. 700 Jahre nach den Geschehnissen in Discovery Staffel 2 wurde das Dilithium-Vorkommen knapp. Es wurden alternative Antriebe erforscht, aber nichts konnte so recht überzeugen. Wiederum grob 100-150 Jahre später kam es zum The Burn, bei dem alle aktiven Warpkerne explodiert und dabei Millionen gestorben sind. Niemand weiß so recht, wie das geschehen konnte. Die Föderation ist zerfallen. Und auch hier weiß niemand so recht, wo sich die verbliebene Führung/restliche Sternenflotte und Föderationsmitglieder aufhalten. Immerhin wurde es angesprochen - mal gucken, ob wir am Ende der Staffel Antworten haben.

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You can love someone and still let them go

Die lang erwartete Wiedervereinigung auf der Discovery steckt voller Emotionen - nach großer Wiedersehensfreude (selten eine bessere Umarmung im TV gesehen als von Saru) bekommen auch die problematischeren Gefühle und Folgen der letzten Jahre zumindest ein wenig Raum in der Handlung.

Schon im ersten Gespräch antwortet Saru auf Burnhams Frage, wie es allen so ginge, dass es manchen leichter fällt als anderen, sich an die Situation zu gewöhnen, auch wenn alle dankbar füreinander seien. Mit Tilly wird es nochmal klarer: Zum einen sehen wir sie am Erinnerungsplatz mit den Badges zuletzt gestorbener Kameraden; die Trauer und der Versuch, die Zeitreise zu begreifen geht aber weiter. Sie konnte sich von niemanden verabschieden, alles was sie kannte und die sie jenseits der Discovery liebte, sind schon viele hundert Jahre tot, ganze Leben hat sie nicht mitbekommen. Was hält einen noch, was treibt einen an, weiterzumachen?

Auch Burnham hat sich verändert. Seit Start auf der Discovery ohnehin, aber auch in dem einen Jahr allein. So richtig voll im Sternenflottenmilitärmodus war sie ja ohnehin nie, und das wilde Kurier-Dasein scheint ihr wohl gefallen zu haben. Zumindest braucht sie wieder Zeit, um sich anzupassen - dafür ist ihr Gemüt aber gleich viel angenehmer und leichter. Um das zu erreichen musste sie allerdings eben auch sich an den Gedanken gewöhnen, die Discovery, die Crew, alles, was es von ihrem alten Leben noch gab, nie wieder zu sehen. Innerlich hat sie sich bereits verabschiedet. Mal sehen, ob sie zum Ende der Staffel nicht doch wieder die Discovery verlässt und mit Book durch die Galaxis fliegt.

Adira Crusher von der Space Force

Der Besuch der Erde bleibt ein kurzer. Immerhin sind sie schlau genug, nicht direkt ins unmittelbare Erdumfeld zu springen, sondern etwas entfernter und sich am Saturn entlang anzuschleichen. Neinnein, keine Zeitreisenden mit musealer Supertechnik - wir waren nur sehr, sehr lange auf geheimer Mission und wissen von nichts. Hilft nur minimal: Die Erde hat sich nach dem Burn komplett abgekapselt, die Föderation vom Planeten gebeten und sich verbarrikadiert. Die United Earth Defense Force fackelt nicht lange. Immerhin gibt es eine Warnung und Spontanbesuch, bevor gefeuert wird. Wieso ist die Default-Einstellung eigentlich nicht, dass Leute, die sich unangekündigt zu einem beamen, grundsätzlich erstmal betäubt werden?

Neben Captain Ndoye und einigen namenlosen Kräften der UEDF kommt so auch Adira mit an Bord und geht gleich mal Tilly und Stamets gepflegt auf den Keks. Allerdings beeindruckt sier* insbesondere Stamets auch mit schneller Auffassungsgabe und großen Wissen. Stamets vermutet entsprechend richtig, dass Adira hinter der Sabotage steckt, die die Erdkräfte nicht wieder zurück beamen lässt.

Es stellt sich raus: Adira ist Admiral Tal, der die Botschaft mit der Aufforderung schickte, dass alle, die sich mit der Föderation verbunden fühlen, zur Erde kommen mögen. Es handelt sich um einen Trill-Symbionten, der sich mit Adira einen menschlichen Wirt genommen hat. Theoretisch steckt der Trill-Symbiont voller Wissen all seiner vorherigen Wirte und ohnehin langen Lebens und könnte damit ein entscheidender Schlüssel bei der Lösung der Burn-Frage und dem Verbleiben der Föderation sein. Allerdings kann Adira als Mensch noch nicht auf dieses Wissen zugreifen. Vermutlich wird Adira es über den Verlauf der Staffel weiterhin versuchen und dabei Tilly und Stamets mit Teen-Superhirn-Gebaren nerven.

*Blu del Barrios Geschlechtsidentität ist nichtbinär, also weder weiblich noch männlich. Im Englischen bevorzugt del Barrio die Pronomen they/them und gibt im Interview an, das dies auch für Adira gelte. Im Deutschen gibt es noch kein allgemeingültig bevorzugtes Pronomen für Nichtbinäre, die man schlecht direkt selbst fragen kann. Am verbreitetsten derzeit ist sier/siers, was ich bis auf weiteres nutze, wenn es sich nicht gerade anbietet, den Namen zu verwenden. In der Folge wird über Adria noch als “she” gesprochen, die Geschlechtsidentität soll allerdings in den nächsten Folgen noch thematisiert werden.

We are Starfleet

Immerhin stellt Burnham Georgiou direkt die Frage, was sie überhaupt noch an Bord mache - auch wenn wir darauf keine wirkliche Antwort erhalten. So bleibt die Vermutung: Weil sie praktisch für die Schreiber ist. Diplomatie dauert zu lange. Ein beherzter Tritt, und der Bösewicht wird in guter Scooby-Doo-Manier demaskiert. Natürlich ist auch hier nur ein Mensch darunter.

Diese Tatsache scheint für Captain Ndoye erstaunlich viel zu verändern. Egal welcher Spezies Wen angehört, so bleiben er und seine Crew ja doch die “Space-Piraten”, die die Erde bedrohen und ausrauben. Diese Rahmenhandlung wird ganz wie im guten, alten Trek geregelt: Wir sind die Sternenflotte und helfen euch, miteinander zu reden. Reden hilft. Hört euch doch mal zu. War alles nur großes Mißverständnis, und ihr könnt euch gegenseitig helfen. Jetzt gebt euch die Hand und gut ist. Föderation 2.0 im Kleinen neu gestartet.

Saru ist vorbildlicher Sternenflotten-Captain, für Georgiou zu vorbildlich - ein klein wenig könnte sie damit sogar recht haben, aber Saru hat sich schon enorm entwickelt und kann das sicherlich weiterhin tun. Mit Burnham als Number One hat er eine starke weitere Meinung beratend an seiner Seite (sofern das Vertrauen hält). Natürlich ist es keine Frage, dass ihm diese Position gebührt. Ich bin eher verwundert über seine Verwunderung, dass Michael das gar nicht diskutieren mag. Burnham kam mir jetzt nie so vor, als wollte sie unbedingt Captain sein (jenseits dessen, dass sie ihr eigenes Ding machen will, aber das geht als Captain ja nun auch nur begrenzt).

Passend zu den anfangs erwähnten Anpassungsproblemen der Crew endet die Folge mit einer recht kitschig Szene inklusive Baumumarmung. Lt. Nilsson, Owosekun, Tilly, Rhys und Detmer dürfen sich auf Landgang davon überzeugen, dass manche Dinge Bestand haben - so eben auch ihr Studierbaum an ihrer einstigen Sternenflotten-Ausbildungsstätte. Und die Golden Gate Bridge. Nach anfänglicher Skepsis, ob es diesen pathetischen Abschluss wirklich gebraucht hätte, bin ich doch geneigt zu sagen: ja. Es rundet die Folge ab und lenkt noch einmal die Aufmerksamkeit auf die Crew und das große Ganze. Außerdem passt es zum Stil üblicher Trek-Erzählung. It is our privilege to make this future bright.

Fazit

Star Trek: Discovery scheint sich im Trek-Universum wirklich endlich wohler zu fühlen und liefert mit “Bewohner der Erde” eine vollgepackte Episode, die sowohl eine zufriedenstellende Rahmenhandlung als auch die weitere Beleuchtung der Crew und ihrer Aufarbeitung des bisher Geschehenen bietet. Nicht nur Burnham ist “leichter”, auch alle drei Folgen der Staffel sind in sich schlüssiger und mit der richtigen Menge Humor aufgelockert, als man es bislang von Discovery gewohnt ist.

Am Ende sei noch angemerkt: In nur einer Minute mit Booker/Burnham wird mehr zwischenmenschliche Chemie transportiert als Michael jemals mit Ash Tyler hatte. Owosekun und Detmer gefällt das.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 3.02

PODCAST

Die arme Discovery muss aber auch echt viel aushalten - gerade noch mitten in einer Großschlacht und im nächsten Moment Vollcrash auf einen fremden Planeten. Jenseits des Schiffs liegt der Fokus in Star Trek: Discovery 3.02 ganz auf der Crew, die sich "Fern der Heimat" erstmal berappeln muss.

Zur Besprechung der Folge haben sich Anne, Johannes und Nele diesmal Wolf als Podcast-Gast dazugeholt, der einigen vielleicht schon als fleißiger Kommentator hier bei Robots&Dragons bekannt sein dürfte.

 

Far From Home - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.02

SPOILER

Wie erhofft steht in Episode 3.02 von Star Trek: Discovery die Crew im Fokus der Aufmerksamkeit. “Fern der Heimat” (OT: Far From Home) spiegelt die Auftaktfolge und entstand ebenfalls unter der kreativen Leitung der Drehbuchautoren Michelle Paradise, Jenny Lumet und Alex Kurtzman sowie Regisseur Olatunde Osunsanmi.

Von 0 auf 100

Raumschiffe wie Enterprise, Discovery und Co. gehören einfach nicht auf eine Planetenoberfläche. Das sieht optisch zwar eindrucksvoll aus, aber eben auch falsch - wie so ein gestrandeter Wal. Zum Glück wird in einem Nebensatz erwähnt, dass derlei Schiffe eigentlich nicht dafür gebaut sind, von einer Planetenoberfläche aus zu starten - aber wat mutt, mutt.

Die Reise durch Raum und Zeit hat der Discovery nebst Crew mehr zu schaffen gemacht als Burnham in ihrem Anzug. Zum Glück wachen Saru und Mannschaft gerade noch rechtzeitig auf, damit Detmer ihre unglaublichen Flugfähigkeiten unter Beweis stellen kann. Der schnelle Wechsel zwischen den einzelnen Verantwortlichen der Brückencrew beim Erarbeiten einer Problemlösung, lässt die (halbwegs bekannten) Charaktere nebst Zuschauer gemeinsam direkt in voller Action starten und hält die Szene zusammen. Das Schiff auf den Rücken zu drehen, um Schilde besser als Puffer nutzen zu können sowie kurz vor Bodenkontakt noch die Oberfläche durch Beschuss aufzulockern, ist schon clever. Warum zur Hölle es auf Raumschiffen keinerlei Sicherheitsgurte oder ähnliches gibt, wird sich wohl nie so ganz erschließen (jaja, ich weiß, Nemesis). Es kann doch nicht nur sein, weil alle Serienmacher das "Ionensturm-Gestolpere" so toll finden.

Alle feiern erleichtert Detmer für die Aktion, sie selbst kann sich aber nicht recht freuen und steht neben sich. Laut Medizincheck sei bei ihr alles in Ordnung, ist es aber ganz klar nicht. Möge Detmer bitte zu denen gehören, die frühzeitig klar ihre Bedenken und Symptome äußern. Klingt komisch, aber ich hoffe sehr, dass es posttraumatische Belastungsstörung oder ähnliches ist (was eine spannende Nebenhandlung mit diversen Darstellungsmöglichkeiten bietet) und NICHT auf Control in Detmers cybertechnischen Erweiterung hindeuten soll (was vermutlich eher verschwurbelt und augenrollend gelöst würde).

Der Crash lässt sich übrigens gleich nochmal mehr als optisches Spektakel bewundern, wenn man bedenkt, dass die komplette Postproduktion im Home-Office erledigt wurde.

We will not abandon what we believe

Ich habe an einer Ode für Saru gefeilt, aber es wollte mir (noch) nicht so recht gelingen - also erstmal plump: Ich liebe Saru ohnehin schon, und ihn im vollen Captain-Modus die Ideale der Sternenflotte verkörpern zu sehen, lässt mein Herz vor Freude beinahe überquellen.

Wie er direkt nach Erwachen aus der Bewusstlosigkeit die Situation erfasst und mit klaren Anweisungen an jeden Einzelnen das Ruder übernimmt, ist dabei erst der Anfang. Mehr als einmal macht Saru seine Position in dieser Episode freundlich, aber bestimmt deutlich ("I am not asking, I am telling you").

Ein führungsstarker, empathischer Sternenflotten-Captain ist genau das, was die Discovery schon lange braucht ("I’m talking because I’m scared" - "I know. Keep talking, Ensign"). Und dann gibt er auch noch durchaus sinnvolle Anweisungen - wie etwa, dass bis auf Weiteres immer mindestens zu zweit gearbeitet werden muss und man keinesfalls das Schiff verlassen soll, auch wenn draußen alles spannend ist.

You are dismissed.

Howdy, Fremder - Part II

Wie gut, dass diese Ansage nicht für den Captain und auserwählte Begleitung selbst gilt. Tilly hat per … irgendwie funktionierenden Scannern allerlei über den Planeten herausgefunden - welche Mode gerade so angesagt ist, dass Leben in künstlich geschaffenen, unterirdischen Lufteinschlüssen existiert und es auch genau den Rohstoff gibt, den es zur Reparatur der Discovery braucht.

Also geht es im Zweier-Team auf Außenmission aka kleiner Island-Spaziergang. Ob Tilly sehr enttäuscht ist, dass “No one has ever been here before" nicht stimmt, weil Burnham schon letzte Woche über scheinbar denselben Vulkangesteinabschnitt gestiefelt ist und man im Hintergrund touristische Wanderer des 21. Jahrhundert sieht? Nach dem Ego-Boost von Saru ("We are introducing us to the future. You, Ensign Tilly, are a wonderful first impression."), wird sie hoffentlich nicht zu geknickt sein.

Gelandet sind sie auf einem namenlosen Planeten, auf dem kräftig Tagebau betrieben wurde, was deutliche Spuren hinterlassen hat. Die Bewohner sind im Star-Trek-Universum keine Unbekannten, es handelt sich um Coridaniten, die fern der Heimat auf dem Kolonie-Planeten ausharren. Coridan selbst hatte einst reichlich Dilithium-Vorkommen, und es ist anzunehmen, dass zumindest vor "The Burn" auch auf der Kolonie danach geschürft wurde.

Wir bekommen jedoch nur die Überreste im "Westworld meets Westeros"-Stil zu sehen. Wieso zur Hölle sind im 32. Jahrhundert nach wie vor abgewetzte Ledermäntel die Standarduniform für Outlaw-Möchtegern-Bösewichte?

It’s part of what they are

"Starfleet Regulation 256.15 'Officers shall display behavior befitting an officer at all times' which is why we're not freaking out right now by being held at phaser-point by a bunch of strangers. It's actually really scary so could you please lower your weapons or, I don't know, tell us your names so one of those things isn't true?"

Tilly geht hier aufs Ganze und setzt darauf, dass der Großteil aller Wesen nicht vorrangig aggressiv und bösartig ist. Sie ist zwar immer noch ein Azubi, aber eben absolut Sternenflottenmaterial, und die Regularien helfen hier in Unsicherheiten - zum Glück mit Erfolg. Kal weiß prinzipiell von der Föderation und ist ihr positiv gegenüber eingestellt. Wer sich als Sternenflottenmitglied zu erkennen gibt, hat sein Vertrauen.

Nun wissen wir, dass ganz bestimmt nicht jedes Sternenflotten- und Föderationsmitglied stets Gutes im Sinn hat. Zwar ist die Föderation in Kals Welt nicht komplett verschwunden, und es gibt vereinzelt Sternenflottenschiffe, aber noch ist uns nicht bekannt, in welcher Form diese weiterhin besteht und betrieben wird - auf jeden Fall ziemlich zusammengeschrumpft und für die meisten nicht präsent, schon beinahe eine Legendenerzählung vergangener Zeiten. Wie es mit fernen Konzepten oft ist, werden sie auch gerne mal überhöht und sich an die Idee einer derartigen Institution geklammert. Umso trauriger, dass wir Kal nicht irgendwann am Ende der Staffel als Ensign der Sternenflotte in der neuen Föderation sehen werden.

Ausgerechnet der schnöde Möchtegern-Bösewicht Zareh hingegen könnte noch einmal auftauchen, so fern er denn das parasitäre Eis überlebt. Sollte Sarus "es liegt nicht in unserer Hand über ihn zu entscheiden, wir bringen ihn nicht um" irgendwie nobel oder so wirken, nachdem sie die namenlosen Handlanger kurz davor im Kampf getötet haben (ein paar vielleicht nur kräftig betäubt, aber ein Genickbruch war mindestens dabei)?

Zwar werde ich bei kämpfender Georgiou immer ein wenig die Augen drehen ebenso wie bei Deus-Ex-Georgiou als Retterin in letzter Minute, aber immerhin nehme ich der Kombi Georgiou und Saru mit seinen Post-Vahar’ai-Superkräften eher ab, in absoluter Unterzahl und ohne fancy moderner Waffen die Gegner zu erledigen. Mehr als Burnham und Booker bei ihrem Kampf-Workout auf dem Kurier-Markt nebst Tour durch Island.

Auch wenn sich Georgiou Captain Saru erst einmal unterordnet, ist nicht recht klar, warum man sie überhaupt frei rumlaufen lässt. Ab in die Brick, vielleicht sogar mit intensiver Betäubung außer Gefecht gesetzt - sie ist doch ein viel zu großes Risiko für alle. Und genau wie jeder andere auf dem Schiff hat sie alles verloren und keinerlei Autorität mehr, egal wie oft sie von Sektion 31 redet. Sie mag ab und an im richtigen Moment auftauchen und helfen, aber sie ist zu unberechenbar, macht vor allem Ärger und würde Saru am liebsten essen.

Helpless is a shitty feeling

An Bord der Discovery wird fleißig daran gearbeitet, das Schiff wieder startklar zu machen. Wie erhofft bekommen wir etwas mehr von der Crew zu sehen. Brücken-Nebencharaktere wie Bryce und Owosekun tauchen zwar nur kurz auf, aber immerhin mit Namen und auch Linus darf was sagen und Georgiou als Fernrohr dienen.

Wen ich ehrlich gesagt verdrängt und beinahe komplett vergessen hatte, ist Nhan. Rachael Ancheril ist für Staffel 3 zum Hauptcast gestoßen. In diesem Fall begrüße ich die kurze Wiederholung: Sie ist von der Enterprise zur Discovery gewechselt und hat sich für die Reise in die Zukunft entschieden, um Airiam (die sie aus der Luftschleuse geschmissen hat), zu ehren. Hier dient sie nun als neue Sicherheitsoffizierin (nehme ich an), die noch lernen muss, insbesondere Georgiou nicht alles zu glauben.

Mehr Screentime erhält die Beziehung Stamets-Culber. Als Fan von Krankenhausserien war die herzliche Triage “Oi, wach aus dem Koma auf, wir brauchen das Bett!" ebenso ein gern gehörtes Gimmick wie die liebevollen Neckereien. Culber ist nach seiner Rückkehr von den Totgeglaubten und totaler sozialer Isolation in der Sporen-Zwischenwelt erstaunlich schnell zurück mit alter Stärke auf der Krankenstation. Da kann er natürlich nicht erwarten, dass Stamets auf seine Anordnung hört und das Bett hütet, bis er wieder komplexe Sätze buchstabieren kann. Wir haben genug Star Trek gesehen, um zu wissen, dass man Sternenflottenoffiziere dafür schon betäuben oder festketten müsste.

Dies wird zum Glück gleich selbst thematisiert, mit der Hilfe von Tig Natoros Alter Ego Jett Reno. Die Chefingenieurin macht sich einen Spaß daraus, den schmerzleugnenden Stamets zu quälen, während sie selbst von chronischen Schmerz geplagt ist und unter starken Medikamenteneinfluss steht. Ein wenig kommt Pille/Spock-Nostalgie hoch beim Schlagabtausch, als Stamets durch die Jeffries-Röhre kriecht.

Die einen klammern sich an ihre Arbeit und Sternenflottenideale, andere an Liebe oder eben liebgewonnene fiese Neckereien. Whatever floats your boat and keeps you sane, mate. Und das eine ganze Folge lang, ohne Burnham. Also fast. Am Ende taucht sie doch noch als Retterin in der Not auf und befreit den gestrandeten Wal Discovery aus den Fängen des White-Walker-Eises. Lediglich ein Jahr Zeitunterschied bei einem derartigen Sprung ist ja wirklich harmlos - gibt uns aber die Möglichkeit eines Schnelleinstiegs in die neuen Gegebenheiten, ohne Burnham über mehrere Folgen bei der Suche nach der Discovery zugucken zu müssen.

Fazit

Die ersten beiden Episoden spiegeln sich und bieten zusammen einen vielversprechenden Start in die Staffel und vielleicht gar die Zukunft von Star Trek: Discovery. Ich begrüße die Entscheidung, die Ankunft in der neuen Welt aufzuteilen und so der Geschichte und den Charakteren jeweils genug Zeit und Raum gegeben zu haben. Die Crew ohne Burnham agieren zu sehen ist eine Freude, das Schiff hat endlich einen würdigen Captain (Pike war ja mehr Gastspieler), die Folge ist in sich stimmig erzählt und mit ganz viel positivem Star-Trek-Gefühl versehen.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 3.01

PODCAST

Star Trek: Discovery legt mit "That Hope is You, Part I" einen durchaus vielversprechenden Start in die mittlerweile dritte Staffel hin. Allerdings wurde uns bei New Trek schon so manches mal Hoffnung und Herz gebrochen, daher scheint im Podcast auch nur vorsichtiger Optimismus durch.

Im TrekCheck schwärmen Johannes, Anne und Nele zum einen von Island, haben dabei aber ein Delirium-Problem und die große Frage steht im Raum: Was macht Föderation und Sternenflotte eigentlich aus und wie gefährlich ist die totale Ergebenheit an Fahne und militärische Struktur? Welchen Part in der Rollenspielgruppe übernimmt Book? Und wird Grudge uns am Ende alle retten?

Star Trek: Discovery - Neuer Trailer zum weiteren Verlauf der 3. Staffel

Nach dem Start der 3. Staffel von Star Trek: Discovery in der vergangenen Woche hat CBS All Access noch einmal einen neuen Trailer veröffentlicht. Dieser gibt einen Ausblick darauf, was die Fans in den kommenden Folgen erwartet. Weiter geht es mit der neuen Staffel in Deutschland am nächsten Freitag. Die zweite Episode trägt den englischen Titel "Far from Home".

Der Auftakt der 3. Staffel zeigt in der vergangenen Woche die Ankunft von Michael Burnham 930 Jahre in der Zukunft. Dort musste sie allerdings lernen, dass die Föderation mittlerweile faktisch aufgehört hat, zu existieren und nur noch kleine Enklaven, die Flagge hochhalten. Auch fehlt aktuell jede Spur der Discovery, was bedeutet, dass das Schiff nicht gleichzeitig mit Burnhamn die Zukunft erreicht. Für die Sternenflotten-Offizierin heißt es nun warten, während sie gleichzeitig versucht, den Wiederaufbau der Förderation in die Wege zu leiten.

Insgesamt umfasst die 3. Staffel von Star Trek: Discovery 13 Folgen. Eine 4. Staffel der Serie ist ebenfalls schon bestellt. Die Bekanntgabe erfolgte in der vergangenen Woche, die Arbeiten an den neuen Folgen laufen aber wohl schon länger. So soll die Produktion bereits Anfang November beginnen. Mit der Ausstrahlung kann Ende 2021 oder Anfang 2022 gerechnet werden.

Star Trek Discovery 3x02 Promo "Far From Home" This Season

That Hope is You, Part I - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.01

SPOILER

Nach gut anderthalb Jahren fliegt die Discovery wieder auf in neue Abenteuer. Wie schon beim Finale der zweiten Staffel führte Olatunde Osunsanmi für Star Trek: Discovery 3.01 Regie. Mit “That Hope is You, Part I” (Ein Zeichen der Hoffnung, Teil I) gelingt ein durchaus vielversprechender Staffelauftakt, der ein wenig wie ein Neuanfang wirkt.

Autsch, das tat weh

Bislang wurde ja gerne der unsympathische Charakter von Michael Burnham, ihr ständiges Geflenne und das facettenarme Schauspiel von Sonequa Martin-Green kritisiert - auch wenn es dazu geteilte Meinungen gibt. Umso erfreulicher, dass beiden in dieser Episode nicht einfach nur viel Handlung und Screen-Time, sondern eben auch Raum zum Atmen und Entfalten zuteil wurde. Martin-Green kann, wenn man sie lässt.

Zwar sieht man Burnham auch diesmal nach wenigen Minuten wieder weinen - das aber aus sehr verständlichen Gründen und mit ergreifend dargestellter tiefer Vielschichtigkeit. Nicht jeden Tag fällt man weit weg von Zuhause auf sich alleine gestellt mit einem Zeitsprung von 930 Jahren aus einem Wurmloch auf einen fremden Planeten und nimmt auf dem Weg einen Raumschiff-Unfall mit - ohne jetzt auch noch alle Erlebnisse der letzten zwei Staffeln aufzuführen. Zwar ist es nicht wie gehofft und angepeilt Terralysium, sondern der Planet Hima geworden - aber sie hat überlebt und die Scanner melden vielfältige Lebensformen. Neben Weinen aus Schmerz, Erschöpfung und Alleinsein also auch aus Erleichterung, weil der Hauptkern der Mission - Control besiegen und von der Auslöschung allen Lebens abhalten - geglückt scheint. Und da wusste sie noch nicht mal, dass sie später am Tage noch von einem Trance-Wurm verschluckt und wieder ausgespuckt wird ...

An dieser Stelle möchte ich gar nicht mehr viele Worte über den Roten-Engel-Anzug verlieren. Möge er noch die nötigen Daten an die Discovery senden und sich dann wie angewiesen selbst zerstören. Bye, Felicia. Meinethalben kann er ja in ein paar Jahrzehnten in irgendeiner neuen Trek-Serie als Relikt aus dem Kanon wieder auftauchen.

Zwar kommt mir Burnham nach dem Himmelssturz etwas zu unbeschadet daher, allerdings ist der Wechsel hin zum Sternenflottenoffiziersmodus, den sie zu nutzen weiß, um sich überhaupt zum Aufstehen und Weitermachen zu motivieren, sehr gelungen und ja, auch emotional berührend. Ein kurzes Sammeln nach dem Crash und dann die antrainierte Routine: Schlüssel, Handy, Portemonnaie beziehungsweise Abzeichen, Phaser, Tricorder, Notnahrung - auf ins Unbekannte.

Howdy, Fremder!

Burnham hat aber auch echt immer Glück. Bei allen möglichen Zufällen kracht sie ausgerechnet in das Raumschiff eines Typen, der ihr noch voll nützlich wird, dabei wahnsinnig gut aussieht und sich nach ein wenig hübschem Kampfgeschehen auch noch sehr leicht davon überzeugen lässt, sich ihrer (missmutig) anzunehmen.

Cleveland “Lando” “Book” Booker-Solo ist der ausgewählte Erklärbär und Reiseführer in diese für uns alle neuen Welt. Sein eigentlicher Job ist Kurier beziehungsweise Artenschützer, wie wir später erfahren. Dafür stiehlt er gerne mal wertvolle Frachten und ist entsprechend gefühlt permanent auf der Flucht vor den von ihm Gehörnten. Cosmo, der Space-Ork/Betelgeusian, spielte übrigens Doug Jones’ Kollege David Benjamin Tomlinson, der in Discovery unter anderen schon als Linus zu sehen war.

Hoffentlich bleiben uns Books Schiff “Nautilus” (eine eigenartige Mischung aus Apple-Store und Luxusautohaus nebst Zigarrenbar) sowie Grudge, die Maine-Coone-Katze mit Schilddrüsenunterfunktion und Königinnen-Status (Gestaltwandler? Alien? Da kommt doch noch was!), erhalten. Book jedenfalls dürfte ein neuer Hauptcharakter/Ersatz für Tyler/Voq sein und Burnham von nun an ein wenig begleiten.

Vielleicht finden wir auf diesem Weg auch noch mehr darüber heraus, was er ist und wieso er so toll leuchten und Wasser sowie Pflanzen bändigen kann. Für den Anfang gebe ich mich mit “ist eine genetische Mutation, und weil ich anders bin, hat mich meine Familie verstoßen” und Future-for-Future-Aktivist zufrieden.

Schönes Island

Wow, Reykjavík hat sich prächtig entwickelt. Wobei man den Look einer generischen Sci-Fi-Großstadt à la Blade Runner und Fünften Element halt schon mögen muss. Auf der Suche nach Ersatzteilen für den defekten Antrieb macht sich Book mit Burnham auf zu einem der Kurier-Umschlagplätze, der zumindest in diesem Fall von Orionern und Andorianern gemeinschaftlich betrieben wird.

Auch wenn sich alles einen Hauch mehr nach Star Wars anfühlt, so ist das rege Treiben bekannter Aliens aus dem Trek-Universum - etwa Tellariten und Lurianer als Handlanger - in einem sehr kapitalistisch geprägten (Schwarz-)Marktumfeld ein spannender Handlungsort. Gerade weil man hier nicht mit hochrangigen Offizieren und Diplomaten zu tun hat. Schon die wenigen winzigen Einblicke in den Alltag der Arbeiter (“Das dauert wieder so lange”, “Sollen wir erstmal ein Sandwich essen gehen?”) sind ein gern gesehenes Schmankerl.

Burnham als (etwas spleenigen) Fan von quasi “Living History” und Händlerin antiker Gegenstände zu verkaufen, ist ein durchaus amüsanter Schachzug, um gar nicht viel Zeit auf die Erklärung zu verschwenden, wieso sie zur Zeit unpassend und aus der Welt gefallen zu sein scheint. So lässt sich das einfach und fix in die laufende Geschichte mit einbinden.

Auch wenn es Drogen dazu braucht, aber Burnham im Redeschwall, lachend ob ihrer angestauten Verwirrtheit zu sehen, ist nicht nur eine nette Abwechslung, sondern zudem sehr schön in Szene gesetzt und gespielt. Trotz Warnung würde ich nun aber doch auch gerne Tilly unter Einfluss des Sprays erleben.

Von spannenden Handlungs- zu schicken Drehorten: Nicht nur Burnham, auch die Produktion hat es in neue Welten geführt. Gruppenausflug mit Außenmission in Island war angesagt. Und man weiß die Insel zu nutzen. Hinter einem Wasserfall in uriger Landschaft kommt so ein Sci-Fi-Kampf (inklusive Mega-Man-Kanonen-Arme) nochmal besonders gut, und natürlich tauchen Burnham und Book in eine der blauen Lagunen und warmen Quellen ein, nachdem sie schon durch die Weite des schwarzen Vulkangesteins gelaufen sind.

Hoffnung ist eine mächtige Kraft

Springen wir am Ende noch einmal an den Anfang - die Episode startet mit einer Einstiegsszene, die erst einmal im Raum stehen gelassen wird und ein wenig nach Black Mirror anmutet. Es stellt sich heraus: Es handelt sich um Aditya Sahil (Adil Hussain), der seit vier Jahrzehnten die Tradition seiner Familie fortführt und als einer der letzten verbliebenen Föderations-Anhänger auf einer mehr oder minder verlassenen Station die Stellung hält.

Im Verlauf der Folge erfahren wir, dass es vor etwa 100-200 Jahren zum großen Knall “The Burn” kam: Nahezu alles Dilithium ist spontan und zeitgleich explodiert. Da Dilithium in jedem Warp-Kern enthalten ist, sind entsprechend quasi alle Föderations-Schiffe komplett zerstört und viele Tote zu beklagen. Das hat weitreichende Folgen: Reisen über weite Entfernungen ist nur noch schwer, sehr langsam oder auch einfach gar nicht möglich. Selbst Langstreckensensoren sind nicht mehr existent oder zumindest selten. Die Föderation hat sich noch bemüht, bestehen zu bleiben. Aber im allgemeinen Chaos und weil zwischen den meisten Sektoren keinerlei Kontakt mehr besteht, ging sie unter - nur vereinzelte “wahre Gläubige” halten an der Föderations-Idee fest.

Nun könnte man vermutlich die Idealisierung einer militärischen Hierarchie unter Aufgabe des eigenen Selbst nebst Glorifizierung von Fahnen sowie die ordentliche Portion Pathetik kritisieren. Ändert allerdings nichts daran, dass Sahil und auch Burnhams Ausführungen darüber, dass die Föderation mehr ist als nur Schiffe, für mich komplett funktionieren - dann lasse ich mich auch gerne mit derlei Schmalz verführen und rühren.

Fazit

Es war eine gute Entscheidung, sich erst einmal auf wenige Figuren und einen Handlungsstrang zu konzentrieren, um in der neuen Staffel/Welt anzukommen. Es hilft ungemein, dass Martin-Green und Ajala alias Burnham und Booker sowohl im Schauspiel als auch als Charaktere sofort überzeugen und harmonieren.

Mit sichtbar hohem Produktionsaufwand und in sich stimmiger Erzählung gelingt ein vielversprechender Staffelauftakt. Es braucht Hoffnung. Nicht nur darauf, dass die Serienmacher mit dem Zeitsprung die Kurve tatsächlich bekommen und Discovery neu durchstartet.

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