Star Trek: Discovery

Die Serie spielt im Star-Trek-Prime-Universum, zehn Jahre vor der Classic-Serie und der Fünf-Jahres-Mission von Captain Kirk.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 3.09

PODCAST

Lack, Leder und düsteres Gelächter: So langsam geht es für  Star Trek: Discovery in die Schlusskurve. Da ist es nicht unbedingt hilfreich, dass Folge 3.09 “Terra Firma, Teil I” einen Abstecher in Spiegeluniversum-Gefilde macht. Das TrekCheck-Team tut sich diesmal schwer, ein paar gute Haare an der Folge zu lassen. Und das, obwohl Hannes seinen Einsatz für den Podcast so sorgfältig geplant hat, um die in dieser Doppelfolge offenen Handlungsfäden zusammenführen zu können.

Die Macher sahen das allerdings offenbar vollkommen anders, und so zerfällt die Folge vollkommen konzeptlos in einen ausführlichen Backdoor-Piloten für Georgious eigene Serie Sektion 31. Die eigentliche Haupthandlung wird in ein paar pflichtweise eingeworfenen Anmerkungen durch Stamets, Adira und eine kelpianische Videobloggerin abgearbeitet.

Der Hauptteil der Folge zieht sich wie Kaugummi in die Länge. Die nochmal extra düster aufpolierte Darstellung der Ultra-Bösewicht-Versionen der Crew langweilt schnell und die Erzählung dümpelt ziellos vor sich hin. Statt hintergründiger Regimekritik an tatsächlichen faschistischen Staaten gibt es einen Wanderzirkus, einiges an Overacting und einen blutigen Pausenkampf im Schiffsflur. Allein der kleine Rückbezug zur TOS-Folge "Griff in die Geschichte" macht dem Podcast-Team etwas mehr Spaß.

Terra Firma, Teil I - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.09

SPOILER

Star Trek: Discovery 3.09 “Terra Firma, Teil I” bringt uns zurück ins Spiegeluniversum. Für Regisseur Omar Madha (The 100, Another Life) ist es die erste Arbeit im Trek-Universum. Das Drehbuch zum Zweiteiler stammt von Alan McElroy, der bereits gewisse Discovery-Erfahrung hat.

Nebulöse Nachricht

Adira hat wegen Schlafmangel den entscheidenden zweiten Teil der gängigen IT-Problem-Lösung “Hast du schon versucht, es aus- und wieder anzustellen?” vergessen. Das wirft die Arbeit an der Decodierung des empfangenen Notrufs aus dem Verubia Nebel um einige Stunden zurück, bringt dafür aber der Neben-Neben-Handlung an Bord der Discovery gute zwei Minuten mehr Laufzeit in dieser Episode.

Ansonsten bleibt die Frage nach dem Ursprung des Burns und die Auswertung der so hart errungenen SB-19-Daten anscheinend arg egal. Immerhin wissen wir nun, dass es sich nicht um ein uns bekanntes Sternenflotten-Schiff handelt, sondern um ein rund hundert Jahre altes Notsignal eines Föderationsschiffes von Kaminar. Was natürlich Saru sichtbar bewegt, immerhin war er zu seiner Zeit der erste und quasi einzige Kelpien, der überhaupt vom Leben jenseits seines Planeten wußte. Und dann sieht diese Dr. Issa der KSF Khi’eth auch noch seiner Schwester Siranna arg ähnlich (unter der Maske steckt bei beiden Hannah Spear).

So gerne Saru sich sonst mit Admiral Vance trifft, um seinen Rat und seinen Zuspruch einzuholen, jetzt mag er dann doch lieber erstmal warten und weiter analysieren, um was es sich handelt - und sich derweil alleine in seinem Quartier die Aufnahme von Dr. Issa in Dauerschleife ansehen.

Die Bedürfnisse weniger

Der Brillenmann Kovich (David Cronenberg) ist zurück und klärt Doctor Culber über Georgious mysteriöse Krankheit auf. Beobachtet wurde das gleiche Phänomen etwa bei Lt. Yor, einem Sternenflotten-Soldaten aus den Zeitkriegen im 24. Jahrhundert, der zudem aus der Kelvin-Zeitlinie/Alternativuniversum stammt. Das Problem scheint zu sein, dass allerlei Körperbestandteile nicht mit der Kombination aus Zeitreise und Sprung aus einem anderen Universum klar kommen.

Muss eine sehr schmerzvolle Angelegenheit sein, bei der die Sterbehilfe noch das beste ist, was man anbieten kann - glaubt Kovich. Der hat allerdings auch nicht wie Culber das gigantische gesammelte Wissen der Sphärendatenbank nebst der Crew wohlgesonnener KI zur Hand. Demnach gäbe es auf dem Planeten Danus V für Georgiou eine 5-Prozent-Chance eine Heilung zu finden.

Nachdem die Discovery in der vergangen Woche Taxi extra für Book gespielt hat und auf sehr fragwürdige Weise trotz expliziter anderer Befehle eine kämpferischen Auseinandersetzung mit der Smaragdkette einging, entdeckt Saru nun die ein oder andere moralische Grundfeste der Sternenflotte wieder für sich: Die Bedürfnisse vieler sind wichtiger als die Bedürfnisse weniger. Neenee, für jemanden wie Georgiou macht man keine Extratouren. Ich meine, was sie überhaupt noch an Bord macht und warum sie nicht lange irgendwo festgesetzt wurde, frage ich mich ja schon länger, aber nun hat man sie schon so lange mit durch Zeit und Raum genommen, da lässt man sie doch auch nicht mal eben so qualvoll sterben, wenn es eine Resthoffnung auf Heilung gibt.

Das sieht auch Admiral Vance so, der zudem glaube ich gar nicht so abgeneigt ist, die Discovery erstmal nicht mit in den Kampf zu nehmen, sondern lieber fernab bei einem unbewohnten Planeten in Sicherheit zu wissen. Saru gegenüber stellt er es als Lektion in Führungsstärke dar: Wenn man als Captain ein ertrinkendes Crew-Mitglied nicht rettet, verliere man den Respekt der kompletten Mannschaft und vor sich selbst.

Also geht es per Pilzantrieb auf nach Danus V.

Narnia

Ob das wohl der Abschied von Georgiou in Discovery ist? Die Bildsprache deutet so etwas an: Die Wanderung durch die ewigen Schneelandschaft von Danus V gleicht auffallend unserer ersten Begegnung mit Prime-Georgiou und Burnham auf der Außenmission auf einem Wüstenplaneten gleich zu Beginn der Pilotepisode.

Allerdings waren die Gespräche damals interessanter. Georgious anhaltend miesepetriges Rumgiften zur Untermalung ihrer (schrumpfenden) Bösartigkeit ist und bleibt einfach extrem ermüdend. Gerade, weil es ja auch schon an Bord der Discovery anfing mit schnarchigen Möchtegern-Kampf mit Burnham. "Bring mich um, damit ich ehrenvoll sterben kann" - jaja, hier, nimm einen Keks, ist gut jetzt. Bei ihr ist es eine feste Charaktereigenschaft und nicht durch den jetzt bekannten Ausblick auf einen baldigen, schmerzhaften Tod begründet.

Zum Glück treffen sie auf Danus V aka Narnia nicht auf die weiße Hexe, sondern auf eine magische Fee namens Carl. Carl spricht in Rätseln und flachen britischen Wortwitzen, scheint aber freundlich gesinnt. Warum sollte man auch nicht einem knuffigen Hutträger mit Hang zu altmodischer Kleidung mitten im Nirgendwo mit einer frei herumstehenden Tür in eine andere Dimension vertrauen?

Seine Lektüre gibt einen Hinweis darauf, wer oder was Carl sein könnte: "The Star Dispatch" ist zwar eine fiktive Zeitung, die in diversen Filmen und Serien gewählt wird, im Star-Trek-Universum tauchte sie erstmals mit einer Ausgabe der 1930er-Jahre in “Griff in die Geschichte” (Raumschiff Enterprise 1.28) auf. In der Episode trifft die Crew der Enterprise auf die oder den Hüter der Ewigkeit. Durch ein Portal der Hüter kann man sich nicht nur sämtliche Geschehnisse der Vergangenheit und Zukunft, auch alternativer Zeitlinien, anzeigen lassen, sondern sich auch selbst hinein begeben.

Gothic Noir

Georgiou hat nicht viel zu verlieren, also klettert sie durch Carls Kleiderschrank und landet zu ihrer Verwunderung als Imperatorin zurück im Spiegeluniversum, zeitlich kurz vor der Ankunft der Discovery beziehungsweise der Handlung der ersten Staffel.

Hier sind ihr alle vertraut böse-böse Bösewichte. Sehr eindimensional, so richtig spaßig sind nur die Klamotten - also wenn man einen Lack-, Latex- und Leder-Fetisch oder Hang zu körperbetonter schwarzer Kleidung mit güldenen Rüstungselementen hat. Das ist alles sehr wichtig, damit man auf keinen Fall irgendjemand aus dem Spiegeluniversum mit ihren Zwillingen des Prime-Universums verwechselt. Überall laufen sie blutlüsternd auf der Suche nach Schmerz durch die Gänge und pöbeln alles und jeden um sich heran. Das muss doch sehr anstrengend und langweilig sein.

Ja, irgendwie kann das Spiegeluniversum mit Captain Killy, diabolischer Burnham und der Rückkehr von Landry (Rekha Sharma) und Airiam (Hannah Cheesman), den schwarzen Schiffsdroiden, den opulenten Kleidern der Imperatorin und dem theatralischen Mörder-Stamets mit seinem chinesischen Zirkus trotzdem unterhalten, vor allem, weil den Darstellern der Spaß anzusehen ist. Aber fünf Minuten reichen dann auch schon wieder. Braucht es wirklich so viel Aufwand, um zu zeigen, dass die Reise mit der Prime-Discovery auch jemanden wie Georgiou geändert hat?

Andererseits sind es die Nahaufnahmen und Kameraschwenks hin zu düsterer Owosekun wert. Ohne ein Wort in ihrer Rolle zu sprechen, sagt Oyin Oladejo viel. Die führt doch was mit Detmer, Burnham und Killy im Schilde. Werden wir Imperatorin Owosekun zu sehen bekommen? Und wo bleibt Lorca? Georgious zweite Chance für alternative Entscheidungen können ja wohl kaum ohne Konsequenzen bleiben.

Nun stellt sich die Frage: Ist das alles eine Art Simulation? Ein Test, ob es Georgiou wert ist, gerettet zu werden? Wenn es sich wirklich um die Hüter der Ewigkeit handelt, so ist eher anzunehmen, dass Georgiou tatsächlich die Geschehnisse der Vergangenheit ändern kann und eventuell eine weitere alternative Zeitlinie schafft. Bleibt sie im Spiegeluniversum oder landet sie schließlich zur Heilung zwar wieder im 23. Jahrhundert, aber im Prime-Universum, um dort mit ihren eigenen Sektion-31-Abenteuern durchzustarten?

Fazit

Eine Bewertung fällt nach der ersten Hälfte einer Doppelfolge schwer. Wir werden sehen, in welche Richtung es uns nächste Woche treibt. Es zeigt sich jedoch schon jetzt das Problem, dass Georgiou über all die Zeit recht eindimensional und damit nicht sonderlich interessant geschrieben wurde.

Wieso also sollte mich ihr Schicksal nun kümmern - und dann auch gleich noch genug für eine Doppelfolge? Ich lasse mich aber gerne überraschen.

The Guardian of Forever in Star Trek Discovery vs TOS vs TNG

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 3.08

PODCAST

Nachdem die Meinungen zur letzten Episode gespalten waren, ist sich das TrekCheck-Trio in ihrer Ansicht zu Star Trek: Discovery 3.08 einige: "Das Schutzgebiet" (OT: "The Sanctuary") ist gar nicht mal so gut. Auch wenn Jonathan Frakes die Regie geführt hat.

Zwar gibt die Handlung rund um Kweijan einen gewissen Rahmen, ist aber für sich zu egal, um die Folge vernünftig zusammenzuhalten. Osyraa bleibt in der klischeehaften Bösewichtart zu flach und damit zu uninteressant. Der Humor funktioniert nicht und geht eher nach hinten los. Und der Versuch neben der Hauptfigur Burnham auch die Crew mehr einzubinden ist zwar an sich ein Pluspunkt, die Art und Weise allerdings ist in dieser Folge eher ein ziemliches Ärgernis.

The Sanctuary - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.08

SPOILER

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Für Star Trek: Discovery 3.08 “Das Schutzgebiet” (OT: “The Sanctuary”) hat abermals Jonathan Frakes nach einem Drehbuch von Kenneth Lin (House of Cards) und Brandon Schultz (Star Trek: Discovery, Short Treks) die Regie übernommen. Entsprechend wenig überrascht eine gewisse humoristische Note und zumindest der Versuch, mehr von der Crew einzubinden.

Die Böse Hexe des Westens

Ihr Ruf eilt ihr voraus, nun bekommen wir sie endlich auch mal zu Gesicht: Die überall gefürchtete Osyraa (Janet Kidder), Anführerin der Smaragdkette. Haben wir bislang nur ihre Handlanger kennengelernt, so präsentiert Osyraa selbst sich zumindest vor der Kamera recht alleine.

Um ihre Skrupellosigkeit zu unterstreichen, bekommt ihr Neffe vom Ruhrpottplaneten (3.06 “Aasgeier”) noch schnell einen Namen (Tolor) nebst Zweizeiler-Hintergrundgeschichte (Osyraa tötete Vater und adoptierte Tolor), ehe er wegen seiner Verfehlungen einem Trancewurm zum Fraß vorgeworfen wird. Eine Szene, die vollkommen unnötig ist, aber so konnte man bereits vorhandenes CGI-Material noch einmal nutzen und sehr dick doppelt unterstreichen, dass Osyraa wirklich skrupellos böse-böse ist.

Die Verbindung zur Discovery erfolgt über Book. Dieser bekommt Nachricht von seinem Bruder Kyheem, dass ihr Heimatplanet Kweijan in Gefahr sei. Schon seit Jahrzehnten herrscht eine Art biblische Plage, Fangschreckenkrebse zerstören die Ernte, und es droht ständig eine Hungersnot. Osyraa brachte vor rund 15 Jahren eine Lösung, jedoch wollte sie das Schädlingsbekämpfungsmittel nur gegen die Trancewürmer des Planeten tauschen, die auf dem Markt einen guten Preis erzielen. Nun scheint eine Auseinandersetzung mit Osyraa zu drohen, und Book will sofort zur Hilfe eilen.

Die Überheblichkeit der Föderation

Wobei eilen heißt, dass es wahlweise zwei Wochen dauert oder aber er die Reise durch einen Transwarptunnel mit einer Chance von 1:2 nicht überlebt. Wie praktisch an Bord der Discovery zu sein, die mal eben hin hüpfen könnte.

Es braucht auch nur maximal zwei Sätze, um Admiral Vance davon zu überzeugen, dieses für die Föderation enorm wichtige Schiff mit dem einzigartigen Antrieb als Taxi direkt vor das Waffensystem des aktuell größten Gegners zu schicken - und das auch noch für einen recht bedeutungslosen Planeten. Sehr gute Taktik, diese Entscheidung leuchtet sofort ein. Wie könnte man besser die diplomatische Größe und Schiedsrichterehre der Föderation repräsentieren. Alles bisher zeigte Admiral Vance auch, dass man den Worten der Discovery-Crew völlig trauen kann, natürlich werden sie in keiner Weise kämpferisch eingreifen, sondern nur den Beobachterposten einnehmen.

Ryn und Osyraa machen noch einmal deutlich, was in der Staffel bisher mitschwang: Zwar gibt es die “wahren Gläubigen”, doch eben auch viele, die von der Föderation nicht sonderlich begeistert sind. Wie Ryn erzählt, gilt die Föderation gar als großer Schrecken, mit dem man Kindern Angst macht. Und Osyraa spricht die Überheblichkeit der Sternenflotte an, als Saru sie mit irgendwelchen Regularien darüber belehren will, dass sie Unrecht tut.

In welcher Welt? Warum sollte die Sternenflotte/Föderation hier irgendetwas zu sagen haben? Regularien funktionieren nur, wenn sich alle darauf geeinigt haben und/oder das Übertreten klare Konsequenzen hat. Admiral Vance und auch Saru selbst sollte doch eigentlich klar gewesen sein, dass es auf eine kämpferische Auseinandersetzung hinaus läuft. Was haben sie denn sonst in der Hand, um Osyraa zu stoppen?

Waldspaziergang

Abstand halten ist auf Kweijan kein Problem. Wohnt da überhaupt irgendwer? Also außer Books Bruder in seinem Tatort-Architekten-Haus mitten im Wald mit einer handvoll stummen Handlangern. Dafür, dass erneut eine Hungersnot droht, fließt viel Energie in den Erhalt eines ziemlich mächtigen Schutzschildes, durch den man schwer kommunizieren oder beamen kann.

Nun bin ich ja eigentlich froh, dass wir in dieser Staffel wieder in jeder Folge eine kleine rahmengebende “Handlung der Woche” haben. Die Geschichte rund um Kweijan nimmt allerdings recht viel Raum ein, dafür dass inhaltlich nicht viel passiert. Auf sinnlose Kämpfe im Herbstlaub und Books Familiengeschichte hätte ich auch weiterhin verzichten können.

Book, the artist formally known as Tareckx/T’rex, hat sich mit seiner Familie ob des Deals mit Osyraa überworfen. Osyraa nutzt Kyheem, um über Book an Ryn zu kommen, der ihr dunkles Geheimnis kennt: Sie hat bald kein Dilithium mehr. Warum das nun groß überraschen sollte in einer Welt, in der Dilithium generell Mangelware ist, bleibt offen. Auch zum Erlangen dieser Information hätte es nicht das minutenlange Rumwälzen auf einem Waldboden gebraucht.

Nun geht die Plage auf Kweijan schon viele, viele Jahrzehnte. Die Bevölkerung kann einen sehr effektiven Schutzschild am Laufen halten. Zumindest Kyheem und Book sind Empathen, die mit der Natur kommunizieren können. Es ist vorher sonst noch niemand auf die Idee gekommen, den magisch-wirksamen Empathie-Gesang zu verstärken, da muss nun also die Discovery als große Retterin auftauchen? Zugegeben ist es auch ein sehr hanebüchener Einfall, und dass es funktioniert, ein Ärgernis. Was steckt denn hinter der Empathie? Wie funktioniert das? So wirkt es eben wie spirituelle Magie. Und davon ab: Was passiert denn mit den Fangschreckenkrebsen? Die hatten doch auch einen Grund, warum sie an Land gekommen sind. Verhungern die jetzt auf See? Kommen sie eh nicht  wieder?

Und was genau hindert Osyraa daran, im nächsten Moment zurückzukommen und die gesamte Bevölkerung von Kweijan (also die fünf Leute) umzubringen? Die Föderation hat jedenfalls nicht die Mittel, als Schutz weiter um den Planeten zu kreisen.

Ein großes Ärgernis

Wenig überraschend bleibt es natürlich nicht bei der reinen Beobachterrolle der Discovery. Es gibt jedoch leider keine clevere Lösung der Diskrepanz, dass der Admiral den klaren Befehl gab, auf keinen Fall kämpferisch tätig zu werden und dem Wunsch der Discovery, sofort einzugreifen.

Stattdessen wird eine Entscheidung getroffen, für die eigentlich mindestens Saru, Tilly und Detmer sofort aus der Sternenflotte geworfen und verhaftet gehören. Was ist das bitte für eine komplett bekloppte Idee, die Tilly da kommt und von allen abgenickt wird? Detmer soll mit Books Schiff und Ryns Kenntnissen von der Smaragdketten-Flotte im Alleingang Osyraa angreifen. Weil Books Schiff ja nun nicht zur Sternenflotte gehört und damit nicht die Föderation den Kampf anfängt. Weil das sowohl Osyraa als auch Vance nicht total egal sein wird.

Books Schiff scheint auch Teil so einer Art Car-Sharing zu sein, jeder kann es einfach nutzen. Nichts gegen Detmers Flugfähigkeiten, aber spontan ein fremdes Schiff mit noch einigermaßen unbekannter Technik zu fliegen, ist auch ohne gleich von einem viel größeren Kampfkoloss beschossen zu werden schwierig genug.

Ich weiß noch nicht mal, was mich mehr ärgert: Tillys dämlicher Einfall, bei dem sie sowohl direkte Befehle als auch das Wohl der Crew ignoriert, oder Detmers spontane Heilung. Ich an Admiral Vance Stelle würde auf jeden Fall Saru, Tilly und Detmer suspendieren und anklagen, zumindest aber die Discovery übernehmen und die Crew auf andere Schiffe verteilen. Und Burnham mit Book wegschicken, auch wenn Book nun doch lieber Uniform tragen mag.

Ist das Humor?

Derweil ist die sonstige Crew der Discovery mit eigenen Problemen beschäftigt. Burnham scheint Georgious Zustand gemeldet zu haben, so dass Doctor Culber und Doctor Pollard sie gründlich durchchecken. Zwar bleibt offen, was konkret das Ergebnis ist, aber es scheint ernst, möglicherweise gar tödlich zu sein. Ich tippe nach wie vor darauf, dass Kovich und/oder das Spiegeluniversum damit etwas zu tun haben.

Nun mag ich eigentlich sowohl Wilson Cruz als auch Michelle Yeoh, doch beide funktionieren besser mit jeweils einer etwas natürlicher schauspielenden Kollegin als Gegenüber. Ihre Charaktere sind teils sehr einseitig und aufgesetzt geschrieben, was im Zusammenspiel schnell nervt. Insbesondere bei Georgiou wünscht man sich schon viel früher ein ordentliches Betäubungsmittel. Ihre einseitig sarkastisch-aggressiv-beleidigende Art, was zwischenzeitlich als Humor versucht wird, trägt einfach nicht.

Auch die Sache mit Sarus und Tillys Suche nach einem individuellen, typischen Captain-Spruch für Saru wirkt eher bemüht und in dieser Folge deplatziert. Zumal Saru ja nun nicht neu auf dem Platz des obersten Befehlshabers an Bord ist, wieso also nun die Eile mit einem eigenen Ausspruch und auch die Unfähigkeit, sich selbst einen zu suchen?

Darüber könnte man hinwegsehen - den einen mag es gefallen, anderen nicht. Ärgerlicher wird es rund um Linus. Das könnte ja eigentlich ein durchaus spannender Nebencharakter sein, doch mittlerweile dient er nur noch als Scherz. Wie flach und billig, ja eigentlich was für ein Unding ist das denn bitte? Seit wann wird sich über natürliche Zustände eines Crew-Mitglieds derart lustig gemacht und die Bedürfnisse missachtet, ja geradezu dafür gemobbt? Als Krönung zum Schluss dann tatsächlich ein Kind, das mit dem Finger auf ihn zeigt und lacht und Burnhams “hier komm, klar kannst du ihm einfach mal ins Gesicht fassen und Haut abziehen”. Ohne zu fragen schon mal gar nicht, aber bitte frag auch nicht danach, sondern lass es einfach.

Dey

Stamets und Adira schieben Nachtschichten, um die Informationen der SB-19-Daten und den von Burnham besorgten Blackboxen zu kombinieren. Mit Erfolg: Die Quelle des Burns konnte im Zentrum des Verubin Nebels ausgemacht werden. Außerdem klingt ein aufgefangenes Signal wie die Melodie, die wir von den Barzianern des Samenschiffes oder auch von Adiras Cellospiel kennen. Nachdem alle Störsignale eliminiert sind, ertönt ein anderes bekanntes Geräusch: ein Notsignal der Sternenflotte. An der Stelle der Hinweis, dass im Short Trek “Calypso” die verlassene Discovery in einer Art Nebel auf die Rückkehr der Crew wartet. Noch habe ich die Hoffnung auf weitere Verknüpfung von Short Trek und Serie nicht aufgegeben.

Die freundschaftliche Mentoren-Verbindung zwischen Adira und Stamets und damit auch Culber wird weiter ausgebaut. Nicht nur durch gemeinsames Musizieren in Discoverys eigenem, gut ausgestatteten Musikzimmer. Adira bittet Stamets, geschlechtsneutrale Pronomen zu benutzen. Im Englischen ist “they/them” dafür verbreitet, im Deutschen ist das noch weniger klar geregelt. So wird in den Untertiteln “per” genutzt, in der Synchronisation hat man sich für “dey” entschieden, was bei einer englischsprachigen Vorlage naheliegend erscheint. Beides sind keine Wortneuschöpfungen der Übersetzer, sondern bereits als mögliche geschlechtsneutrale Pronomenform vorgeschlagen und teils in Benutzung.

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Auf jeden Fall ist es schön, dass das Thema nun endlich nicht nur in der Vorberichtserstattung, sondern auch innerhalb der Serie selbst angebracht wird, ohne groß Aufhebens zu machen: Adira informiert Stamets, und der setzt es auch gleich um. Zudem wird betont, dass es nichts mit Adiras Symbionten zu tun hat, sondern dey sich schon länger nicht einem binären Geschlecht (männlich/weiblich) zugehörig fühlt. Eigentlich eher verwunderlich, dass es auch im 32. Jahrhundert noch mit einer gewissen Geheimhaltung und nötigen Coming-Out verbunden zu sein scheint.

Es wird nun in den nächsten Folgen spannend, wie schnell es sich - gerade auch in der Synchronisation - völlig natürlich anhören wird. Repräsentation ist wichtig, und die Anpassung der Sprache braucht Übung und Beispiele. Es wäre schön zu sehen, wenn Star Trek da ein Teil der guten Vorbilder würde.

Fazit

Nach der in sich konsistenten Vorgängerepisode ist “Das Schutzgebiet” eher ein Flickenteppich. Zwar gibt die Handlung rund um Kweijan einen gewissen Rahmen, ist aber für sich zu egal, um die Folge vernünftig zusammenzuhalten. Osyraa bleibt in der klischeehaften Bösewichtart zu flach und damit zu uninteressant. Dazu sind zu viele Entscheidungen ein unverständliches Ärgernis, als dass man einfach darüber hinwegsehen kann.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 3.07

PODCAST

Es herrscht uneinigkeit beim TrekCheck, und das ausgerechnet bein einer Folge mit dem Titel "Wiedervereinigung Teil III". Dabei schließt Star Trek: Discovery 3.07 durchaus stimmig an "Unification I+II" (Star Trek: The Next Generation 5.07+5.08) an.

Nele findet zumindest, dass viel Gefühl und Sachverstand  die Handlungen von Star Trek: The Next Generation (und Picard) mit Star Trek: Discovery verknüpfen konnte. Es wurde sich nicht auf dem Nostalgie-Faktor ausgeruht, sondern auch die Geschichte der Discovery und die Charakterentwicklung vorangetrieben.Zudem zeigt sich, dass auch Discovery schöne Galaxie- und Schiffaufnahmen zeigen kann, ohne gleich eine Weltraumschlacht herumbauen zu müssen - sehr angenehm und deutlich spannender, den Gesprächen zu lauschen.

Anne und Johannes sind hingegen von der Episode eher weniger angetan bis genervt und stoßen sich an unnötigen Kurven und unverständlichen Entscheidungen.

Unification III - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.07

SPOILER

Eine Folge mit dem Titel "Wiedervereinigung Teil III" (OT: "Unification III") erzeugt große Erwartungen. Nur keinen Druck für Jon Dudkowskis erste Arbeit als Regisseur - bislang war er vor allem als Editor tätig. Kirsten Beyer hat das Drehbuch zu Star Trek: Discovery 3.07 geliefert, weswegen gewisse Picard-Einflüsse nicht verwundern.

Zwiespältigkeit

Burnham weiß nicht mehr so recht, wo sie hingehört und was sie überhaupt möchte. Nicht mehr die Pflichten einer Ersten Offizierin zu haben, dürfte eine Erleichterung - für uns alle - sein. Tilly wäscht ihr ordentlich den Kopf, dass Michaels Alleingänge so einfach nicht gehen und immer andere Leute mit reinziehen.

Bei Book fühlt es sich gut an. Der möchte aber verständlicherweise nicht ewig mit seinem Schiff als Fracht der Discovery mitreisen. Das ist für Burnham jedoch noch so eine angenehme Zwischenvariante: Sie verlässt weder die Crew noch ihr in dem einen Jahr sehr liebgewonnenes Leben jenseits der Sternenflotte an der Seite von Book.

Immerhin ist ihr selbst klar, dass sie gerade nicht die beste Wahl ist, um die Sternenflotte zu vertreten. Ändert aber nichts daran, dass sie auch diese Woche wieder im Fokus der Aufmerksamkeit steht. Na gut, sie kann ja nichts dafür, dass sie Spocks Schwester und damit ein möglicher Schlüssel für diplomatische Gespräche mit den Vulkaniern ist.

Die ersten Auswertungen der Blackboxen scheinen Burnhams Theorie, dass der Burn nicht komplett synchron stattgefunden hat und sich somit ein Ursprung finden lassen sollte, zu bestätigen. Natürlich ist das aber alles nicht so einfach.

Schöne Hommage: Als eines der Raumschiffe wird die U.S.S. Yelchin genannt - benannt nach dem 2016 verstorbenen Chekov-Darsteller Anton Yelchin.

Spocks Vermächtnis

Bei der Anfrage nach weiteren Aufzeichnungen für die Untersuchung windet sich Admiral Vance zunächst, rückt dann aber doch mit ziemlichen Knaller-Informationen heraus: Vulkan wird als Ursprung des Burns vermutet. Allerdings gibt es Vulkan in bekannter Form gar nicht mehr. Die Vulkanier und Romulaner haben sich vor ein paar hundert Jahren wiedervereinigt und sich auf Ni’var* als neuen Namen für ihren gemeinsamen Heimatplaneten einigen können.

*Ni’var geht weit zurück in die Star-Trek-Fandom-Geschichte. Dorothy Jones  (Fan der ersten Stunde + Linguistin) hat in den 60er- und 70er-Jahren Fanfiction etc. für Fanmagazine geschrieben und dafür mit ihrem Fachwissen die vulkanische Sprache weiterentwickelt. Für einen Beitrag im Fanmagazin "Spocknalia" hat sie das Wort Ni’var 1967 geprägt. Es heißt "Two Form/Zweiform" und bezeichnet, wenn Vulkanier ein Thema/Gegenstand von zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten beziehungsweise dass etwas zwei Seiten hat.

Im frühen Fandom gab es diverse Fanfics/Lieder/Gedichte zu Ni’var, meist mit einem gespaltenen Spock, der über sein Dasein als Halb-Mensch-Halb-Vulkanier sinniert. Unter anderem eine Kurzgeschichte von Claire Gabriel aus dem Jahr 1976, dort wird Ni’var als "ein vulkanischer Begriff, der die Dualität von Dingen bezeichnet: zwei, die eins sind - zwei Unterschiede, die eine Einheit bilden - zwei Hälften, die zusammenkommen, um ein Ganzes zu bilden" definiert.

So zeigt “Unification III” mit einer Pause von 29 Jahren, was aus der zarten Pflanze der Wiedervereinigungsbestrebungen in  "Unification I & II" (Star Trek: The Next Generation 5.07 & 5.08) geworden ist. In der Doppelfolge werden Picard und Data auf Geheimmission nach Romulus geschickt, um den abgetauchten Botschafter Spock zurückzuholen. Spock glaubt an die Möglichkeit einer Wiedervereinigung der Völker und ist damit nicht alleine - eine immer größer werdende Gruppe Romulaner tut dies ebenso und wünscht sich, mehr über und von den Vulkaniern zu lernen.

Dass dies letztlich wirklich gelingt, hat Spock zu Lebzeiten zwar nicht mehr miterlebt, doch ist er nach wie vor als wichtige Figur der Geschichte bekannt und verehrt. Es kommt schon sehr merkwürdig rüber, dass sich Burnham in all der Zeit nie nach dem Lebensverlauf ihres Bruders oder auch nur dem Werdegang von Vulkan und ihr ähnlich wichtigen Orten und Menschen informiert hat. Immerhin wird diese Tatsache direkt selbst kurz thematisiert und mit einem einfachen "fühlte mich nicht danach, hab es vermieden" erklärt.

Sehr erfreulich: Die Handlungen aus beiden Star-Trek-Serien harmonieren gut miteinander, und die Einblendung von Spock aus Admiral Picards Eintragungen (Archivmaterial der Doppelfolge) gehen treffsicher tief in die Gefühlskiste. So bekommen wir in dieser Folge gleich drei Spocks zu sehen: Leonard Nimoy in besagten Aufzeichnungen sowie Ethan Peck und Liam Hughes in Burnhams Erinnerungen an ihren Bruder und ihre gemeinsame Kindheit.

Zerfall

Der Admiral (“Son of a b****”) lässt eine weitere Bombe platzen: Vulkan aka Ni’var ist seit rund 100 Jahren nicht mehr Teil der Föderation. Eigentlich wollte Burnham nur Zugriff zu Dokumenten mit weiteren Aufzeichnungen rund um den Burn haben, die aber unter Verschluss sind. Dass sie mit der Frage nach eben jenen SB-19-Dokumenten in ein derart großes diplomatisches Wespennest sticht, hat sie vermutlich nicht vermutet.

Schon lange vor dem Burn ging Dilithium zur Neige beziehungsweise wurde instabiler. Es wurde fieberhaft nach alternativen Antrieben gesucht, aber ohne Erfolg. Am vielversprechendsten war die Forschung der Ni’varer (Vulkulaner?) SB-19. Damit konnte man rasend schnell von einem Ort zum anderen springen. Klingt nach Sporenantrieb, sieht aber aus wie ein großes Stargate.

SB-19 stellte sich allerdings als viel zu gefährlich heraus. Die Wissenschaflter der Ni’varer wollten nicht weitermachen, fühlten sich aber von der Föderation genötigt. Es wird angenommen, dass SB-19 den Burn auslöste. Über den Zwist und die Enttäuschung durch die Föderation haben die Ni’varer diese verlassen.

Burnhams Entdeckung, dass der Ursprung des Burns ganz woanders liegt, bekommt entsprechend gleich nochmal eine große Portion mehr Brisanz, was auch das bisher zögerliche Verhalten des Admirals bezüglich der Aufklärung erklären könnte.

Bedürfnisse weniger

Während Burnham direkt mit Eintritt in die Umlaufbahn von Ni’var mit der Tür ins Haus fallen möchte, darf Saru seine diplomatischen Fähigkeiten spielen lassen. Hier zeigt sich, dass Burnham mit ihren Vulkan-Bezügen wirklich der Schlüssel ist, damit Präsidentin T’rina überhaupt irgendwelche Gespräche akzeptiert. Saru jedoch kümmert sich kräftig darum, dass die Saat aufgeht.

Ihn mit T’Rina bei philosophischen Spaziergängen durch die Discovery und im vollen Föderations-Botschafter-Modus zu sehen, ist eine Wonne und beide Charaktere harmonieren ganz wundervoll. Zum Glück sehen die beiden das ähnlich, man darf also auf ein erneutes Aufeinandertreffen für weitere diplomatische Gespräche hoffen. Wie T’Rina sagt, braucht es nämlich mehr als einen Besuch, bevor man nur daran denken könne, dass sich das Verhältnis zur Föderation wieder bessern könnte. Da spielt noch viel mehr mit als nur SB-19.

“In its desire to serve the many, the Federation ignored the needs of the few.”
“Did your ancestors not coin the phrase,'The needs of the many outweigh the needs of the few'?”
“When the people of Vulcan welcomed the Romulans home, we were forced to confront centuries of mistrust and brutality on both sides. Over time and with much effort, we earned the wisdom to know when to let go of maxims and proverbs.”

Entsprechend mag sie zwar Burnham sogar glauben, als diese versichert, dass die Anfrage für die Freigabe der Dokumente rein wissenschaftlich und nicht politisch motiviert sei, aber es geht nunmal um mehr.

“Even science cannot be separated from cultural and political context. There are always implications, as Spock himself learned.”

Gelehrtenstreit

Burnham kramt tief in ihrer Vulkan-Erinnerungskiste und hat Glück, dass sich anscheinend trotz massiver Änderung der Gesellschaftsstruktur in den letzten 1.000 Jahren so einiges halten konnte. Wie gesagt fällt Burnham mit der Tür ins Haus und fordert T'Kal-in-ket ein - etwas, das T’Rina nicht ablehnen kann und sie in arge Bedrängnis bringt. Burnham, der Holzhammer. Da Michael die Vulcan Science Academy absolviert hat, darf sie diesen philosophischen Prozess einfordern. Ziel ist es, über rein logisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung zur Wahrheitsfindung zu kommen.

Vermutlich wollte man uns die aufgemöbelte Discovery von allen Seiten zeigen (wirklich wunderschön) - auf jeden Fall geht es für das Prozedere nicht auf die Planetenoberfläche, sondern die Präsidentin nebst Quorum kommt an Bord. Inklusive Willkommenskomitee im Transporterraum. Das gibt dem Ganzen so einen herrlich nostalgischen Touch von klassischem Trek- Episodenaufbau. Auch schön zu sehen, dass holographische Flammendinge und große Gongs nie so recht aus der Mode kommen.

Noch eine platzende Bombe? Michael wird eine Beraterin zur Seite gestellt. Die aus Star Trek: Picard bekannte romulanische Schwesternschaft der Qwat Milad mit ihrem Glauben an die Absolute Offenheit bietet sich da natürlich an. Doch wer hätte erwartet, dass sich Burnhams Mutter unter der übergroßen Kapuze verbirgt? Schon, weil sie weder Vulkanierin noch Romulanerin ist. Aber auch die Qwat Milad haben sich wohl weiterentwickelt. Definitiv eine Überraschung und dazu erfreulich, dass die Suche nach Burnhams Mutter nicht zum großen Thema für die restliche Staffel gemacht wurde. Inklusive einem von Michael lange ersehnten Satz, der ihr sicherlich mehr innere Ruhe bringt: "Du weißt, wo du mich finden kannst".

Allerdings gibt es von Gabrielle Burnham keinen Tochter-Bonus. Sie nimmt ihre Aufgabe der Wahrheitsfindung sehr ernst und haut Michael mitunter ziemlich in die Pfanne. Zuvor stellt Gabrielle in einem Voice-Over die Vertreter von Ni’var beinahe wie Charaktere eines Computerspiels vor: V’Kir  hält die vulkanischen Traditionen hoch und argumentiert scharf, Shira ist als Halb-Vulkanier-Halb-Romulanerin mittig zu verorten und für N’Raj gehen im Zweifel romulanische Belange vor.

Nun ist Wahrheitsfindung gar nicht so einfach, wenn alle ihre eigenen Wahrheiten, Fakten und Logiken haben. Immerhin ist nicht von alternativen Fakten die Rede, aber die Verbindung ist schnell gezogen. Das Quorum sieht den Frieden von Ni’var gefährdet. SB-19 hat tiefe Wunden hinterlassen. Die Daten herauszugeben und sich erneut mit der Sache beschäftigen zu müssen, könnte die fragile Stabilität der Gesellschaft beschädigen.

Und Burnham spricht nicht die volle Wahrheit, weil sie diese selbst noch vor sich versteckt hält. Wie sie zum Admiral sagte: Zur Zeit ist sie mit ihren persönlichen Problemen nicht die beste Wahl, um die Föderation zu vertreten. Doch dank Mama Burnhams Intervention wird der eigentliche wissenschaftliche Austausch zu einer öffentlichen Therapiesitzung.

Gabrielle: And being human, she is governed by emotion and a desire to insinuate herself into certain matters of import to fill that emotional void. I maintain that that void has made her vulnerable to manipulation at the hands of the Federation.

Nach einigem hin und her sieht auch Burnham ein, dass die Einforderung der SB-19-Daten den Frieden von Ni’var gefährdet und dies ein zu großes, weiteres Opfer des Burns wäre. Sie zieht ihr Ansinnen zurück. Um noch Werbung für die Föderation zu machen, verkündet Burnham, dass sie dann halt anderweitig nach mehr Informationen sucht und diese - ohne Gegenleistung - Ni’var zukommen lässt. Das sei doch schließlich, was die Sternenflotte ausmache.

Nun bin ich etwas gespalten - einerseits begrüße ich es, dass T’Rina dann doch die Daten herausrückt und sich der Strang verkürzt, doch ist diese "habe mich einlullen lassen"-Variante auch etwas zu einfach und abgedroschen. Andererseits haben Saru und T’Rina wirklich gut miteinander harmoniert. Dann lasse ich das noch einmal durchgehen.

Karriereleiter

Na, eher Karrierekatapult - während sich der Captain und Ex-Nummer-Eins mit Vulkulanern rumschlagen, knabbert Tilly noch an Sarus Angebot. Es wird auch unmittelbar aufgegriffen, dass sie lediglich ein Ensign ist und als Erste Offizierin im Zweifel über Leben und Tod entscheiden müsse. Das ist schon eine ziemliche Nummer, auch wenn Saru betont, dass es ein vorübergehender Posten ist, bis ein fester Nachfolger für Burnham gefunden sei.

Verständlicherweise ist (Lieutenant Commander!) Stamets ziemlich überrumpelt, als Tilly ihm die Nachricht überbringt und nach seiner Meinung fragt. Allerdings kann er auch nicht in Ruhe ausreden und kommt ziemlich schnell von alleine zu dem Schluss - wie auch die restliche Crew - dass Tilly gerade genau die richtige Person für den Posten ist: Alle vertrauen ihr und sie verkörpert die Ideale der Sternenflotte.

"Sir, are you asking me because I'm qualified or because I'm compliant?"
"I'm asking because I believe this is in the best interests of our ship."

Nun bin ich selbst ziemlicher Tilly-Fan und die Hinleitung zu Sarus Entscheidung wurde über die bisherigen Folgen gut aufgebaut, von der Seite her passt es. Dennoch riecht es etwas danach, dass Saru jemanden sucht, bei dem weniger starke Gegenrede zu erwarten ist. Aber Tilly ist die Unterstützung der Crew sicher und hey, immerhin hat sie auch schon erfolgreich eine terranische Captain/Dominatrix verkörpert.

Auch wenn es sich in Gelächter auflöst, aber Burnhams Hereinplatzen mit den SB-19-Daten bei Tillys "Sag ja"-Szene ist in etwa so sympathisch, als wenn jemand die Hochzeit der Schwester nutzt, um laut zu verkünden, dass man schwanger sei oder so. Es geht gerade mal zwei Minuten nicht um dich.

Michael bleibt also - unter Tilly - auf der Discovery. Der Trip nach Ex-Vulkan und die Mutter-Tochter-Gespräche haben sie zu der Erkenntnis gebracht, dass sie genau dort hingehört. Es fühlt sich wieder nach Zuhause an. Was wiederum Book in Entscheidungsbedrängnis bringt. Denn für ihn fühlt sich Michael wie zuhause an, nicht aber unbedingt die Discovery. Und ewig kann er mit seinem Schiff vermutlich nicht als Untermieter die Shuttlerampe verstopfen.

Fazit

Wie erhofft hat Star Trek: Discovery nach einer eher flachen Episode letzte Woche wieder kräftig angezogen. Mit einem Titel wie “Unification III” hat man ziemlich große Schuhe zu füllen -  es ist gelungen. Mit viel Gefühl und Sachverstand hat man die Handlungen von Star Trek: The Next Generation (und Picard) mit Star Trek: Discovery verknüpfen können. Dabei wurde sich nicht auf dem Nostalgie-Faktor ausgeruht, sondern auch die Geschichte der Discovery und die Charakterentwicklung vorangetrieben.

Zudem zeigt sich, dass auch Discovery schöne Galaxie- und Schiffaufnahmen zeigen kann, ohne gleich eine Weltraumschlacht herumbauen zu müssen - sehr angenehm und deutlich spannender, den Gesprächen zu lauschen. Weiter geht es!

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 3.06

PODCAST

Burnham beschäftigt sich in Star Trek: Discovery 3.06 lieber mit "Aasgeiern", als einfach mal nur eine Minute lang den Befehlen ihres Captains und Admirals zu folgen. Wieder einmal teilt sich so die Episode recht strukturiert in einen Part rund um die Crew auf der Discovery und einem Klein-Team auf (unerlaubter) Außenmission. Das macht zumindets die Strukturierung des TrekChecks einfacher - diesmal gibt es den Podcast mit Wolf, Anne und Nele.

“Scavengers” kommt zwar nicht mit einer cleveren Geschichte oder großen Sprüngen für die Handlung daher, ist aber doch eine solide Füllerepisode. Sie kann unterhalten, tut nicht weh und geht als Zwischenspiel, um Figuren nochmal in Position zu bringen, klar.

Nun aber gibt es für unser Podcast-Trio ersteinmal Hausaufgaben bis zur nächsten Aufnahme - als Wiederholung Unification Teil I+II (Star Trek: The Next Generation 5.07+5.08) in Vorbereitung auf nächste Episode (OT: "Unification III") ansehen.

Scavengers - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.06

SPOILER

Star Trek: Discovery 3.06 ist eine klassische Füllerepisode, die noch einmal die Spielfiguren zurecht rückt. Douglas Aarniokoski führte die Regie bei “Aasgeier” (OT: “Scavengers”) nach einem Drehbuch von Anne Cofell Saunders. Beide sind schon zuvor bei Star Trek: Discovery und vor allem auch Star Trek: Picard tätig gewesen, unter anderem als ausführende Produzenten.

Pimp My Ride

Wie erwartet bekommt die Discovery eine Rundum-Erfrischungs-Kur und wird technisch auf den neuesten Stand gebracht. Obwohl es ja eher eine Sanierung als ein Neubau ist, bekommt das Schiff auch eine neue Kennung verpasst: NCC-1031-A.

Die beibehaltene Optik erklärt Lt. Willa damit, dass man die Umstellung für die Besatzung so einfach wie möglich halten wolle. Ist das auch der Grund, warum sie noch ihre alten Uniformen behalten dürfen? Die Crew ist jedenfalls überwiegend komplett begeistert und in Spiellaune beim Ausprobieren ihrer neuen Arbeitsstationen, aller Funktionen und stylischen Bedienfelder. Bisschen blöd für Merchandise-Hersteller: Aus mehreren Geräten wurde ein kleiner Badge, der alles holographisch erzeugen kann - inklusive persönlichem Transporter, dessen problematische Bedienung Linus vielleicht ein- bis zweimal zu viel demonstriert.

Admiral Vance scheint seine kleine Rest-Sternenflotte gut im Griff zu haben. Nach wie vor trifft er nachvollziehbare Entscheidungen und gibt verständliche Anweisungen - etwa, dass erstmal nur ein sehr kleiner Kreis über den Sporenantrieb der Discovery Bescheid wissen soll. Durch die Nähe zueinander wirkt das Treffen der Captains zur Planung der nächsten Schritte wie ein ziemlich durchschnittliches Wochenmeeting der Führungsriege.

Wie Vance später noch erklärt, geht es erstmal darum, die ganzen kleinen eiligen Krisenherde und Notfälle zu erledigen, man habe keine Ressourcen für längerfristige Aktionen, wie etwa das Mysterium des Burns zu lösen. So sehen wir, wie in der illustren Runde die Aufgaben verteilt werden.

Für Captain Kardashev geht es nach Reiling VII, um Schutzschilde gegen Sonneneruptionen zu installieren (im Deutschen spricht er wirklich von “Sonnenbrillen”). Captain Bandra von der USS Le Guin wird auf eine zweimonatigen Versorgungstour nach Na’Seth geschickt, und Captain Rahma (Osnullus) bringt wegen einer Nahrungsknappheit Replikatoren nach Kaijur XII. Derweil soll sich die Discovery als schnelle Eingreiftruppe bereit halten, falls die diplomatischen Gespräche auf Argeth entgleiten und die Smaragdkette des orionisch-andorianische Syndikats den Konflikt lieber gewaltsam lösen wollen.

Auf eigene Faust

Warten ist nicht so Burnhams Ding. Sternenflottenprotokoll einhalten und Befehle befolgen auch nicht. Also wird erst gar nicht gezögert und irgendein Gewissenskonflikt aufgebauscht. Nachdem Grudge in bester Home-Office-Videokonferenz-Manier ihren Cat-Call abgesetzt hat, ist für Michael die Sache doch schon klar: Sie wird Book retten, egal was Saru sagt. Wobei man ihr vielleicht noch zugute halten könnte, dass die Blackbox der Schiffe, die beim Burn zerstört wurden, tatsächlich interessant sein könnten und Saru mit dieser neuen Information ja zumindest mal beim Admiral nachfragen sollte. Und dass sie niemanden sonst aus der Crew mit reinziehen will - außer Tilly zum Katzensitten.

Erstaunlich, dass Georgiou überhaupt erstmal Michael nochmal klar macht, was ihre Aktion für ihren Stand in der Sternenflotte und vor allem gegenüber Saru bedeutet. Aber natürlich ist sie bei einer unerlaubten Außenmission sofort dabei. Also geht es für die beiden in Books Schiff auf zum Ruhrpott-Planeten, auf dem einst Bergbau betrieben wurde, nun aber vor allem eine recht eindrucksvolle Kulisse für den Schrottplatz und Wertstoffhof der Smaragdkette bildet.

Alles in allem eine sehr klassisch aufgebaute Alien-der-Woche-Handlung. Der namenlose orionische Neffe der gefürchteten Osyra schmeißt den Laden, ist aber nicht die hellste Leuchte und einer Georgiou schon gar nicht gewachsen. Die Orioner halten sich Zwangsarbeiter zur Werstoffgewinnung (inklusive allerlei Sternenflottenmemorabilia) und sind super böse, was durch die Exekution eines armen Gefangenen gezeigt werden muss. Book wird schnell gefunden und in Sekunden ein Plan ausgeheckt, um alle zu retten. Natürlich wird der eigentlich ziemlich egale Andorianer Ryn mit einbezogen (ob wir ihn jemals wiedersehen? Theoretisch ist er ja auf der Discovery). Burnham, Book, Georgiou und Ryn retten den Tag, die Bösen sind besiegt, Michael bekommt ihre Blackbox, alle freuen sich. Was wird sich nun eigentlich von den Blackboxen versprochen? So richtig eingängig ist die Erklärung bislang noch nicht.

Immerhin wird Georgious mysteriöser Zustand nicht über mehrere Folgen ohne Ansprache hinweggezogen - Michael merkt schnell, dass etwas nicht stimmt und auch, dass Georgiou selber noch nicht so recht weiß, was los ist. Für den Zuschauer ist klar, dass es sich um Flashbacks zu einem blutigen Ereignis im Spiegeluniversum handelt. Allerdings dürfte das dort ja ein alltägliches Geschehen sein.Optisch war das Ganze schon ziemlich ansehnlich, inhaltlich eher Dosenfutter, aber das ist auch mal okay. Highlight: Als Tarnung geben Georgiou und Michael an, nach selbstdichtenden Schaftbolzen zu suchen - eine Erinnerung an Nog und Jake in Deep Space Nine.

Logische Konsequenzen

Burnham ist einfach kein Sternenflottenmaterial. Das hat sie in diversen Universen und Zeiten mehr als deutlich gemacht und weiß es doch eigentlich auch selbst. Die Übernahme des Postens als Erster Offizier geschah ja nun auch mit viel wenn und aber. Nach dieser eklatanten Befehlsverweigerung ist klar, dass sie degradiert wird, werden muss - und sie damit sogar noch gut wegkommt. Es verstärkt noch einmal mein Gefühl, dass Sonequa Martin-Green zum Ende der Staffel aussteigen könnte und sich Michael verabschiedet, um mit Booker wilde Abenteuer zu erleben und das Universum auf eigene Faust zu retten.

Nachdem in dieser Staffel die gute Verbindung und das Vertrauen zwischen Tilly und Saru recht präsent ist, ist meine Vermutung, dass auf übliche Laufbahnen geschissen wird und Tilly direkt von Ensign zum Ersten Offizier aufsteigt. Auch wenn theoretisch erstmal Lt. Nielsson dran wäre, oder? Allerdings hat sich Tilly ja sowohl als gute Befehls- und Ratschlaggeberin für Saru erwiesen: “But she made a choice, and now because of that, you don't have one”.

In einem komplett abgetrennten kleinen Nebenhandlungsstrang nähern sich an Bord der Discovery Adira, Gray und Stamets weiter an. Adira befreit Stamets von den gehassten Implantaten und macht die Steuerelemente für den Sporenantrieb angenehmer. Dafür setzt sich Stamets zu ihr in der Messe, als er sie alleine und scheinbar mit sich selbst redend sieht. Sie unterhalten sich über untote Partner und lachen zusammen. Dann bekommen wir noch eine Pyjama-Szene mit Culber und Stamets. Alles ist gut.

Fazit

“Aasgeier” kommt zwar nicht mit einer cleveren Geschichte oder großen Sprüngen für die Handlung daher, ist aber doch eine solide Füllerepisode. Sie kann unterhalten, tut nicht weh und geht als Zwischenspiel, um Figuren nochmal in Position zu bringen, klar.

Von der nächsten Folge mit dem großen Titel “Unification III” (Star Trek: The Next Generation lässt grüßen) erwarte ich mir aber freilich deutlich mehr.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 3.05

PODCAST

Unser Podcast-Trio unterhält sich recht ausführlich über David Cronenberg, geschichtliche Ausführungen und hängt sich arg an der winzig kleinen USS Thikov und das Problem, das so ein Samenbank-Konzept mit sich bringt, auf. Was an sich sehr für Star Trek: Discovery 3.05 “Die Bewährungsprobe” (OT: “Die Trying”) spricht. Und das nicht nur, weil die Folge wieder mit einem Voice-Over-Logbucheintrag beginnt.

Die Crew (auch die Produktions-Crew) der Discovery hat "Die Bewährungsstunde" bestanden. Sie ist wieder Teil der Sternenflotte und Star Trek: Discovery im vollen Star-Trek-Modus angekommen. Da kann man die dünne Rahmenhandlung nicht nur verzeihen, sondern sogar Spaß an der albernen Alien-der-Woche-Begleitgeschichte haben. Bleibt die Hoffnung, dass die Föderation nicht doch auf einmal eine große Bösewicht-Organisation aus dem Spiegeluniversum oder so ist.

P.S.: Ja, wir wissen, dass Nog Quarks Neffe und nicht Sohn ist. Meistens. Ehrlich.

Die Trying - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.05

SPOILER

Star Trek: Discovery 3.05 “Die Bewährungsprobe” (OT: “Die Trying”) lässt nicht nur die Zuschauer sich in vertrauter Trek-Manier heimelig fühlen, auch die Crew scheint endlich “Zuhause” angekommen zu sein.

Home away from home

Heimat ist nicht nur ein Ort, sondern vor allem auch ein Gefühl. In den bisherigen Episoden der Staffel wurde bereits schön aufgebaut, dass es die Ideale der Sternenflotte und die Idee der Föderation nebst dazugehörigen Regularien sind, die die Crew eint, zusammenhält und weiterstreben lässt - insbesondere jetzt, wo sie nach dem enormen Zeitsprung nicht anderes mehr haben.

Entsprechend berührend und schön ist es, nicht nur die übliche Hauptcrew, sondern auch zahlreiche Statisten voller Erleichterung, Freude und aufgeregter Neugier im Anflug aufs Föderations-Hauptquartier zu sehen. Fliegender Regenwald, organische Schiffe, Energiefelder -  Dinge in der praktischen Umsetzung, die es im 23. Jahrhundert nur als rein theoretische Idee gab, sind glänzende Augen und staunende Gesichter auf jeden Fall wert. Musikalisch und optisch ein Fest, nicht nur, weil man die Discovery mit sehr betriebsamer Landebucht endlich mal länger von hinten sieht.

Für die Anknüpfung an Bekanntes und frühere Zeiten - für Crew und Zuschauer - fliegt die Discovery eng an der USS Voyager (J, 11. Generation) und der USS Nog vorbei. Letztere eine Hommage an den im letzten Jahr verstorbenen Aaron Eisenberg, der in Deep Space 9 den Neffen von Quark spielte und der erste Ferengi in der Sternenflotte wurde.

Was habt ihr eigentlich erwartet?

Wie schon häufiger erwähnt: Eine Folge, die mit Voice-Over-Logbucheinträgen anfängt, ist erstmal eine gute. Diesmal rahmt das Führungs-Duo aus Captain Saru und First Officer Burnham die Episode mit ihren Zwiegesprächen in Vorbereitung auf die erwartbar große Ankunft beziehungsweise eben auch hinterher zum Abschluss, bei dem Saru in voller Captain-Manier Burnham für ihr stürmisches, einem First Officer nicht würdiges, Verhalten rügt. Die Differenz der beiden - zum einen Sarus striktes Befolgen der Regularien von Föderation und Sternenflotte sowie Burnhams in derlei Strukturen eher unpassender besserwisserischer Freigeist - ist also ein Thema, das sich fortsetzt.

Saru hat Vertrauen, dass zumindest die wichtigsten Grundideale der Sternenflotte und Föderation die Zeit überdauert haben. Es stellt sich jedoch die Frage, was genau sie erwartet haben? Natürlich werden sie auf Herz und Nieren geprüft. Und es sollte auch klar gewesen sein, dass die fehlenden Aufzeichnungen in den Sternenflottenarchiven (schön, dass dieser Punkt der 2. Staffel nochmal aufgegriffen wird) und das Fehlen jeglicher Beweise für die wilde Geschichte der Discovery, zu Problemen führen könnte.

Auch dass die Crew - zumindest erstmal - getrennt werden muss, um sie sowohl mental als auch technisch und informativ ins 32. Jahrhundert und die neuen Anforderungen der Sternenflotte zu bringen, sollte nicht so sehr überraschen. Da trifft Admiral Charles Vance (Oded Fehr) durchweg sehr verständliche und kluge Entscheidungen.

Und, was hast du im letzten Jahr so gemacht?

Natürlich muss sich die Crew vielen Fragen und einer sehr genauen Beleuchtung stellen. Eine Chance, um noch einmal dem neu entdeckten Humor der Serie sowie den individuellen Charakteren einzelner Personen etwas Raum zu geben, ohne dass viel Zeit verloren geht. Warum ausgerechnet Hologramme als Befrager am besten geeignet sind, erschließt sich mir jedoch noch nicht so ganz - gerade da es nicht einmal besonders zuverlässige und ausgeklügelte Versionen zu sein scheinen. Der Trend von medizinischen Notfall-Hologrammen mit viel eigenem Charakter zieht sich anscheinend aber bis ins 32. Jahrhundert hinein - ich brauche noch eine Erklärung dafür, warum ELI eine Fliege trägt.

Auch Georgiou kann sich - trotz vorhandener Kampffähigkeiten - dem Verhör nicht entziehen. Zwar schafft sie es durch Blinzel-Programmier-Verwirrung die Hologramme auszuschalten, doch in Kovich (David Cronenberg) scheint sie ihren Meister gefunden zu haben. Er lässt sich nicht durch ihre bissigen Kommentare und Scharfsinnigkeit irritieren, sondern scheint Georgious Schwachpunkte zielsicher zu treffen (auch wenn die emotionale Bindung an Burnham als Grund für Georgious Anwesenheit auf der Discovery immer noch zu dünn ist). Das terranische Imperium ist gestürzt, die Grenze zum Spiegeluniversum ist stetig schwieriger geworden und seit gut 500 Jahren habe es keinen Austausch zwischen den Universen mehr gegeben.

Was auch immer Kovich mit Georgiou angestellt hat, dass sie am Ende so abwesend erscheint; und was auch immer Kovichs Brille Spezielles kann - sie ist sicherlich nicht nur ein Modegimmick. Ich hoffe auf Geheimdienstler der Sektion 31, maximal zusätzlich ein Zeitagent und nichts noch tiefergehendes. Das wäre immerhin auch eine gute Überleitung hin zur bereits angekündigten eigenen Sektion-31-Serie.

Vom Alien-der-Woche und winzigen Samenbanken

Die rahmengebende Begleitgeschichte ist eigentlich ziemlich egal und albern, aber eben auch heimelig oldschool Star Trek und gibt der Episode eine klare Struktur. Obwohl die Krankenstation mit kranken Kili überflutet sein soll, bekommen wir nur vier Namenlose zu Gesicht. Es ist egal, an welcher Krankheit sie leiden und was dahinter steckt - zur Heilung wird eine alte Pflanze der Kili-Heimat gebraucht. Culber von Bingen kann mit seinem veralteten Wissen helfen und der Sporenantrieb der Discovery rechtfertigt, dass nur dieses fossile Schiff mit der bestehenden Crew die Mission erledigen kann.

Eigentlich erstaunlich, dass sowohl Klamotten als auch Technik, Sprache … überhaupt alles so reibungslos kompatibel zu sein scheint, obwohl 1.000 Jahre Entwicklung und Fortschritt dazwischen liegen. Auch wenn der Burn nochmal einiges zurückgeworfen hat. Man stelle sich vor, eine militärische Einheit des Jahres 1020 kommt bei uns an, um unsere Probleme zu klären - und wir ihnen unsere Welt im Jahr 2020 erklären müssten.

Die Mission von Culber, Nhan und Burnham an Bord der winzig kleinen USS Thikov, die Samen von Pflanzen aller bekannter Welten beherbergen soll, scheint vor allem dazu zu dienen, dass Nhan Platz macht für Lt. Willa (Vanessa Jackson). Letztere wurde von Admiral Vance zur Sicherheit mit der Discovery losgeschickt und scheint sich bei der Beobachtung der dysfunktionalen Crew gar nicht mal so unwohl zu fühlen.

Schade, jetzt wo ich mich gerade wieder an Nhan erinnern konnte und anfing, sie zu mögen. Immerhin bekommt sie noch ein wenig Handlung zum Abschied. Barzan ist - wie auch Kaminar - der Föderation beigetreten, und nun möchte sie ihren Heimatplaneten einen Besuch abstatten. Ansonsten gibt es nicht wirklich einen Grund, warum sie alleine zurückbleiben sollte. Dr. Attis will nicht geheilt werden und seine Familie nicht verlassen. Ok. Dann nimmt man eben die Thikov im Schlepptau mit? So ganz sinnig scheint es ja ohnehin nicht zu sein, eine so wertvolle Fracht in der Obhut von Einzelpersonen auf einem winzigen, nicht sonderlich geschützten Schiff im All treiben zu lassen. Aber nun gut, Nhan wird jetzt Botanikerin und kommt ja vielleicht nochmal als Poison Ivy in Deus-Ex-Manier an irgendeinem Punkt zurück.

Fazit

"Die Bewährungsprobe" ist bestanden, die Discovery ist wieder Teil der Sternenflotte und Star Trek: Discovery im vollen Star-Trek-Modus. Da kann man die dünne Rahmenhandlung nicht nur verzeihen, sondern sogar Spaß an der albernen Alien-der-Woche-Begleitgeschichte haben. Im Fokus steht nämlich abermals der Zusammenhalt der Crew und ihre ansteckende Begeisterung. Bleibt die Hoffnung, dass die Föderation nicht doch auf einmal eine große Bösewicht-Organisation aus dem Spiegeluniversum oder so ist.

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