Star Trek: Discovery

Die Serie spielt im Star-Trek-Prime-Universum, zehn Jahre vor der Classic-Serie und der Fünf-Jahres-Mission von Captain Kirk.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 2.12

PODCAST

Zwar bewerten Johannes, Stefan und Nele "Tal der Schatten" unterschiedlich aber eben doch mit jeweils einer deutlich klarerer Meinung als es bei der letzten Episode der Fall war. Von Begeisterung über Zeitkristall-Probleme bis zu einem Hauch Resignation ist was dabei. Einig sind wir uns aber ob der Großartigkeit von Anson Mounts Captain Pike und begrüßen die kleinen Szenen, die ein wenig den Alltag der Crew zeigen.

Das bewährte Team aus Regisseur Douglas Aarniokoski und dem Autorenduo Bo Yeon Kim und Erika Lippoldt zeichnen sich für Star Trek: Discovery 2.12 verantwortlich. Zuvor inszenierten sie die Episode "Donnergrollen" aus der aktuellen Staffel. Aarniokoski führte bereits in der ersten Staffel bei "Lethe" Regie und ist sowohl bei den Short Treks als auch der kommenden Picard-Serie als ausführender Produzent beteiligt.

Wer nun Nele in der Fankurve für eine Prequel-Serie mit Pike und Spock Gesellschaft leisten möchte, hat durch unseren Sponsor, der FedCon GmbH, eine Möglichkeit dazu. Auf der diesjährigen FedCon (7.-10. Juni in Bonn) sind neben dem nahezu kompletten Hauptcast von The Expanse und Hauptdarstellern aus The Orville und Killjoys nämlich auch Anson Mount, Ethan Peck, Wilson Cruz und Shazad Latif von Star Trek: Discovery zu Gast.

Die jazzige Musik zum Ein- beziehungsweise Ausgrooven der TrekChecks verdanken wir nach wie vor dem wunderbaren Jens Dewald.

Through the Valley of Shadows - Kritik zu Star Trek: Discovery 2.12

SPOILER

Star Trek Discovery 212.jpg

Star Trek: Discovery 2.12

Wie schon bei “Donnergrollen” aus dieser Staffel ist auch für “Tal der Schatten” wieder das Regie-Autoren-Team aus Douglas Aarniokoski, Bo Yeon Kim und Erika Lippoldt verantwortlich. Star Trek: Discovery 2.12 hat von einer Art Khazad-dûm über Riesenbabys bis zu nerdigen Tischgesprächen einiges zu bieten.

Das Spielfeld

Bringen wir für die Übersicht erst einmal die Figuren auf ihre neuen Positionen. Diesmal wird angenehm wenig in der Zeit gesprungen. Georgiou wurde Ende letzter Episode mit auf die Discovery gebeamt und ist schon wieder unterwegs. Sie ist auf eigene Faust auf der Suche nach Leland. Tyler hingegen ist an Bord geblieben, und von seinen dramatischen Verletzungen ist gar nichts mehr zu sehen.

Die oberste Aufgabe der Discovery-Crew ist es nun, das Spheren-Archiv unter allen Umständen zu beschützen und hat sich deshalb möglichst bedeckt und weit weg von Leland zu halten. Die logischste aller Taten ist es natürlich, sofort das erneut aufgetauchte rote Signal anzusteuern. Da wird sie bestimmt niemand vermuten. Ganz besonders weil es diesmal in klingonisches Gebiet führt.

Auf nach Boreth, dem Planeten, wo der Voq-L’Rell-Spross aufwächst. Dies bringt L’Rell wieder ins Spiel, was uns auch einen kurzen Blick auf einen klingonisches D7-Schiff bietet. Da weder L’Rell noch Voq die besten Kandidaten für die anstehende Außenmission sind, nimmt dies Captain Pike höchst selbst in Angriff. In einer schicken Winterjacke, die ein super Merchandise-Produkt wäre.

Saru ist der neue coole Captain und erlaubt Burnham, auf einen gefährlichen Solotrip zu gehen. Also fast, letztlich schickt er ihr dann doch noch Spock als Aufpasser mit. Schließlich wird diesmal kein roter Engel kommen, um sie zu retten.

They look like us now

Die beiden machen sich per Shuttle auf zu den letzten Koordinaten eines Schiffes der Sektion 31, das sich nicht wie vereinbart rechtzeitig gemeldet hat. Ähnlich wie der lasche Umgang der Discovery mit der Ansage, sich unauffällig zu verhalten, ist natürlich auch dieser Alleingang eigentlich ziemlich riskant und nicht unbedingt verantwortungsvoll. Immerhin wissen sie ja nun, dass Control auch Sektion 31 mit unterwandert hat. Aber nun gut - es bringt dafür jede Menge schöner Geschwistermomente zwischen Burnham und Spock, inklusive entnervten Seufzen.

Am Ziel angekommen erwartet sie ein grausiger Anblick: Überall treiben Leichen im All herum. Keine Lebenszeichen, bis auf eines. Und ja, ich habe nicht gleich vermutet, dass es sich bei Kamran Grant, der mit Burnham auf der Shenzhou diente, um einen weiteren Cylonen handelt. Genau genommen ging mir das Licht erst zeitgleich mit Burnham auf. Für mich also eine wirklich gelungene Heranführung.

Control hat mal wieder die Kontrolle über ein Schiff übernommen. Mannschaft stört eher, also alle Luken auf und einmal durchpusten. Aber was will Control überhaupt? Eine mögliche Motivation: Kriegsvermeidung, was im Prinzip eine der ursprünglichen Aufgaben in der Entwicklung des Systems war. Und logisch, wie so ein AI nunmal denkt, ist die effektivste Lösung zur Vermeidung von Kriegen, wenn man alles bewusste Leben auslöscht und die Kontrolle übernimmt. Hart, aber effektiv.

Wobei das immer noch nicht erklärt, warum ausgerechnet Burnham gebraucht wird. Mit Leland hat Control gelernt, auch andere Menschen zu imitieren. Dann würde es doch reichen, irgendein Crew-Mitglied der Discovery zu übernehmen, um an das Spheren-Archiv zu kommen. Und hätte Control nicht mehr Erfolg bei der Übernahme von Lebewesen, wenn es seine Nanobots schwarmmäßig schön verteilt rumfliegen lässt anstatt so zusammengeklumpt ein gutes Ziel abzugeben? Gibt allerdings den schöneren Horror-Effekt. Zum Glück hat Spock rechtzeitig den Supermagneten gefunden, was nun ja eine ganz neue Waffe gegen Control ins Spiel bringt.

Um schließlich an die obige Frage wieder anzuknüpfen: Es steht nach wie vor der Befehl, das Spheren-Archiv sicher und isoliert zu halten. Nun hatten Burnham und Spock gerade Begegnung mit Control. Es war an Bord ihres Shuttles. Sie waren an Bord eines von Control kontrollierten Schiffes. Sie waren Nanobots ausgesetzt. Und dennoch anscheinend sehr davon überzeugt, dass alles sicher ist. Wäre es nicht sinnvoller, sich eher in eine Art Quarantäne als ausgerechnet wieder zurück zur Discovery zu begeben?

Du bist aber groß geworden

Während Spock und Burnham mit dem Computer spielen, geht Pike ins Kloster. Ein Ort, an dem auch Worf eines Tages mal gerne rumhängen wird. Das Klosterdesign des europäischen Mittelalters hat sich ja ziemlich durchgesetzt. Selbst in fremden Welten in der fernen Zukunft sehen Klöster aus wie Klöster, und Mönche tragen weite Gewandungen mit großen Kapuzen. Nagut, bei den Klingonen kombiniert mit reichlich Khazad-dûm-Flair.

Der Fantasyaspekt endet hier leider noch nicht. Zeitkristalle sind richtige leuchtende Kristalle mit Zaubereigenschaften, an die nur die mutigsten Auserwählten gelangen können. Die Mönche sind so Wächter der Zeit und des Friedens, die die Klingonen vor sich selbst beschützen. Denn das Spiel mit der Zeit ist ein gefährliches. Allerdings sind sie auch erstaunlich schnell davon zu überzeugen, ihnen doch eine Chance zu geben. Wirklich lange bitten muss Captain Pike ja nun nicht gerade.

Obermönch Tenavik persönlich geleitet Pike in die Minen. Dass Vulkanier die Space-Elben sind, steht ja ohnehin schon fest. Nun sind Klingonen als Gegenpart die Space-Zwerge. Tenavik ist übrigens niemand geringeres als das bis dahin noch namenlose Baby von Voq und L’Rell. Also … nicht mehr so ganz das Baby. Innerhalb weniger Monate um viele Jahrzehnte gealtert. Zeitkristalle tun Dinge mit einem. Gut für Kenneth Mitchell - der Schauspieler steckte in der ersten Staffel unter der Maske von Kol, dann Kol-Sha und nun schließlich Tenavik.

Ding ist - auch wenn einem hier der Fantasy-Aspekt nahezu anschreit, fügt sich alles gut in die Episode und die Geschichte von Discovery ein. Optisch nichts Neues, aber ansprechend, dazu überzeugende Schauspieler und ein gutes Erzähltempo. Man macht also an sich viel richtig.

Höhepunkt hier liegt ganz klar in den Emotionen. Wieder einmal gelingt der Anschluss an die bereits bekannte Kanon-Geschichte der Klassikserie. Durch die Zeitkristalle erfährt Captain Pike von seinem dramatischen Schicksal. Und statt es nur erzählt zu bekommen, sieht man, wie er in einer heldenhaften Rettungsaktion selbst verstrahlt wird und entstellt im Rollstuhl landet. Ansons Mount brilliert weiter als Captain Pike. Alles wirkt glaubhaft. Der erste Schock, der später noch sichtlich nachwirkt, ebenso wie die grandiose Szene, in der er sich selbst an die edlen Auftrag eines Starfleet-Captains erinnert und so Mut zuspricht. Für das Wohl des Ganzen ist er bereit, sein Schicksal in Kauf zu nehmen.

Lol, Menschen

Obwohl alles hochdramatisch ist, bleibt an Bord der Discovery Zeit für Zwischenmenschliches. Gut so! Jett Reno war nicht einfach verschollen, sondern hat sich anscheinend kräftig mit der Crew (wo war Tilly eigentlich, muss ich mir Sorgen machen?) angefreundet. Diese kleine Alltäglichkeiten wie die Neckereien untereinander beim Essen in der Messe zu sehen, machen eine solche Serie erst lebendig. Auch die spätere Szene zwischen Reno und Culber nimmt nicht viel Zeit in Anspruch, bringt aber dennoch mehr Farbe ins Spiel. Bitte mehr davon.

Und was ist aus “Die Zukunft ist noch nicht geschrieben” geworden? Mit der Mitnahme des Zeitkristalls soll Pike laut Klingonenmönch sein Schicksal fest besiegelt haben. Kann er jetzt also auf Weltraumspaziergänge ohne Anzug gehen, weil er ja sicher erst später irgendwann mal sterben wird? Wie funktioniert Schicksal?

Auf ein Wiedersehen mit der Enterprise müssen wir wohl auch nicht lange warten. Zur Rettung der Crew steht ein Rendezvous an, um dann die Discovery zu zerstören. Eine andere Lösung, um Control von der völligen Übernahme abzuhalten, scheint es nicht zu geben. Oder wird das Schiff vielleicht doch versteckt und wartet für hunderte von Jahren auf die Rückkehr der Crew? Ja, ich spiele auf Calypso an. Elegant-subtil ist aus.

Fazit

Wenn man mit Fantasy-Aspekten und klumpenden Nanobot-Schwärmen klar kommt, ist “Tal der Schatten” eine spannende Folge mit sehr angenehm-kurzer, flüssiger Erzählweise. Es passiert jede Menge an unterschiedlichen Handlungsorten, ohne dass gehetzt oder unübersichtlich wird. Meine Angst vor den Klingonen war unbegründet, der Ausflug gefällt mir diesmal sogar.

Sämtliche Darsteller liefern überzeugende Leistungen ab, allen voran Anson Mount, der eine ganze Palette von Gefühlen bei Captain Pike zeigt. Jetzt will ich erst recht die Prequel-Serie über die frühen Jahre der Enterprise mit Pike und Spock.

Star Trek: Discovery - Trailer und Szenenbilder zur Episode 2.12 online

Star Trek Discovery 212.jpg

Star Trek: Discovery 2.12

Die 2. Staffel von Star Trek: Discovery biegt so langsam auf die Zielgerade ein. Am Freitag setzt Netflix die Ausstrahlung in Deutschland mit der zwölften und damit drittletzten Episode der Staffel fort. Für die Folge mit dem Namen "Through the Valley of Shadows" wurden im Vorfeld ein Trailer und eine Reihe von Bildern veröffentlicht. Diese zeigen unter anderem ein paar Rückkehrer.

Rein inhaltlich muss sich die Crew der Discovery mit den Folgen der letzten Episode auseinandersetzen. Burnhams Mutter ist wieder in der Zukunft verschollen, doch ein neues Signal macht dem Commander Hoffnung. Das Signal führt die Discovery zu einem abgelegenen Planeten, der Tyler allerdings mehr als bekannt ist. Gleichzeitig sind Burnham und Spock auch auf der Jagd nach dem Schiff der Section 31, auf dem sich Leland befindet. Bei ihrer Suche stoßen die beiden auf eine Entdeckung, die katastrophale Konsequenzen haben könnte.

In "Through the Valley of Shadows" gibt es gleich zwei Wiedersehen mit vertrauten Gesichtern. So kehrt zunächst Mary Chieffo als L'Rell zurück. Die Anführerin der Klingonen war bisher in einer Episode der 2. Staffel mit von der Partie. Darüber hinaus wird auch Tig Notaro ihre Rolle als Commander Jett Reno wieder aufnehmen.

Die Inszenierung der Episode übernahm Douglas Aarniokoski. Für den Regisseur ist es die insgesamt dritte Regiearbeit für Star Trek: Discovery. Zuvor war Aarniokoski für die Folge "Lethe" in Staffel 1 verantwortlich. Für die 2. Staffel inszenierte er "The Sound of Thunder" beziehungsweise "Donnerhall", die Folge, in der Saru auf seinen Heimatplaneten zurückkehrt. Bei den Autoren wurde auf die gleiche Kombination wie bei Aarniokoski letzter Folge gesetzt. So stammt das Skript zu "Through the Valley of Shadows" wie bei "The Sound of Thunder" von Bo Yeon Kim und Erika Lippoldt.

Wer sich vor dem Start der neuen Folge am Freitag noch etwas die Zeit vertreiben möchte, denen empfehlen wir unseren Podcast TrekCheck. Die aktuelle Ausgabe beschäftigt sich mit der letzten Folge "Perpetual Infinity". Die passende Kritik zu der Episode gibt es hier.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 2.11

PODCAST

Star Trek: Discovery 2.11 ist schon irgendwie gut. Aber berührt nicht. Meh, aber positives meh? So ist der TrekCheck diese Woche ein klein wenig eine begleitende Selbsthilfegruppe zur Meinungsfindung.

Regisseurin Maja Vrilo (Hawaii Five-O) lieferte eine actionlastige Folge ab. Zudem konnten sich die Autoren Alan McElroy (Vampire Diaries, “On Obol for Charon”) und Brandon Schultz bei “Der Zeitsturm” auf eine Haupthandlung konzentrieren und mussten sich nicht wie ihre Vorgänger mit viel zu viel Exposition herumschlagen.

Evil-AI-Control macht aus Leland einen Pseudo-Borg-Prototyp mit Terminator-Vibes. Culber ist wieder Arzt im Dienst, Georgiou hat ihre Nieten verloren, Admiral Cornwell ist dem charakterfressenden Schwarzen Loch an Bord der Discovery zum Opfer gefallen. Spock ist ein Bruder. Burnham hat gleich mehrere Mütter. Und das Spheren-Archiv hat teilweise die Kontrolle über die Discovery.

Stefan, Nele und Johannes probieren diesmal vor allem, sich nicht all zu sehr in den Zeitlinien zu verlieren. Nebenbei wird mit Pock und Spike noch die Idee für eine animierte Comedy-Serie über die Nachtcrew der Enterprise gepitcht. Dafür ohne Eichhörnchen. Und wir entschuldigen uns bei Polen. Es war nicht so gemeint. Wirklich.

Perpetual Infinity - Kritik zu Star Trek: Discovery 2.11

Star_Trek_Discovery_211.jpg

Nachdem die letzte Episode vor allem viel Exposition und einen Cliffhanger geboten hat, liefert Regisseurin Maja Vrilo (Hawaii Five-O) mit Star Trek: Discovery 2.11 eine actionlastige Folge ab. Zudem konnten sich die Autoren Alan McElroy (Vampire Diaries, “On Obol for Charon”) und Brandon Schultz bei “Der Zeitsturm” auf eine Haupthandlung konzentrieren.

Die Zeit ist aus den Fugen

Shakespeare und Star Trek - das geht doch eigentlich immer gut zusammen. Diesmal zitiert nicht Jean-Luc, sondern Spock sehr passend aus Hamlet (Akt I, Szene V): “Die Zeit ist aus den Fugen; Fluch der Pein, muss ich sie herzustelln geboren sein!”. Und ja, die Zeit ist ziemlich aus den Fugen. Kommt ihr noch mit?

Also Star Trek: Discovery spielt aktuell im Jahr 2257. Etwa 20 Jahre zuvor verliert Burnham ihre Eltern und wird von Sarek adoptiert. Burnhams Mutter ist von da aus 950 Jahre in die Zukunft gesprungen, wo ihr Red-Angel-Anzug ankert. Sprich sie kann zwar reichlich durch die Zeit hüpfen, aber nicht lange bleiben, sie wird immer wieder in die postapokalyptische Zukunft zurückgeholt, wo es weit und breit kein Leben und keine Technik mehr gibt. Sie versucht, Control und damit die Zerstörung allen Lebens aufzuhalten. Was ihr noch nicht gelungen ist. Dabei durchlebt sie immer wieder diverseste Varianten von vor allem Michaels Tod. Und wenn man nun das Archiv der Sphere soweit mit in die Zukunft schickt, kommt Control nicht mehr ran. Soweit richtig? Einmal aufgeschrieben und den Rest der vergangenen Folgen überwiegend ignorierend wirkt es eigentlich gar nicht mehr so verwirrend.

Nun müsste 950 Jahre in der Zukunft ja auch ungefähr zu der Zeit der Short-Trek-Folge “Calypso” sein, wo man es im Gegensatz zu Control mit einem recht freundlichen AI-System zu tun bekommt. War das schon ein Vorbote, was mit Dr. Burnham und der Discovery (zumindest in einer Zeitlinien-Version) noch innerhalb der Serie, eventuell gar der nächsten paar Folgen, geschieht? Immerhin spricht der Bordcomputer davon, dass sie auf die Rückkehr der Besatzung wartet. Allerdings muss Dr. Burnham in irgendeiner Form in irgendeiner Zeitlinie auch tatsächlich bei dem Klingonen-Angriff sterben.

Und 950 Jahre auf 2257 draufgerechnet ist man im Jahr 3207. Was ja dann nach dem Entsenden von Zeitagenten der Föderation im 31. Jahrhundert im Rahmen des Temporalen Kalten Krieges ist. Soweit man bei so Zeitkram von “nach” sprechen kann. Und hey, wenn Control siegt, kommt es in der Zeitlinie zu gar keinem Temporalen Kalten Krieg. Immer das Positive sehen.

Ganz die Mutter

Sonja Sohn (The Wire) liefert als Dr. Burnham ganze Arbeit ab. Sie hat diese eine Episode Zeit, um sowohl die Verbindung zu ihrer Tochter Michael darzustellen, als auch die Probleme ihrer Mission glaubhaft zu vermitteln. Denkt man doch mal an Doctor Who, wo der Doctor immer wieder darauf hinweist, was das Durchleben von mehreren Zeitebenen und langen Perioden doch auch für Schmerz mit sich bringt. Nun ist Dr. Burnham wenig freiwillig derart durch die Zeit gesprungen. Erst die spontane Flucht vor den Klingonen, dann viel weiter als geplant in der Zukunft gelandet, wo sie zudem gänzlich alleine ist. 20 Jahre lang im Kampf gegen Control und dabei wieder und wieder mit ansehen müssen, wie ihr Kind stirbt.

Wenn man das bedenkt, ist es kein Wunder, dass sie zumindest in der ersten Hälfte der Episode nicht gerade für den “Mutter des Jahres”-Preis nominiert werden kann. Die arme Michael ist langsam doch echt durch genug traumatischen Mist durch. Als Highlight der Schock, dass ihre Mutter doch noch lebt und sogar der Rote Engel ist, nur um gleich wieder durch ihre abweisende, pessimistische Art weggestoßen zu werden. Wobei man durchaus erkennt, von wem Michael ihren Charakter hat. Aber zum Glück dreht sich Dr. Burnham in der zweiten Hälfte, so dass Michael trotz erneuten Verlust dennoch im Abschied eine gewisse Katharsis erleben kann. Michaels Vater wird in dieser Episode übrigens von Kenric Green, dem Ehemann von Sonequa Martin-Green, gespielt. Wem das Timey-Wimey nicht reicht und noch ein wenig Wibbly-Wobbly dazu haben mag.

An sich ganz angenehm, dass ihre Geschichte nicht einfach von Dr. Burnham direkt erzählt, sondern über Videos vermittelt wird. Sie hat nämlich in bester Youtube-Vlog-Manier alles genauesten dokumentiert, und der Multifunktions-Roter-Engel-Anzug hat auch einen MovieMaker zum Schneiden diverser Kamerawinkel integriert. Voll praktisch, das Teil.

Wieso hat man im 23. Jahrhundert eigentlich das mit der mitochondrialen DNA nicht viel mehr auf dem Schirm? Klang so, als hätte Dr. Culber die Daten aus Airiams Speicher gründlich mit Michael abgeglichen und ja auch noch gesagt, dass es sich nicht um etwas künstlich erschaffendes handeln kann, da die Fehler und Abweichungen, die man so im Leben halt hat, übereinstimmen. Und da erkennt man nicht, dass es sich um die Mutter handelt? Ernsthaft? Aber mal sehen, eventuell steigt ja doch noch Michael in den Anzug.

Und alles nur, weil ich dich liebe

Spock liebt Wissenschaft, und alle lieben Burnham. Dass Spock begeistert der Wissenschaft anhängt, überrascht ja nun nicht, kommt so enthusiastisch ausgesprochen aber ganz sympathisch rüber. Tilly und er gäben sicher ein witziges Gespann ab. Ungefähr da steige ich dann aber bezüglich Wissenschaft und Technik in dieser Episode auch schon wieder aus. Ich möchte da einfach nicht weiter drüber nachdenken.

Bleiben wir also auf der Gefühlsebene. Michael ist überdeutlich das Zentrum der Serie und besonders dieser Episode. Ich meine, sie hat tatsächlich einen Engel, der unbemerkt ihr ganzes Leben (und gleich mehrere davon) genau beobachtet hat. Und sie hat mindestens drei Mütter, die sie sehr lieben. Mit Georgiou und Dr. Burnham haben zwei von ihnen das erwartete Gespräch unter vier Augen, in dem Dr. Burnham der einstigen Imperatorin klar macht, dass auch diese große Liebe für Michael in sich hat und bereit ist, einiges für sie zu opfern

.Überhaupt weiß Dr. Burnham ziemlich viel. Das allsehende Auge. Aber ausgerechnet von den sieben rot-explosiven Zeichen, die bisher alle mit dem Roten Engel in Verbindung brachten, will sie nichts wissen. Oha. Ich wiederhole: Doch noch Future-Michael als Roter Engel? Oder wer ganz anderes?

Aber wir waren ja bei der Liebe. Also. Tyler liebt Michael natürlich auch. Allerdings riskiert er gegen AI-Leland sein Leben auch für die gesamte Discovery-Crew. Er weiß halt doch, wem seine Loyalität gilt. Dafür merkt man noch mehr als in der letzten Episode, dass Spock für Michael durchaus nach wie vor Geschwisterliebe empfindet. Die Szenen zwischen den beiden waren abermals sehr schön inszeniert und die Chemie stimmig. Auch wenn Vulkanier ihre Sympathien anscheinend nicht einfach aussprechen können, sondern dafür ein Schachspiel als Zeichen anbieten. Vermutlich kann er durch die Offenbarung von Dr. Burnham nun auch viel entspannter sein: Seine Dyslexie ist kein Fehler, sondern macht ihn besonders. Nur mit ihm konnte der Rote Engel kommunizieren, da er durch die Verbindung aus seinem vulkanischen Anteil, Empathie und eben der Dyslexie das Zeitdurcheinander halbwegs geordnet bekommt. Oder zumindest so etwas in der Art.

Resistance is pointless

Borg, ick hör dir trapsen! Stich ins Auge, Mini-Maschinchen im Körper, Umrüstung von Mensch zu Computer-Mensch, die Art wie Tyler Leland mit halboffenen Gesicht vorfindet. Es riecht schon ziemlich nach Borg. Aber vielleicht spielen die Serienmacher auch nur mit uns. Das eingeworfene “Struggle is pointless” riecht aber ziemlich nach “Resistance is futile” in diesem Zusammenhang. Wobei die Borg ja eher alles assimilieren statt zerstören wollen. Control also eine Art frühe Entwicklungsstufe? Immerhin wissen wir derzeit immer noch nicht, was genau Control ist und überhaupt will. Warum alles bewusste Leben auslöschen? Was hat Control davon?

Schon amüsant die Erklärung, warum Control sich erstmal die Darstellung einer Vulkanierin und nun von Leland ausgesucht hat. Richtige Menschen mit deutlichen Gefühlsäußerungen sind zu schwierig. Leland mit seiner kalten Art und moralisch flexiblen Verhalten kommt da ganz gelegen und wird ihm zum Verhängnis. Warum auch immer Control das Zwiegespräch mit Leland zum Erläutern brauchte (und wie auch immer er so fixiert werden konnte). Immerhin wurde ihm ja schon ins Auge gestochen, und man hätte gleich die Control-Minions injizieren können. Aber das wäre für den Zuschauer weniger spannend in der Darstellung, zugegeben.

Wie gut, dass Georgiou clever ist und erkennt, dass mit Leland etwas faul ist. Dafür darf sie auch nochmal ihre Kung-Fu-Fähigkeiten unter Beweis stellen und zudem die Beziehung mit Tyler festigen. Wobei diesem das nicht ganz so gut bekommt. Immerhin stirbt er nicht durch AI-Leland, sondern kann sich noch mit Rettungskapsel absetzen. Georgiou wurde ja eh auf die Discovery gebeamt. Sind sie (fast) wieder alle beisammen, ist doch auch nett.

Wieso genau braucht Control das Spheren-Archiv, um sich weiterzuentwickeln? Also ja, sicherlich hilfreich wenn es schneller gehen soll, aber so gar keine weitere Entwicklung auch in der fernen Zukunft? Und wieso soll das Spheren-Wissen ausgerechnet 950 Jahre in der Zukunft so absolut sicher sein? Ich sehe da deutlich zu viele Wenn-und-Abers in diesem Plan.

Und sonst so? Georgiou hat ihre Nieten verloren, Culber dafür seinen weißen Kittel/Uniform wieder bekommen. Das rollstuhlfahrende Crew-Mitglied darf wieder einmal durchs Bild fahren. Captain Pike ist nach wie vor total im Captain-Modus, was anhaltend gefällt. Wo zur Hölle steckt Admiral Cornwell? Die war letzte Woche doch noch da. Leistet sie gerade Nummer Eins und Jett Reeno Gesellschaft?

Wenn nun Dr. Burnham wie versprochen vor den Angriff der Klingonen springt und ihre Familie rettet - dann wird Michael ja nie Spocks Adoptivschwester. Und vielleicht lernt sie nie Georgiou kennen. Landet nicht auf der Discovery und so weiter. Was ja wiederum eine Erklärung dafür wäre, warum Classic-Spock nie etwas über das Schiff und seine Schwester fallen lässt. Aber jetzt bekomme ich wieder Zeitlinien-Kopfschmerzen.

Fazit

Beim Sehen blieb ich leider emotional recht unbewegt und weiß nach wie vor nicht so recht, was ich von der Episode halte. Allerdings gibt es an sich viele Pluspunkte: “Der Zeitsturm” ist schlüssig und rund erzählt, die Action passt und ist nicht komplett übertrieben, viele Fäden der Staffel verbinden sich elegant, die Darsteller überzeugen, und dass sich auf den Haupthandlungsstrang konzentriert wird, tut sichtlich gut. Auch wenn dennoch gefühlt mehrere Leben in acht Serienstunden und 45 Folgenminuten gequetscht werden.

Alles in allem muss ich wohl sagen, dass es sich um eine gute Folge handelt. Auch wenn ich das noch nicht so spüre. Vielleicht muss sie noch ein wenig länger wirken.

Star Trek: Discovery - Alex Kurtzman verspricht in Staffel 2 Antworten für die Kanonprobleme

Star_Trek_Discovery_211.jpg

Eines der großen Probleme von Star Trek: Discovery, das von Kritikern immer wieder angesprochen wird, ist die Kontinuität. Viele Dinge, die in der Serie eine Rolle spielen, passen nur bedingt in den bekannten Kanon von Star Trek. Die 2. Staffel von Discovery soll in dieser Hinsicht jedoch einige Lösungen bringen, zumindest wenn man Alex Kurtzman Glauben schenken kann. Der Showrunner von Discovery sprach am Wochenende auf dem PaleyFest LA über das Thema und versprach Antworten für die Fans.

"Wir sind uns der Fragen und Kritik durchaus bewusst. Ich habe alles gelesen und kann verstehen warum viele sagen 'Der Sporenantrieb hat nie existiert' und 'Die Discovery wurde bisher nie erwähnt'. All dieser Dinge sind wir uns bewusst und ihr werdet Antworten bekommen."

Auch Darsteller Anthony Rapp wurde zu dem Thema befragt und äußerte sich ebenfalls optimistisch, dass die verbleibenden Folgen, die Kanon-Probleme lösen werden.

"Ich glaube, die letzten Folgen werden den Kreis für viele Menschen schließen. Wenn wir unseren Job richtig gemacht haben, zumindest von dem was in den Drehbüchern stand, ich habe die Folgen noch nicht gesehen, werden wir viele offene Fragen beantworten und zeigen, dass wir in den Kanon passen. Ich bin davon überzeugt, dass wir die Leute zufriedenstellen werden. Als jemand, dem der Kanon zu einem gewissen Grad ebenfalls sehr wichtig ist, kann ich nur sagen, wenn das die Leute nicht glücklich macht, dann weiß ich nicht, was wir noch tun können."

Bei Star Trek: Discovery geht es am Freitag bei Netflix mit der mittlerweile elften Episode weiter. Als Vorgeschmack für die Folge wurden im Vorfeld wieder eine ganze Reihe von Fotos sowie ein Trailer veröffentlicht.

Die Episode "Perpetual Infinity" bringt Burnham ein Wiedersehen, dass sie nie für möglich gehalten hätte. Allerdings verläuft dieses nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat. Gleichzeitig hat auch die Sektion 31 ein paar Probleme. So müssen Georgiou und Tyler feststellen, dass Leland sich sehr mysteriös verhält.

Wer sich bis zur Episode noch etwas die Zeit vertreiben möchten, denen empfehlen wir unseren Podcast TrekCheck. Dessen letzte Ausgabe dreht sich um die zehnte Episode von Star Trek: Discovery. Die passende Kritik zu der Folge gibt es hier.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© CBS All Access

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 2.10

PODCAST

Und der Engel sprach zu ihnen: "Ernsthaft jetzt? Ihr nehmt es hin einen Menschen zu töten um mich mit dieser unnötig komplizierten Maschine zu fangen - wofür überhaupt? Und Michael, ich hab wichtige Dinge zu tun. Wie oft muss ich dich noch aus bekloppten Situationen retten, in die du dich selbst begibst. Get your shit together!"

Leider kam es zu einem Zwischenfall mit einem Zeitkristall, so dass wir gerade nicht wissen, wann Anne und Stefan sind. Diese Woche widmen sich also Johannes und Nele als Duo um Star Trek: Discovery 2.10. Wir sprechen über rote Engel (natürlich), Zeitkristalle (ahnungslos), Mörder-Alexas (naheliegend), Nietenanzüge (ablenkend), Zeitreisen (timey-wimey), Mausefallen (unnötig gefährlich) und Eichhörnchen (süß).

Während wir die Vorgänger-Episode "Projekt Daedalus" beim Gucken an sich gut fanden und eher hinterher ein fahler Nachgeschmack blieb, geht es mit "Der rote Engel" ein klein wenig in die andere Richtung: Während der Folge und kurz danach sehr angenervt, mit etwas Nachgaren über das Wochenende wirkt sie aber gleich gar nicht mehr sooo schlimm. Dennoch ist gerade dieser TrekCheck nichts für Leute, die es nicht mögen, wenn man sich negativ auslässt.

Erneut geht unser Dank an Jens Dewald für die Musik und die FedCon GmbH für die freundliche Unterstützung unseres Podcasts. Die FedCon findet dieses Jahr wieder an Pfingsten (7.-10. Juni) in Bonn statt und neben Hauptdarstellern von The Expanse und The Orville werden auch Anson Mount, Ethan Peck, Wilson Cruz und Shazad Latif von Star Trek: Discovery zu Gast sein.

The Red Angel - Kritik zu Star Trek: Discovery 2.10

SPOILER

Star Trek: Discovery 2.10 kommt wie eine Finalepisode daher. Dabei bleiben der Staffel noch vier Folgen. Vielleicht ganz gut so, denn leider erzählt “Der rote Engel” (oder auch “Projekt Daedalus - Diesmal wirklich”) zwar viel, kann jedoch erzählerisch nicht überzeugen.

Licht und Schatten

Fangen wir doch mal mit dem Positiven an: Man kommt bezüglich des Roten Engels überraschend schnell zum Punkt. Statt wie erwartet als Highlight der Episode, erfährt man erfreulich früh und schon beinahe nebenbei, dass Burnham in dem Anzug steckt. Diesbezüglich gibt es innerhalb der Folge noch einmal eine Wendung, die so bei uns noch niemand auf dem Schirm hatte.

Auch dass diverse Charaktere in unterschiedlichen Konstellationen zumindest jeweils kurz ihre Screentime erhalten und man erfährt, dass Airiam nicht einfach im All treiben gelassen wurde - durchaus nett. Die Ausführung lässt jedoch zu wünschen übrig. Wer nicht so gerne negative Kritiken liest, sollte jetzt vielleicht besser aufhören.

Wie grottig geschrieben war denn bitte diese Episode? Da muss man nicht einmal auf abgehackte Szenen mit fehlenden runden Übergang eingehen. Beinahe alle Dialoge wirken extrem künstlich und deplatziert. Krönung war sicherlich Georgious Anfall gegenüber Culber und Stamets. Versucht sie sich als provokative Paartherapeutin? Ich kann auch gut auf das ständige “Also in MEINEM Universum …” verzichten. Tillys “Was war das denn gerade?” lässt zumindest ein Minimum an Selbsterkenntnis der Schreiber zugestehen.

Verantwortlich für das Drehbuch sind zwei Neulinge. Anthony Maranville und Chris Silvestri waren zwar schon als Teil der Crew und als Assistenten von Drehbuchautoren an Produktionen beteiligt (Hannibal, Star Trek: Discovery, Monk), doch zuvor noch nie als eigenständiges Autorenduo für eine Episode aktiv. Ausgerechnet sie mit der eher undankbaren Aufgabe zu betrauen, eine klare “Info-Folge” irgendwie umzusetzen, ist schon fast unfair. “Hier, das alles wollen wir drin haben, jenes müssen wir alles erzählen, damit wir zum Finale kommen. Ihr habt 45 Minuten. Los.”. Die Regie hat übrigens Hanelle Culpepper geführt, in deren Hand auch die Pilot-Episode der neuen Picard-Serie liegt.

Warum sollte mich das kümmern?

Sowohl innerhalb unserer Redaktion als auch in meiner Filterblase schwanken die Meinungen nach dem unmittelbaren Sehen der Episode zwischen “Ach, war ok. Nichts Tolles, aber auch keine Katastrophe” und “Das war ja noch schlimmer als die Klingonen-Folge”. Es zeichnet sich ab, dass ein Kritikpunkt aus letzter Woche kräftig mit reinspielt: Warum sollte mich all das überhaupt kümmern?

Die Airiam-Folge in sich hat für viele noch einigermaßen funktioniert. Zwar wäre das Pay-off deutlich höher gewesen, wenn man schon über die Staffeln verteilt immer wieder Ausschnitte der Beziehungen der Crewcharaktere untereinander mitbekommen hätte, aber in sich hat man alle nötigen Informationen auf schön erzählte Art erhalten. So konnte “Projekt Daedalus” zumindest beim Sehen überzeugen und emotional mitnehmen. Erst beim drüber Nachdenken im Nachhinein stolpert es.

Nun ist mit der einwöchigen Pause von der emotionalen Bindung nicht mehr viel geblieben, so dass die Eröffnungsszene unterkühlt bleibt. Optisch schön inszeniert, keine Frage. Ich mag auch einfach Crew-Aufläufe mit großen Reden in Raumschiffhangars. Kommt in diversen Sci-Fi-Serien immer wieder mal vor. In diesem Falle drängt sich natürlich die Bestattungs-Szene aus Star Trek II: Der Zorn des Khan auf. Auch der Verlust von einem Freund, der sich selbst geopfert hat. Aber mit Amazing Grace statt Sarus Gesang. Und mit Spock einem Charakter, zu dem auch der Zuschauer einen wirklichen Bezug hat.

So jedoch haben in “Der rote Engel” die einzelnen Ansprachen von Pike, Tilly, Stamets, Detmer und Burnham deutlich zu viel Zeit eingenommen. Zeigt mir all die Freundschaften, Bindungen, Charaktermomente verteilt über die Serie und erzählt mir nicht erst wenn es dringend nötig ist im Schnelldurchlauf davon. Besonders wie hier dann auch noch erst hinterher. So wie mit Airiam als Beispiel kommen und kamen so ziemlich alle wichtigen Nebencharaktere und zwischenmenschliche Momente, die eine Serie erst lebendig machen, viel zu kurz. Und das fällt den Machern nicht erst jetzt auf die Füße.

Sucktion 31

Was geht mir Sektion 31 mittlerweile auf die Eier. Nicht nur, weil Georgiou in ihrem neuen 80er-Jahre inspirierten Nietenlook sehr ablenkt. Wie gut, dass man sich so gaaaar nicht an Sternenflottenregeln halten muss. Obwohl man ja doch Teil davon ist. Aber super-duper Geheimorganisation, für die nur Leute der Super-Evil-League-of-Evil in Frage kommen. Alan van Sprang spielt Leland zumindest genau so, wie man das von einem von Alan van Sprang gespielten Charakter erwartet.

Inwiefern Control noch Probleme bereitet, wird sich zeigen. Immerhin sei mit der Löschung Airiams und der Explosion des einstigen Hauptquartiers die Hardware zerstört. Und alle Schiffe von Sektion 31 habe man angewiesen, ihre Computer zu checken. Einmal Antivir drüberlaufen lassen, oder so. Was soll schon schief gehen. Fragen wir doch mal Leland, dem jetzt mindestens ein Auge fehlt. Wobei, vielleicht war das auch gar nicht Control, sondern Spocks Rache. Immerhin war der enttäuscht, nicht dabei gewesen zu sein, als Burnham Leeland ein wenig vermöbelt hat.

Nun haben sie auch noch einen Zeitreise-Iron-Man-Anzug entwickeln lassen, den alle für Technologie aus der Zukunft hielten? Ok. Und wieder einmal sind die Klingonen schuld. Von denen kommen wir so wenig los wie Tyler. Mittlerweile einer der überflüssigsten mitgeschleiften Charaktere überhaupt. Bin mal gespannt, ob der sich nochmal als nützlich erweist. Also jenseits von Liebeleien inklusive Star-Wars-Anspielungen. “Ich weiß”.

Was machst du eigentlich hier?

Die Figuren müssen in Position gebracht werden. Die große Finalrunde wartet. Dass diese Episode überwiegend als Informationsweitergabe dient, ist leider überdeutlich. So wirkt das Anbringen unterschiedlicher Problemfelder eher als das Abhandeln einer Pflichtaufgabe und nicht wie ein cleveres 3D-Schachspiel mit Tiefe.

Georgious verbale Ausfälle habe ich ja bereits erwähnt. Auch Culber scheint nicht so ganz von ihrer Befähigung als Counselor überzeugt zu sein. Seine Wiederauferstehung und Probleme der Selbstfindung sind ein Job für ganz oben. Niemand geringere als Admiral Cornwell soll ihm helfen. Ihre therapeutische Ausbildung hat sich voll gelohnt: “Sie sind nicht mehr der Alte. Gehen Sie einen neuen Weg und entdecken Sie sich neu”. “Gesunde Ernährung und Bewegung an frischer Luft”. Oder so ähnlich.

Wieso hat Culber eigentlich noch nicht seinen Offiziersstatus zurück und läuft in ziviler Kleidung herum, agiert aber wie der Chef der Krankenstation? Und klar, Stamets ist genial. Aber doch eigentlich mehr so Bio-Ingenieur. Wäre jemand wie etwa Jet Reeno oder sonst irgendwer der Technik-Crew nicht noch ein wenig mehr in das Mausefallen-Projekt einzubinden?

Airiam ist abgehakt, bleibt Nhan, die die Ereignisse der vergangenen Episode noch bei einem Flurgespräch inklusive hölzernen Handschlag mit Burnham aufarbeiten muss. Tilly darf mit tollen Erkenntnissen schon wieder in wichtige Gespräche der Führungsriege platzen. Leland erzählt Burnham die Wahrheit, was sich nicht für ihn auszahlt. Wahrheit sagen tut weh. Macht er nicht noch einmal. Dafür kommen sich Spock und Burnham darüber wieder näher. Die Szene war tatsächlich ganz nett.

Leland / Saru. Culber / Stamets. Georgiou / Burnham. Burnham / Tyler. Also an sich mag ich ja, wenn viele Leute und deren Beziehungen zu sehen sind. Aber ein wenig mehr Mühe könnte man sich für eine elegantere Art, diese zu zeigen, schon geben.

One for the team

Mit Speck fängt man Mäuse. Und Burnham ist der Speck. Und die Maus. Natürlich. Der total geniale Mausefallen-Plan, um den Roten Engel zu fangen. Abgleich von Airiams Daten, die unter “Projekt Daedalus” abgespeichert waren, zeigen, dass Burnham der Rote Engel sein muss. Man analysiert weiter, dass dieser immer auftaucht, wenn Burnham in Gefahr ist. Also: Juhu, lasst Burnham töten! Nicht einfach so, schon auf grausame Art. Man will ja auch ein wenig Show haben. Das ist bestimmt die beste und naheliegendste Lösung.

Wie gut, dass der Rote Engel nicht nur durch Wurmlöcher in der Zeit reisen, sondern mit einem Lichtstrahl auch Leute auferstehen lassen kann. Sowas hätte Tony Stark bestimmt auch gerne. Überhaupt wäre der komplette Technikaspekt inklusive Zeitreiseparadoxen nochmal ein komplett eigenes Kapitel. Wieder einmal: optisch durchaus reizvoll, aber nicht nachdenken! Hier wird Mysteriengeschwurbel deutlich mehr zugestanden als trekigen Wissenschaftsgebabbel.

Große Pluspunkte konnte die Episode jedoch in den letzten Atemzügen sammeln: Ich bin sehr froh, dass der Rote Engel sich als jemand herausstellt, den wir bisher noch nicht (wirklich) kannten. Weder Picard, noch Lorca und auch nicht Burnham selbst. Nein, ihre Mutter fällt aus dem Superheldenanzug. Zwar bin ich nicht der größte Fan von derlei Familiengeschichten, aber die Freude darüber, dass die schlimmsten Befürchtungen sich nicht bewahrheitet haben, überwiegt. Plus ein anerkennendes Nicken: Diese Auflösung habe ich vor dieser Episode tatsächlich so gar nicht erwartet und auch noch nirgends gelesen.

Fazit

Erfreulich überraschende Auflösung und kein längeres Hinhalten bezüglich der Identität des Roten Engels. Erzählerisch humpelt die Folge aber vor sich hin und die Grundproblematik der fehlenden konsequenten Charakter-Etablierung belastet zunehmend. Das fröhliche Hinbiegen von technischen Erklärungen mit kräftigen Mysterienüberbau passt zudem eher zu Doctor Who als zu Star Trek. So hat “Der Rote Engel” zwar einzelne nette Elemente, ärgert aber viel zu oft.

Nun folgte auf die hingeklatschte Info-Episode “Licht und Schatten” auf Vulkan die tolle Folge “Gedächtniskraft”. Der Klingonen-Folge ging ein spannender Einstieg in die zweite Staffel voran. Bei dem qualitativen Auf und Ab bin ich jetzt gespannt auf nächste Woche. Hoffentlich lest ihr hier dann eine Jubel-Kritik. Ich bin nach wie vor offen dafür, von Star Trek: Discovery begeistert zu werden.

Star Trek: Discovery - Anson Mount verlässt die Serie nach Staffel 2

Die Discovery muss sich in der 3. Staffel nach einem neuen Captain umsehen. Wie Deadline berichtet, wird Anson Mount, der aktuell als Captain Pike zu sehen ist, die Serie nach der 2. Staffel verlassen. Auch Rebecca Romijn verabschiedet sich von ihrer Rolle als Nummer 1, auch wenn die Darstellerin bisher ohnehin nur einen Kurzauftritt absolvierte. Sowohl Mount als auch Romijn hatten jeweils nur einen Vertrag für die 2. Staffel unterschrieben.

Die Meldung kommt wenig überraschend, hatte Mount doch schon selbst vor einiger Zeit in einem Tweet darüber einen Witz gemacht, wieder arbeitslos zu sein. Zudem wurde auch in der Serie selbst kommuniziert, dass Pike nur vorübergehend als Captain der Discovery agiert. Sobald die Enterprise wieder repariert ist, wird er seinen Posten auf der Discovery abgeben.

Entsprechend erwartet die Zuschauer auch in der 3. Staffel wieder ein weiterer Captain. Es bleibt abzuwarten, ob die Macher dem bisherigen Konzept treu bleiben und in jeder Staffel einen neuen Captain präsentieren. Alternative könnte beispielsweise auch Saru in die Chefrolle schlüpfen.

Interessanterweise geht es in der Meldung von Deadline nur um Anson Mount und Rebecca Romijn. Zur Zukunft von Ethan Peck als Spock gibt es bisher noch keinen Bericht. Es erscheint logisch, dass Spock sich Captain Pike anschließt, wenn dieser auf die Enterprise zurückkehrt. Allerdings ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass der Stiefbruder von Burnham eventuell noch etwas länger an Bord bleibt und Peck der Serie eine weitere Staffel erhalten bleibt.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 2.09

PODCAST

Für unseren zehnten TrekCheck zu Star Trek: Discovery ist Johannes von seiner Solomission zurückgekehrt. Und die Sorge in den Kommentaren zum letzten Podcast sind unbegründet, Stefan ist diesmal auch wieder mehr zu hören und es geht ihm gut. Ehrlich. Sagt er selbst. Total freiwillig. Versprochen.

Die Fallhöhe zur überwiegend positiv bewerteten letzten Disco-Folge war hoch, doch Episode 2.09 gelingt - mit Abstrichen - durchaus der Anschluss. Zumindest macht sie beim Gucken Spaß, bringt die Handlung voran und kitzelt ein wenig die Emotionen. Beim einen mehr, beim anderen weniger. Irgendwie darf man aber nicht anfangen, über alles nachzudenken. Im Abgang hat "Projekt Daedalus" einen leicht schalen Nachgeschmack.

Das Drehbuch schrieb Michelle Paradise, aus deren Feder auch die finalen Episoden 13 und 14 stammen. Zudem bildet sie für Staffel 3 zusammen mit Alex Kurtzman das neue Showrunner-Gespann. Trek-Veteran Jonathan Frakes hat sich abermals auf den Regiestuhl geschwungen.

Erneut geht unser Dank an Jens Dewald für die Musik.

Pages

Subscribe to RSS - Star Trek: Discovery