1970 veröffentlichte Konrad Schaef unter dem Pseudonym Conrad Shepherd den Roman „Operation Sagittarius“, der als Terra Nova Doppelband 108/109 publiziert worden ist. Anfang des 21. Jahrhunderts legt der BLITZ Verlag den Band in einer vom Autoren persönlich redigierten Neuauflage als Paperback auf. Inzwischen liegt das Buch auch als E Book vor.
Der Roman zerfällt in zwei sehr unterschiedliche Teile. John Dunbar ist ein Verbannter. Wie der Autor in Rückblenden erläutert, ist er des Mordes schuldig gesprochen worden. An Bord eines Raumschiffs hat er einen angeblichen Rivalen umgebracht. Normalerweise werden die Verurteilten zu einem unwirtlichen Planeten deportiert, auf dem sie in den Eisenminen relativ schnell sterben.
Bei John Dunbar bedeutet die Verbannung, das er auf einem Planeten – in diesem Fall Terra – bleiben muss und nicht mehr ins All darf. Dafür wird ihm zusätzlich auf die Stirn ein „V“ gebrannt. Diese grundsätzlich interessante Idee, die aber anachronistisch umgesetzt worden ist, ist das Sprungbrett der fortlaufenden Handlung. Auf der Erde verdingt sich John Dunbar als professioneller Spieler. Als er einen ahnungslosen jungen betrunkenen Mann ausnimmt, drohen ihm dessen Brüder Prügel an, wenn er das Geld nicht rausrückt. Später wird er in einer Gasse von den Brüdern überfallen und ausgeraubt. Sie sehen, dass er ein Verbannter ist. Dunbar im Gegenzug erfährt, auf welchen Planeten sie zusammen mit ihrem Bruder wollen.
Der Auftakt ist interessant gestaltet. Die Markung der Verbannten macht wie angesprochen nur bedingt Sinn, da John Dunbar sie anscheinend sehr gut verstecken kann. Auch ist es ja kein Verbrechen, sich auf der Erde aufzuhalten und sein Glück im Casino zu versuchen.
Nur in die Nähe eines Raumhafens darf er nicht. Kurze Zeit kann er bei einer Frau unterschlüpfen, die ihn liebt. Aber diese Liebe hat keine Zukunft, wie Dunbar eiskalt klar macht. Sie verschafft ihm einen Platz auf einem Raumschiff, um erstmal der Erde zu entfliehen, da er plötzlich auch wegen der Auseinandersetzung mit den Brüder gesucht wird.
Konrad Schaef versucht dem Protagonisten den Boden unter den Füßen wegzuziehen, ihn zu isolieren und so in die handlungstechnisch passende Richtung zu treiben. Das funktioniert aber nur bedingt. Der Handlungsfaden wird auch nicht mehr aufgenommen. Bei einer Überarbeitung hätte Konrad Schaef wenigstens die Idee einer „Rache“ in welcher Form auch immer in den Epilog einbauen können. So wirkt der ganze Roman in der vorliegenden Fassung entweder nicht ausreichend ausbalanciert oder wie der Auftakt von mehreren Geschichten um Dunbar. Dazu ist es aber nicht mehr gekommen, da Konrad Schaef anschließend an Kurt Brands Serie „Checkpart 2000“ mitgeschrieben hat.
John Dunbar ist kein sympathischer Charakter. Er ist ein eiskalter Opportunist, der auch aufgrund seines Wunschs, wieder zu den Sternen zurückzukehren, keine Rücksicht nimmt.
Allerdings dreht sich anschließend das Blatt. Konrad Schaef fügt weitere Informationen hinsichtlich seines Hintergrunds hinzu. Natürlich ist Dunbar kein Verbrecher. Manfred Wegener hat das Thema besser in „Die Verbannten“ behandelt. Eine Rehabilitierung ist aber trotz seines einflussreichen Onkels gar nicht so leicht.
Dafür und anscheinend auch nur dafür muss er sich „freiwillig“ für ein Selbstmordkommando melden. Mehrere Forschungsraumschiffe sind in einem bestimmten Sektor verschwunden. Bei der „Operation Sagittarius“ ist geplant, einen schweren Raumer SINGA in das Gebiet zu schicken, der als letzten Versuch nach den verschwunden Besatzungen und Raumschiffen sucht. Dunbar soll als erster Offizier an dem Kommando teilnehmen.
Mit ein wenig Ironie erläutert Konrad Schaef, das der Erste Offizier an Bord eines Raumschiffs der im Grunde unwichtigste Posten ist. Ab und zu den Kommandanten vertreten, aber keine eigenen Entscheidungsbefugnisse. So ist auf der einen Seite erklärbar, dass die oberste Befehlsebene der Flotte die bestehende Hierarchie an Bord der SINGA zu Gunsten von Dunbar auseinander reißt; auf der anderen Seite gibt es auch im Verlauf der Handlung keinen effektiven Grund, warum Dunbar an Bord ist. Er verschwindet bis auf ein oder zwei kleinere Missionen quasi aus der Handlung. Die „Helden“ werden andere.
So ist es der Kommandant der SINGA, der nicht nur aus der Haut fährt, sondern die Zwangsrekrutierung seines Raumschiffes mit einer entschlossenen Aktion verhindert. Oder der Chefprogrammierer, der während des allerdings ein wenig zu stark konstruierten und belehrend erscheinenden Endes ohne Vorkenntnisse fremder Technologie nicht nur auf die die drei Robotergesetze zurückgreifen und damit Isaac Asimov Ehre erweisen kann, sondern alles in erstaunlicher kurzer Zeit richtet.
In beiden Fällen ist Dunbar kommentierender Beobachter. Positiv ist, dass Konrad Schaef in der zweiten Hälfte das Spektrum erweitert und die Besatzung der SINGA als Kollektiv beschreibt, die nur zusammenarbeitend den Herausforderungen trotzen können. Der Kommandant ist ein besonnener, erfahrener Hase, der das Leben seiner Männer schützt und sie vor allem heil nach Hause bringen will. Im Gegensatz allerdings zu vielen anderen Science Fiction Abenteuern werden sie auch nur bedingt direkt bedroht. In erster Linie bei der Befehlsverweigerung von den eigenen Leuten.
Im betreffenden Sektor wird die SINGA auch von einem fremden Raumschiff angegriffen, dieser Gefahr stellen sie sich aber sehr schnell und kommen ab diesem Moment zügig den entsprechenden Geheimnissen auf die Spur.
In diesem Abschnitt greift Konrad Schaef auf bekannte Versatzstücke zurück. Ein fremdes Raumschiff; eine anscheinend zerstörte oder untergegangene Superzivilisation, die Spuren auf verschiedenen Planeten hinterlassen hat und schließlich noch eine aktive Kampfzone.
Der Roman nimmt in diesem Abschnitt ein fast zu hohes Tempo auf. Die Männer an der Bord der SINGA rollen den roten Faden relativ schnell auf. Vieles kommt dem Leser aus anderen Serien auch vertraut vor. So finden sich nicht zum ersten Mal in Konrad Schaefs serienunabhängigen Anspielungen auf die Perry Rhodan Serie mit der eine Zivilisation „rettende“ und dadurch versklavende Roboterintelligenz. Das Szenario ist vergleichbar umfangreich wie in „Die unheimlichen Kegel“. In beiden Romanen greift Konrad Schaef auf verbale Übermittlung der historischen Vorgänge in Form von visuellen Aufzeichnungen zurück. In beiden Fällen sieht der Mensch nur noch das Ende der Superzivilisationen, die sich vor allem selbst zugrunde gerichtet haben.
Interessant ist wie in einigen anderen Romanen Konrad Schaefs, das er sowohl atomaren wie auch hier beschriebenen Stellvertreterkriegen kritisch gegenüber steht und die Auswirkungen untersuchen möchte. Es sind die menschlichen Besucher, welche der Galaxis abschließend einen nachhaltigen Frieden bringen und den gordischen Knoten eines außer Kontrolle geratenen Kriegs – ironischerweise als Schutz der Menschen initiiert - durchschlagen
Positiv ist, dass Konrad Schaef nicht den Weg der Gewalt zu Ende denkt und sich gegen eine Reihe von Heftromanklischees stellt. Auch wenn der Weg zu einfach ist, gelingt es den Menschen, an der „Schwachstelle“ der Gegner anzusetzen und sie zu reformieren. Nicht damit zufrieden überspannt der Autor anschließend allerdings den Bogen, indem er sie quasi zu hilflosen Marionetten degradiert, denen ausgerechnet die Menschen zeigen müssen, was eine positive Zukunft sein könnte.
In Hinblick auf das Ausgangsszenario ignoriert Konrad Schaef alle losen Handlungsfäden. In Bezug auf die Verurteilung weiß der Leser, dass Durban rehabilitiert wird. In Hinblick auf die Befehlsverweigerung stellt sich die Frage, ob die Rettung von vielen Menschen die Flucht aufwiegt. Da hilft auch nicht, dass der Vorgesetzte ein inkompetenter Paragraphenreiter ist. Zum Überfall nahe des Casinos wird kein Wort verloren. Nur das der Kommandant noch Schulden aus einem früheren Kartenspiel bei Dunbar hat.
„Operation Sagittarius“ ist ein solider Science Fiction Roman mit einem anfänglich ungewöhnlichen exzentrischen Charakter, einigen nicht abschließend extrapolierten Ideen wie der besonderen Art der Bestrafung, aber einem routinierten zweiten Teil mit fremden Zivilisationen und einer für eine kurze Zeit kniffligen Rettungsmission. Es ist schade, dass Konrad Schaef einige der im zweiten Abschnitt entwickelten Ideen nur eher pragmatisch umsetzen konnte, so dass sie beim oberflächlichen Lesen fast unter den Tisch fallen, während er sich in der ersten Hälfte des Romans ausreichend Zeit und seitentechnisch auch Raum gelassen hat.

Paperback, 182 Seiten
Blitzverlag
Bearbeitete Neuauflage des Terra Nova Doppelbands
1999 erschienen
