In 80 Tagen um die Welt

Originaltitel: 
Around the World in 80 Days
Land: 
USA / D / Ir / GB
Laufzeit: 
120 min
Regie: 
Frank Coraci
Drehbuch: 
David N. Titcher
Darsteller: 
Jackie Chan, Steve Coogan, Cécile De France
zusätzliche Infos: 
nach einer Vorlage von Jules Verne
Kinostart: 
23.12.04

Die Bank von England wird überfallen und der Dieb flüchtet vor der Polizei auf einen Baum in einem Garten. Dort stellt gerade der Erfinder Phileas Fogg (Steve Coogan) mit seinem Diener ein Geschwindigkeitsexperimente an. Doch dieser hat die Nase gestrichen voll, und bevor es richtig losgehen kann, kündigt er.

Genau passend, denn in dem Moment fällt Passepartout/Lau Xing (Jackie Chan) vom Baum, dem geschockten Erfinder gerade vor die Füße. Der ist überglücklich, da der Chinese sich auch noch als Franzose ausgibt, natürlich mit einem unglaublichen Stammbaum. Hauptsache die Polizei bekommt ihn nicht zu fassen.

In der Akademie der Wissenschaft streut er dann fleißig Gerüchte, nachdem er herausgefunden hat, dass sich die versammelten Leute dort so hervorragend manipulieren lassen. Schließlich muss er einen Weg zurück nach Hause finden. Der angefachte Streit mündet schließlich in der berühmten Wette, die Welt in nur 80 Tagen zu umrunden. Der etwas unbedarfte Fogg geht schließlich auf diese Wette ein, obwohl er London noch nie verlassen hat.

Aber die Aussicht Wissenschaftsminister zu werden und seinen Lebenstraum, die Menschheit durch Wissenschaft weiter zu bringen, zu verwirklichen, besiegt seine Furcht vor der Welt außerhalb seiner vier Wände.Und so macht er sich mit seinem Diener auf den Weg, nicht wissend dass dieser ihn manipuliert hat.

In Paris schließt sich ihnen die Nervenkitzel-suchende französische Künstlerin Monique an, die eigentlich nur ein Dienstmädchen ist, aber voller Energie steckt und sich nichts und niemanden unterordnen möchte. Auf ihrer gefahrvollen Reise müssen sie so manche Abenteuer überstehen, auf die an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden soll. Aber der geneigte Kenner der Geschichte weiß, wie sie ausgeht.


Filmkritik:
von Dirk Wilkens-Hagenkötter (für SF-Radio.net)

Jules Verne gilt als einer der Väter der Science Fiction, hauptsächlich deshalb, weil er sehr oft Techniken beschrieb, die es so konkret noch gar nicht gab. Paradebeispiele sind hier wohl sein Unterseeboot Nautilus oder die Mondkanone. Ein noch häufigeres Element ist aber die "Reise". Fast alle seine Geschichten erzählen von einer Reise. Man ist als Leser also fast immer in Bewegung.
Die berühmteste Reise von Jules Verne ist "In 80 Tagen um die Welt" - sie erschien 1873 in Fortsetzungen in einer französischen Zeitung.

Phileas Fogg ist ein sonderbarer Kauz. Er legt größten Wert auf Genauigkeit und Pünktlichkeit. Er ist Mitglied des vornehmen "Reform-Clubs" und spielt dort jeden Tag Whist. Aber der Name des Clubs ist irreführend, denn Reformen sind das Letzte, was die Mitglieder wollen. Sie sind gegen alles Moderne eingestellt. Als Fogg meint, man könne die Welt in 80 Tagen umrunden, unter Zuhilfenahme, aller modernen Verkehrsmittel, da scheint das den Reformern doch sehr phantastisch. Sie schließen eine Wette ab. Fogg soll die Welt in 80 Tagen umrunden, und sein Einsatz ist sein halbes Vermögen: 20.000 Pfund. Die anderen 20.000 nimmt Fogg mit auf die Reise. Außerdem begleitet ihn sein neuer Diener Passepartout. Die erste Station ist Paris, von dort aus soll es ans Mittelmeer gehen, um mit einem Schiff zum Suezkanal zu fahren. Dort soll es weiter nach Indien gehen. Aber in Suez wird der Polizeiagent Fix auf Phileas Fogg aufmerksam. Fix glaubt in Fogg einen Bankräuber zu erkennen.

Das viele Bargeld scheint seinen Verdacht zu bestätigen. Deshalb folgt Fix den beiden Männern nach Indien, aber ein angeforderter Haftbefehl ist noch nicht eingetroffen. Und so geht es von Indien weiter nach Hongkong, von dort nach Japan. Schließlich landet Fogg in San Francisco und fährt mit der transkontinentalen Eisenbahn durch die USA. Am Atlantik angekommen geht es mit einem Dampfschiff weiter bis England. Doch jetzt schlägt Fix zu und verhaftet den Weltreisenden.

Auch wenn es "In 80 Tagen um die Welt" kein fiktives technisches Gerät gibt, hat Jules Verne doch wesentlich mehr als nur einen Reiseroman geschaffen. Er hat nämlich einen Typus erdacht, wie er heute alltäglich ist: Den völlig desinteressierten Touristen, der in möglichst kurzer Zeit eine große Strecke zurücklegen will und dabei an den Sehenswürdigkeiten der Welt vorbeihastet. Ganz bewusst beschreibt Jules Verne seine Hauptfigur als einen reichen Mann, der offenbar keiner Arbeit nachgeht und den außer seinem Kartenspiel und der Pünktlichkeit nichts interessiert.
Jules Verne hat mit diesem Roman mindestens ebensoviel Weitblick gezeigt, wie er das bei seinen Geschichten um U-Boote, Mondreisen und Tierexperimenten getan hat.

"In 80 Tagen um die Welt" wurde bereits 1919 in Deutschland verfilmt, mit Conrad Veidt (bekannt als böser Großwesier in "Der Dieb von Bagdad") in der Hauptrolle.
1956 entstand dann die aufwendige, fast drei Stunden lange Verfilmung von Michael Todd unter der Regie von Michael Anderson. Diesmal war David Niven der Weltreisende.
Produzent Todd wollte ein Monument schaffen und da er sehr an der Entwicklung von Bildformaten und Sounddarbietung beteiligt war, ist es auch kein Wunder, dass der Film zu einem wahren Bilderbuch und Klangerlebnis geworden ist.

Todd suchte sich für die meisten Nebenrollen große Darsteller aus. Diese Art des kleinen Auftritts nannte er "Cameo-Appearance", womit er als Schöpfer dieser Auftritte gelten kann. So tauchen unter anderem auf: Jonn Gielgud, Trevor Howard, Fernandel (bekannt als Don Camillo), Charles Coburn, Peter Lorre, Marlene Dietrich, John Carradine, Frank Sinatra und Buster Keaton.

In einem Punkt wich er von der Romanvorlage ab: Der Diener Passepartou ist im Film kein Franzose, sondern ein Mexikaner. Der Grund war simpel: Todd konnte den mexikanischen Komödianten Cantinflas gewinnen. Seine Spielweise war ähnlich wie die von Charles Chaplin, er spielte ebenfalls oft den kleinen Mann, der sich mühsam durchs Leben schlägt. Chaplin selbst nannte Cantinflas einen der größten Komödianten aller Zeiten.

In 80 Tagen um die Welt - Trailer Deutsch HD

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