Kritik zu Deadpool 2 - Fast so dunkel wie bei DC

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Deadpool 2

Wer trägt einen hautengen Anzug mit Gesichtsmaske, hat eine verdammt große Klappe und ist derzeit der heißeste Scheiß auf dem Superheldenmarkt? Die Rede ist nicht von Spider-Bürschchen Tom Holland, sondern von Marvels liebstem Anti-Helden Deadpool. Mit ihm konnte Ryan Reynolds 2016 einen beachtenswerten Überraschungshit landen, und nicht nur das: Bei dem Projekt handelt es sich um eine echte Herzensangelegenheit, wie Hauptdarsteller und Mitproduzent Ryan Reynolds auf der Pressetour zu Deadpool 2 immer wieder herausstellte. Deadpool 2 schlägt sogar neue Töne an und hebt sich damit auf interessante Weise vom Vorgänger ab.

Wade Wilson alias Deadpool (Ryan Reynolds) und seine Freundin Vanessa (Morena Baccarin) bekommen es in Deadpool 2 nicht nur mit jeder Menge neuer Gangster zu tun,  sondern vor allem mit dem grimmigen Cable (Josh Brolin), einem übermächtig starken Zeitreisenden. Er ist auf der Suche nach dem Teenager Russell (Julian Dennison, Shopping, Wo die wilden Menschen jagen), um ihn zu töten. Russell ist ein Mutant und wurde jahrelang in einem Waisenhaus brutalen Experimenten unterzogen. Nun setzt er sich als Firefist allen zur Wehr, die ihm zu nahe kommen.

Deadpool nimmt den Jungen unter seine Fittiche und versucht, zusammen mit seinen neuen Mitstreitern (unter ihnen Bill Skarsgard als Zeitgeist oder Zazie Beetz als Domino) den düsteren Cable aufzuhalten. Dabei benötigt Deadpool allerdings auch die Hilfe der Unterabteilung der X-Men mit Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) und Kolossus (Stefan Kapicic), um nicht nur das Ziel seiner Mission, sondern auch sich selbst zu finden.

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Action, Spaß und … Herz!

Man kann nicht gerade behaupten, dass er es leicht hat, dieser Deadpool. Die Figur selbst ist ziemlich mitgenommen (wer wünscht sich schon Krebsgeschwüre als Begleiterscheinung von Superkräften?), aber auch der Produktion der beiden Filme lagen immer wieder Steine im Weg.

Doch Ryan Reynolds, der sich als ausgemachter Fan des Anti-Helden ganz vorn aufgestellt hat, ist bei der sprichwörtlichen Stange geblieben und hat sein Projekt weitergeführt. Natürlich wurde dieses Vorhaben nicht zuletzt durch den massiven Erfolg des ersten Deadpool-Filmes aus dem Jahr 2016 erleichtert. Ein zweiter Teil stand jedoch trotz der frühen Bekanntgabe unter keinem guten Stern. Regisseur Tim Miller stieg aus und wurde durch David Leitch (John Wick, Atomic Blonde) ersetzt, und im vergangenen Sommer kam eine Stuntfrau bei den Dreharbeiten zu Tode.

Tatsächlich ist all dies nicht spurlos an Deadpool 2 vorübergegangen. Doch während bei anderen Projekten oft ein zerhackstückter Film-Wirrwarr ohne Kontinuität herauskommt, kann Deadpool 2 für sich behaupten, vielleicht noch eine Spur mehr ans Herz zu gehen, als man bei einer solchen Superhelden-Parodie erwarten könnte.

Die Themen Zuhause, Familie und Zusammenhalt werden angestoßen, und nicht nur die Hauptfigur bekommt einen tragischen und menschlichen Anstrich. Genau dies, so Reynolds, sei beabsichtigt gewesen - schließlich sollte sich der Zuschauer um das Schicksal der Figuren Gedanken machen, statt wie in anderen Superhelden-Epen von Knalleffekten ohne Ende geplättet zu werden.

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Deadpool 2 Blind Al

Weniger Meta, aber mehr um die Ohren

Und tatsächlich funktioniert die neue Tonalität erstaunlich gut. So gut sogar, dass man sich vielleicht sogar eine Spur mehr Leichtigkeit und Anarcho-Humor wünscht, um beispielsweise den Auftritt des sehr überzeugenden Julian Dennison als Firefist noch mehr genießen zu können, ohne ständig den bitteren Beigeschmack einer dunklen Missbrauchsgeschichte im Hinterkopf zu haben. Wird Deadpool hier etwa zur Neuauflage von Professor X’ Mutantenschule?

Ruhig Blut - es ist weiterhin in erster Linie eine Actionkomödie, und gerade blutige und brutale Action sowie die eine oder andere Szene mit Pennäler-Humor, der (wortwörtlich!) deutlich unter die Gürtellinie geht, gibt es mehr als genug. Vor allem die Zusammenkunft und der erste Einsatz der X-Force ist besonders gelungen, und hier wird auch der Meta-Humor der Reihe, der sich gerne auch aus Fan-Theorien über die Bedeutung der Figuren speist, vollständig ausgespielt. Besonders Peter (Rob Delaney) kann punkten und dürfte sich schnerll zum der Publikumsliebling entwickeln. Allerdings geht die deutlich dichtere Story ein wenig auf Kosten der Zuschaueransprache mittels der beliebten Vierten Wand. Aber schließlich hat Deadpool auch bedeutend mehr um die Ohren als im ersten Teil.



Kamera, Schnitt und Musik machen ihre Sache sehr solide. Auch haben die neuen Darsteller, unter ihnen vor allem Josh Brolin, sichtlich Spaß an ihren Rollen. Brolin darf sämtliche Terminator-artigen Klischees ausspielen, die ein zeitreisender Supermensch eben so mit sich bringt, wie nahezu unverwundbar zu sein, möglichst grimmig dreinzublicken und sich mit Deadpool selbst um den Sonderpreis für Schlagfertigkeit zu streiten. Man kann sich kaum entscheiden, mit wem man lieber mitfiebern möchte.

Fazit

Bei Deadpool 2 werden Fanherzen sehr wahrscheinlich höher schlagen. Der Film meidet zuverlässig die gängigen Fallen von Nachfolgefilmen und legt stattdessen eine gute Schippe an Humor, Action und merklich auch an Herzblut drauf. Dabei kommt ein Film heraus, der streckenweise düsterer ist als das Original, aber eben auch interessanter. Die verhandelten Themen passen gut in die Welt des Deadpool, die neu hinzukommenden Figuren fügen sich ebenfalls nahtlos ein. Man darf sich schon jetzt auf die Fortsetzung der Fortsetzung freuen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© 20th Century Fox
Deadpool 2 Poster
Originaltitel:
Deadpool 2
Kinostart:
17.05.18
Regie:
David Leitch
Drehbuch:
Rhett Reese, Paul Wernick
Darsteller:
Ryan Reynolds (Wade Wilson/Deadpool), Brianna Hildebrand (Negasonic Teenage Warhead), Stefan Kapicic (Colossus)
Deadpool, Negasonic Teenage Warhead und Colossus treffen auf den Mutanten Cable.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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