Der Notruf

Der Notruf, Titelbild, Rezension
Roman Schleifer

Seit dem Jahr 2008 erscheinen alle vier Wochen „Perry Rhodan“ die Abenteuer der STELLARIS und ihrer Besatzung. Für den Austria Con 2016 hat Roman Schleifer fünf  STELLARIS Geschichten in diesem Sonderband zusammengefasst. Sie stammen nicht aus der Erstauflage. Drei Texte sind vorher in der SOL erschienen und wurden für die neu Veröffentlichung gründlich überarbeitet, zwei Kurzgeschichten sind Erstveröffentlichungen.

 In seinem Vorwort geht er auf die inzwischen eindrucksvolle Tradition der STELLARIS Storys mit mehr als fünfzig Autoren und einer breiten Themenvielfalt ein. Im Nachwort liefert der Österreicher weitere Informationen zu den erschienenen Texten und offenbart einige Querverweise, wobei insbesondere hinsichtlich seiner Anmerkungen zu „Ein harter Fall“ etwas schief gegangen sein muss. Der Autor wiederholt sich aus einer leicht veränderten Perspektive mehrmals, als wenn hier zwei Nachwörter ohne nachhaltige Korrektur zusammengeflossen sind. 

 Ein Grundproblem aller vorliegenden Geschichten ist die Kürze. Auch wenn viele Autoren davon sprechen, das es leichter ist, Kurzgeschichten als Romane zu schreiben, ist es wichtig, die richtige Balance zwischen einem möglichst auch komprimiert zu erzählenden Plot sowie entweder einer zündenden Pointe oder einem zufrieden stellenden Ende zu finden. In dieser Hinsicht ragt die Variation von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ negativ heraus. „58 Minuten“  beginnt viel versprechend. Abdul und seine Freundin Samali wollen einer Einaldung folgen. Abdul hat das unbestimmte Gefühl, als wenn er alles schon einmal erlebt hat. Relativ schnell stellt sich heraus, dass wie es sich für diese Art von Texten – siehe auch verschiedene im „Star Trek“ Universum spielende Episoden – er alleine erkennt, dass er in einer Zeitschleife gefangen ist. Mit den üblichen Tricks versucht er dieses „Gefängnis“ zu durchbrechen.

 Der Plot beginnt auch tempotechnisch zufrieden stellend. In der Mitte muss Roman Schleifer allerdings die Zügel soweit anziehen, das nicht mehr der nächste oder übernächste Versuch, aus dem „Gefängnis“ zu entkommen, im Mittelpunkt steht, sondern der hundertste. Die Auflösung ist ein wenig brachial und basiert wieder auf der Phantomtechnik, die auch natürlich mit anderen Namen „Star Trek“ gerne zum Lösen von fiktiven Problemen einsetzt.

 Nicht immer steht die Crew der STELLARIS im Mittelpunkt der Geschichten. Manchmal kommt die Bedrohung auch von außen. In Form eines Ich erzählenden Versicherungsdetektivs in „Ein harter Fall“ – der Titel ist ernst gemeint - mit einer bislang fast makellosen Aufklärungsquote. Regelmäßig zum ersten März und zum ersten Oktober verschwindet ein leerer Container im Transport von der STELLARIS. Die Container sind umsonst zu haben und stellen keinen Wert dar. Warum ein Versicherungsdetektiv überhaupt eingeschaltet wird, kann Roman Schleifer nicht wirklich überzeugend herausarbeiten. Er sucht unter den Besatzungsmitgliedern die einzige Verdächtige und stellt sie mit überraschenden Erkenntnissen. In der Tradition des Film Noir geschrieben liest sich dieser Krimi mit dem exzentrischen, von sich überzeugten Ermittler sehr kurzweilig. Roman Schleifer trifft stilistisch die richtigen Töne und präsentiert sogar ein nachvollziehbares Ende für den Leser.  Der Text inklusiv der Figur des Versicherungsermittlers sind das Ergebnis eines Wettbewerbs, den Roman Schleifer ausgerufen hat.

 Unter diesen Wendungen zum Ende hin leidet „Der Geist“ am Meisten. Die Prämisse ist unterhaltsam. Ein exzentrischer Regisseur will einen Werbefilme über die STELLARIS drehen. Das Motto ist schnell gefunden. „Wir lieben ihre Fracht“. Hauptdarsteller soll ausgerechnet der Menschenscheue Ramon aus dem Maschinenraum sein. Schnell werden die Dreharbeiten für Ramon zum Alptraum und die ganze Crew inklusiv der Bordintelligenz scheinen sich gegen ihn zu wenden, bis er plötzlich den Spieß gegenüber dem dominanten Regisseur drehen möchte.

Die Protagonisten sind gut gezeichnet und diese „Mannwerdung“ des scheuen, zurückgezogenen Ramon ist nachvollziehbar beschrieben, aber diese beiden Komponenten harmonieren mit der Idee des Werbefilms zu wenig. Dem Text hätte es gut getan, wenn Roman Schleifer entweder die David Fincher „The Game“ Variante gewählt oder einen anderen Paukenschlag als Ende verfasst hätte. Auch die nachgeschobenen Erklärungen, warum aus der Katastrophe schließlich doch ein effektiver Werbespot geworden ist, widersprechen der Sehnsucht der Mannschaft nach Privatsphäre und wirken ein wenig nachgeschoben.   

 Bei der Titelgeschichte „Der Notruf“ ist die Entstehungsgeschichte interessanter als der eigentliche Plot. Parallel ist eine ausführliche Risszeichnung dieser Space Jet entworfen worden, während Roman Schleifer als Plot einer Rettungsexpedition inklusiv der Begegnung mit einer besonderen Art von Strangeness geschrieben hat. Das dunkle Ende  ist für eine STELLARIS Geschichte ungewöhnlich und auch die Expedition in das Innere der Space Jet mit den verschiedenen Herausforderungen ist spannend geschrieben, aber es bleibt im Leser das unbestimmte Gefühl zurück, als hätte Roman Schleifer Schwierigkeiten gehabt, den kurzweilig zu lesenden Text effektiv zu beenden. Neben dem Titelbild für diese Geschichte finden sich noch zwei Innenillustrationen. „Der Notruf“ ist keine schlechte Story. Sie bettet sich tief in die „MacGuffin“ Technik des Perry Rhodan Universums ein und die Figuren sind gut charakterisiert worden, aber trotzdem springen die Emotionen nicht gänzlich auf den Leser über.

 In mehrfacher Hinsicht ragt die letzte Story „Die Wette“ aus der Masse heraus. Roman Schleifer spricht über die unterschiedliche Wirkung, welche die Grundidee in seinen Lesern ausgelöst hat, offen im Nachwort. Sie haben in beiden Punkten recht. Ein Frauenheld muss sich ausgerechnet bei seiner Traumfrau zurückhalten und beginnt zum ersten Mal seit langer Zeit über den reinen Sex hinaus Gefühle zu entwickeln. Am Ende steht er mit leeren Händen da. Ein Problem ist die Charakterisierung. Während die Männerclique allen absichtlich auch ein wenig übersteigerten Klischees entspricht wirkt die Phase der Romanze erwachsen geschrieben. Hier entwickelt Roman Schleifer auch tatsächlich den Funkenflug, der notwendig ist. Am Ende überschlagen sich wieder die Ereignisse, wobei der Leser das unbestimmte Gefühl hat, als wenn die Traumfrau – mindestens eine 11 auf der Zehnerskala – zu hektisch reagiert, als sie die Hintergründe erfährt und der Protagonist vor allem in Hinblick auf die bisher erlittenen Verluste und seinen Wetteinsatz zu sehr an einen Feigling erinnert, den Roman Schleifer nicht in diese Figur integriert hat. Unabhängig von diesen Schwächen ragt der Text durch den Versuch, eine gänzlich andere STELLARIS Story zu erzählen aus den fünf Texten positiv heraus und rundet die Anthologie zufrieden stellend ab.

 Wer bislang nicht zu der kostenlosen Beigabe der „Perry Rhodan“ Erstauflage gegriffen hat oder sich scheut, die anderen fünfzig bisher gesammelten  Texte als preisgünstiges E Book zu bestellen, kann in dieser Sonderausgabe allerdings mit Texten nur eines Autoren Bekanntschaft mit der Vielfältigkeit der STELLARIS Abenteuer immer eingebetet in den Perry Rhodan Kosmos machen. Ihn erwartet mindestens kurzweilige Unterhaltung oder der Einstieg in eine Serie, die sich über die Jahre mehr und mehr in unterschiedliche positive Richtungen entwickelt hat. Komplettsammler kommen wegen der beiden Erstveröffentlichungen sowieso nicht um den Band rum.     

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Taschenbuch, 86 Seiten Din A 5

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