Flash Gordon - Der Tyrann von Mongo: Die Sonntagsseiten 1937-1941

Alex Raymond

Der Hannibal Verlag präsentiert mit „Der Tyrann von Mongo“ den zweiten Band seiner alleine durch die äußerliche Qualität empfehlenswerten Neuauflage der „Flash Gordon“ Comics in einer sorgfältig übersetzten Neuausgabe, welche den Originalsonntagsseiten Respekt zollt.

Zusammengefasst finden sich die Sonntagsseiten vom 25. April 1937 bis zum 12. Januar 1941. Auch wenn die einzelnen Sonntagsseiten nicht übergeordnet zusammengefasst sind, sondern eine kontinuierliche Geschichte bilden, finden sich in der Einleitung die einzelnen Albentitel wieder.

Doug Murray geht in seinem Vorwort „Flash Gordon erobert die Welt“ auf die zweite Phase des phänomenalen Erfolgs der Serie ein. Zeichnerisch hat Alex Raymond in der hier vorliegenden Geschichte ohne Frage seinen Höhepunkt erreicht. Wie die „Prinz Eisenherz“ Storys Hal Fosters zeichnet „Flash Gordon“ eine Liebe zum Hintergrunddetail aus, das aber die einzelnen Charaktere nicht vernachlässigt.

Der Autor geht auch noch einmal kurz auf die besondere Zusammenarbeit zwischen Alex Raymond und Don Moore ein, welcher eine Art Exposeredaktion für Raymond darstellte. Ursprünglich für die Konzeption der Serie zuständig half er Raymond und seinem Nachfolger bis in die fünfziger Jahre in Sachen Kontinuität. Ein weiteres Thema sind die Serials, welche „Flash Gordon“ vor allem weltweit bekannter machten. Mit den allerdings im Januar 1941 für diesen Band abgeschlossenen Geschichten zeichnet sich aber ein anderes dunkleres Kapital ab. Spätestens mit dem Kriegseintritt der USA nach dem Angriff auf Pearl Harbour sollte sich Flash Gordon neuen Zielen zuwenden.

Der ganze Plot ist von einem hohen Tempo geprägt. Aber in der Zusammenfassung von fast vier Jahren „Flash Gordon“ zeigen sich die Stärken und teilweise allerdings auch Schwächen der Comicserie deutlicher.

Zu den Schwächen gehört, dass Flash Gordon wie zum Beispiel „Superman“ oder „Doc Savage“ zu den absolut guten Überhelden amerikanischer Prägung gehören musste. „Flash Gordon“ ist eben nicht mit den Pulphelden wie „The Shadow“ vergleichbar, welche Schurken umgehend und teilweise brutal bestrafen. Doc Savage griff im Notfall auf eine Manipulation des Gehirns zurück, aber wie bei Raymond sterben in Lester Dents Geschichten die Schurken vor allem, weil sie sich nicht ergeben wollen und nicht weil die Helden sie absichtlich töten.

In dem vorliegenden Handlungsabschnitt wird Flash Gordon leider unzählige Male für seine Großmut bestraft. Immer wieder stellt er Attentäter oder Verräter in den eigenen Reihen, bevor sie großen Schaden anrichten. Er erwischt sie teilweise allerdings auch mit der Hilfe der aufmerksamen Dale Arden, bevor sie seine Freunde und ihn ermorden können. Keiner dieser Täter wird von Flash Gordon drakonisch bestraft. Viel mehr werden sie eingesperrt. Hier gelingt ihnen auf eine fast unglaubwürdige Art und Weise die Flucht.

Sie verraten Flash Gordon, die ermorden ihre Wachen und die Folgen ihrer Handlungen sind tausende von unschuldigen Toten. So greift Ming mit seiner Armee den Palast der Wolkenmenschen an, weil ein Verräter – den Flash Gordon vorher beim Vergiften der Mahlzeiten und einem Messerangriff zweimal erwischt hat – dem Tyrannen von Mongo mitteilt, dass Barin Flash Gordon versteckt hält.

An einer anderen Stelle führt ein von der hohen Belohnung verführter Freimann Mings Truppen in das geheime Labyrinth. Auch hier sterben viele Unschuldige.

Es erscheint fast unglaubwürdig, dass Flash Gordon nichts aus seinen großzügigen Handlungen lernt. Natürlich bedauert er die vielen Toten, natürlich will er sich am Liebsten in die Einsamkeit zurückziehen und natürlich ist er öfter vom Tode bedroht als sämtlich andere Protagonisten zusammen, aber immer wieder den gleichen Fehler zu machen, erscheint fast absurd.

Ein weiterer positiv wie negativ roter Faden ist das Fliehen aus Gefängnissen. Während Flash Gordons Antagonisten relativ einfach aus ihren nicht immer modernen Zellen fliehen können, hat es Flash Gordon deutlich schwieriger. Moore und Raymond lassen sich hier einiges einfallen. Selbst als Toter wacht Flash Gordon wieder auf und provoziert relativ früh den sich als Sieger fühlenden Ming. Zusammen mit einer anderen bauchigen Sequenz zeigt sich hier der fast zynisch zu nennende Humor des Duos Raymond/ Moore. Der Leser wünscht sich an viel mehr Stellen einen derartigen Exkurs.

Der letzte sich durchziehende Faden ist das Verhältnis zwischen Flash Gordon und den Frauen im Allgemeinen sowie Dale Arden im Besonderen. Raymond macht deutlich, dass es für Männer nicht immer einfach ist, das Verhalten der großen Liebe zu verstehen. Auch hier finden sich einige Beispiele eines frustrierend Flash Gordon, der aber als Überheld und Mann schließlich auf eine sich wieder lebensgefährlich gestaltende Expedition zu abgelegenen Landschaften Mongos aufbricht, was wiederum zu Rettungsaktionen unter anderem auch von Dale Arden führt. Dale reagiert immer sehr schnell eifersüchtig, wenn natürlich attraktive Frauen wie die Eiskönigin Fria Flash Gordon umgarnen. Diese wunderschönen Frauen haben im Hintergrund durchgehend Männer, die sie aus der Nähe heimlich lieben und durch Flash Gordons Auftauchen zu verräterischen Handlungen gezwungen werden. Die Kreise schließen sich immer wieder.

Auch wenn die Handlung nicht zuletzt durch das enge Erzählkorsett manchmal im Überblick sehr einfach gestaltet erscheint und Raymond auf jeder Sonntagsseite im Grunde Action präsentieren muss, zeigt sich in den großformatig und Raymonds detaillierte Zeichenstrich betonende Wiedergabe auch die Stärke der ganzen Serie. Mongo ist ein Ideenparadies. Von den Baummenschen über die Eiswüsten in die gigantischen Städte. Die vordergründige Pracht mit dem entsprechenden menschlichen Elend dahinter erinnert an die in den zwanzig bis frühen vierziger Jahre vorherrschende Covergestaltung vieler Pulpmagazine. Moderne Furcht erregnde Technik, die Zarkow vor allem zum Guten wenden möchte, dominierte die Actionszenen. Die gigantischen Panzer erinnern zwar mehr an den Ersten Weltkrieg und weniger die wendigeren Typen des ausbrechenden Zweiten, aber auch hier versucht Raymond mit Details zu überzeugen. Wie die Städte wirken sie wie eine zeitlose Mischung aus Historie und Zukunft.

Hinzu kommen die exotischen Monstren, welche immer Flash Gordon und seine Leute herausfordern. Raymond macht deutlich, dass der Tyrann Ming Flash Gordons größter, aber nur menschlicher Feind ist. Der ganze Planet mit seiner unterschiedlichen, aber monströsen Flora und Fauna ist eine Herausforderung, wie sie Arthur Conan Doyle oder Edgar Rice Burroughs in ihren phantastischen Geschichten entwickelt und von Raymond geschickt extrapoliert worden sind.

In diesen Sequenzen zeigt sich die zeitlose Stärke der „Flash Gordon“ Reihe. Hier ist auch erkennbar, dass George Lucas Glück gehabt hat, eben nicht die Rechte an „Flash Gordon“ erhalten zu haben. Wie die de Laurentiis Adaption zeigt, ist die Serie in den späten siebziger Jahren aufgrund ihrer Einzigartigkeit an Technik – das Problem wäre darstellbar –,  opulenten architektonischen Flair immer an der Grenze zum Größenwahn – eine interessante Hausforderung – ,aber vor allem wegen ihrer zahlreichen gigantischen Kreaturen noch nicht adaptierbar gewesen.

In der vorliegenden perfekten Form mit einer guten sich eng das Original haltenden Übersetzung werden die Stärken, aber auch angesprochenen historisch verzeihbaren Schwächen der „Flash Gordon“ Geschichten nicht nur den langjährigen Fans wieder ans Herz gelegt, sondern eine ganze neue Lesergeneration kann für sich den Planeten Mongo erkunden. Zwar nicht in der Form der Erstveröffentlichung, bei der man immer eine Woche auf die Fortsetzung warten musste, aber so nahe an den Originalveröffentlichungen wie es heute überhaupt möglich ist. Alleine das leichte Überformat gegenüber den Tageszeitungsveröffentlichungen hebt Raymonds zeichnerische Qualitäten derartig empfehlenswert hervor, das die alten lieb gewordenen Alben des Pollischanky Verlages ruhig behutsam respektvoll zur Seite gelegt werden können.   

  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
  • Verlag: Hannibal Verlag; Auflage: 1 (10. Oktober 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 385445676X
  • ISBN-13: 978-3854456766
  • Flash Gordon - Der Tyrann von Mongo: Die Sonntagsseiten 1937-1941

Kategorie: 
Cyber Consult in Toyama is the most experienced cyber security firm