Der Wächter der Rukall

Harvey Patton

Auch wenn „Der Wächter von Rukall“ ein eigenständiges Roi Danton Abenteuer ist, fasst Hans Peschke die Ereignisse des „Vorläufer“bandes  „Nacht über Childonga“ ( Perry Rhodan Planetenroman 167)  kurz zusammen und verstößt weiterhin gegen die Chronologie der Hauptserie.

 Roi Danton agiert logischerweise weiterhin im 33. Jahrhundert. Seit dem Jahr 2437 gilt Roi Danton als tot und taucht auch erst im Jahr 3434 wieder auf. Von den verlorenen Jahren kann nicht gesprochen werden, da Perry Rhodan ja Roi Danton und Gucky zum Planeten Childonga aussendet, um der dortigen Prinzessin und ihrer Regierung zu helfen. Roi Danton trägt weiterhin einen Zellaktivator, den er erst im Jahr 3460 erhalten hat. Unabhängig von der Tatsache, dass er mehrmals mit seinem Alter und seiner Erfahrung mehrerer Jahrhunderte kokettiert, vermittelt Hans Peschke mehrmals den Eindruck, als wenn Roi Danton sich schon an das Tragen des Aktivators gewöhnt hat und ihn nicht erst seit wenigen Monaten trägt. Daher muss der Roman deutlich nach dem Jahr 3460 spielen.

 Wahrscheinlich handelt es sich beim Klappentext um einen Druckfehler und der Roman sollte eher um 35. statt dem 33. Jahrhundert spielen.

 Der Roman beginnt mit der Suche nach seltenen Federn einer Vogelart, die Roi Danton seiner neuen Freundin Prinzessin Fiona Yaronak schenken möchte. Der Plot setzt ungefähr sechs Monate nach „Nacht über Childonga“ ein.

 Die beiden Verliebten machen Urlaub auf der Eastside der Milchstraße. Da sie den Planeten mit den aufgebrachten Vögeln schnell verlassen müssen, entschließen sie sich, auf Heimatkurs zu gehen. Allerdings endet der Linearflug abrupt. An den Kalupkonvertern können die verzweifelten Crewmitglieder keinen Fehler feststellen, ein Unterlichtflug ist nicht möglich.

 Es werden Funksignale in einer unbekannten Sprache aus einem nahe gelegenen Sonnensystem aufgefangen. Es findet über Symbole eine rudimentäre Kommunikation statt. Von Bord verschwindet plötzlich vor den Augen der Crew die Funkerin Elma Bandur. Auf einem kleinen Asteroiden wird ein schwarzer Obelisk in dem Sonnensystem gefunden und auch die Prinzessin verschwindet vor den Augen Roi Dantons.

 Anscheinend verfügt der dritte Planet über eine Art Fiktivtransmitter. Um die beiden Frauen zu retten entschließt sich Roi Danton, den Planeten anzusehen, der sich als Wüstenwelt mit zahlreichen Ruinenstädten erweist.

 Über lange Strecken hat der Leser das unbestimmte Gefühl, einzelne Versatzstücke schon in anderen Büchern gelesen zu haben. Das Ausfallen des Kalup im Raum erinnert spätestens an „Die Raumfalle“ aus der „Raumpatrouille Orion“. Verwüstete Städte auf einem unwirtlichen Planeten in Kombination mit gigantischen unterirdischen Anlagen sind dem Betrachter in mehr als einem Buch begegnet. Auch der Hinweis auf atomare Auseinandersetzungen hat einen langen „Bart“, der selbst in der aktuellen Perry Rhodan Serie – siehe die frühen 2900er Hefte – wieder aufgewärmt worden ist. 

 Trotzdem funktioniert der Roman ausgesprochen gut. Hans Peschke hat wie Ernst Vlcek ein gutes Gefühl für Roi Danton. Er ist immer noch ein wenig der arrogante Freihändlerkönig des Planeten Olymp. Er hat Ecken und Kanten. Auf der anderen Seite ist er auch ein Mensch, der Leistung zu schätzen weiß. Er kann gut mit der Crew seines Privatschiffs CARLOTTA. Hans Peschke baut auch bezüglich exzentrischer Vornamen einen kleinen Gag ein.

Er ist ein Mann der Frauen. Ein wenig eitel, immer am Rande der Lebensgefahr balancierend muss er die besonderen Federn „erbeuten“, auch wenn er die ihr Nest schließlich bewachenden Vögel nicht töten möchte. Diesen finalen Schritt klammert er aus.

 Im All erweist er sich als Teamplayer. Auch wenn Roi Danton im Gegensatz zu seiner Besatzung relativ cool auf die ausgefallenen Kalups und damit auch die Isolation im All reagiert, hört er sich die Meinungen seiner Mannschaft an und trifft vor allem keine eigenen Entscheidungen. Auch eine Rettung durch einen Flottentender zieht er in Betracht.

 Bei der Suche nach den beiden verschwundenen Frauen geht er natürlich voran. Das ist er seiner Freundin schuldig. Aber auch hier erweist er sich als kluger Taktiker.

 Während Ernst Vlcek in den einen heranwachsenden Michael Rhodan beschreibenden Planetenromanen aufgezeigt hat, welche Merkmale schließlich zur Ausbildung Roi Dantons als Persönlichkeit geführt haben, vollendet Hans Peschke auf eine erstaunlich routinierte, auf den ersten Blick unauffällige und doch markante Art und Weise den Charakter.

 Roi Danton betont immer wieder das Teamwork. Auch wenn seine Serienprotagonisten wie Reginald Bull oder in diesem Fall Roi Danton mindestens an Lebenserfahrung die normalen Raumfahrer in den Schatten stellen, sind sie es mit ihrer pragmatischen bodenständigen Art und vielleicht aus heutiger Sicht sehr ungewohnt mindestens einer Zigarette in der Hand, welche die Probleme angehen und notfalls auch einen Roi Danton in das Reich der Träume schicken, bevor er mit seinem impulsiven Verhalten Fehler macht.

 Das letzte Drittel des Romans überrascht in mehrfacher Hinsicht. Zum Einen „scheut“ sich Hans Peschke nicht, abgerundete Protagonisten zu töten. In den siebziger Jahren hat H.J. Müggenburg in einer Reihe seiner „Zauberkreis Science Fiction“ Heftromane ein ähnliches Vorgehen gezeigt. Zum Anderen baut er abschließend den ganzen Band sehr geschickt in den „Meister der Insel“ Zyklus ein. Losgelöst von der Serie beantwortet Hans Peschke auf der einen Seite eine Reihe von Fragen und windet sich im Gegensatz zu Peter Terrid um Eckpfeiler der Hauptserie.

 Bis zu einem gewissen Grad darf der Kölner den Serienkontext auch ein wenig dehnen, aber die wichtigste Entdeckung wird im Affekt von Roi Danton zerstört. Für die Besatzungsmitglieder wie Roi Danton ist jetzt klar, welchen Weg ein „Materie- Duplikator“ gegangen ist.

 Auch wenn das Ende des Buches ein wenig zu pragmatisch ist und Hans Peschke wie bei einigen seiner anderen Planetenromane die abschließende Lösung in die Hände der Maschinenintelligenzen legt, baut er vor allem auf den letzten Metern nicht nur einen mehr als zufrieden stellenden Spannungsbogen auf, er nutzt die bekannten Versatzstücke, um schließlich auch eine eigenständige, aber mit dem angesprochenen „Meister der Insel“ Zyklus auch eng verbundene Geschichte mehr als fünfzigtausend Jahre nach den bekannten Ereignissen zu erzählen.

 „Der Wächter von Rukall“ ist ein Roman, in den sich der Leser auch hineinarbeiten muss. Trotz Hans Peschkes sehr angenehmen und vor allem auch fließenden Stil, seinen für die damalige Zeit realistischen Dialogen und den guten Hintergrundbeschreibungen bleibt zu lange das Gefühl, etwas Vertrautes in des Kaisers neuen Kleidern zu lesen. Das ist abschließend nicht unbedingt der Fall und wie angesprochen erweitert der Kölner auch auf eine unauffällige Art und Weise den Serienkosmos, aber es sind vor allem die letzten vierzig Seiten, in denen die Geschichte mit einem schauerlichen Trick nicht nur Fahrt aufnimmt, sondern Vergangenheit und Gegenwart geschickt wie nachhaltig miteinander verbindet. 

 

PR-TB-189.jpg

Pabel Verlag

Taschenbuch 160 Seiten

Kategorie: