Hölle hoch vier

Konrad Schaef

„Hölle hoch vier“ erschien als Perry Rhodan Planetenroman 387 im Heyne Verlag. Es ist das erste von insgesamt drei Abenteuern, in denen Konrad Schaef unabhängig von den eigenständigen Handlungen auf zwei Hanse Spezialisten zurückgreift.

 Während im zweiten Band „Duell in Terrania“ Vernon Almod und Pet Yudal wieder ein allerdings teilweise auch getrennt agierendes Team bilden, könnten die Ausgangspositionen nicht weiter entfernt sein.

 Der Roman beginnt auf dem Planeten Agama IV, einer Extremwelt. Der Planetn umkreist eine sich verändernde Sonne und weist deswegen ein Klima auf, das dem mit reichen Erzvorkommen ausgestatteten Planeten den Spitznamen „Hölle hoch vier“ unter den wie Sklaven arbeitenden Prospektoren gegeben hat.

 Vernon Almod arbeitet auf dem Planeten. Gleich zu Beginn versucht er mit seinen Männern gegen die Anweisung der Vorgesetzten einen Mann aus der immer extremer werdenden Hitze zu retten, der sich unvorsichtig zu weit vorgewagt hat. Almod ist ein sehr entschlossener resoluter Anführer, der allerdings unter Gedächtnislücken leidet.

 Im Laufe des Romans wird Konrad Schaef nicht nur aus einer anderen Perspektive seinen Hintergrund aufhellen, sondern auch zeigen, dass Almod in der Vergangenheit von der kosmischen Hanse unfair behandelt worden ist.

 Ein kleines Prospektorenschiff der kosmischen Hanse dringt in das System ein. Sie orten seltsame Silberkugeln, die anscheinend aus dem Hyperraum kommen. Beim Anflug auf den Planeten wird das Raumschiff angegriffen und vernichtet.

 Auf der Erde wird Homer G. Adams nicht unbedingt wie von Konrad Schaef angesprochen mit einer Wirtschaftskrise konfrontiert. Die Auswirkungen der Toten Zonen sind noch spürbar. Viel schwerwiegender ist, dass das Triton- Kombinat die Erde immer weiter bei den Erzpreisen unterbieten kann und es keine sinnvolle Erklärung dafür gibt. Die einzige Möglichkeit ist, dass das Kombinat auf Tricks zurückgreift und Planeten ausbeutet, welche aufgrund ihres Status in den Bereich des kosmischen Hanse gehören.

 Wie seine serienunabhängigen Bücher ist auch dieser Planetenroman ausgesprochen stringent aufgebaut. Zu Konrad Schaefs Stärken gehört es, auf den ersten Seiten eine für die Protagonisten herausfordernde Umgebung zu erschaffen.

 Im Gegensatz zu seinen späteren beiden Thrillern „Duell in Terrania“ und den Space Thriller „Mauern der Macht“ bleibt der Leser lange Zeit auf Augenhöhe der Protagonisten. Auch wenn der Roman handlungstechnisch auf zwei Ebenen aufgeteilt ist, fallen die Versatzstücke ausschließlich entweder durch wieder erweckte Erinnerungen oder verbal vorgetragene Informationen zusammen.

 Das abschließende Viertel besteht aus einer Reihe von Actionszenen. Auch wenn sie sich relativ flott lesen, greift der Autor zu sehr auf den Faktor Zufall zurück. Das eine Korvette eine Erzkugel imitieren kann und sich damit ins feindliche System einschleicht, ist vielleicht noch mit viel Überzeugungskraft und gutem Willen nachvollziehbar.

 Aber auf der Flucht trifft die Korvette schließlich aus dem Machtzentrum der „Feinde“ kommend gleich auf obligatorische Verstärkung und dreht damit alles zum Guten. Konrad Schaef fügt zwar eine weitere Erklärung für das schnelle Auftauchen der Raumschiffe hinzu, aber insbesondere wie bei der Fortsetzung „Duell in Terrania“ fehlt dem Roman in diesem Moment der zündende Funke, vielleicht auch das Überraschungsmoment.

 Bis dahin etabliert Konrad Schaef eine Reihe von Handlungsmustern, auf welche er auch in den angesprochenen beiden Semifortsetzungen zurückgreifen wird.

 Homer G. Adams hat in allen Büchern im Grunde nur eine relevante Szene. In „Duell in Terrania“ stellt der Klappentext seine Beteilung am Plot zu sehr heraus. In „Hölle hoch vier“ passt seine Präsenz in wirtschaftlicher Hinsicht besser. Er erläutert die Folgen der Erzdumpingpreise und grenzt schon einmal nicht nur für den Leser die möglichen Verdächtigen ein. Beweise hat Homer G. Adams nicht.

 Auch später agieren die Schurken ausgesprochen naiv. Viel zu leicht könnte ein außen stehender Betrachter der Kette folgen und erkennen, dass die Fördermengen nicht mit den Absatzmengen in einem Zusammenhang stehen. Auch macht es wenig Sinn, das Erz angesichts der vorhandenen Technik erst einmal ins Heimatsystem zu transportieren, um es dann konservativ weiterzuleiten. Aber die Idee mit den Kugel, dem Antigravkatapult und schließlich sogar dem gigantischen Transmitter im All ist schon originell. Da kommt ein Hauch der „Meister der Insel“ Gigantomie im Leser auf.

 Einer oder mehrere Sammelpunkte abseits des Systems wären wahrscheinlich sinnvoller gewesen. Aber ab der Mitte des Plots drängt der noch vorhandene Seitenplatz. Wie in seinen anderen Taschenbüchern lässt sich Konrad Schaef viel Zeit, um das Szenario zu etablieren und die wichtigen Protagonisten zu charakterisieren. Da der Umfang allerdings begrenzt ist, kommt er abschließend unter Druck, den Roman konsequent abzuschließen.

 Sehr viel interessanter und packender ist der erste Teil des Romans.  Vernon Almod ist Dreh- und Angelpunkt. Nach dem Besuch beim Ara Arzt vor Ort, der von den Stationsleitung nicht unbedingt hoch angesehen ist, kommen weitere Erinnerungen zurück. Das erinnert zwar ein wenig an die zweimal als „Total Recall“ verfilmte Philip K. Dick Story.

 Die anschließende Befreiungsaktion basiert auch auf dem guten Willen eines Insider, welcher Almod die wichtigen Informationen gibt.  Der Leser kann sich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf die einzelnen Fakten verlassen. Es besteht immer noch die Möglichkeit, dass Almod von Beginn an als Agent ohne Gedächtnis eingeschleust worden ist, was eher unwahrscheinlich erscheint. Die zweite Möglichkeit wäre, dass Almod nur so tut, als wenn er das Gedächtnis verloren hat.

 Konrad Schaef wählt abschließend eine Kombination aus den beiden Faktoren, wobei Almod abschließend trotz aller erlittenen Widrigkeiten sich auf seine Ausbildung und damit auch seinen Status besinnt, um die für den Tod von vielen Arbeitern verantwortlichen Anführer zu stellen und zu bekämpfen.

 „Hölle hoch vier“ ist ein geradliniges Einzelabenteuer, mit dem Konrad Schaef das unterschiedliche Duo Almod und Pet Yudal etabliert. Die Grundidee, Pet Yufal abschließend als erfahrenen Mentor zu nehmen und ihn gemeinsam mit Almod im Grunde hinter den Fronten agieren zu lassen, setzt die Traditionen innerhalb der Serie unter anderem mit den USO Spezialisten wie Tekener/ Kennon fort.

Allerdings konzentriert sich Konrad Schaef noch in diesem „Auftaktband“ vor allem auf die Actionszenen und noch weniger auf die Charakterisierung der einzelnen Protagonisten. In „Duell in Terrania“ wird der Autor vor allem seinem auch ein wenig naiv im Feld operierenden Agenten die charmanten Machozüge eines James Bond schenken. Während die Agenten offen für die kosmische Hanse agieren, gehört ja zur Tarnexistenz des britischen Agenten mit der Lizenz zum Töten das Angestelltenverhältnis in einer Import/ Export Firma.

 Auch wenn einige der Schlüsselszenen ein wenig zu simpel aufgelöst werden und zweimal allerdings positiv auf unterschiedliche Art und Weise die Hilfe/ Rettung quasi um die Ecke lauert, liest sich „Hölle hoch vier“ kurzweilig bis zum zu hektischen Ende. Bei „Duell in Terrania“ hat Konrad Schaef eher das Problem, bei einem komplexeren und vor allem von der Ausgangsbasis eher diffizileren Plot die einhundertsechzig Seiten voll zu bekommen.

 Die größte Schwäche des Buches ist die noch ein wenig zu sperrige und an Schablonen erinnernde Charakterisierung der relevanten Protagonisten, denen allerdings positiv die Fähigkeit des Autoren gegenübersteht, komplexe Hintergrundstrukturen pointiert, prägnant und vor allem auch effektiv aufs Wesentliche zu reduzieren und damit den Plot tempotechnisch nicht zu belasten.  

Heyne Taschenbuch

160 Seiten

 

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