Duell in Terrania

Konrad Schaef

 Konrad Schaefs zweiter Planetenroman „Duell in Terrania“ erschien im April 1996 als Planetenroman 397 im Heyne Verlag. Im Rahmen  der Taschenhefte ist das Buch noch einmal nachgedruckt worden.  Der „erste“ Band, in welchem Konrad Schaef einige seiner relevanten Protagonisten eingeführt hat, erfuhr aber keinen Nachdruck.

Auffällig ist, dass trotz des großen Drucks der Plot sich im Grunde nicht über die ganze Taschenbuchlänge erstreckt. Der Epilog ist erstaunlich lang. Der Leser erwartet oder erhofft sich noch einen finalen Schlagabtausch, der allerdings ausbleibt.

Der Autor übernimmt aus seinem ersten Planetenroman zwei Protagonisten: Vernon Almod und Pet Yulal.  Während Vernon Almod nur offiziell im vorliegenden Band mindestens einen terranischen Teil der Menschheit, tritt  Pet Yulal noch einmal als  Pet(jar) Yulal auf der anderen Seite des Schreibtisches in Konrad Schaefs SPACE THRILLER „Mauern der Macht“ quasi zum dritten Mal auf.

Der Plot entwickelt sich ausgesprochen stringent. Der akonische Handelsattache Kytan ay Marunochy soll zusammen mit der ersten Terranerin  Koka Szari Misonan – der Name wird im Planetenroman durchgehend falsch geschrieben- und Homer G. Adams ein weitreichendes Handelsabkommen unterschreiben.

Ein reicher Bankier stellt ihnen sein Privathaus für diese Verhandlungen zur Verfügung.

Die beiden aus dem Urlaub zurückgekehrten Hanse- Spezialisten Pet Yulal und Vernon Almod sollen die Möglichkeit untersuchen, dass ein Attentat auf den Akonen verübt werden könnte, das vor allem die schwierigen wirtschaftlichen Gesprächen zum Scheitern bringen könnte.

Parallel kommt es im Galactic Trade Center zu einer schweren Explosion. Ein Warencontainer vom Freihändlerplaneten Olymp kommend wird anscheinend von innen heraus gesprengt. Überwachungskameras zeigen möglicherweise eine Gestalt. Es gibt auch organische Restspuren.

Gleichzeitig muss Homer G. Adams feststellen, dass es anscheinend einen Maulwurf in seiner Organisation gibt, da ein sicher geglaubter Auftrag durch die Weitergabe von Insiderinformationen an die Konkurrenz gegangen ist.

Es ist einer der Handlungsfäden, der nicht mehr aufgenommen wird. Auch der Klappentext des Perry Rhodan Planetenromans konzentriert sich zu stark auf Homer G. Adams, der bei der Klausur mit seinen Untergebenen eine einzige dominante, fast unsympathisch zu nennende, die amerikanische Art der Unternehmensführung bloß stellende Szene hat.

 Die beiden Agenten versuchen vor allem die Hintermänner des Attentats zu finden. Die Explosion des Containers ist dabei ein erster Hinweis. Yulal gibt sich als angeblicher Versicherungsermittler zu den Empfängern des Containers.

Ob dieser Plan Absicht oder Provokation ist, arbeitet Konrad Schaef nicht heraus. Es ist erstaunlich, dass in der fernen Zukunft die Agenten nicht eine nachweisliche Tarnexistenz erhalten. Sowohl sein Gesprächspartner als auch die anfänglich unterkühlte Sekretärin bekommen schnell heraus, dass niemand bei der Versicherung Yulal kennt. Sein Glück aus Autorensicht ist es, dass er nicht umgehend umgebracht wird und sogar herausfinden kann, dass der Container sich über das Steuerparadies und frühere Ausbildungsstätte der Cantaro Vakkund bewegt hat.

Während des Finales wendet Yulal wieder eine falsche Identität an, um ihn das Büro des möglichen Anführers vorzustoßen. Zwar ist diese wegen der Beziehung zur Hanse ein wenig schwerer zu durchschauen, aber auch hier bestehen vor allem bei gut vernetzten Gegnern zu viele Risiken, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht in einem adäquaten Verhältnis  zu den möglichen Erkenntnissen stehen. 

 Auch bei einem zweiten Hinweis hilft ihnen der Zufall. Rip Selaco ist Angestellter der Munsano Guaranty Trust. Ihm fällt eine sonderbare Anzeige auf, die auf unlautere Bankgeschäfte mit Bürgschaften hinweisen könnte. Rip hat auch Kontakt zu Yulal, dem er auf die Mailbox spricht.

Ab diesem Moment erkennen die beiden Agenten aufgrund der ein wenig naiven Vorgehensweise ihrer potentiellen Gegner, das sie erstens in Gefahr sind und zweitens schnell und effektiv aggressiv handeln müssen.

„Duell in Terrania“ ist oberflächlich ein kurzweilig zu lesender Thriller. Aber nur an der Oberfläche. Der Plot wirkt stark konstruiert und die  eigentlichen Ermittlungen basieren auf einer Reihe von Zufallsfunden und vor allem der naiven Vorgehensweise ihrer Gegner.

Angesichts des durchaus vorhandenen Gefahrenpotentials hinsichtlich der möglichen Mannstärke und der zur Verfügung stehenden monetären Mittel sowie dem zeitlichen Druck hinsichtlich des pünktlichen Ablaufs der Verhandlungen zwischen den Menschen und Akonen erscheint die Vorgehensweise der Hanse- Spezialisten fragwürdig.

Zwei Teams haben in der „Perry Rhodan“ Serie frühestens seit Kennon und Tekener eine lange Tradition. Dabei haben sich die Autoren nicht selten an den James Bond Filmen oder manchmal auch den ursprünglichen Ian Fleming Texten orientiert, um die Handlung futuristisch zu extrapolieren.

Konrad Schaef greift zumindest beim erotischen Geplänkel zwischen Yulal und Neema Stratton auf dieser Machovorgehensweise zurück. Dabei lässt sich der Agent nicht abwimmeln, die unterkühlte und mit vielen Fähigkeiten über ihre Sprachkenntnisse hinaus gesegnete Sekretärin wird weich. Am Ende ist es nicht reiner Sex, auch wenn der Agent nach dem ersten Date bis zum Morgen bleibt. Es ist zumindest Liebe bis zur vorletzten Seite des Buches.

Dazwischen agieren die Agenten aber opportunistisch ohne Netz und doppelten Boden. Vor allem verhalten sich ihre Gegenspieler fast naiv. Da wird ein Selbstmord vorgetäuscht, auch wenn er erstens augenfällig ist und zweitens alle Daten quasi sehr einfach zu finden zurückgelassen werden.

Bei der finalen Konfrontation agiert man arrogant, wobei Konrad Schaef nicht den abschließenden Fehler macht, seine Agenten in ein „allein gegen alle“ Szenario zu treiben. Sie haben sich schon umfangreich rückversichert, bevor sie zum finalen Schlag ausholen.   

Das Finale ist eine Doppelung. Die beiden Helden konfrontieren zwei mögliche Hintermänner und beide greifen zu den gleichen letzten Mitteln. Diese erweisen sich angesichts der Vorbereitungen als bedingt effektiv, so dass Konrad Schaef nicht einmal die Parallelen beim Ablauf zum Anlass für einige gepfefferte Dialoge nimmt, sondern rasante Action beschreibt.

Konrad Schaef bewegt sich vor dem über der Handlung schwebenden Erbe der Cantaro relativ sicher und zielstrebig. Dabei reduziert er die Handlung an einigen Stellen fast auf ein Korsett, anstatt die Ermittlungen mit falschen Spuren zu erschweren oder zumindest die abschließenden Motive besser herauszuarbeiten.

Zu viele Hinweise fallen den beiden Ermittlern viel zu leicht in die Hände. Das finale nutzbare Beweisstück ist ein Videobild.   Die auf dem Rechner gefundenen Beweise interpretieren die beiden Ermittler voreilig und stellen einen Zusammenhang auf, der zum Beispiel Rip Selaco zu Lebzeiten nicht gekommen ist. Es besteht die Möglichkeit, dass noch jemand anders an den Bericht gekommen ist und entsprechend handelte. Auf diesen Gedanken kommen die beiden Helden nicht.

Es wäre vermessen, den Erfolg zu stark zu relativieren und zu sehr von Zufällen zu schreiben. Aber Konrad Schaef macht es sich gegen Ende dieser Geschichte viel zu einfach. Diese Fehler wird er in seinem „Space Thriller“ nicht wiederholen.

Die Action ist in „Mauern der Macht“ wieder komplexer, wobei der Space Thriller auf einer falsch angenommenen Prämisse basiert und die Behörden lange Zeit nicht das Offensichtliche erkennen wollen. In „Duell in Terrania“ gibt es nichts Offensichtliches und die Hinweise sind lange Zeit sehr vage, trotzdem sind die Agenten erfolgreich.

„Duell in Terrania“ verschenkt ausgesprochen viel Potential und zeigt Konrad Schaefs Stärken – gute Dialoge, stimmige Atmosphäre und einen Nahe an der Hektik befindlichen Handlungsaufbau – und Schwächen – die Konstruktion des Plots ist nicht immer nachhaltig und schlüssig sowie das Vergessen einzelner Nebenhandlungsfäden – deutlich auf.

Planetenroman 22: Duell in Terrania: Ein abgeschlossener Roman aus dem Perry Rhodan Universum (Perry Rhodan Planetenroman)

Pabel Verlag

160 Seiten

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