Das Syndikat der Mächtigen

Konrad Schaef

Im Mai 1997 erschien als Perry Rhodan Planetenroman 406 schon im Burgschmiet Verlag Konrad Schaefs drittes und letztes Perry Rhodan Taschenbuch. Begleitet nicht nur von einem Titelbild Swen Papenbrocks, sondern sehr viel besseren Innenillustrationen  wirkt der Roman nicht unbedingt für klassische Perry Rhodan Leser geschrieben. Neben den für diesen Verlag typischen Begriffserklärungen am Ende des Taschenbuchs greift Konrad Schaef auf erstaunlich weitreichende Erläuterungen nicht nur der politischen Lage, sondern auch relativ bekannter Organisation wie der SOLEFT zurück. Dadurch verliert der handlungstechnisch extrem stringente Roman vor allem in der ersten Hälfte deutlich an Fahrt.

Ein Manko, welches das für Konrad Schaef fast typische Ende mit der Rettung in letzter Sekunde allerdings von dritter Hand nur bedingt ausgleichen kann.

Das Ausgangsszenario ist allerdings ein klassischer Konrad Schaef. Nur agieren dieses Mal nicht die Agenten des kosmischen Hanse, sondern mit Viju Drago ein finanziell unabhängiger Mann und Frauencharme. Im Perry Rhodan Universum ist Konrad Schaef niemals wieder Ian Flemings James Bond so nahe gekommen wie mit Viju Drago, der als freier Mitarbeiter aber mit entsprechender Ausbildung freiwillig auf eine Art selbstständiger Basis für den Geheimdienst arbeitet. Nötig hat er es nicht, auch wenn die Grundlage seines jetzigen Reichtums und seines Firmenimperiums Drago Enterprises höflich gesprochen auf grauen, aber (noch) nicht kriminellen Geschäften basiert.  Aber wie James Bond unterliegen seinem sehr männlichen Charme die Frauen.  So gibt es sogar Sex nach dem ersten Date. Auf der anderen Seite ist Drago ein Mann mit Prinzipien, der notfalls auch eine Frau opfern würde, um seine Ziele zu erreichen. Natürlich hat er ein schlechtes Gewissen, wobei er hinsichtlich der abschließenden „Falle“ derartig auf Improvisation und Mut zur Lücke basiert, dass man grundsätzlich nicht von einem Plan sprechen kann. Das entspricht den allgegenwärtigen James Bond Filmen und weniger Ian Flemings Romanen, wobei Konrad Schaef abschließend seinen Helden nicht alleine im Regen stehen lässt. Dieses Prinzip setzt der routinierte Autor allerdings in allen vier Taschenbüchern bzw. dem Space Thriller um. 

 Die LFT ist wegen einer neuen Modedroge Hybrodiem besorgt, die Frauen zu Huren macht und bei Männern vor allem Hirnschädigungen hervorruft. Sie wird im Nogias Sektor derartig billig verkauft, dass die LFT befürchtet, es handelt sich um gezielte Maßnahmen, um Terra zu schwächen. Der Drogenhandel ist angeblich im Syndikat der Mächtigen, einer organisierten Verbrecherorganisation, die aber anscheinend von unbekannten Gruppen querfinanziert wird.

Grundsätzlich ist diese Ausgangsprämisse interessant. Aber Konrad Schaef unterminiert die Vermutungen am Ende des Buches mit einer überraschenden Wende. Der Autor impliziert, dass die LFT einiges vermutet und deswegen von der SOLEFT quasi Schützenhilfe anfordert. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Zumindest muss die LFT sehr viel mehr vermuten und durch die Kooperation mit der SOLEFT versucht die LFT unnötig und zu hektisch eine Art Entscheidung zu erzwingen, welche allerdings auch aufgrund der Vorgehensweise Dragos nur einen Arm der Drogenhydra entlarven kann.

Es gibt Hinweise, dass ein weiblicher Drogenkurier zwischen dem Planeten Arghiro und Terra pendelt. Drago soll auf die junge attraktive Frau Cyril Quillian angesetzt werden, die über einen aggressiven Halbbruder verfügt.

Drago baut eine Tarnexistenz auf, in dem er sich quasi zum eigenen Angestellten macht. Er kommt mit der jungen Frau schnell in Kontakt, kann ihr indirekt andeuten, dass er demnächst wieder nach Arghiro muss und kann sie auf diese Art und Weise anlocken, ihn auf einer Tour zu begleiten, die sie ohnehin hätte unternehmen müssen.  

Auf Arghiro gehört Drago Wells ein umfangreiches Jagdhaus inklusiv großer Grundstücke. Daher passt die Reise perfekt zu der eigentlichen Mission. Allerdings wirken Dragos Handlungen auf dem Planeten selbst ein wenig kontraproduktiv. Selbst als umtriebiger Unternehmer mit umfangreichen Besitz müsste er sich auf dem Planeten besser auskennen und nicht in viele Fallen tapsen. Das Gegenteil ist der Fall.

Auf dem Planeten selbst will er von seinen Gegenspielern eine Reaktion provozieren und bringt mit einer von Beginn sehr waghalsigen Aktion seine Gegner dazu, ihre Tarnung aufzudecken.  Die Gegner fallen auch relativ schnell darauf herein und nehmen an, dass  Drago selbst ins Geschäft einsteigen möchte. Es ist aber eine herausfordernde Annahme, einen finanziell unabhängigen Mann mit einer geschäftlich anrüchigen Vergangenheit quasi als neuen Hobbydrogenschmugglerkonkurrenten anzusehen.

Dazu agiert Drago im Grunde zu offensiv und provokativ.

Das Finale ist spannungstechnisch solide. Wie der Sex in der ersten Nacht führt Konrad Schaef auch Gewalt gegen attraktive Frauen ein. Damit soll Drago unter Druck gesetzt werden und das Versteck der Drogen verraten. Erstaunlich ist, dass wie bei einem zweitklassigen Thriller die Täter sich nicht nur mit der Übergabe der Drogen zufriedengeben, sondern noch einige Minuten sich im Glanz ihres natürlich kurzzeitigen Triumphs sonnen, bis sich die Fronten drehen. Hier verzichtet der Autor aber auf eine überzeugende Strategie, wieder ist es mehr der Zufall, der dafür sorgt, dass nicht alles in einer Katastrophe endet.

Die Männer im Hintergrund bleiben unbekannt. Der Titel führt quasi in die Irre, denn die angedachten Hintermänner mit vielleicht auch politischen Motiven werden nicht mehr angesprochen. Viel mehr reduziert sich der Plot abschließend auf eine kleine Gruppe von Männern – ein Anführer und zwei Handvoll eher dumm agierende Handlanger -, die mit den Drogen ihren Selbststil finanzieren.

Von einem Pyrrhussieg zu sprechen, wäre vermessen, aber Konrad Schaef fokussiert, reduziert aber auch den Plot mehr und mehr.  Der Leser kann den Einfluss dieser einen Welt genauso wenig einschätzen wie die Tatsache, dass ja die Drogen nicht nach Terra eingeschmuggelt, sondern quasi von der Erde aus „versandt“ werden. Das wirkt rückblickend ein wenig befremdlich. Natürlich immer noch zu Dumpingpreisen, aber die von der LFT angeblich etablierte Prämisse eines Preiskampfes zu Lasten politischer Stabilität lässt sich nicht mehr ablesen.

Konrad Schaef fühlt sich als Autor im Milieu der Reichen aber wohl. Neben der soliden Zeichnung der beiden wichtigen Protagonisten, deren sehr sexuelle, aber nicht emotionale Beziehung intensiv beschrieben worden ist, beschreibt der Autor einige sehr exklusive Plätze wie das gigantische Einkaufszentrum direkt in Terrania. Hier verweilt der Autor angesichts der Länge des Buches fast ausschweifend.

Wie seine andere Planetenromane ist „Das Syndikat der Mächtigen“ ein solider kurzweiliger Science Fiction Thriller, dessen grundlegende Handlung Drogenschmuggel aber entweder zu wenig politisch extrapoliert worden ist oder als simpler Krimi fokussierter hätte erzählt werden müssen. Dadurch verliert die bodenständige Handlung in einigen Abschnitten an Effektivität. Es gibt nur wenige wirklich überraschende Szenen und trotzdem ist das Buch nicht langweilig. Bis auf die angesprochenen Exkurse ist der Plot sehr stringent erzählt. Es gibt einige befriedigend entwickelte Actionszenen und ein Finale, das allerdings auf dem Prinzip Hoffnung basiert und wie in manchem cineastischen Thriller nur gelingt, weil die Schurken sich der Selbstbeweihräucherung hingeben.

Diese Bodenständigkeit ist aber auch positiv anzusehen. In seinem Space Thriller hat Konrad Schaef die Prämisse auf einer falschen Annahme aufgebaut. Diesen Fehler macht der Autor in dem geradlinig geschriebenen Roman nicht, so dass zusammenfassend „Das Syndikat der Mächtigen“ ein klassischer Thriller vor einem nicht unbedingt notwendig futuristischen Hintergrund ist, dessen Extrapolation in Hinblick auf das den Titel bestimmende, aber nicht wirklich aktive „Syndikat der Mächtigen“  vielleicht weiteren ungeschrieben gebliebenen Geschichten vorbehalten gewesen ist   

   

Perry Rhodan Taschenbuch 406. Das Syndikat der Mächtigen. 1. Auflage, BSV 3932234529

  • Herausgeber : Nürnberg : Burgschmiet,; 1. Auflage (1. Januar 1997)
  • ASIN : B00GUXAJ0M
  • Umfang 188 Seiten
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