Verschwörung der Götter

T.E.D. Klein

 Insgesamt vier Novellen sind in der immer wieder in Amerika und Großbritannien neu aufgelegten Sammlung “Dark Gods” gesammelt worden. Sie erschien das erste Mal 1985, zwei Jahre nach “The Ceremonies”. Allerdings enthält die Sammlung auch Novellen, die vor T.E.D. Kleins einzigen veröffentlichten Roman entstanden sind.    

Der Goldmann Verlag hat eine deutsche Ausgabe mit dem ein wenig falschen Titel “Verschwörung der Götter” in den achtziger Jahren als Taschenbuch aufgelegt. Es sind nicht die Götter, die sich gegen die Menschen verschworen haben. Sondern die Leichtgläubigkeit und Arroganz der Menschen hat zum Wiedererstarken der “alten Götter” in Form von Monstren geführt. 

 „Kinder des Königreichs“ (Children of the Kingdom) spielt in T.E.D. Kleins Heimatstadt New York. Big Apple ist auch in anderen Novellen dieser Sammlung präsent, aber in „Petsey“ zieht die Baby Boomer Generation mindestens für eine Hauseinweihungsparty aufs Land und nimmt die eigenen Neurosen mit. „Kinder des Königreichs“ spielt im New York der siebziger Jahre mit der fortschreitenden Ghettobildung und vor allem auch der steigenden Kriminalität, in erster Linie in den Migrantenvierteln.  T.E.D. Kleins Charaktere sind Proletarier. Das ist nicht abschätzig gemeint, sondern zeigt deren Perspektive auf ihr alltägliches Leben. Sie müssen hart arbeiten, um an die Kosten zu denken. Sie sehen die Veränderungen in ihren Vierteln und geben ihnen die richtigen Namen. Da wird nichts verharmlost oder weg erklärt. Alle Figuren sind in den sozialen Teufelskreisen des Kapitalismus gefangen und wer in New York kein Geld hat, geht einfach unter. Auch wenn sich viele Züge von H.P. Lovecraft und seinen mystischen Visionen von Fremden unter den Menschen in der Geschichte wiederfinden, ist der Text vor allem eine Story aus den siebziger und frühen achtziger Jahren. Voller dunklem Aberglauben, aber irgendwie auch ein Schuss Optimismus, dass das Reden viele Vorurteile auch überwinden kann.

Die grundlegende Prämisse wirkt rückblickend absurd. Auch die Erklärungen sind wie bei Lovecraft fadenscheinig. Es gibt keine Beweise. Mögliche Beweise sind vernichtet worden, ohne dass der Erzähler oder seine Frau einen Blick drauf werfen konnten. Auf der anderen Seite präsentiert T.E.D. Klein eine phantastische, gruselige Erklärung für den Stromausfall, der 1977 das öffentliche Leben in New York lahmlegte und schließlich zu Plünderungen mit einem Schaden von mehr als 1 Milliarde Dollar führte. 

Die zugrundeliegende Geschichte, symbolisiert durch die selbst verlegten Bücher des Pfarrers aus Costa Rica, bergen noch mehr Potential, als es die Novelle heben kann. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse. T.E.D. Klein zieht das Tempo an,  versucht die Erwartungen der klassischen Horror Leser zu befriedigen und sucht einen Kompromiss zwischen der ruhigen, fast phlegmatischen ersten Hälfte mit seinen wirklich überdurchschnittlich gezeichneten Charakteren und den sich wie ein roter Faden durch die Story ziehenden Andeutungen, das die Schöpfungsgeschichte nach der Bibel oder Darwin grundlegend falsch ist. Selbst wenn ein Leser die Thesen des Pastors akzeptiert, gibt es keine Erklärung, warum im Hier und Jetzt plötzlich „Beweise“ auftauchen. Nur durch den Plot getrieben.

Bis dahin ist es eine sehr menschliche Geschichte. Der Großvater des Erzählers muss nach einem Schlaganfall ins Altersheim ziehen. Er ist aber grundsätzlich noch rüstig. Schnell lernt er in der eher heruntergekommenen Gegend neue Freunde kennen, mit denen er unter anderem im Sonnenlicht draußen auf der Schultreppe sitzt. Sie diskutieren über Gott und die Welt. Einer seiner Freunde ist ein Priester aus Costa Rica, der seit vielen Jahren an einer neuen Schöpfungsgeschichte arbeitet. Das Buch soll abschließend in alle sieben Sprachen verlegt werden. Die spanische Version hat er im Eigenverlag veröffentlicht. Jetzt sucht er einen Verleger für eine englische Fassung und als er erfährt, dass die Frau des Ich- Erzählers Karen in einem Sachbuchverlag arbeitet, glaubt er an seine Chance.

T.E.D. Klein beschreibt aus der Perspektive des Ich- Erzählers vielleicht ein wenig verklärt und romantisch die  Änderungen im Leben eines alten Mannes mit dem Übergang ins Altersheim, der diese erstaunlich stoisch und mit dem entsprechenden Humor trägt. Die Mitbewohner im Heim sind mit den entsprechenden kleinen Ecken und Kanten verträglich. Im Keller funktioniert eine der vier Waschmaschinen nicht. Irgendwie richtig es dort auch muffig und etwas hat diese tonnenschwere Maschine aus ihrer Position verrückt und einen Wasserablauf freigemacht. Alles deutliche Zeichen für den weiteren, dann auch mechanisch vorhersehbaren Handlungsverlauf. Aber der Leser hat auch das bestimmte Gefühl, als wenn T.E.D. Klein die sozialen Kommentare wichtiger sind als der natürlich lange Zeit unsichtbare, aber allgegenwärtige Schrecken aus der Tiefe. Lovecraft ist bei den Beschreibungen der Großen Alten oder anderer Bedrohungen aus Welten jenseits der Realität vage gewesen. T.E.D. Klein geht in dieser Hinsicht auch nur einen kleinen Schritt weiter und schränkt die morbide Phantasie der Protagonisten, aber auch der Leser nur bedingt ein. Stilistisch agiert T.E.D. Klein deutlich subtiler als Lovecraft. Seine Protagonisten sind lebendiger, dreidimensionaler und der Leser fürchtet um sie. Interessant ist, das der Autor aber abschließend nach einem grotesken, eher dezent erzählten Exzess wieder zu den natürlichen Abläufen des Lebens zurückkehrt und aufzeigt, das im Angesichts des herauf dämmernden unausweichlichen Todes jeglicher Schrecken von Jenseits der eigenen Welt nur bedingt schockieren kann.  

Der Titel ist eine religiöse, vielleicht auch sehr ironische Verklärung der Evolutionstheorien des Pastors und steht nur bedingt im Zusammenhang mit der eigentlichen Geschichte.

Plot Technisch ist „Petey“ die schwächste Geschichte nicht nur dieser Anthologie, sondern in T.E.D.  Kleins Gesamtwerk, einer der Texte, deren Ende vorhersehbar ist. Kleine Sünden bestraft ein böser Gott sofort. Ein vor allem aus der mittleren Gesellschaftsschicht New York bestehende Gruppe von Freunden und Bekannten feiert auf dem Land eine Hauseinweihungsfeier. Das einladende Ehepaar hat  ein altes Haus spottbillig bekommen. Im Laufe des Abends kommt ein Teil der Wahrheit ans Licht. Der Verkauf ging nicht mit rechten Dingen zu und der alte Besitzer ist  inzwischen in der Irrenanstalt, wo er sich mittels eines Morsealphabets verständlich machen will. Das Ende ist in sich abgeschlossen, die finalen Ereignisse werden angedeutet.

Während die Handlung keine Überraschung beinhaltet, liest sich die kurze Novelle wegen der fast an Karikaturen erinnernden Zeichnungen der Protagonisten ausgesprochen gut. Die Neurosen, die Lästerei, die Angst des Großstädters vor der freien Natur – alles ist vorhanden. Ergänzt wird es neben der ausführlichen Hausführung noch durch eine Tarot-Sitzung mit seltenen, auf dem Boden gefundenen Karten. Anscheinend gibt es eine Karte mehr, die sich selbst einer Entschlüsselung mittels mehrerer Bücher verwehrt.

Aber der Leser verfolgt das Geschehen eher distanziert. Ein Funke der Sympathie springt nicht über. T.E.D. Klein ist aber auch ein penibler Erzähler, der die meisten unsympathischen Protagonisten am Ende des Abends im Haus verweilen lässt, bis ein letzter Besucher kommt.  Das wirkt konstruiert und stereotyp, liest sich aber zumindest angesichts der guten Dialoge und der verschiedenen Seitenhiebe auf eine Gesellschaft, die sich als gehoben ansieht, innerlich aber eher einfache Bürgerschicht unter ihrer modischen Kleidung und gestelzten Gehabe ist, kurzweilig unterhaltsam.

„Schwarzer Mann mit einem Horn“ ist eine wunderschöne Geschichte. T.E.D. Klein ist ein Bewunderer H.P. Lovecraft und der Protagonist spricht immer wieder mit seinem Idol. Der Protagonist hat selbst Horrorgeschichten geschrieben. Die Presse tituliert ihn weniger als einen Lovecraft Epigonen, sondern als Schüler. Ein zu langer Schatten. Inzwischen Mitte siebzig hat er fatalistisch aufgegeben, sich als eigenständiger Autor zu etablieren.  Wie Ramsey Campbell ist T.E.D. Klein einer der Autoren, die nicht nur Lovecrafts kosmische Schrecken in die Gegenwart übertragen haben, sondern sie spielten mit der menschlichen Evolutionsgeschichte und zeigten auf, das die Bibel falsch sein muss. Schon in der Auftakt Story dieser Sammlung war es ein Priester, der den Protagonisten mittel seiner Schriften aufklärte, dass die Schöpfungsgeschichte eine Lüge ist. „Schwarzer Mann mit Horn“ impliziert, dass Lovecrafts Texte auf Wahrheiten basierten, welche die Öffentlichkeit in den dreißiger Jahren (noch) nicht erkannte. Auch in „Schwarzer Mann mit einem Horn“ ist es ein Mann Gottes, der gegen den eigenen Willen die Wahrheit herausfindet und vielleicht auch durch sie stirbt. In beiden Geschichten vermitteln sie diese Informationen stellvertretend für den Leser einem Unbeteiligten. In „Kinder des Königreichs“ an den Sohn des alten Mannes, der mit dem Pastor aus Costa Rica befreundet ist. In „Schwarzer  Mann mit einem Horn“ ist es eine zufällige Begegnung in einem Flugzeug auf dem Rückweg aus Manila, welche die Ereignisse ins Rolle bringt. Aber der Protagonist in „Schwarzer Mann mit einem Horn“ ist kein Ungläubiger. Er ist ein Jünger Lovecrafts, der erkennen muss, das einige Andeutungen des Amerikaners „Tatsachen“ entsprechen könnten. Der Priester ist dem lange vergessenen Kult auf die Spur gekommen.

T.E.D. Klein baut die Anspielungen auf Lovecraft inklusiv der direkten Ansprache durch den Protagonisten als Einleitung einzelner Kapitel geschickt in die sich langsam stimmungsvoll entwickelnde Geschichte ein.  Lovecraft wird dadurch Teil nicht nur seines eigenen Werkes, sondern der fiktiven menschlichen Geschichte. Am Ende kehrt Klein zu den Stärken Lovecrafts zurück. Fatalistisch erkennt der Protagonist, dass er seinem Schicksal nicht entkommen kann. Damit schließt sich auch der Kreis zu seinen eigenen Geschichten, in denen er derartige Szenarien ausführlich entwickelt hat. Wie bei „Kinder des Königreichs“ verzichtet T.E.D. Klein auf drastische Szenen. Dem Leser bleibt wie bei Lovecraft immer noch die Möglichkeit, das Geschehen als Teil eines wahnsinniger werdenden menschlichen Verfalls abzutun. Es gibt ja keine Beweise. Auf der anderen Seite manifestiert sich der unerklärliche Schrecken, die möglicherweise kosmische Bedrohung in kleinen Momenten bis zum Finale in einer kleinen am Meer gelegenen Ferienhaussiedlung an Floridas Küste.

Die Geschichte lebt aber zusätzlich von der angesprochen lebendigen Beschreibung eines älteren Mannes, der sich in seinem eigenen inneren Gefängnis eingerichtet hat und diese kontrollierbare Beschaulichkeit auch nur widerwillig verlassen will. Zusammen mit seiner Schwester reiste er nach Asien, um die Geschichte des inzwischen verstorbenen Pastors zu überprüfen. Es ist eine Reise an einen exotischen Ort und wieder zurück. Aber bei der Rückkehr nimmt der Protagonist unbewusst viel mehr mit als er sich erträumt oder vielleicht auch vor dem er sich gefürchtet hat.  Als Autor weiß er, wie er „Fakten“ zusammenstellen und literarisch verarbeiten kann. So wird „Schwarzer Mann mit einem Horn“ auch mehr und mehr zu einer Art Autobiographie eines Mannes, vielleicht auch T.E.D. Kleins selbst, der literarisch gelobt und trotzdem niemals wirklich eigenständig anerkannt worden ist. Das macht neben einer Reihe von stimmungsvollen Szenen den Reiz dieser überdurchschnittlichen, zeitlosen Geschichte aus.         

Für die vierte Novelle „Nadelsmanns  Gott“ hat T.E.D. Klein 1986 den World Fantasy Award in der Kategorie beste Novelle erhalten.  Wie in „Kinder des Königreichs“ gelingt es T.E.D. Klein moderne Aspekte mit dem klassischen namenlosen Horror zu verbinden, den H.P. Lovecrafts Texte so auszeichnet.  Nadelmann arbeitet in der New Yorker Werbebranche. Er hat eine hübsche Frau, einen Sohn und eine Geliebte, die er jeden Freitag heimlich trifft. Er verdient gut und eine Heavy Metal Band hat auf Anraten eines Freundes sein einziges, während des College veröffentlichtes Gedicht als Liedtext genommen und entsprechend umgeschrieben.  Im Gegensatz zum gealterten Schriftsteller in „Schwarzer Mann mit Horn“ ist sich Nadelmann seiner wilden Jugend gar nicht mehr so bewusst. T.E.D. Klein nutzt zwar im Prolog einen Ausflug in einen Sadomasoclub vor mindestens zwanzig Jahren, um Nadelmann als coolen Mann auf der Höhe der sozialen New Yorker Zeit der siebziger Jahre zu zeigen, aber im Laufe der Geschichte holt ihn mehr die weiter zurückliegende Vergangenheit ein.

Ein Fan des Liedes nimmt Kontakt mit Nadelmann auf. Er behauptet, dass der von Nadelmann beschriebene Gott zum Leben erwacht ist, ihn zu seinem Anhänger gemacht hat und grausame Morde begeht.  Anfänglich versucht Nadelmann dem Fan auszuweichen. Er verbietet sich Anrufe im Büro, zu Hause verfügt er jetzt über eine Geheimnummer und dessen Briefe versteckt er im Schrank, in dem auch seine Notizen und vor allem seine Collegezeichnungen liegen. Im letzten Brief schreibt der verstörte Fan aber vom „The Hungerer“, einem Namen, der weder in dem in der Collegezeitschrift abgedruckten Ballade noch dem Lied erscheint. Nur in den ersten zornigen Notizen hat Nadelmann den Namen benutzt. Er beschließt, den Fan in der Wohnung seiner Mutter aufzusuchen.

Auf der einen Seite folgt T.E.D.  Klein den klassischen Horrormustern. Nadelmann glaubt anfänglich fast naiv, den Störenfried durch Ignoranz loswerden zu können. In der zweiten Phase hat Nadelmann eine unbegründete paranoide Angst, das bei ihm eingebrochen und die Notizen durchwühlt worden sind. Dafür gibt es keinen Beweise. In der letzten dritten Phase beginnt Nadelmann tatsächlich daran zu glauben, dass er es mit einem Psychopathen zutun hat, der Menschen auf bestialische Art und Weise ermordet, obwohl sich der Fan während des Buches eher als kindlich zurückgeblieben entpuppt und seine Mutter schwer körperbehindert ist. In der vierten Phase dämmert Nadelmann, das aus irgendeinem nicht erklärlichen Grund die dunkle Gottheit aus seinem Gedicht lebendig geworden sein könnte. Mit fatalen Folgen für viele Menschen, ihren Schöpfer inbegriffen.

Diese vier Phasen gehen dank der überdurchschnittlichen Charakterisierung der handelnden Protagonisten nahtlos ineinander über. Nadelmann ist kein Sympathieträger. Er ist arrogant, selbstverliebt, seine Familie ist eher eine notwendige Fassade. In seiner Jugend war er zornig gegen das Establishment, die Lehrer, die Eltern. Inzwischen wirtschaftlich gesetzt ist dieser Zorn einer ständigen inneren Wut gegen die Mitmenschen gewichen. Nadelmann fühlt sich in seinem Leben nicht wohl, ist aber auch viel zu bequem, um etwas zu ändern.

Der Titel der Geschichte beinhalt eine doppelte Ironie. Nadelmanns damaliger Gott ist the Hungerer gewesen. Ein groteskes Wesen, direkt aus einer der Alptraumgeschichten H.P. Lovecrafts entstiegen, das die Welt vernichten wird. Auf der anderen Seite ist Nadelmann auch so etwas wie ein „literarischer Gott“ für seinen einzigen Fan, der den Text des Heavy Metall Liedes ernst nimmt. Nadelmann rät ihm sogar, seiner Bewunderung für The Hungerer und damit Nadelmann Ausdruck zu verleihen, in dem er auf dem Dach seines Wohnhauses eine Götzenstatue errichtet, welche angeblich der Wind in einer stürmischen Nacht fortgeweht hat. Vielleicht ist sie auch nur lebendig geworden und hat begonnen, Menschen bestialisch umzubringen. Diese Frage bleibt offen.

Am Ende scheint es eine Art Symbiose zwischen Nadelmann und The Hungerer zu geben. Mehr und mehr beginnt Nadelmann im Mittelpunkt des Interesses der gesichtslosen Kreatur zu stehen. Sie beginnt, sein Umfeld zu säubern, scheint ihn zu umkreisen und durch die Nacht zu verfolgen. Dabei macht T.E.D. Klein nicht deutlich, ob Nadelmann nicht inzwischen den Verstand verloren hat. Das offene Ende mit dem Schutz in einer Kirche suchenden Nadelmann lässt sich sehr unterschiedlich interpretieren.

Wie einige anderen Geschichten T.E.D. Kleins spielt „Nadelmanns Gott“ in New York. Einem New York, das heutige Leser höchstens auch den Fernsehserien der siebziger Jahre noch kennen. Ein New York, das Klein trotz vieler Bürden und der Kriminalität in einigen Vierteln auch liebt. Neben der authentischen Atmosphäre lebt die Geschichte von der angesprochenen dreidimensionalen Zeichnung nicht nur der Hauptperson, sondern der Nebenfiguren. Sie sind nicht sympathisch. Aber der Leser leidet auf eine sehr unterschiedliche Art und Weise mit ihnen. Schuld oder Unschuld ist in diesem Kontext keine Frage.

Das Tempo der Novelle ist perfekt. Andere längere Arbeiten T.E.D. Kleins litten unter einer unausgeglichenen Struktur mit einer langen Exposition und einem selbst für die Offenheit zu hektischem Ende. In „Nadelmanns Gott“ steigert sich das Tempo kontinuierlich. Die einzelnen Handlungselemente passen perfekt zusammen. An einigen Stellen wie bei der hektischen Untersuchung der alten Notizen ahnt oder besser weiß der Leser schon, was Nadelmann finden wird. Die Bestätigung und dessen Fassungslosigkeit sind das Sprungbrett für einen neuen Handlungssprung, eine Verlagerung des Schauplatzes direkt in die Höhle des Löwen oder besser das Heim des angeblichen Psychopathen. Aber auch in diesen Sequenzen spielt T.E.D. Klein erstaunlich routiniert mit den Versatzstücken des Genres und präsentiert eine klassische sowie gleichzeitige moderne Horrorgeschichte, in welcher die H.P. Lovecraft Elemente (alte Götter, Aberglaube) behutsam und respektvoll in die Gegenwart transportiert worden sind.

„Verschwörung der Götter“ präsentiert zwei überdurchschnittliche Novellen („Nadelmanns Gott“ und „Mann mit schwarzem Horn“), sowie zwei atmosphärisch gelungene, aber inhaltlich/ strukturell nicht ganz zufriedenstellende Geschichten. Sie zeigen die Bandbreite in T.E.D. Kleins relativ schmalen Werk und machen noch einmal deutlich, was für ein guter Erzähler der langjährige Herausgeber des „Twillight Zone“ Magazines wirklich gewesen ist und vielleicht noch ist.  Alle vier Geschichten demonstrieren, das Lovecrafts Horror auch in der Gegenwart funktioniert, wenn er respektvoll erweitert und vor allem neu ausgerichtet wird.            



  • Herausgeber ‏ : ‎ München : Goldmann, (1. Januar 1991)
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3442080819
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442080816
  • Taschenbuch, 284 Seiten
  • 9783442080816: Verschwörung der Götter: 3442080819 - ZVAB
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