Kritik zur Pilotfolge der Netflix-Serie Travelers

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Der Cast von Travelers

Mit Zeitreisen ist das immer so eine Sache. Was man da alles beachten muss, um die Zukunft nicht zu beeinflussen! Und dennoch - in der Regel möchten alle Zeitreisenden etwas ändern. So auch bei Travelers - Die Reisenden.

Die neue Serie von Brad Wright (Stargate) verfolgt die Grundidee, dass die Zukunft in mehreren hundert Jahren nicht die Beste ist. Die Menschheit hat sich anscheinend so gut wie ausgelöscht, sodass die wenigen Überlebenden schließlich daran gearbeitet haben, ihr Bewusstsein auf Zeitreise zu schicken. Die Auserwählten, die "Travelers", werden in die Vergangenheit geschickt, um den Verlauf der Zukunft zu verändern.

Ein Bewusstsein allein kann wenig ausrichten und so benötigt es einen Wirt. Aus diversen anderen Serien, wie zum Beispiel Supernatural, wissen wir, dass es in der Regel nicht ganz so einfach ist, den Körper eines Menschen zu übernehmen. Allerdings haben die Menschen in der Zukunft ihre Hausaufgaben leidlich gemacht und die Personen so ausgesucht, dass sie genau in dem Moment den Körper übernehmen, in dem die Person stirbt.

Genau an dieser Stelle setzt die Pilotfolge von Travelers an. Wir schließen Bekanntschaft mit den zukünftigen Hauptcharakteren - und das über die Dauer einer ganzen Folge, ohne dass die Handlung verraten würde, worum es im Kern von Travelers geht. Das könnte problematisch sein, da die Episode vom Prinzip her nicht erzählt, worauf sich die Zuschauer im Verlauf der Serie einlassen werden.

Stattdessen nimmt der Auftakt von Travelers sich die Zeit, um seine Hauptakteure genau vorzustellen. Da wäre Marcy (MacKenzie Porter), die eine Lerneinschränkung hat und von ihrem Sozialarbeiter David (Patrick Gilmore) betreut wird. Dem bleibt die Wandlung seines Schützling nach der Übernahme durch den Zeitreisenden natürlich nicht verborgen - immerhin kann Marcy auf einmal problemlos lesen.

Trevor (Jared Abrahamson) hingegen ist der Inbegriff eines ehrgeizigen Sportlers. Aber anscheinend ist er nicht der höflichste Sohn; er überrascht seine Eltern nach dem einschneidenden Ereignissen mit einem veränderten Charakter.

Die alleinerziehende Mutter Carly (Nesta Cooper) setzt sich danach gegen den Vater ihres Kindes zu Wehr. Mit allen Mitteln.

Philip (Reilly Dolman) hat ein ernsthaftes Drogenproblem, weshalb er den Einstieg nach dem Zeitreise-Erlebnis am schwierigsten hat.

Lediglich von dem künftigen Anführer des Teams erzählt die Episode nicht allzu viel. FBI-Agent MacLaren (Eric McCormack) tritt erst zum Ende hin richtig in Erscheinung und lässt den Zuschauer mit einem kleinen Cliffhanger zurück. An dieser Stelle ist das Ende der Folge jedoch geschickt gewählt, da sie den Impuls gibt, sich mindestens die nächsten Episode anzusehen.

Denn ansonsten plätschert Travelers im Piloten eher belanglos vor sich hin. Es ist keine Serie, die mit dem Auftakt fesseln kann, jedoch auch keine, die nach einigen Minuten zum Abschalten bewegt. Durch das langsame Erzähltempo lernt der Zuschauer die Charaktere bereits ziemlich gut kennen und kann eine Bindung zu ihnen aufbauen.

Einige Aspekte hat man geschickt eingebunden. So wird anhand eines Fehlers erklärt, wie die Zeitreisenden ihre Wirte recherchiert und welche Mittel sie dazu genutzt haben. Ebenso macht bereits der Auftakt deutlich, dass die Traveler nicht willkürlich in Ereignisse eingreifen dürfen, um Menschenleben zu retten. Und bereits hier wird klar, dass die Traveler keine nüchternen Maschinen sind, die nur ihre Mission vor Augen haben.

Irritierend sind lediglich zwei Aspekte. Beide Frauen sind nach der Übernahme ihrer Körper auf einmal sehr trainiert in der Kampfkunst. Carly muss recherchieren, wie man sich um ein Baby kümmert. Da stellt sich unwillkürlich die Frage, ob die Frauen in der Zukunft nicht mehr selbst Kinder gebären - und wie sich die Menschheit dann überhaupt fortpflanzt.

Vielleicht geben die weiteren Folgen ja Aufschluss über diese Fragen. Travelers hat es jedenfalls verdient, der Serie nach dem verhaltenen Auftakt noch eine Chance zu geben.

Travelers ist eine kanadische Serie, die außerhalb von Kanada von Netflix weltweit als "Netflix Original" vertrieben wird. Die erste Staffel, die seit 23. Dezember verfügbar ist, besteht aus insgesamt 12 Episoden.

Travelers | Official Trailer [HD] | Netflix

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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