Kritik zu T2 Trainspotting - Sag Ja zu Fortsetzungen

Zwanzig Jahre sind vergangen, seit sich die "neuen Helden" aus Trainspotting das letzte Mal gesehen haben. Renton hat sich nach den ultimativen Verrat an seinen Freunden nach Amsterdam abgesetzt und Ja zum Leben gesagt. Mit all dem, was er am Ende des ersten Teils versprochen hat. Nach dem Tod seiner Mutter kehrt er nun in seine Heimatstadt Edinburgh zurück. Mit im Gepäck: Nostalgische Erinnerungen an eine bessere Zeit sowie Reue, was aus ihm und seinen Freunden von damals geworden ist.

Eine Fortsetzung zu einem solch ikonischen Film wie Trainspotting zu machen, konnte im Grunde nur mit Danny Boyle im Regiestuhl funktionieren. Die Fortsetzung hält sich zwar nur lose an Irivine Welshs Buchnachfolger Porno, schafft es aber dennoch, die Geschichte um Renton (Ewan McGregor), Sick Boy (Jonny Lee Miller), Spud (Ewen Bremner) und Begbie (Robert Carlyle) im Stile des ersten Romans und Films fortzuführen.

Alles bleibt anders

Die Charaktere sind alle erwachsener geworden und haben sich weiterentwickelt, ausgehend von dem Moment, in dem Renton seine Freunde damals im heroingeschwängerten Beziehungsgeflecht zurückgelassen hatte. Sick Boy hat seine Gaunereien auf Erpressung und Prostitution erweitert, Begbies Hang zur Gewalt hat ihn in den Knast befördert und dann bleibt noch Spud.

Als einzig unschuldige Seele und Opfer des Drogenkonsums ist Spud im Grunde da, wo er 1996 auch war. Verloren und zurückgelassen mit dem einzigen Freund, der ihn nicht verlassen hat: Heroin. Die von Aiden Haggarty dargestellte Rolle hat nahezu biografische Züge von Irvine Welshs Leben, dessen eigene Erfahrungen er damals als Roman zu Papier brachte.

Generell schafft es T2 Trainspotting, die entstandenen Spannungen und das Zusammentreffen der Protagonisten ohne Brechstange oder triefenden Pathos auf die Leinwand zu bringen. Es gibt Rückblenden und Flashbacks in die Zeit des ersten Films, Erinnerungen an eine unbeschwerte Kindheit, als allen noch sämtliche Türen im Leben offen standen. Und Orte und Szenen, die schöne Hommagen an den Vorgänger sind, ohne künstlich erzwungen oder aufgesetzt zu wirken.

Nostalgie und Hommagen an den Vorgänger

Wer den ersten Teil verpasst hat, wird so leider viele Anspielungen nicht genießen können, auch wenn Drehbuchautor John Hodge Welshs Roman als eigenständige Geschichte für die Leinwand adaptiert hat. T2 Trainspotting funktioniert als gesellschaftskritisches Drama, macht aber mehr Spaß, wenn man sich den ersten Teil vorher nochmal ansieht. Dazu gehört auch eine aktualisierte Version des legendären Abschlussmonologs aus dem ersten Teil ("Sag Ja zum Leben"). Die ist in Posterform ja mittlerweile zum Sinnbild des Films geworden.

Die Sozialkritik ist auch bei T2 Trainspotting der stille Tenor und ganz im Sinne Welshs, dem es weniger um die Verherrlichung des Drogenkonsums oder eines selbstzerstörerischen Lebensstils ging. Sondern eher um die Frage: Macht uns das Leben nach Schema F eigentlich wirklich glücklich? Schule, Job, Heirat, Kinder, Rente, schöner Sarg.

Wer sich in diesem Sinne auf die Handlung von T2 Trainspotting einlässt, wird nicht nur mit einer würdigen Fortsetzung um freundschaftlichen Verrat, aber auch Zusammenhalt belohnt. Sondern auch mit einem unbequemen und erdrückenden Blick auf die Angst vor einem verschwendeten Leben. Man bekommt zudem einen Anreiz für einen Rückblick auf das eigene Leben und die Frage, welche persönlichen Aktionen wohl welche Türen geschlossen haben.

Fazit

T2 Trainspotting ist eine gelungene Fortführung des Kultfilms von 1996 und stellt die Charaktere gereifter und vom Leben gezeichnet dar. Die Handlung ist trotz der Thematik dabei nicht düster oder zu "dreckig" und hat durchaus seine heiteren und optimistischen Momente.

Fans von Irvine Welsh, Chuck Palahniuk oder Bret Easton Ellis werden Gefallen an der Geschichte finden, Liebhaber des ersten Teils oder Fans von Antihelden sowieso. Und alle anderen werden mit einem sehenswerten Drama belohnt, das definitiv Lust auf den ersten Teil macht und rund zwei Stunden Unterhaltung für Herz und Seele bietet.

T2 Trainspotting Trailer

T2 Trainspotting deutsches Hauptplakat
Originaltitel:
T2 Trainspotting
Kinostart:
16.02.17
Laufzeit:
117 min
Regie:
Danny Boyle
Drehbuch:
John Hodge
Darsteller:
Ewan McGregor (Mark "Rent Boy" Renton), Ewen Bremner (Daniel "Spud" Murphy), Jonny Lee Miller (Simon "Sick Boy" Williamson), Robert Carlyle (Francis "Franco" Begbie), Kelly Macdonald (Diane Coulston), Anjela Nedyalkova (Veronika)
Mark Renton kehrt zurück an den einzigen Ort, den er jemals sein Zuhause nennen konnte. Und sie warten auf ihn: Spud, Sick Boy, und Begbie.

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