Kritik zu Prey: Ein Shooter mit Identitätsproblemen

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Prey logo

Wer kennt das nicht: Erst findet man als Pionier der Raumfahrt außerirdisches Leben und im nächsten Moment kämpft man in einer verlassenen Raumstation um das Überleben. Das neue Videospiel Prey von den Dishonored-Entwicklern Arkane Studios nimmt sich diesem alten Sci-Fi-Klischee an. Es soll zu den Tugenden von Klassikern wie System Shock und Bioshock zurück, dabei aber auf dem Stand der Technik sein und auch noch gut aussehen.

Aber gab es da nicht schonmal etwas mit dem Namen Prey? 2006 erschien der gleichnamige Vorgänger und erhaschte kaum Aufmerksamkeit. Die Wenigsten können sich deswegen noch erinnern, dass Prey sogar vor Valves Portal die bekannten orange-blauen Portale erfunden hat. Ein Nachfolger war ein Jahrzehnt lang immer wieder in Entwicklung, bis Publisher Bethesda den Namen an ein zusammenhangloses Spiel von Arkane weitergab.

Somit teilt Prey (2017) mit Prey (2006) nur einen gemeinsamen Namen und ähnliches Setting, inhaltlich handelt es sich jedoch um eine ganz neue Marke. Ironischerweise war das alte Spiel zu revolutionär, um sich zu verkaufen und dem neuen Spiel droht das gleiche Schicksal, weil es sich zu sehr auf die alte Schule besinnt. Aber ist das gerechtfertigt, oder übersieht die Gaming-Welt erneut eine Perle?

Prey Phantom

Ein Psycho-Thriller ohne Spannungskurve

Im Jahr 2032 findet sich der Spieler als Wissenschaftler Morgan Yu auf der Raumstation Talos 1 wieder. Ohne Erinnerungen muss der Protagonist feststellen, dass beinahe alle anderen Bewohner von einer mysteriösen Alienrasse getötet wurden. Die sogenannten Typhons sind geisterhafte Formwandler aus einer schwarzen Masse, die systematisch die Station übernommen haben. Schnell stellt sich heraus, dass die Forscher zuvor durch Experimente mit den Aliens neue, bewusstseinsverändernde Technologien hervorgebracht haben. Durch Modifikationen am Gehirn kann jeder beinahe übermenschliche Kräfte erhalten, der es sich leisten kann.

Auf der Erde ist die Geschichte nämlich etwas anders verlaufen. In einer alternativen Realität wurde Kennedy nicht ermordet und hat Amerika zur technologischen Weltmacht gemacht. 2032 wird der Planet allerdings von riesigen Organisationen beherrscht, die Lücke zwischen Arm und Reich ist größer als je zuvor. Morgan findet jedoch schnell heraus, dass die Aliens nicht so einfach aufgehalten werden können, und muss sich entscheiden, ob er das ultimative Opfer bringt, um den Planeten zu retten.

Die Prämisse ist solide geschrieben und macht neugierig auf mehr, leider folgt nach einem spektakulären Intro bis zum Ende nicht mehr viel Erzählung. Der Spieler muss den Kontext in zahlreichen E-Mails an Terminals in der Station selber suchen. Das funktioniert gut, wenn man sich darauf einlässt und selbstständig erkundet, leider eher mäßig, wenn man der Hauptquest wie vorgeschrieben folgt.

Prey Gravity

Ein wenig Shooter, ein wenig Horror und viel Lauferei

Auf den ersten Blick ist Prey ein typischer First-Person-Shooter. Der Spieler muss mit einer Mischung aus fünf Waffen und diversen übernatürlichen Kräften die Aliens besiegen. Dieser Prozess funktioniert, sticht aber nicht aus der Masse ähnlicher Spiele heraus.

Das ist jedoch nur ein kleinerer Teil dessen, was auf der Raumstation erlebt werden kann. Durch die Fähigkeit der kleinsten Gegner, sich in jeden beliebigen Gegenstand zu verwandeln, ist eine Grundspannung immer gegeben, klar darauf abgezielt, im geeigneten Moment zu erschrecken. Das funktioniert leider nur mäßig, was vor allem an der schlecht abgemischten Soundkulisse liegt. Dramatische Töne setzen häufig an falscher Stelle ein, auch wenn Morgan einfach nur spazieren geht und kein Alien in Sichtweite ist.

Prey besteht leider zum größten Teil weder aus Horror noch Action: Die Erkundung der Station steht im Vordergrund. Das gelingt dann ganz gut, wenn der Spieler in E-Mails der Verstorbenen liest und nach und nach ihre Geheimnisse kennen lernt. Schaden tut es aber dem Aufbau der Handlung und somit der Spannungskurve. Einen Großteil der Spielzeit wird Morgan von Computerstimmen durch die Station geschickt und muss in einer großen Schnitzeljagd den Weg zum Generator finden. So geht es durch Tür A, für die eine Schlüsselkarte in Raum B zu finden ist, welcher Passwort C benötigt - ein Prozess, der ewig weitergesponnen wird. Gekrönt wird die Lauferei von einem sehr unbefriedigendem finalen Akt, der so gar nicht funktionieren will.

Fazit

Prey ist, je nachdem, wie es gespielt wird, ein anderes Erlebnis. Es funktioniert als ruhiges Erkundungsspiel einer verlassenen Raumstation und scheitert als Sci-Fi-Shooter. Schade nur, dass das Spiel als Shooter entwickelt und beworben wurde. Es scheint als ob entweder falsch kommuniziert wurde, oder schlicht das Bewusstsein für das eigene Werk fehlt.

Prey ist für Xbox One, Playstation 4 und den PC erhältlich.

Bildnachweis: 
© Bethesda

Prey - Official Launch Trailer

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