Kritik zum Staffelauftakt - Gotham 4.01: Pax Penguina

SPOILER

Es ist gar nicht so lang her, dass das Finale der dritten Staffel von Gotham über die Bildschirme flatterte. Die Staffel endete mit einer grandiosen Doppelfolge und ließ auf eine mindestens genauso spaßige vierte Staffel hoffen.

I made Gotham safe

Auch in Gotham scheint etwas Zeit vergangen zu sein. Der Pinguin (Robin Lord Taylor) ist an die Spitze der Unterwelt gelangt und lässt das Verbrechen nach seiner Nase tanzen. Er stürzt die Stadt dabei allerdings nicht ins Chaos, sondern organisiert das Verbrechen bis ins kleinste Detail.

Die Bösewichte der Stadt bekommen sogenannte Lizenzen, auf denen angegeben ist, welche Missetaten ihnen erlaubt sind. Und wer außerhalb seiner Befugnisse handelt, bekommt es mit dem guten, alten Victor Zsasz (Anthony Carrigan) zu tun. Dies wird uns zu Beginn der Episode auch direkt in aller Ausführlichkeit demonstriert.

Zsasz mal wieder in seinem Element zu erleben, hat Spaß gemacht, aber auch die Momente, in denen er zum Sprechen mal seinen Mund und nicht seine Pistolen verwendet hat, waren sehr schön anzusehen. Taut Victor Zsasz, der eiskalte Killer, etwa langsam auf? Und macht er sich vielleicht eines Tages sogar so etwas wie Freunde in Gotham? Man könnte gar behaupten, er hätte während der Eröffnungsfeier der Iceberg Lounge mit Tabitha geflirtet.

I’m a cop. I see a crime, I stop it

Die Verbrechensrate ist durch die Legalisierung zwar um 57 Prozent auf ein historisches Tief gesunken, ist allerdings auch ein klassisches Schutzgeldszenario. Detective Gordon (Ben McKenzie) kann das so natürlich nicht durchgehen lassen, stößt bei seinen Kollegen allerdings auf Unverständnis.

Einzig Harvey scheint auf seiner Seite zu sein, wobei auch er den sinkenden Aufwand eigentlich genießt. Gordon solle sich daher einfach die Verbrecher konzentrieren, die sich dem System des Pinguins nicht beugen wollen und auf “die guten, alten Tage” schwören.

Wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, wird man schnell merken, dass diese Querschläger offensichtlich dazu dienen, Gordon weiterhin seinen Gerechtigkeitssinn ausleben zu lassen, ohne ihn mit dem System des Pinguins zu konfrontieren. Das alles ist aber ziemlich gut inszeniert und macht auch Spaß anzusehen, also warum beschweren?

Ganz beispielhaft wäre da ein gewisser Merton (Michael Buscemi). Dieser verschafft sich Zugriff auf Dr. Cranes Elixir aus Episode 1.15 “Scarecrow”, um im wahrsten Sinne Furcht und Schrecken zu verbreiten und ein Zeichen gegen das lizenzierte Verbrechen zu setzen. Seiner Ansicht nach gibt es ganz nach dem Motto “Ehre unter Dieben” einen Kodex, an den sich Schurken zu halten haben und keine Listen auf denen steht, wer wen wann und wo überfallen darf.

Jonathan Crane isn't here anymore

Er entführt dazu Cranes Sohn Jonathan, da auch er in der Lage ist, die Mixtur herzustellen. Allerdings misshandelt er den Jungen dabei sehr schwer, sodass er nun völlig den Verstand verliert und sich vollends als die Vogelscheuche identifiziert, vor der er so große Angst hat.

Damit haben wir einen weiteren, alten Bekannten des Batman-Universums im Ensemble der Gotham-Schurken. Die Einführung kam zugegeben etwas überraschend, da der letzte Auftritt der Vogelscheuche nun schon über 50(!) Episoden zurück liegt und damit wohl für die meisten schon in Vergessenheit geraten sein dürfte.

Dennoch oder gerade deswegen ist es eigentlich eine sehr schöne Idee, diesen Charakter erneut auftauchen zu lassen. Sofern die Vogelscheuche denn jetzt nicht nochmal 50 Episoden braucht, um wieder aufzutauchen.

Es ist natürlich reichlich fragwürdig, wieso Merton auf der einen Seite etwas von einem Kodex erzählt, gleichzeitig aber auf der anderen Seite einen anderen Kriminellen entführt und misshandelt. Da wir aber bis auf “Ich will Cobblepot eins auswischen” nicht sonderlich viel über ihn erfahren, dient er wohl hauptsächlich als Vehikel um Scarecrow endgültig zu etablieren und Gordon zu beschäftigen.

There is a time for masks and there is a time for Bruce Wayne

Aber nicht nur die Vogelscheuche dürfte bei den Fans für Freude gesorgt haben: Auch Bruce hat einen großen Schritt in Richtung seines Alter Ego gemacht. Er wacht bereits als maskierter Rächer über den Dächern Gothams und bekämpft Hinterhofganoven.

Außerdem versteht er seine Rolle als Person der Öffentlichkeit und nutzt sie, um Cobblepots Maßnahmen zu hinterfragen. Auch das aus dem Filmen bekannte, plötzliche Auftauchen und Verschwinden für Gespräche mit Gordon hat er schon drauf.

Es ist schön, zu beobachten, wie sich der kindlich-naive Bruce Wayne mit Alfreds Hilfe Schritt für Schritt hin zum verantwortungsvollen Wächter der Stadt entwickelt. Sowohl mit, als auch ohne Maskierung.

In aller Kürze

Die Episode bot einen tollen Wiedereinstieg in die Welt von Gotham. Als Zuschauer habe ich mich gut abgeholt gefühlt und bin froh, dass die vierte Staffel sowohl inhaltlich als auch qualitativ da weiter macht, wo die dritte aufgehört hat. Es hat Spaß gemacht zuzusehen, wie sich die verschiedenen Charaktere und ihre Geschichten weiterentwickeln. Hier und da kreuzen sich die Wege der Protagonisten, aber

Mit der Einführung von Scarecrow hat sich der Kader der Bösewichte abermals um einen großen Namen erweitert, während die bereits etablierten Charaktere weiterhin eine gute Show liefern, die uns mächtig Vorfreude auf die nächste Episode beschert.

Gotham

Originaltitel: Gotham (2014)
Erstaustrahlung am 22.09.2014
Darsteller: Ben McKenzie (James Gordon), Donal Logue (Harvey Bullock), David Mazouz (Bruce Wayne), Robin Lord Taylor ( Oswald Cobblepot), Erin Richards (Barbara Kean), Sean Pertwee (Alfred Pennyworth), Camren Bicondova (Selina "Cat" Kyle), Cory Michael Smith (Edward Nygma), Jada Pinkett Smith (Fish Mooney)
Produzenten: Bruno Heller, Danny Cannon, John Stephens, Ben Edlund
Staffeln: 4+
Anzahl der Episoden: 84+


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