Wishlist 2.0: Kritik zum Auftakt der 2. Staffel

wishlist_1.jpeg

Wishlist

Die erste Staffel von Wishlist endete wortwörtlich mit einem Knall, als Dustin (Marcel Becker-Neu) überraschend einen der ursprünglichen Entwickler der titelgebenden App getötet und damit eine an ihn gestellte Aufgabe erfüllt hat. Zum Auftakt der neuen Folgen ist Dustin vor seinen Freunden auf der Flucht und hat sich in seinem Auto abgesetzt. Bei seiner Rückreise nach Deutschland trifft er auf die geheimnisvolle Norma (Yvonne Yung Hee Bormann), die ihn schnell in ihren Bann zieht.

Mira (Vita Tepel), Casper (Michael Glantschnig), Janina (Jeanne Goursaud) und Kim (Yung Ngo) sind dagegen zunächst einmal in Polen gestrandet und müssen sich zudem noch mit einer Leiche herumschlagen. Im Wagen des Ermordeten machen sie sich schließlich ebenfalls auf die Heimfahrt und sind entschlossener als jemals zuvor, die tatsächlichen Betreiber von Wishlist zu finden.

Funk, das Jugendangebot von ARD und ZDF, ist nun seit etwas mehr als einem Jahr auf Sendung. In dieser Zeit mussten sich die Verantwortlichen durchaus Kritik für das eine oder andere finanzierte Format gefallen lassen. Allerdings kann funk auch einige Erfolge vorweisen, zu denen ohne jeden Zweifel Wishlist gehört. Die Serie, die im Oktober 2016 Premiere feierte, ist mittlerweile sogar so etwas wie das Aushängeschild des Medienangebots. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Fernsehpreis, dem Grimme-Preis und dem Webvideopreis dürfte kein anderes Format seit dem Start von funk mehr Aufmerksamkeit generiert haben.

Der Grund dafür wird auch in den neuen Folgen schnell deutlich. Wishlist ist einfach eine Produktion, die in dieser Form vermutlich auf keinem deutschen TV-Sender möglich wäre. Und auch wenn es sich "nur" um eine Webserie handelt, optisch, darstellerisch und inhaltlich muss sich das Format vor keinem Konkurrenten der großen Sender verstecken. Dass sowohl vor als auch hinter der Kamera junge Menschen die Chance erhalten, spannende und vor allem qualitativ überzeugende Unterhaltung zu produzieren, ist definitiv das größte Argument für die Daseinsberechtigung von funk.

Die 2. Staffel baut weitestgehend auf den Stärken von Staffel 1 auf und schließlich in vielen Bereichen nahtlos an die ersten zehn Episoden an. Pressevertretern stellte funk im Vorfeld die ersten drei Episoden zur Verfügung, und diese bewegen sich rein optisch und darstellerisch auf dem Niveau des Vorjahres. Auch die Spannung stellt sich schnell wieder ein, da die Betreiber der App nun endlich in den Mittelpunkt rücken. Allerdings lassen sich in den ersten Folgen auch auch ein paar Probleme inhaltliche Probleme erkennen.

Wishlist Staffel 2

Am auffälligsten ist, dass jede Folge nun eine Laufzeit von mehr als 30 Minuten hat, während in Staffel 1 zwischen 15 bis 20 Minuten typisch waren. Die zusätzlichen Minuten füllen die Autoren zu Beginn aber nicht unbedingt mit mehr Handlung. Stattdessen bekommt man das Gefühl, dass einige Dinge doch sehr gestreckt wurden, und man einen Handlungsstrang, der in Staffel 1 in eine Episode von 18 Minuten gepasst hat, nun in 30 Minuten erzählt. Am deutlichsten wird dies in der zweiten Folge, als eine Polizeikontrolle mit relativ vorhersehbarem Ausgang sich auf ein Drittel der gesamten Episode erstreckt.

Darüber hinaus sind die Autoren mitunter schon sehr mit dem Holzhammer unterwegs. Zugegeben, das Attribut subtil konnte man Wishlist noch nie zuschreiben, in der 2. Staffel übertreibt man es aber doch hin und wieder. Am deutlichsten wird dies durch die neue Figur Norma. Diese ist teilweise so stark überzeichnet, dass sie beinah wie eine Karikatur und nicht wie ein realer Mensch wirkt. Ähnliches gilt auch für bestimmte Dialoge. Auch hier war Wishlist noch nie ein Kind von Traurigkeit, aber Szenen wie ein Streit von zwei gutaussehenden Frauen, die sich darüber streiten, wer den Nerd zuerst "ficken" darf, sorgen eher für unfreiwillige Lacher.

Fazit

Die 2. Staffel von Wishlist macht an vielen Stellen genau da weiter, wo die 1. Staffel aufgehört hat, und dürfte damit viele der Zuschauer und Fans erneut abholen können. In den ersten drei Episoden stellt sich die Spannung schnell wieder ein, auch wenn man festhalten muss, dass die größere Laufzeit bisher noch nicht richtig genutzt wird.

Die erste Episode der neuen Staffel ist ab dem 14. Dezember auf YouTube, auf funk.net und in der funk-App verfügbar. Zudem zeigt ARD am 17. Dezember um 0.20 Uhr die gesamte 1. Staffel am Stück erstmals im Fernsehen.

Regeln für Kommentare:

1. Seid nett zueinander.
2. Bleibt beim Thema.
3. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.

SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

Beiträge von Spammern und Stänkerern werden gelöscht.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren.
Ein Konto zu erstellen ist einfach und unkompliziert. Hier geht's zur Anmeldung.