Kritik zu Isle of Dogs - Ataris Reise: Knuddelige Animationen mit politischen Anliegen

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Isle of Dogs Atari und seine Hunde

Wes Anderson, der Meister über alles Schrullige der letzten zwanzig Jahre, konzentriert all seine knuffigen Superkräfte, um eine kleine, niedliche Animationstragikomödie zu erschaffen, die thematisch allerdings noch mehr unter der Oberfläche zu bieten hat als ein reines Gagfeuerwerk, sodass sowohl Kinder als auch Erwachsene ihren Spaß finden könnten. Wie es schon bei Der fantastische Mr. Fox der Fall war, wird es erwachsenen Zuschauern vielleicht sogar noch leichter fallen, den charmanten wie altmodischen Stop-Motion-Animationen und dem eigensinnigen, für Wes Anderson jedoch typischen, Humor etwas abzugewinnen.

Mit seinem neuen Film Isle of Dogs - Ataris Reise widmet sich Anderson nun einer Geschichte, die einer dystopischen Science-Fiction-Vision am nähesten kommt: Zwanzig Jahre in der Zukunft befällt die japanische Hundepopulation eine mysteriöse Krankheit. Der Bürgermeister der fiktionalen Großstadt Megasaki verbannt deswegen alle Hunde auf eine Insel nicht weit von der Küste Japans entfernt, die gleichzeitig auch als Mülldeponie dient.   

Ausgerechnet der 12-jährige Atari (Koyu Rankin), der Neffe des Bürgermeisters, macht sich mit einem kleinen Flugzeug auf den Weg zur Müllinsel, um seinen Hund und besten Freund Spots (Liev Schreiber) zu retten. Behilflich sind ihm dabei der widerspenstige und bissige Streuner Chief (Bryan Cranston) und seine etwas freundlicheren, weil domestizierten Hundekumpanen Rex (Edward Norton), King (Bob Balaban), Boss (Bill Murray) und Duke (Jeff Goldblum). Schnell kommen sie nicht nur dem verschollenen Spots auf die Spur, sondern mithilfe der Austauschschülerin Tracy Walker (Greta Gerwig) auch einer wesentlich größeren Verschwörung, die ein noch verhängnisvolleres Schicksal für die treuen Vierbeiner bedeuten könnte.

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Tracy Walker kämpft gegen korrupten Bürgermeister

Der ein oder andere mag sich vielleicht an den jüngsten Animationshit namens Pets erinnert fühlen, der ebenfalls mit jeder Menge Schabernack von sprechenden Tieren aufwartete. Isle of Dogs - Ataris Reise bietet allerdings neben dem exzentrischen Animationsstil eine wesentlich originellere Geschichte. Der Humor kommt dabei sicherlich nicht zu kurz, denn der Film ist geprägt von vielen visuellen Gags und skurriler Dialogregie. Eine gewohnt prominente Besetzung bestehend aus Bryan Cranston, Liev Schreiber, Scarlett Johansson, Edward Norton, Jeff Goldblum Tilda Swinton und Bill Murray, überliefert zumindest in der Originalversion den Humor trocken und selbstironisch und hat hörbar jede Menge Spaß dabei.

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Der Erzähler (Courtney B. Vance) und das Orakel (Tilda Swinton)

Auch wenn die Stop-Motion-Mimik und -Gestik erstaunlich viel Emotionen transportieren, sind es doch die Stimmen, die den Humor und die Gefühlswelt des Films abrunden. Bei der Freundschaft zwischen Mensch und Tier handelt es sich zwar um typische Animationsfilmtropen, die sich aber dennoch von ähnlichen Figurenkonstellationen in Disney-, Pixar- oder Dreamworks-Filmen absetzen. Anderson fügt sogar noch eine politische Dimension hinzu: Einfach und verführerisch wäre es, die Geschichte um Korruption, Propaganda, Verschwörungen und die manipulative Kraft der Sprache in einem zeitgemäßen Trump-Kontext einzuordnen, Isle of Dogs - Ataris Reise ist jedoch von einem generellen Misstrauen gegenüber Macht und Mächtigen geprägt – wenn man bedenkt, wie lange und mühselig die Produktion von Stop-Motion-Animation ist, kann man davon ausgehen, dass Anderson zusammen mit seinen Co-Autoren Roman Coppla, Kunichi Nomura und Jason Schwartzman bereits vor den aktuellen weltpolitischen Strömungen die Idee verfolgte.  

Der Film funktioniert allerdings auch auf rein visueller Ebene wunderbar und steckt so voller liebenswerter Details, dass sich ein mehrmaliges Schauen durchaus lohnen kann. Von den verdreckten, fleckigen Fellen der verschiedenen Hunde bis hin zu der retro-futuristischen Fantasiewelt, die Anderson erschafft, scheint jedes kleinste Detail minutiös und perfektionistisch geplant, um den Zuschauer maximale Freude zu bereiten.

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Megasaki

Fazit

Was sich wie eine simple Geschichte über Freundschaft zwischen Mensch und Tier anhört, verfolgt mehrere interessante und sogar emotional mitreißende Richtungen, die den Zuschauer zwar fordern, aber nicht überfordern. Ein eigenwilliges filmisches Diorama, das mit der Detailverliebtheit und Präzision eines Schweizer Uhrwerks fasziniert und mit trockenem Dialogwitz sowie spaßigen visuellen Humor zum Lachen bringt.

Isle of Dogs: Ataris Reise | Offizieller Trailer 1 | German Deutsch HD (2018)

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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