Kritik zu Avengers: Endgame - Das große Finale der Marvel-Helden

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Avengers 4 Endgame

Es sind wenige Filme und Serien, die so etwas wie eine echte Spoiler-Panik auslösen. Game of Thrones und Star Wars: Episode VIII gehören definitiv auf die Liste, und in diesem Jahr hat sich auch Avengers: Endgame dazu gesellt. Das macht eine Kritik natürlich etwas schwierig, weil man nicht über etwas schreiben kann, ohne irgendetwas zu erwähnen. Aus diesem Grund stellen wir ein total spoilerfreies Fazit an den Anfang dieser Kritik. Dies bedeutet aber nicht, dass wir im späteren Verlauf krass spoilern. Die Kritik ist nach unseren Maßstäben immer noch frei von relevanten Spoilern, die sich auf den Unterhaltungswert des Films auswirken. Wer aber absolut gar nichts wissen möchte, der sollte nach dem Fazit aufhören.

Fazit

Avengers: Endgame bringt über zehn Jahre des Marvel Cinematic Universe zu einem beeindruckenden Höhepunkt. Nach einem leicht zähen Anfang nimmt der Film an Fahrt auf und erzählt eine Geschichte, die beinah schon eine Liebeserklärung an das Geschaffene von Marvel und seine Fans gesehen werden kann. Marvel-Fans dürften voll auf ihre Kosten kommen und erhalten drei Stunden voller Action, Emotionen und Gänsehautmomente. Wenn auch nicht fehlerfrei erzählt, bietet Endgame eine tolle Geschichte, die Phase 3 zu einem gelungenen Ende bringt.

Ab hier beginnt die Kritik!

Neue Hoffnung

Die Avengers wurden besiegt, und Thanos konnte mit dem Schnippen eines Fingers die Hälfte allen Lebens im Universum auslöschen. Die versprochene Balance hat sich allerdings nicht eingestellt. Fünf Jahre nach den Geschehnissen in Infinity War ist nicht nur die Menschheit in einer tiefen Depression versunken, sondern auch die Bewohner vieler anderer Planeten. Viele Menschen versuchen immer noch, den Verlust zu verarbeiten, kommen dabei aber kaum voran. Auch das Team der Avengers hat sich deutlich verändert, wenn auch keiner wirklich einen Plan hat, um die Taten von Thanos ungeschehen zu machen. Dies ändert sich, als eines Tages Scott Lang aka Ant-Man auf der Türschwelle des Avengers-HQ auftaucht. Scott bringt tatsächlich so etwas wie Hoffnung, und so setzen die Avengers alles auf eine letzte Karte.

Avengers Endgame

Mit über 180 Minuten Laufzeit liefert Marvel mit Avengers: Endgame ein echtes Brett. Trotzdem fühlt sich der Film nie zu lang an. Lediglich nach dem Prolog gibt es eine kleine Phase, in die Handlung sich etwas zäh anfühlt. Ansonsten lässt sich festhalten, dass da auch durchaus die eine oder andere Minute mehr drin gewesen wäre. Dies zeigt sich besonders bei den Charakteren. Im Mittelpunkt steht vor allem das Umsetzen des Plans, was dazu führt, dass viele Konflikte, für die durchaus Wurzeln gelegt wurden, entweder durch das klassische „Zeit heilt alle Wunden" oder einfach mal fix mit einer Umarmung gelöst werden. Besonders auffällig ist dies bei Hawkeye, der zunächst einen sehr dunklen Pfad einschlägt, was im späteren Verlauf dann aber kaum noch relevant ist.

Eine Ausnahme bildet Thor, der als einzige Figur einen nennenswerten Charakterarc hat, der zudem auch gut funktioniert. Hier ist es ein großer Vorteil, dass Marvel es mit seiner Geheimniskrämerei beinah schon fast übertrieben hat. Der eine oder andere Avenger befindet sich doch an einem Punkt, an dem man ihn aufgrund der gezeigten Trailer nicht unbedingt erwarten würde. Nicht jede Entscheidung ist da immer wirklich gut ausgefallen, trotzdem punktet Marvel hier mit ein paar Überraschungen.

Natürlich kommen auch Captain America und Iron Man nicht zu kurz. Sowohl Chris Evans als auch Robert Downey Jr. dürfen noch einmal zeigen, warum sie in den vergangenen Jahren die beiden Eckpfeiler des MCU waren. Es wird sich zeigen, ob Figuren wie Captain Marvel oder Black Panther in ihre Fußstapfen treten können. Besonders Carol Danvers ist tatsächlich eine kleine Enttäuschung in Endgame. So überspringt die Handlung leider komplett das erste Aufeinandertreffen von Captain Marvel und den Avengers. Die Abspannszene aus dem ersten Solofilm der Heldin ist alles, was es zu diesem Thema zu sehen gibt.

Avengers Endgame

Der Plan

Der Großteil des Films dreht sich um den Plan der Avengers, Thanos doch noch ein Schnippchen zu schlagen. Hier ist die Spoiler-Thematik am schwierigsten. Grundsätzlich haben sich die Kreativen rund um die Autoren Christopher Markus und Stephen McFeely und die Regisseure Anthony und Joe Russo einen wirklich charmanten Weg einfallen lassen, der jede Menge Herz hat und vielen Fans von Marvel einiges an Spaß bereiten dürfte. Dabei ist die Idee aber auch nicht das Non-Plus an Kreativität, und so mancher Fan hat den generellen Plan schon kommen sehen. Am Ende kommt es aber auf die Umsetzung an, und die ist nicht nur wirklich gut gelungen, sie bringt auch erneut einige schöne Überraschungen.

Im Gegenzug ist das Finale des Films etwas straffer als beispielsweise bei Infinity War (zumindest gefühlt, in der Pressevorführung waren wie üblich keine Handys erlaubt). Hier kommt man relativ schnell zum Punkt, vergisst aber auch nicht einer Reiher wirklich schöner Momente einzubauen. Auch die Epik wird nicht vergessen, und wenn es tatsächlich zum Finale kommt, dürfte so mancher Marvel-Fan Gänsehaut bekommen.

Die Akte Thanos

Einer der großen Pluspunkte von Infinity War war sicherlich Thanos. Selbst unter CGI begraben sorgte Josh Brolin dafür, dass das dritte Avengers-Abenteuer einen der besten Gegenspieler im MCU hatte. Endgame kann an diesen Punkt leider nicht anknüpfen. Hier erweist sich Thanos dann leider doch nur als, zugegeben sehr hohe Hürde, die es irgendwie zu überspringen gilt. Auch von seinen Nuancen ist nicht mehr viel übrig, was wirklich schade ist. Thanos entwickelt sich dann doch nur zum Stereotypen, wie man ihn schon so oft in den MCU-Filmen gesehen hat. Klar, die Art und Weise, wie die Geschichte aufgebaut ist, macht ein anderes Vorgehen auch eher schwierig. Das ändert aber an der Tatsache wenig, dass Thanos in Endgame nur noch ein Mittel zum Zweck und kein Highlight des Films ist.

Avengers Endgame

Trotz weniger Thanos bleibt Endgame aber trotzdem vollgepackt. Wer schon in Infinity War mit den Figuren und den Hintergründen rund um das MCU seine Probleme hatte, der dürfte auch mit Endgame nur wenig Spaß haben. Genau das Gegenteil gilt allerdings für alle Fans, die genau das wollen. Endgame fühlt sich in Stellen ähnlich überladen an wie Infinity War, und wie beim Vorgänger funktioniert es trotzdem irgendwie, wenn man mit dem MCU vertraut ist. Wer allerdings schon bei Avengers 3 seine Probleme hatte, der dürfte auch bei Endgame nicht froh werden. Der vierte Avengers ist ein sehr komplexes Biest, das man sicherlich mehrfach sehen sollte.

Was bringt die Zukunft?

Eine interessante Frage, die sich nach dem Ende des Films zudem stellt ist, wohin die Reise nun für das MCU geht. Denn hier liefert Endgame kaum Antworten. Der Film versteht sich tatsächlich als Endpunkt für die bisherigen drei Phasen des MCU, ohne wirklich einen Ausblick zu bieten. Lediglich bei den Guardians bekommt der Zuschauer einen kleinen Ausblick darauf, wohin die Reise im dritten Solofilm gehen könnte, ansonsten bleibt alles sehr vage.

Die Verantwortlichen von Marvel betreiben also selbst in Endgame immer noch ein großes Maß an Geheimniskrämerei. Dies geht sogar soweit, dass man tatsächlich auf die Abspannszene verzichtet (zumindest gab es in der Pressevorführung keine zu sehen). So dürfte es vermutlich bis nach dem Kinostart von Spider-Man: Far from Home dauern, der als Epilog von Phase 3 fungieren soll, bevor die Fans etwas Konkretes über die Zukunft des MCU erfahren.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Marvel Studios
Avengers Endgame
Originaltitel:
Avengers: Endgame
Kinostart:
24.04.19
Regie:
Anthony Russo, Joe Russo
Drehbuch:
Christopher Markus, Stephen McFeely
Darsteller:
Robert Downey Jr., Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Chris Evans, Josh Brolin, Scarlett Johansson, Don Cheadle
Das große Finale des Marvel Cinematic Universe.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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