Gruselserie 4: Kritik zum Hörspiel Projekt X – Invasion der Aliens

Wenn man vielen Science-Fiction-Romanen und -Filmen glauben darf, sind wir in Europa relativ sicher vor einer Alieninvasion. Außerirdische scheinen als Landungsziel die USA zu bevorzugen, obwohl dort das Militär, das FBI und die Bevölkerung gut auf die Angriffe aus dem All vorbereitet zu sein scheinen. Man fragt sich schon, warum die Besucher von fernen Welten nicht einfach irgendwo anders zuschlagen – zum Beispiel in der deutschen Provinz. Vielleicht waren sie aber schon längst hier und die Regierung hat den Vorfall nur gut vertuscht – wie in der vierten Folge der neuen Gruselserie "Projekt X – Invasion der Aliens".

In einem kleinen Ort im Schwarzwald belauschen die beiden Freunde Michi und Robby nachts heimlich über Funk die Gespräche des Militärs. Als die Soldaten über merkwürdige Vorkommnisse am nahen Kratersee berichten, schwingen sich die beiden Jungen auf ihre Fahrräder, um sich die Sache vor Ort anzuschauen.

"Weshalb sollten Tintenfische denn im Dunkeln leuchten?"

Tatsächlich scheint in dem See Merkwürdiges vorzugehen. Im Wasser sehen die beiden Jungen unheimlich leuchtende Wesen, die sich dem Ufer nähern. Bei ihrem Versuch, den Soldaten auszuweichen, laufen die Freunde einem der Aliens direkt in die Arme – und nur das Betäubungsgas, welches das Militär über das gesamte Gelände sprüht, kann sie retten.

Als die beiden aus der Narkose erwachen, finden sie sich in einem unterirdischen Bunker wieder. Dort forschen Soldaten und einige wenige zivile Wissenschaftler an außerirdischem Genmaterial. Doch tief in der Militäranlage ist noch ein anderes fremdartiges Wesen erwacht.

"Was redet ihr denn da für einen Blödsinn?"

Die Hauptrollen des Hörspiels sind alle mit professionellen Sprechern besetzt, die ihre Aufgabe wie zu erwarten ist sehr gut machen. Als Wissenschaftler und Militärpersonal des geheimen Bunkers sind K. Dieter Klebsch (Synchronstimme von Ian McShane und Alec Baldwin), Anne Moll (Synchronstimme von Carmen Electra), Lutz Mackensy (Erzähler der Hörspielserie Fünf Freunde) und Wolfgang Kaven (Erzähler der Hörspielserie Ein Fall für TKKG) zu hören. Einzig Klebsch spielt seinen Militärkommandanten am Ende ein wenig zu überzogen und Klischee beladen, was zum Teil aber auch am Dialogbuch liegen kann.

Getragen wird das Hörspiel in vielen Szenen aber von den beiden Nachwuchssprechern Lino Kelian und Lovis Harloff als Michi beziehungsweise Robby. Am Anfang klingen ihre Stimmen noch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Ihre Sprechleistung wird aber schnell besser, und sie stellen die neugierigen Jungen in Not perfekt dar. Ab der zweiten Hälfte steht den beiden jungen Sprechern Astrid Kollex als Krankenschwester Cordula zur Seite. Sie war in der Zeichentrickserie Die Schlümpfe die Synchronstimme von Schlumpfine, was man nur bei sehr konzentriertem Zuhören mitbekommt.

Wie schon bei den drei vorangegangenen Folgen stammt die Geschichte wieder aus der Feder von André Minninger (Ein Fall für TKKG, Die drei ???) während Heikedine Körting (Die drei ???, Fünf Freunde) erneut die Produktion und Regie übernahm. Sie war bereits für die ursprüngliche Gruselserie von H. G. Francis verantwortlich, welche zwischen 1981 und 1982 beim Hörspiellabel Europa erschien.

"Ihr solltet besser nicht mehr so viele Science-Fiction-Filme schauen, Jungs."

Empfohlen wird "Projekt X – Invasion der Aliens" von Europa ab 14 Jahren, sodass man keine blutigen oder brutalen Horror erwarten sollte. Minninger und Körting gelingt es trotzdem, eine stimmungsvolle und interessante Folge aufzubauen. Am Anfang überwiegen die geheimnisvollen Vorgänge rund um den Vulkansee, und es entsteht eine unheimliche Akte-X-Atmosphäre. Generell meint man, viele Elemente des Hörspiels irgendwo anders schon einmal gelesen, gesehen oder gehört zu haben. Minningers Verdienst ist es, all die bekannten Puzzlestücke unterhaltsam zu etwas Neuem und Eigenständigen zusammenzusetzen.

Allerdings flaut die Spannung in der Mitte ein wenig ab. Aus der Grundsituation (ein unheimliches Alien in einem Militärbunker) hätte man deutlich mehr rausholen können, gerade auch akustisch. Das Finale hält keine aufregende oder noch nie da gewesen Wendung bereit. Dafür rundet es die Geschichte durchaus gelungen ab. Wie schon bei der Folge "Yeti – Kreatur aus dem Himalaya" gibt es zum Schluss eine moralische Botschaft. Insgesamt fallen die Erklärungen des Geschehens am Ende ein wenig zu lang aus.

Lobend zu erwähnen ist die musikalische Untermalung des Hörspiels. Sie fügte sich thematisch gut in die einzelnen Szenen ein und ist nie reiner Selbstzweck. Mit rund 54 Minuten ist das Hörspiel nicht zu lang geraten. Trotzdem hätte man das Ende ein wenig straffen können und dafür im Mittelteil ein paar spannende Szenen einfügen können.

"Wie frustrierend, sie haben aber hoffentlich trotzdem weiter gemacht."

Nachdem die zweite Hörspielfolge der neuen Gruselserie eine gelungene Abenteuergeschichte ohne echten Grusel war, bot die dritte Folge "Moskito – Anflug der Killer-Insekten" eine teilweise wirklich schlechte Leistung einzelner Sprecher. Mit der vierten Folge scheint es nun wieder aufwärts zu gehen. Der fünfte Teil der neuen Gruselserie wird voraussichtlich wieder recht trashig: Er erscheint im Oktober und trägt den aussagekräftigen Titel "Dracula – Tod im All".

Fazit

"Projekt X – Invasion der Aliens" unterhält den Hörer gut, auch wenn die Spannung nicht durchgängig gehalten wird. Die Geschichte ist an sich nicht neu. Die bekannten Handlungen mixen Autor und Regisseurin aber zu etwas Neuem und Eigenständigen zusammen. Ein Pluspunkt des Hörspiels sind die zwei guten Nachwuchstalente, die sich in die Leistung der professionellen Hörspielsprecher perfekt einfügen.

Gruselserie - Folge 4: Projekt X - Invasion der Aliens

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