Kritik

Die Variante - Kritik zu Folge 1.02 von Loki

SPOILER

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Loki sichtet Akten in der TVA

Wir erinnern uns bei Loki an den kleinen Cliffhanger der vergangenen Woche. Agent Mobius (Owen Wilson) hatte für Loki (Tom Hiddleston) die Aufgabe, sich selbst zu jagen. Denn eine Variante Lokis taucht zu verschiedenen Zeitpunkten auf und tötet die Minutemen, also Mitglieder der TVA.

Damit war das große Rätselraten eröffnet, ob es wirklich Loki ist, der sich hinter der Variante verbirgt, die in der Auftaktepisode noch unter einem Kapuzenumhang verborgen war. Mit der neuen Episode “Die Variante” hat das Autorenteam von Loki entschieden, bereits jetzt zu enthüllen, wer sich unter der Kapuze versteckt. Aber erst einmal der Reihe nach.

“Where have all the good men gone and where are all the Gods?”

Schon in der ersten Szene, die für wenige Sekunden glaubhaft macht, dass das Publikum in der Renaissance gelandet ist, dann aber durch Einblendung des Ortes umgehend klarstellt, dass es sich um eine Veranstaltung handelt, ist klar, dass die Variante wieder aktiv ist. Der Kampf gegen die Minutemen ist passend unterlegt mit Bonnie Tylers “Holding out for a hero”, allerdings ist offensichtlich, dass die TVA der Variante unterlegen ist. Warum die Variante aber dieses Mal immerhin eine Gefangene macht … darüber darf das Publikum rätseln.

Dafür gibt es einen Einblick, wie ein Gott des Schabernacks die Einarbeitung in der TVA absolviert. Das Onboarding besteht aus Videos und Miss Minutes, dem Maskottchen der TVA, das regelmäßige Lernkontrollen macht. Wie erwartet ist Loki davon genervt, vielleicht sogar unterfordert. Nach dem kurzen Ausflug gen 1985 ist auch Agent Mobius klar: Er muss Loki für längere Zeit beschäftigen - und gibt ihm eine allerletzte Chance. Also darf Loki sich durch Aktenberge wühlen.

Loki als Detective Somerset

Die Szene in der Bibliothek ist unterhaltsam aufgebaut. Ein entnervter Loki, der sich nicht darum schert, dass man leise sein sollte - und wie nebenbei ist eine kleine Hommage an “Sieben” von David Fincher eingebaut. Ein Teil der Szene ist mit Johann Sebastian Bachs “Air Suite Nr. 3” hinterlegt, die Kamerafahrt ist ähnlich wie in Finchers Film aufgebaut. Und ein Gutes hat die Szene auch noch: Loki hat die Erleuchtung, wo die Variante sich versteckt.

In der nachfolgenden Sequenz zeigen Hiddleston und Owen, dass die Chemie zwischen ihnen stimmt. Begeistert darf Hiddleston zu den skurrilsten Requisiten greifen, um seine Theorie über die Apokalypsen und die Nexus-Ereignisse darzustellen. Selten hat jemand so innig Salz- und Pfefferstreuer geschüttelt wie Hiddleston; und seltener war jemand trauriger über einen letztendlich ruinierten Salat als Wilson.

“Seid frei, meine gehörnten Kumpanen, seid frei!”

Lokis Theorie darf dann auch getestet werden. Welche Apokalypse in der Zeitgeschichte könnte geeigneter sein als der Untergang Pompejis? Und hier passt es dann einfach. Das Timing zwischen Wilson und Hiddleston ist perfekt, der Unterschied zwischen ihren Figuren könnte nicht größer sein. Hiddleston präsentiert den selbstsicheren, zum Größenwahn neigenden Gott und rattert wie nebenbei eine Ansprache auf Lateinisch herunter. Kudos!

Anhand des Beweisstücks aus der ersten Folge ist dann auch klar, in welcher Apokalypse sich die Variante versteckt. Hier ändert sich der Tonfall der Folge, es wird ernst. In der Roxxcart Mall, deren Name nahelegt, dass sie zur Roxxon Corporation gehört, kommt es zum ersten kleinen Showdown in der Serie. Holt eure Staubsaugerroboter raus, schwingt eure Bodenstaubsauger und auf geht’s in den Kampf gegen die Variante. Und wie schon erwähnt, hat sich das Autorenteam entschlossen, bereits jetzt das Gesicht unter der Kapuze zu zeigen: Es ist eine weibliche Variante von Loki.

Loki, der Gestaltenwandler

Wie jetzt? Weibliche Variante von Loki? Im Rückblick betrachtet kommt dieser Twist gar nicht so überraschend. In einem der zahlreichen Clips, die im Vorfeld veröffentlicht wurden, ist Loki als genderfluid definiert. Als Gestaltenwandler ist die Figur auch in den Comics eine Zeit lang in der weiblichen Variante unterwegs - und das ist gar nicht mal so weit hergeholt. Denn auch der Loki der nordischen Mythologie war ein Gestaltenwandler, unter anderem hat er in Gestalt einer Stute das achtbeinige Pferd Sleipnir geboren.

Spannend wird es, warum die Serie auf diesen Kniff zurückgegriffen hat und welche Motive Lady Loki hat. Immerhin hat sie keine Mühen gescheut, den Heiligen Zeitstrahl zu zerbomben - und passend dazu hat der männliche Loki in der Episode über den freien Willen sinnieren dürfen. Es bleibt abzuwarten, wohin es die beiden Formen von Loki verschlagen hat.


Fazit

Für Marvel ungewöhnlich hat die Serie bereits früh enthüllt, wer die Variante ist und damit Tür und Tor für Spekulationen zu den Motiven von Lady Loki geöffnet. Möchte Loki die Herrschaft über die Time-Keeper an sich reißen? Was ist mit Lady Loki passiert, dass sie gegen die TVA zieht? Und was hat es eigentlich mit Mobius’ Leidenschaft für Jet-Skis auf sich? Fragen, die in den kommenden Episoden hoffentlich beantwortet werden - Spaß macht Loki auch weiterhin!

Glorreiches Ansinnen - Kritik zur Auftaktfolge 1.01 der Marvel-Serie Loki

SPOILER

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Loki in der Auftaktfolge zur Marvel-Serie

Die Avengers haben in Avengers: Endgame mit der Hilfe von Zeitreisen die Ereignisse, die Thanos’ Schnipps ausgelöst hat, wieder ausgebügelt. Dazu ging es unter anderem in das Jahr 2012 zurück - und da ist es Loki (Tom Hiddleston) gelungen, den Tesserakt an sich zu nehmen und mit ihm zu entkommen. Genau an diese Handlung knüpft nun die Marvel-Serie zu Loki an.

Wer sich an die Ereignisse von Avengers: Endgame nicht mehr so genau erinnern kann - immerhin lief der Film vor zwei Jahren im Kino, und Marvel-Fans mussten coronabedingt eine Kinopause einlegen -, wird gleich mit der Auftaktepisode “Glorreiches Ansinnen” abgeholt. Es gibt einen kurzen Rückblick auf die Handlung, anschließend erfährt das Publikum dann auch, wohin es Loki verschlagen hat: Er ist in der Wüste Gobi gelandet.

Allerdings währt dieser Aufenthalt nur kurz, die Zeitwächter der Time Variance Authority haben den Gott des Schabernacks ausfindig gemacht und nehmen ihn kurzerhand fest. Tatvorwurf: Verstoß gegen den Lauf der Zeit. Potentielle Strafe: Die Eliminierung der Variante, zu der Loki durch sein Eingreifen in die Zeit geworden ist - somit der Tod.

Im Vorfeld gab es massig Clips, die bereits einen Vorgeschmack auf das geboten haben, was das Publikum von der TVA, also der Time Variance Authority, erwarten kann. Und es ist herrlich mit anzusehen, mit welch bürokratischen Aspekten Loki, der zu dem Zeitpunkt noch völlig ahnungslos darüber ist, wo er gelandet ist, es zu tun bekommt. Aussagen unterschreiben? Und zwar jede? Ganz aktuell? Check! Durch einen Sicherheitscheck? Check! Nummer ziehen? Doppelcheck!

Wenn der Amtsschimmel wiehert

Bereits in den ersten Minuten scheint der Tonfall der Serie deutlich. Gut getimter Humor und auch die Farbgebung der TVA vermitteln einen perfekten Eindruck über die absurde Situation, in der Loki sich befindet. Zudem war es ein geschickter Ansatz, das Publikum auch den Wissensstand des Titelhelden einnehmen zu lassen. So erfährt man erst nach und nach, was genau die TVA ist und wie sie arbeitet.

Und gerade, in dem Moment, wo klar ist, was Loki vorgeworfen wird und man laut “Plothole!” rufen möchte, nimmt das Drehbuch diesem Argument jeden Wind aus den Segeln. Denn es stellt sich heraus, dass Manipulation der Zeit an sich kein Verbrechen ist, wie man erst glauben würde - denn dann müssten schließlich auch die Avengers vor Gericht landen. Vielmehr greift die Serie etwas auf, das auch jeder Doctor-Who-Fan gelernt hat: Fixed Point in Time. Wenn ein Ereignis sich bei der TVA auf der Sacred Timeline, also der Heiligen Zeitlinie, befindet, greift die TVA nicht ein. Somit ist auch das Handeln der Avengers ein Muss für den weiteren Ablauf der Zeitlinie und wird nicht bestraft. Ein kleiner Einschub, der aber einen gehörigen Schuss Logik in das Marvel-Universum bringt.

Göttliche Therapiestunde

Aber auch Loki darf in all dem Schlamassel Glück haben. Agent Mobius (Owen Wilson) erkennt, dass der Gott des Schabernacks von Nutzen sein kann, indem er ihm dabei hilft, eine Variante zu jagen, die durch die Zeiten hopst und tötet.

Wie er Loki dann näherbringt, wer die TVA ist, ist clever, aber auch berührend gemacht. Fast muten die Szenen, in denen Mobius Loki auf verschiedene Weise zeigt, was war und was sein wird, wie eine Therapiestunde an. Hiddleston und Owen zeigen hier in einem gekonnten Zusammenspiel mit kleinen Gesten, die deutlich machen, welche Positionen ihren Figuren einnehmen. Owen, der leise Impulse gibt, im Gegensatz dazu agiert Hiddleston, wie man Loki kennt: Arrogant. Überheblich. Unnahbar. Gewillt, der Bösewicht zu sein. Zu sehen, wie Agent Mobius diese Fassade Stück für Stück zum Einreißen bringt, ist faszinierend.

Den emotionalen Höhepunkt erlangt die Folge in dem Moment, indem Loki nach seinem Fluchtversuch die Datei zu seinem Leben bis zu seinem buchstäblichen Ende ansieht. Spätestens dann ist auch dem Letzten klar: Loki ist nicht der, der er vorgibt zu sein. Was sich in den Filmen angedeutet hat, wird hier auf dem Silbertablett präsentiert und gibt der Figur durch Hiddlestons Darstellung eine ergreifende Tiefe. Kurz Durchatmen - und den Moment genießen, in dem Loki sich Agent Mobius gegenüber öffnen darf.

Wie dann aber zu erwarten war, präsentiert der Auftakt den ersten kleinen Twist. Loki soll sich selbst jagen? “I beg your pardon?” Ob er sich wirklich selbst jagen wird, bleibt abzuwarten - denn wie es bei Marvel üblich ist, zeigt sich in der Schlussszene die gejagte Variante komplett verhüllt. Damit ist das Rätselraten, wer sich hinter der Kapuze verbirgt, offiziell eröffnet.

Fazit

Loki präsentiert eine rundum gelungene Auftaktfolge, die eine passende Balance zwischen Humor und leisen Momenten findet und ihrer Hauptfigur nochmals Tiefe verleiht. Es wird definitiv spannend werden, mit wem Loki und die TVA es zu tun haben - Lust auf die kommenden Folgen hat die Premiere definitiv gemacht!

Spoiler-Kritik zu Staffel 5 B von Lucifer: Gott ist ein Popstar

SPOILER

Am Ende von Staffel 5A von Lucifer stand die Zeit still. Im Los Angeles Police Department kam es zu einem dramatischen Showdown zwischen Lucifer (Tom Ellis), Amenadiel (DB Woodside) und Michael (Tom Ellis) - bis sich im Cliffhanger ankündigte, dass Gott (Dennis Haysbert) von den Faxen seiner Söhne genug hatte und sich persönlich die Ehre auf der Erde gibt.

Am 29. Mai ist Staffel 5B nun bei Amazon Prime Video gestartet, und die Ereignisse von "Abendmahl" knüpfen direkt an den Cliffhanger von "Spoileralarm" an. Schon in den ersten Szenen wird deutlich, wie das Familiengefüge aussieht. Michael ist der Duckmäuser, der aber auch umgehend versucht, jegliche Schuld an der Situation von sich zu weisen. Amenadiel reagiert besonnen, es klar zu sehen, welchen Respekt er vor Gott hat. Lucifer hingegen reagiert so, wie es zu erwarten war, umgehend wird deutlich, welches - gelinde gesagt - Verhältnis von Vater und Sohn haben.

Der nicht immer gütige Gott

Im ersten Drittel liegt der Fokus von Lucifer dann auch darin, diese sehr gestörte Vater-Sohn-Beziehung zu beleuchten. Der Höhepunkt der Auftaktepisode ist sicherlich das gemeinsame Abendessen. Wer schon einmal auf Familienfeierlichkeiten war, bei denen Familienmitglieder aufeinandertreffen, die sich nicht ausstehen können, kann sich mühelos in die Szene hineinversetzen. Die Stimmung ist angespannt, auch wenn gerade Lucifer sich ausgesucht höflich gibt, bevor die wahren Emotionen schließlich hochkochen. Es ist amüsant zu sehen, wie Amenadiels Weinkonsum im Verlauf der Szene sprunghaft ansteigt - und sie offenbart wieder einmal, dass Amenadiel derjenige der Brüder ist, der schlichtend eingreift und Konflikte ungern aufkommen lassen möchte. Bei Michael und Lucifer hingegen entlädt sich jahrtausendelang aufgestauter Frust, der beiden Figuren nochmals mehr Tiefe und Verständnis für ihr Handeln gibt. Und es war geschickt, gleich zu Beginn der Staffel anzudeuten, dass Gott nicht immer ein gütiger Gott ist. Oder wie Lucifer es nennt: Der alttestamentarische Zorn.

"Verdammte, himmlische Karaoke-Session" ist eine für Serien fast traditionelle Muscialfolge. Zwar hat Lucifer seit Staffel 1 immer wieder auf die gesanglichen Talente seiner Darsteller zurückgegriffen, aber diese Folge führt diese Fähigkeiten geschickt zusammen und lässt das Ensemble zu tänzerischen und gesanglichen Höchstleistungen auflaufen - einschließlich Gott selbst. Er ist es, der für die musikalischen Highlights in dieser Folge sorgt. Gerade die Piano-Version von "Wicked Games" zu Beginn der Folge gehört mit zu den besten Leistungen, die Tom Ellis erbracht hat. Im Verlaufe der Folge beschließt Lucifer, an seiner Beziehung zu seinem Vater zu arbeiten, um auch fähig zu sein, eine Beziehung mit Chloe (Lauren German) zu führen. Das Zusammenspiel zwischen Ellis und Haysbert passt hierbei perfekt. So endet ein Streit um eine Tasse Kaffee in einer Therapiesitzung bei Linda (Rachael Harris), in der jedes Wort, jede Geste der Darsteller sitzt.

Auch Gott ist nur ein Mensch

Geschickt ist in "Machtlos" der Ansatz, was wäre, wenn Gott seine Fähigkeiten nicht mehr hätte, was zu mitunter absurden und komischen Augenblicken führt. Aber auch ohne seine Macht ist er weiterhin ein guter Ratgeber, der auch gerade Trixie (Scarlett Estevez), die in dieser Episode zeigen darf, dass sie kein kleines Mädchen mehr ist, den entscheidenden Schubs in die richtige Richtung geben darf. Und auch Maze (Lesley-Ann Brandt) findet den Schlüssel zu ihrem innigen Wunsch, endlich seine Seele zu besitzen. Zeit für Gott, die Bühne in den folgenden Episoden anderen zu überlassen. In jeder Hinsicht: Gott möchte sich Ruhe setzen. Vorhang auf für die unvermeidlichen Filler-Episoden.

Mit "Daniel Espinoza: nackt und verängstigt" rückt der Fokus auf Dan (Kevin Alejandro), der den bislang schlimmsten Tag in seinem Leben verbringt. Alejandro darf zeigen, welch Comedy-Timing in ihm steckt, sodass Dan niemals in Lächerliche gezogen wird und seine Figur - wenn auch spät - noch gewaltig Tiefe bekommt. Hier ist der Serie lediglich vorzuwerfen, dass es fünf Staffeln gedauert hat, um Dan nicht nur als reinen Tollpatsch darzustellen, sondern auch andere Seiten von ihm zu zeigen. Im Hinblick auf den weiteren Verlauf der Staffel fast schon sträflich.

Eine leider etwas schwächere Folge ist "Ein wenig harmloses Stalking". Die Episode greift den Handlungsstrang um Linda wieder auf, die ihre Tochter zur Adoption freigegeben hat. Zwar ist die Episode emotional und gerade Rachael Harris zieht ihr alle Register, aber dennoch wirkt die Folge doch wie ein Notnagel, den das Drehbuchteam schnell aufgegriffen hat, um den Nebenstrang der vorangegangenen Staffel weiterzuführen. Auch das Auftauchen von Eve (Inbar Lavi) mag in dieser Folge nicht so recht passen.

Taschentuch-Alarm!

Dafür stellt die Serie ab "Nichts hält für die Ewigkeit" die Weichen in Richtung Finale. Die Frage, wer die Nachfolge Gottes antritt, offenbart sich als Dreh- und Angelpunkt der drei restlichen Episoden. Und das Drehbuchteam hat sich nicht davor gescheut, alles an Drama und Emotionen auf den Tisch zu packen, was möglich war. Wer etwas näher am Wasser gebaut ist, greift bereits beim Abschied von Gott und seinem Gespräch mit Lucifer zum Taschentuch.

Mit "Soll das wirklich so enden?" aber präsentiert Lucifer die stärkste Folge der Staffel. Sei es, dass es Seitenhiebe auf den ehemaligen Heimatsender FOX oder spannende Gastdarsteller gibt,. Einziges Manko hier: Lucifer hat definitiv einen Seitenhieb auf Rob Benedicts Rolle in Supernatural liegen lassen.

Aber dann schockt die Episode mit dem ersten Major Character Death der Serie - und das so, dass auch Hartgesottene davon nicht unberührt bleiben. Hier stimmt einfach alles, um den Zuschauer eiskalt zu erwischen - ist das gerade wirklich passiert? Ist Dan gerade wirklich erschossen worden? "Soll das wirklich so enden?" - es soll. Und bei Scarlett Estevez’ Leistung als Trixie, die gerade ihren Vater verloren hat, bleibt kein Auge trocken.

Kämpfen? Ja. Aber bitte mit Abstand.

Im Staffelfinale "Eine Chance auf ein Happy End" versuchen die Figuren, den Tod von Dan nach der ergreifenden Beerdigung in der vorherigen Folge zu verarbeiten. Jede auf ihre Weise. Und man hat im Hinterkopf, dass Dan zudem nicht im Himmel, sondern in der Hölle gelandet ist. Wer sich weit zurück erinnert an Staffel 1 wird sich die Gründe denken können, dennoch überwiegt der Zorn, dass Dan auch im Tod eine tragische Figur bleibt.

Als Showdown fungiert in dieser Staffel dann ein epischer Kampf um die Frage, ob nun Michael oder Lucifer der neue Gott wird. Es bleibt zwar die Überlegung, ob diese Szene pandemiebedingt umgeschrieben wurde, denn gerade im leeren Football-Stadion mit Darstellern, die bestmöglich auf Abstand stehen wird deutlich, dass die Dreharbeiten aufgrund Corona unterbrochen werden mussten. Aber auch mit den mittlerweile leider üblich gewordenen Sicherheitsregeln ist es möglich, einen bis auf den Tod ausgetragenen packenden Kampf zu inszenieren. Zu kritisieren bleibt hier lediglich, dass Chloe sich kurz nach Dans Tod in diese Situation begibt und damit in Kauf nimmt, dass Trixie binnen kürzester Zeit beide Eltern verliert. Es ist schade, dass die Geschichte auf diesen Aspekt nicht eingeht. Aber es ist ja nochmal gut gegangen: Lucifer war bereit, sich für seine große Liebe zu opfern. Und hat es sich damit wohl verdient, der neue Gott zu werden. Es bleibt spannend, ob Lucifer der finalen Staffel 6 in seiner neuen Funktion versuchen wird, Dan aus der Hölle zu retten.

Fazit

Die zweite Staffelhälfte von Lucifer schickt ihr Publikum auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Das erste Drittel bringt noch einige Situationskomik und Leichtigkeit, die aber in Richtung Finale endgültig in eine dramatische Stimmung umschwingt und die Zuschauer mit dem Tode Dans schockt. Mit der Entscheidung, Lucifer die Nachfolge Gottes antreten zu lassen, bleiben für die finale Staffel einige Optionen offen.

Kritik zu Cruella - "Ist das noch Punkrock?"

London in den 1970er Jahren: Inmitten der Punkrock-Revolution versucht sich die clevere Trickbetrügerin Estella (Emma Stone) mit ihren kreativen Looks einen Namen zu machen. Gemeinsam mit zwei jungen Dieben streift sie durch Londons Straßen, bis sie eines Tages das Interesse der Baroness von Hellman (Emma Thompson) auf sich lenkt. Eine Modelegende – umwerfend schick und an Eleganz kaum zu übertreffen. Doch die Begegnung der beiden ungleichen Frauen setzt eine Reihe von Ereignissen und Enthüllungen in Gang, die dazu führen, dass Estella ihre dunkle Seite nach Außen kehrt und sie zur gefürchteten und rachsüchtigen Cruella de Vil werden lassen, der im Konkurrenzkampf um das perfekte Design alle Mittel recht sind.

Cruella soll die Ursprünge der Superschurkin, die vor allem durch den Animationsfilm 101 Dalmatiner bekannt geworden ist, beleuchten. Das Setting des Films ließ im Vorfeld auf einiges hoffen, manche erwarteten sogar auf eine ähnlich beeindruckende Geschichte wie sie zuletzt Joker abgeliefert hat. Was aber definitiv noch in die Waagschale zu werfen ist: Bei Cruella handelt es sich um eine Disneyproduktion. Und die sorgt dafür, dass der Film, der Punk und Anarchie sein möchte, sich im Endeffekt in das Korsett des Konzerns fügen muss.

"Ist das noch Punkrock? Ich glaube nicht."

Die Geschichte ist vorhersehbar, und die Wendungen kündigen sich nicht gerade subtil an, sodass die Enthüllungen, die Cruella offenbaren möchte, wenig überraschen. Es dürfte dem Drehbuch nicht zuträglich gewesen sein, dass mit Tony McNamara, Aline Brosh McKenna, Kelly Marcel, Jez Butterworth, Dana Fox, Steve Zissis gleich sechs Drehbuchautoren gelistet sind. Zugegeben, die Gründe, warum eine Person sich zu einer Dalmatiner hassenden Schurkin entwickelt, dürften weniger spannend herauszufinden sein, als die dunklen Abgründe andere Bösewichte. Was die Geschichte dann aber in den ersten Minuten als erste Begründung liefert, präsentiert sich plump und so absurd, dass ab diesem Zeitpunkt bereits klar ist: Mit einer logisch und geschickt erzählten Geschichte ist nicht mehr zu rechnen.

Aber vielleicht können die Darsteller Cruella noch retten? Diese Frage lässt sich leider ebenfalls nicht mit einem klaren Ja beantworten. Emma Stone versucht es zwar, aber ihre Cruella mag einfach nicht durchgehend funktionieren. Da ist zu viel “zu” im Spiel. Zu verkrampft. Zu gewollt. Zu unlogisch. Ja, in den vorherigen Verfilmungen war Cruella de Vil eine schrille Figur. Aber Stone wirkt hier wie ein kleines Mädchen, das auf böse Frau machen möchte und feststellt, dass einiges schlichtweg fehlt. Die besten Momente sind die, in denen Stone nicht als Cruella zu sehen ist, sondern als Estella.

Emma Thompson liefert eine solide Leistung ab, dennoch drängt sich bei ihrer Figur der Baroness unwillkürlich der Vergleich zu Miranda Priestly in Der Teufel trägt Prada auf - und diesen direkten Vergleich zu Meryl Streep verliert Emma Thompson an dieser Stelle leider. Da wäre mehr drin gewesen als eine routinierte Arbeit. Schade.

Wirklich positiv fällt lediglich Mark Strong auf, der in der Nebenrolle des Boris zu sehen ist, einem Bediensteten der Baroness. Strong punktet mit subtiler Mimik und Gesten, die mehr aussagen als manch Dialog.

"It's always tease tease tease."

Nicht sehr originell ist zudem der Soundtrack. Es tauchen die Lieder genau erwartbaren Zeitpunkten auf, die schon in zig anderen Filmen ihren Einsatz fanden. Sei es "These boots are made for walking” von Nancy Sinatra oder “Come together”, bei dem es nicht einmal zu der Originalversion von The Beatles gereicht hat, hierfür musste die Coverversion von Ike & Tina Turner ran. “Sympathy for the Devil” von den Rolling Stones ist mittlerweile so oft für Schurkenmomente herangezogen worden, dass man sich wünscht, Mick Jagger und Keith Richards würden langsam mal ein Veto einlegen. Für zahme Punktöne sorgen The Clash mit dem unvermeidlichen “Should I stay or should I go”. Damit also ein Soundtrack, wie man ihn in verschiedener Konstellation oft genug in anderen Produktionen gehört hat.

Einziger wirklicher Pluspunkt bei Cruella sind die Kostüme, die am besten die Stimmung der 1970er-Jahre in London einfangen und waghalsige Kreationen der Modedesigner präsentieren. Hier hat die Verfilmung alles richtig gemacht, das Auge bekommt einiges geboten.

Am Ende steht Cruella dann aber immerhin als fertige Superschurkin da. Der Weg dorthin war steinig, unlogisch und nicht immer nachvollziehbar. Das I-Tüpfelchen ist abschließend die Midcreditscene, die eine Verbindung zu 101 Dalmatiner schafft. Plump. Und wie der komplette Film vorhersehbar und unlogisch.

Fazit

Cruella hätte mit seinem Setting die besten Voraussetzungen für eine schrille Origin-Geschichte geboten, lässt sich aber zu sehr in das familienfreundliche Korsett einer Disneyproduktion zwängen. Eine Extragebühr bei Disney+ oder den Kinoeintritt kann man sich getrost sparen und sich den Film dann gönnen, wenn er ab August ohne Zusatzkosten bei Disney+ verfügbar ist.

Kritik zu Army of the Dead: Der snyderigste Zack-Synder-Film

Nachdem ein Geheimtransport des amerikanischen Militärs gehörig schief geht, kommt es in Las Vegas zum Ausbruch einer Zombieseuche. Den Behörden gelingt es zwar, den Ausbruch auf die Stadt zu beschränken, das Zockerparadies selbst ist allerdings verloren. Einige Jahre später entschließt sich die US-Regierung dann dazu, das Problem endgültig aus der Welt zu schaffen. Eine Atombombe soll Las Vegas und alle noch aktiven Untoten auslöschen.

Einige Tage vor dem geplanten Atombombenabwurf sucht der Casino-Besitzer Bly Tanaka den ehemaligen Soldaten Scott Ward auf. Ward soll für ihn 200 Millionen Dollar, die immer noch in einem Casinotresor lagern, aus der Stadt holen, bevor diese zerstört wird. Für 50 Millionen Dollar willigt der ehemalige Soldat ein und stellt sich schnell ein Team zusammen, denn die Zeit ist knapp bemessen. Die Truppe macht sich auf in das zerstörte Las Vegas, muss jedoch schon bald lernen, dass hier ganz eigene Gesetze herrschen.

Zack Snyder wird von der Leine gelassen

Das Jahr 2021 kann in gewisser Weise als das große Comeback-Jahr von Zack Snyder bezeichnet werden. Nachdem der Regisseur im März bereits seine Version von Justice League veröffentlichen konnte und mit dieser für jede Menge "Wir haben es euch doch gesagt" von seinen Fans sorgte, kehrt er mit Army of Dead gewissermaßen zu seinen Anfängen zurück. Mit dem Remake von Dawn of the Dead gelang Snyder 2004 der Durchbruch, und nun feiert er für Netflix eine Rückkehr ins Zombiegenre.

Bei Army of the Dead wird schon beim Vorspann klar, dass man es hier wohl mit dem snyderigsten Zack-Snyder-Film bisher zu tun bekommt. Der Regisseur inszenierte den Film nicht nur, von ihm stammt auch die Idee, er schrieb am Drehbuch mit, produzierte und war sogar selbst als Kameramann aktiv. Und natürlich merkt man auch in der Musikauswahl die Handschrift Snyders. Entsprechend dürfte es niemanden überraschen, dass alle Fans des Regisseurs voll auf ihre Kosten kommen. Army of the Dead bietet genau die Zombieaction, die zu erwarten war. Snyder geizt wie gewohnt nicht mit Zeitlupen und coolen Einstellungen, was einen hohen Unterhaltungswert bietet. Bereits die ersten 10 Minuten inklusive dem Intro des Films sind schon für sich allein sehenswert.

Dabei ist Army of the Dead wohlgemerkt nicht nur ein Film für Snyder-Fans. Wer Lust auf gute Zombieaction hat, der bekommt hier einiges geboten. Vor allem Kopfschussfetischisten sollten sich die Sache nicht entgehen lassen. Allerdings fällt die Laufzeit am Ende auch etwas zu lang aus. Army of the Dead erzählt keine Geschichte, die sich über fast 150 Minuten trägt. Ein höheres Erzähltempo hätte an der einen oder anderen Stelle nicht geschadet. Ein gutes Beispiel ist hier die Endszene, die für das, was sie aufbauen möchte, einfach viel zu viel Zeit benötigt.

Zwischen Spaß und harter Action

Überraschenderweise setzt Snyder zudem auf viel Humor. Dieser funktioniert auch erstaunlich gut, wobei vor allem Matthias Schweighöfer hier punkten kann, der eine der besten Figuren des Films spielt. Gerade die Momente, in denen Schweighöfer und Omari Hardwick gemeinsam spielen, machen immer wieder Spaß. Eventuell hätte Snyder hier aber auch noch einen Schritt weitergehen können. Die Balance zwischen den humorvollen Szenen und den wiederum sehr ernsten und spannungsvollen Momenten will nicht immer ganz gelingen. Den Wahnsinn des Konzepts vielleicht noch etwas mehr anzunehmen, hätte Army of the Dead eventuell noch runder gemacht.

Auch muss man festhalten, dass die Handlung selbst nicht unbedingt mit Überraschungen punkten kann. Die Geschichte verläuft in etwa genauso, wie man es im Vorfeld erwarten kann. Zudem kommt der Raubaspekt auch etwas kurz. Für einen Film, dessen Alleinstellungsmerkmal ja eigentlich die Tatsache ist, dass es sich um einen Heist-Zombie-Action-Film handelt, liegt der Fokus dann doch zu sehr auf der Zombieaction. Die Vorhersehbarkeit bedeutet wohlgemerkt nicht, dass Snyder nicht einige spannende Ideen in Army of the Dead einbaut. Der Zombietiger ist hier natürlich das offensichtliche Beispiel. Oft macht der Regisseur aber zu wenig aus den Ideen. Die Alphas sind beispielsweise ein spannendes Konzept, nur werden sie am Ende dann doch einfach nur zu Kanonenfutter. Hier wäre an einigen Stellen noch mehr drin gewesen für Army of the Dead.

Fazit

Army of the Dead dürfte ein Fest für jeden Fan von Zack Snyder sein. Der Regisseur inszeniert gekonnt einen Zombie-Action-Film, der jeden Freund des Genres unterhalten dürfte und sowohl Spaß als auch jede Menge Blut bietet. Große inhaltliche Überraschungen sollte der Zuschauer allerdings nicht erwarten, zudem hätte es nicht geschadet, wenn der Film etwas straffer erzählt wäre.

Love, Death & Robots: Kritik zu Volume 2

Inspiriert vom französischen Kult-Comic Metal Hurlant und dessen Zeichentrick-Adaption “Heavy Metal” erfüllte sich das Hollywood-Wunderkind und Perfektionist David Fincher (Sieben, The Social Network, Mank) mit Love, Death & Robots sein Traumprojekt.

Hinter dem Namen verbirgt sich eine animierte Anthologie-Serie, die sich dabei vollkommen dem Science-Fiction-Gerne (mit einigen Ausnahmen auch Fantasy) verschrieben hat und sich zudem auch noch an ein erwachsenes Publikum richtet. Das Besondere: Nicht nur das jede Episode eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt, auch wird jede Episode optisch anders umgesetzt.  

Mit Tim Miller fand Fincher einen passenden Mitstreiter, der nicht nur selbst als Regisseur (Deadpool), sondern auch als Animator (Die Titelsequenz zu Finchers Verblendung) tätig ist und mit Blur Studio auch noch ein Oscar-prämiertes Animationsstudio hinter sich hat. Ergänzt wurde das Team bei Volume 2 von Jennifer Yuh Nelson (Kung Fu Panda 3), die den Posten des Showrunner übernahm. 

Am 14. Mai feierte nun Volume 2 und dessen acht Episoden ihre Premiere.

Roboter mit (Fehl)funktionen, merkwürdige Geschenkebringer, Leben & Sterben + Unsterblichkeit

Automatisierter Kundenservice (Regie: Meat Dept / Drehbuch: John Scalzi & Meat Dept / Atoll Studio): In einer futuristischen Seniorenstadt umsorgen Roboter die Bewohner, welche jede nur so kleine Aufgabe für die betagte Bevölkerung erledigen. Eines Tages müssen Jeanette und ihr Hund feststellen, dass bei ihrem Haushaltsroboter eine Störung aufgetreten ist. Hilfe, um den "Purge Mode“ zu deaktivieren, sucht sie beim automatisierten Kundenservice, dessen Anweisungen nicht sehr kundenorientiert sind.

Eis (Regie: Robert Valley / Drehbuch: Philip Gelatt & Rich Larson / Passion Animation Studios): Zwei Brüder ziehen mit ihrer Familie auf eine Koloniewelt, auf dem fast die gesamte Bevölkerung genetisch verändert ist, um den Widrigkeiten des Eis-bedeckten Planetens zu überstehen. Der ältere Bruder Sedgewick ist jedoch nicht modifiziert und hat große Probleme, sich an die neue Situation anzupassen. Eines Tages beschließt er, seinem Bruder Fletcher und dessen Freunden bei deren Ausflug außerhalb der Kolonie zu begleiten, um die gigantischen Frostwale zu sehen.

Jäger und Gejagte (Regie: Jennifer Yuh Nelson / Drehbuch: Philip Gelatt & Paolo Bacigalupi / Blur Studio): In einer durch Überbevölkerung dystopischen Zukunft tauschen die Menschen ihr Recht auf Fortpflanzung gegen eine Drogen-induzierte biologische Unsterblichkeit. Das "Züchten“ ist strengsten verboten, und gefundene Kinder werden von der Polizei kurzerhand hingerichtet. Nach seiner letzten Hinrichtung meldet sich das Gewissen von Detective Briggs, sodass er beschließt, dem nächsten Fall ohne seine Partnerin nachzugehen.

Snow in der Wüste (Regie: Leon Berelle, Dominique Boidin, Remi Kozyra & Maxime Luere / Drehbuch: Philip Gelatt & Neal Asher / Unit Image Studio): Der Albino Snow ist dank der einzigartigen Regenerationsfähigkeiten seines Körpers unsterblich und versteckt sich auf einem kargen Planeten. Einmal mehr von Kopfgeldjägern aufgespürt, bekommt er diesmal unerwartete Hilfe von Hirald, die sich als Erdagentin herausstellt und ebenfalls Interesse an seiner Unsterblichkeit beziehungsweise am einsamen Snow selbst hat.

Im hohen Gras (Regie: Simon Otto / Drehbuch: Philip Gelatt & Joe Lansdale / Axis Animation): Während eines unplanmäßigen Halts des Zugs beschließt ein Passagier, die Zeit zu nutzen und zündet sich eine Zigarette an. Im hohen Gras neben den Gleisen erscheinen seltsame Lichter und Geräusche. Der Passagier entscheidet in seiner kurzen Zeit den Erscheinungen nachzugehen.

Bescherung (Regie: Elliot Dear / Drehbuch: Philip Gelatt & Joachim Heijndermans / Blink Industries): An Heiligabend weckt ein Rascheln die Geschwister. Sie glauben, es sei der Weihnachtsmann und schleichen sich nach unten, um einen Blick auf ihn erhaschen zu können. Doch was sie zu Gesicht bekommen, sieht überhaupt nicht wie der bekannte Weihnachtsmann mit langem Rauschebart und rot-weißem Gewand aus.

Rettungskapsel (Regie: Alex Beaty / Drehbuch: Philip Gelatt & Harlan Ellison / Blur Studio): Während einer Weltraumschlacht gegen einen namenlosen außerirdischen Feind wird der Pilot eines Schiffes getroffen und setzt beim nächstgelegenen Planeten zur Notlandung an. Verletzt und mit nur noch wenig Sauerstoff begibt es sich zum nächsten Schutzraum. Aktiviert zeigt sich jedoch, dass der Wartungsroboter eine Fehlfunktion hat und alles zerstört was sich bewegt und einen Ton von sich gibt.

Der ertrunkene Riese (Regie Tim Miller / Drehbuch: Tim Miller & J.G. Ballard / Blur Studio): Nach einem Sturm wird die nackte Leiche eines männlichen Riesen an das Ufer angespült. Eine Gruppe von Forschern soll den Körper und dessen Verfall zu dokumentieren.

Wie auch schon bei der 1. Staffel basieren auch die Drehbücher der neuen Episoden wieder auf Kurzgeschichten der verschiedensten Autoren. Neben bereits alten Bekannten wie etwa John Scalzi (Als der Joghurt die Kontrolle übernahm) oder Joe R. Lansdale (Die Müllhalde) sind nun auch Namen wie Paolo Bacigalupi, Neal Asher, James Graham Ballard und Harlan Ellison dazu gekommen. Doch auch Werke unbekannterer Namen wie die des Niederländers Joachim Heijndermans oder der in Prag lebende Rich Larson wurden diesmal herangezogen. Auch das unter dem Namen Meat Dept auftretende 3-Freunde-Gespann Kevin Dan Ver Meiren, David Nicolas, Laurent Nicolas lieferte für die Auftaktepisode das Drehbuch und inszenierten dieses auch.

Rein technisch sind auch die neuen Episoden wieder auf hohem Niveau, allerdings gibt sich Volume 2 nicht mehr ganz so divers. Dies bezieht sich sowohl auf die optischen Umsetzungen der einzelnen Episoden als auch auf den Inhalt. So ist diesmal bis auf eine Ausnahme immer Computeranimation das bevorzugte Stilmittel.

Der Grund dafür dürfte wohl an der deutlich reduzierten 2. Staffel (nur noch 8 statt 18 Episoden) liegen. So übernahm Blur Studio gleich bei drei Episoden die optische Aufarbeitung, während bei Staffel 1 noch deutlich mehr Studios involviert waren und so für mehr Vielfalt sorgten. Auch die neuen Episoden unterscheiden sich deutlich und zeigen damit das breite Spektrum von Animationen, was auch eines der Aushängeschilde der Serie ist. Von Teils fotorealistischen CGI-Grafiken bis hin zu 2D sowie Einflüsse diverser europäischer Comics bis hin zum Look klassischer Animes in der 1. Staffel wirkt Volume 2 nun etwas einheitlicher.

Dies setzt sich auch inhaltlich fort, sodass bei die Themen der einzelnen Episoden immer zwischen der Unsterblichkeit des Menschen und den Grenzen beziehungsweise dem Schrecken von künstlicher Intelligenz wechseln. Auch fehlt im Vergleich zur 1. Staffel die überraschende Wendung, der Hauch von The Twilight Zone und The Outer Limits, der Mindfuck. Sofort fällt hier “Zima Blue” ein, dessen Ende überhaupt nicht vorhersehbar war, ebenso wie die letzten Sekunden von “Drei Roboter”, die noch mit einer überraschenden Wendung aufwartet.

Fazit

Nichtsdestotrotz gibt sich Volume 2 genauso wie dessen Vorgänger und das auch nicht wirklich schlechter; nur eben etwas weniger. Ein Highlight ist neben dem Auftakt “Automatisierter Kundenservice” mit dessen zynischem und schwarzen Humor auch die Episode “Rettungskapsel”. Neben den realistisch aussehenden Animationen, sodass man denkt Schauspieler Michael B. Jordan (Black Panther) stand wirklich vor einer Kamera, handelt es sich auf um eine Umsetzung einer Kurzgeschichte von Harlan Ellison, welche zeigt, das dem Einfallsreichtum des Menschen keine Grenzen gesetzt sind. 

Bereits für 2022 ist der Start von Volume 3 mit acht Folgen angekündigt, welche vielleicht dann hoffentlich für die nötige Vielfältigkeit sorgen wird.

Love, Death + Robots: Ausgabe 2 | Offizieller Trailer | Netflix

From Beyond: Kritik zu Oliver Dörings Lovecraft-Hörspiel

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Seitdem das Werk des 1937 verstorbenen Autors H. P. Lovecraft vor 13 Jahren gemeinfrei wurde, stieg die Adaption seiner Horrorgeschichten in unterschiedlichen Medien stark an. Es gab mehr oder weniger freie Umsetzung in Comics (Gou Tanabe: Der leuchtende Trapezoeder), Computerspielen (Arkham Horror), Gesellschaftsspielen (Lovecraft Letter, Villen des Wahnsinns) und zuletzt wagte sich Richard Stanley an eine Verfilmung von Die Farben aus dem All mit Nicolas Cage in der Hauptrolle.

Lovecrafts Romane und Kurzgeschichte dienten natürlich auch als Vorlage für viele Hörspiele der letzten Jahre. So erschienen in der Reihe Gruselkabinett unter anderen "Der Fall des Charles Dexter Ward", "Der Schatten über Innsmouth", "Der Ruf des Cthulhu" oder "Herbert West Wieder-Erwecker". Winterzeit Audio baut hingegen mit der Reihe Howard Phillips Lovecraft – Chroniken des Grauens aus einzelnen Geschichten einen eigenen Hörspielkosmos auf. Zudem vertonte Oliver Döring in seiner Anthologieserie Phantastische Geschichten "Berge des Wahnsinns" und "Die Farben aus dem All". In der gerade gestarteten 2. Staffel der Reihe ist nun das Hörspiel "From Beyond" hinzugekommen.

Die literarische Vorlage von "From Beyond" erschien in Deutschland in verschiedenen Kurzgeschichtensammlungen unter dem Titel Aus dem Jenseits. Lovecrafts Erzählungen drehen sich oft um Menschen, die nach verbotenem Wissen streben und so in Kontakt mit kosmischen Wesen kommen, welchen sie am Ende in den Wahnsinn treiben. Solch ein grauenhaftes Zusammentreffen steht auch im Mittelpunkt von "From Beyond".

"Ich rede von einem Blick in andere Dimensionen, in die Dunkle Materie."

Der Radiologe Professor Crawford Tillinghast hat eine Strahlungsfrequenz entdeckt, die es Menschen ermöglicht, in unbekannte Dimensionen zu reisen. Als er seinem Freund und Kollegen John seine Entdeckung zeigt, ist dieser entsetzt und empört, dass der Professor ihn ungefragt seiner neu entdeckten Strahlungen aussetzt.

Crawford setzt seine Experimente zunächst ohne John fort und schickt stattdessen seine Hausangestellte Alice in eine andere Dimension. Am nächsten Morgen macht sein Diener Donnadieu eine grauenhafte Entdeckung – denn die fremden Welten sind nicht so harmlos wie gedacht. Dort leben fremdartig Wesenheiten, welche der menschliche Verstand nicht begreifen kann.

"Es macht echt Spaß, sich mit dir zu unterhalten, wenn du nur kryptische Halbsätze raus haust."

Die Hauptrolle des Doktor John Disell spricht Frank Schaff, der Paul Bettany, Joseph Fiennes und Ethan Hawke synchronisiert. Wer genau hinhört und als Kind mit Benjamin Blümchen aufgewachsen ist, wird bemerken, dass er dort in den ersten Folgen die Rolle des Jungen Otto übernommen hatte. Schaff gelingt es gut, einen Wissenschaftler zwischen Skepsis, Wahn und Entsetzen zum Leben zu erwecken.

Professor Crawford wird von Klaus-Dieter Klebtsch (Synchronsprecher von Alec Baldwin, Ian McShane und Josh Brolin) gespielt. Man nimmt Klebtsch den bedenkenlos Forscher jederzeit ab. Ihm glaubt der Hörer auch leicht all die pseudowissenschaftlichen Erklärungen über Strahlungsfrequenzen, Dunkle Materie und ferne Dimensionen ohne den Sinn beziehungsweise Unsinn dieser Thesen zu hinterfragen. Nur zum Ende klingt Klebtsch ein wenig zu überdreht.

Marieke Oeffinger (Synchronstimme von Natalie Dormer und Tessa Thompson) spricht Johns Freundin Eve. Sie kommt in dem gesamten Hörspiel nur kurz, dafür in einer der besten Passagen zu Wort. Ihre Rolle als Eve verkörperte sie auch schon in Dörings Adaption "Farben aus dem All". Sie selbst spielt in einem ihrer Dialoge auf ein Staudammprojekt in der Nähe von Arkham an.

Hans Beyer dürfte sich mit unheimlichen Fällen auskennen: In der Serie Akte X synchronisierte er William B. Davies als Raucher. Als Diener Donnadieu spielt er hier allerdings eine ganz andere Persönlichkeit, aus der er deutlich mehr rausholt als das Klischee des treuen Butlers.

In einer kleinen, aber wichtigen Rolle ist Ila Panke als Hausangestellte Alice zu hören. Die Sprecherin gehörte auch schon in Oliver Dörings "Krieg der Welten" und "Der todbringende Stern" mit zur Besetzung und kann auch hier durchaus überzeugen. Panke führte zudem noch die Produktionsleitung des Hörspiels. Am Ende tritt noch Bernd Vollbrecht (Synchronstimme von Antonio Banderas) als hartnäckiger und verbissener Inspektor Mondi auf.

"Bestrahlst du etwa gezielt Gehirne?"

Der Autor und Produzent Oliver Döring wurde in der Hörspielszene bekannt, als er die John-Sinclair-Neuauflage der Edition 2000 herausbrachte. Es folgten die John Sinclair Classics, die Adaptionen verschiedener Star-Wars-Hörspiele sowie diverse eigene Serien wie End of Time und Foster.

Für das Label Folgenreich inszenierte er einige Werke von H. G. Wells (Die Zeitmaschine, Der Krieg der Welten und Das Imperium der Ameisen). Dieses Konzept setzte er nun beim Label Imaga fort. Neben Wells vertonte Döring dort auch Geschichten von H. P. Lovecraft. Seine Hörspielreihe Phantastische Geschichten startete aktuell in eine zweite Staffel. Nach den beiden Wells Hörspielen "Unter dem Messer" und "Der todbringenden Stern" folgte der Horrorklassiker "From Beyond".

"Was ich sah, ist nicht beschreibbar."

Auf der inhaltlichen Ebene wird dem Hörer trotz einiger Änderungen zur literarischen Vorlage und wenigen zusätzlichen Figuren nicht viel Neues geboten. In Konfrontation mit dem kosmischen Grauen ist es für die Helden schwer, mit heiler Haut und klaren Verstand zu entkommen. Contendo Media hat mit ihrer Umsetzung von "Aus dem Jenseits" innerhalb der Reihe The Lovecraft 5 eine ganz eigene Erzählperspektive gewählt. Im direkten Vergleich besitzt Dörings Hörspiel einen konventionellen Ansatz. Dennoch wirkt seine Adaption zu keiner Zeit altmodisch.

Das Döring ein erfahrener und professioneller Hörspielregisseur ist, hört man dem Hörspiel zu jederzeit an. Die Dialoge, die Soundeffekte und die Musik sind perfekt abgemischt und ergeben ein rundes Ganzes. So kann sich der Hörer gemütlich im Sessel zurücklehnen und in die Welt des Grauens eintauchen. Allerdings wäre ein Erzähler an der einen oder anderen Stellen hilfreich gewesen.

Die fernen Dimensionen werden von den Protagonisten nur spärlich geschildert. Außer einem Tentakel hier und einer weiten Ebene dort wird nicht viel beschrieben. Lovecrafts kosmischer Horror funktioniert eigentlich recht gut, wenn man nur wenige Details erklärt bekommt. Aber gerade auf der letzten Reise von Crawford und John wären ein paar mehr Informationen durchaus von Vorteil gewesen.

In der Szene, in welcher Alice versucht Professor Crawford die Farbe Infrarot zu beschreiben, kommt Döring allerdings sehr gut ohne Erzähler aus. Gerade im hilflosen Scheitern dieses Unterfangens wird die Fremdheit deutlich. Dieses Gespräch gehört auch zu den Höhepunkten des Hörspiels. Es ist in einer Parallelmontage gegen eine Unterhaltung zwischen John und seiner Freundin Eve geschnitten. Beide Dialoge fügen sich scheinbar nahtlos zu einem Ganzen zusammen. Durch die rasche Schnittfolge liefert der Regisseur ohne überflüssige Längen alle nötigen Informationen und bringt gleichzeitig die Handlung bei steigender Spannung schnell voran.

"Na dann vielen Dank für was auch immer!"

Seit dem 5. März ist "From Beyond" als CD und als Download exklusiv im Online-Shop des Labels Imaga erhältlich. Wenig später wird man das Hörspiel dann im stationären Handel erwerben können. Wer "From Beyond" über ein Streaming-Dienst anhören will, muss sich noch ein wenig gedulden. Bei Imaga kommt die Streaming-Auswertung ihrer Hörspiele an letzter Stelle. So wird es ungefähr ein halbes Jahr dauern, bis man Oliver Dörings neues Hörspiel dort in der Auswahl findet.

Fazit

Oliver Döring hat mit seiner Adaption die Welt H. P. Lovecrafts nicht neu erfunden, aber um ein gelungenes Hörspiel bereichert. "From Beyond" wurde an den richtigen Stellen modernisiert, perfekt inszeniert und mit sehr guten Sprechern besetzt. Wer auf der Suche nach einer klassischen Horrorgeschichte im modernen Gewand ist, sollte sich das neueste Hörspiel aus der Reihe Oliver Dörings Phantastische Geschichten unbedingt anhören.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Imaga/Lars Vollbrecht/gloryboards.de/Tithi Luadthong

Kritik zu Raya und der letzte Drache: In Kumandra ist der Drache los

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Raya und der letzte Drache

Vor vielen Jahrhunderten war das Land Kumandra geeint, und Menschen und Drachen lebten in friedlicher Eintracht. Die Drachen halfen den Menschen mit ihren magischen Fähigkeiten, und so war Kumandra ein Land des Friedens und des Wohlstands. Doch dann tauchten eines Tages die finsteren Druun auf, mysteriöse schwarze Wolken, die Menschen versteinerten. Die Drachen stellten sich den Druun entgehen, doch auch viele von ihnen wurden versteinert. Nur ein letzter Einsatz der Drachenmagie stoppte die Druun und beendete die Versteinerung der Menschen, im Gegensatz zu den Drachen, die weiterhin zu Stein erstarrt blieben.

In der Folge zerfiel das Land Kumandra, und es bildeten sich fünf verschiedene Reiche. Rund 500 Jahre, nachdem die Druun scheinbar besiegt wurden, sorgt die Missgunst der Menschen schließlich dafür, dass die Wesen zurückkehren und das Land erneut ins Elend stürzen. Nur die junge Kriegerin Raya glaubt, dass sie die Monster aufhalten kann. Dafür begibt sie sich auf die Suche nach dem letzten Drachen. Allerdings stellen sich ihr nicht nur die Druun entgegen, auch alte Feinde und frühere Freunde erweisen sich als Hürden, die es zu überwinden gilt.

Mit Raya und der letzte Drache veröffentlicht Disney zum zweiten Mal einen eigentlich für das Kino geplanten Film gegen eine zusätzliche Gebühr auf dem hauseigenen Streaming-Dienst Disney+. Ähnlich wie bei Mulan im Vorjahr steht dabei wieder eine starke weibliche Figur im Mittelpunkt, und die Handlung spielt im asiatischen Kulturkreis. Allerdings dient dieses Mal nicht China als Vorlage, sondern der südostasiatische Raum. Grundsätzlich kann man zunächst festhalten, dass ein vergleichsweise unverbrauchtes Setting im Bereich Fantasy immer gern gesehen ist. Als deutscher Zuschauer lässt sich dabei zwar nur schwer überprüfen, ob die Macher der Region wirklich gerecht werden, aber allein rein optisch bringt das Setting schon einmal eine willkommene Abwechslung.

Allerdings muss man auch festhalten, dass die Geschichte keinen Innovationspreis gewinnt. In gewisser Weise wirkt die Handlung etwas generisch und hätte technisch gesehen auch ohne große Änderungen in einem europäischen Mittelalter-Setting spielen können. Gerade weil Disney mit Vaiana bereits bewiesen hat, wie man es deutlich besser machen kann, wirkt das Setting in Raya und der letzte Drache etwas verschenkt.

Abgesehen von diesem Punkt ist die Handlung selbst sehr kurzweilig und unterhaltsam geraten. Durch das schnelle Erzähltempo kommt auch zu keiner Zeit Langeweile auf. Gerade Familien bekommen mit Raya und der letzte Drache einen Film, mit dem sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder ihren Spaß haben dürften. Ein wirkliches Highlight ist er allerdings nicht. Dafür ist die Geschichte am Ende dann doch zu generisch und bietet zu wenig Überraschungen. Viele Entwicklungen lassen sich vorhersehen, und auch wenn die Moral der Geschichte durchaus wichtig ist, wird sie in Raya dann doch etwas mit dem Holzhammer vermittelt.

Was dagegen gut funktioniert sind die Figuren. Besonders erwähnenswert ist hier natürlich Raya, aber auch ihre Gegenspielerin Namaari fällt kaum ab. Dabei ist auch positiv zu erwähnen, dass die Macher trotz starker Frauenfiguren keine Geschichte erzählen, in der es unbedingt um Gleichberechtigung oder den Kampf gegen das Patriarchat gehen muss. Nicht dass dies nicht wichtige Themen sind, aber gerade in den vergangenen Jahren konnte man das Gefühl bekommen, dass große Hollywoodproduktionen mit starken Frauenfiguren sich nur darum drehen dürfen. Mit Vaiana hat Disney Animation zuvor schon bewiesen, dass sich Frauenfiguren durchaus auch mit anderen Problemen beschäftigen können, und Raya geht einen ähnlichen Weg, was zu begrüßen ist.

Animationstechnisch kann man Raya und der letzte Drache ebenfalls kaum kritisieren. Die Animationen sehen richtig gut aus und sind absolut stimmig. Wenn man ein Haar in der Suppe finden möchte, dann vielleicht die Tatsache, dass es mitunter etwas zu süß und knuffig wird. Die Drachendame Sisu und Rayas Gürteltier-artiger Begleiter Tuk Tuk schreien ja ohnehin schon nach Merchandise-Verkäufen, und wenn dann im Film irgendwann auch noch ein Baby auftaucht, wird es fast etwas zu viel des Guten. Trotzdem wird optisch einiges geboten, was das unterhaltsame Gesamtbild abrundet

Fazit

Raya und der letzte Drache bietet kurzweiligen Animationsspaß für die ganze Familie. Auch wenn der Film inhaltlich vielleicht etwas vorhersehbar ist und echte Überraschungen vermissen lässt, kommt doch zu keiner Zeit Langeweile auf. Gepaart mit den tollen Animationen und den gut geschriebenen Figuren lohnt sich der Blick für alle Animations-Fans. Ob man dafür allerdings unbedingt 22 Euro ausgeben muss oder lieber wartet, bis der Film in drei Monaten allen Abonnenten von Disney+ zur Verfügung steht, muss jeder selbst entscheiden.

Kritik zu Wonder Woman 1984: Bruchlandung im unsichtbaren Jet

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Wonder Woman 1984

Rund 70 Jahre nach ihrem ersten Abenteuer in der Welt der Sterblichen lebt Diana Prince nun in Washington. Hier arbeitet sie als leitende Anthropologin am Smithsonian Institute, was sie allerdings nicht davon abhält, auch weiterhin als Wonder Woman die Menschheit zu beschützen. Dabei versucht Diana allerdings, sich möglichst aus dem Rampenlicht fernzuhalten, sodass ihre Superheldenidentität im Jahre 1984 in den USA praktisch unbekannt ist.

Abseits ihrer Arbeit als Anthropologin und Superheldin lebt die ehemalige Amazonen-Kriegerin ein recht einsames Leben. Freunde hat sie praktisch keine, und zudem trauert sie immer noch ihrer großen Liebe Steve Trevor nach. Dies ändert sich eines Tages, als Diana die etwas tollpatschige Wissenschaftlerin Barbara Ann Minerva kennenlernt, mit der sie eine zarte Freundschaft aufbaut.

Im Zuge ihrer Arbeit stoßen die beiden Frauen schließlich auf einen geheimnisvollen antiken Stein. Sie ahnen zunächst nicht, dass dieser nicht nur in der Lage ist, Wünsche wahr werden zu lassen, sondern auch, dass der windige Geschäftsmann Maxwell Lord es auf ihn abgesehen hat. Lord weiß genau, zu welchen Dingen der Stein in der Lage ist und plant, endlich den großen Erfolg zu haben, der ihn so lange verwehrt geblieben ist. Was Diana, Barbara und Maxwell allerdings ebenfalls bald lernen müssen, ist die Tatsache, dass jeder Wunsch, den der Stein erfüllt, auch seinen Preis hat.

Ein Film aus den 80ern

Ob man mit Wonder Woman 1984 etwas anfangen kann, hängt vor allem von einem wichtigen Punkt ab. So spielt die Handlung nicht nur in den 80er Jahren, vieles am Film selbst wirkt so, als wäre er in dieser Ära auch gedreht worden. Fast schon eine Hommage an eher trashige Unterhaltungsfilme aus den 80ern darf der Zuschauer in Wonder Woman 1984 wirklich nichts hinterfragen und über bestimmte Dinge zu genau nachdenken. Wem dies gelingt, der kann durchaus seinen Spaß haben.

Der Film wirkt in vielen Dingen etwas aus der Zeit gefallen. Ein guter Gradmesser findet sich dabei gleich zu Beginn. Nach dem Intro, in dem noch einmal eine junge Diana zu sehen ist, folgt eine Szene in der neuen Gegenwart des Films, in der Diana einen Überfall auf einen Juwelier stoppt. Die Szene ist allerdings total überzeichnet und wirkt sogar etwas albern, was aber anscheinend gewollt war. Selbst die Effekte passen sich dem Konzept eines Films aus den 80ern an. Abgesehen von der Tatsache, dass so einige CGI-Effekte für einen Blockbuster, der 200 Millionen Dollar gekostet hat, nicht gut aussehen, wirken andere extrem unnatürlich, eben wie in Filmen aus den 80ern, denen man es aber aufgrund der damaligen Technik heute durchaus nachsieht.

Wonder Woman 1984

Wenn man doch beginnt, nachzudenken

Die Probleme von Wonder Woman 1984 beginnen, sobald man mit dem Konzept eines etwas trashigen Superhelden-Spektakels aus den 80ern nicht so viel anfangen kann und doch einige Dinge hinterfragt. Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass der Film definitiv zu lang geworden ist. Dies liegt unter anderem auch daran, dass unbedingt zwei Gegenspieler eingebaut werden mussten. So schenkt das Drehbuch Diana, Maxwell und Barbara jeweils relativ viel Zeit, was allerdings auch dazu führt, dass es fast 80 Minuten dauert, bis es zur ersten richtigen Actionszene kommt. Zieht man den Anfang des Films ab, dann gibt es im Film fast 60 Minuten, in denen nur Diana aber nicht Wonder Woman zu sehen ist.

Gefüllt wird diese Zeit im Diana-Handlungsstrang mit der Rückkehr von Steve Trevor. Diese funktioniert tatsächlich ganz gut, da die Chemie zwischen Gal Gadot und Chris Pine auch weiterhin vorhanden ist. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass beide Darsteller wieder gute Arbeit leisten. Gerade Gal Gadot ist noch etwas besser und liefert hier ihre bisher beste Darstellung als Wonder Woman ab.

Auch die Tatsache, dass man das Konzept des ersten Films umdreht und nun Trevor die Person in einem ihr nicht vertrauten Umfeld ist, sorgt für einige humorvolle Momente und ist unterhaltsam. Allerdings ist die Art und Weise, wie Trevor zurückkehrt überaus fragwürdig und lässt einige moralische Fragen offen, die komplett übergangen werden. Auch erscheint es irgendwie komplett unnötig, Trevor auf diese Art und Weise zurückkehren zu lassen, wenn man bedenkt, was der Stein mit seiner Magie im Film alles erreicht.

Generell ist der magische Stein, der Wünsche erfüllt, auch nicht unbedingt der kreativste Weg, um die Handlung in einem Film in Gang zu bringen. Letztendlich ist irgendwie alles möglich, weil es halt Magie gibt. Da machen sich die Autoren die Sache ziemlich leicht, vor allem wenn die Handlung am Ende komplett aus dem Ruder läuft. Plötzlich entwickelt sich die Sache zu einer weltumspannenden Katastrophe, bei der das Schicksal der gesamten Erde auf dem Spiel steht. Abgesehen davon, dass die Erklärung dafür absolut hanebüchen ist, fühlt es sich irgendwie total übertrieben an, und man wünscht sich, dass die ganze Sache eine Nummer kleiner geblieben wäre.

Wonder Woman 1984

Zwei neue Gegenspieler für Diana

Wie bereits erwähnt, widmet Wonder Woman 1984 den beiden Gegenspielern Maxwell Lord und Barbara Ann Minerva aka Cheetah ähnlich viel Zeit wie seiner titelgebenden Heldin. Genau genommen wäre aber eigentlich nur Lord wirklich relevant für die Handlung. Im Falle von Cheetah bekommt man am Ende das Gefühl, dass die Figur eigentlich nur im Film ist, damit Wonder Woman im Finale einen Gegner hat. Die Szene selbst ist aber leider extrem enttäuschend.

Die Macher nutzen hier mal wieder das klassische "Wir lassen die Handlung bei Nacht spielen, um schlechte Effekte zu kaschieren". Das gelingt allerdings nur bedingt, und so erweist sich Cheetah leider als verschwendet, was vor allem vor dem Hintergrund, dass die Figur einer der klassischen Gegenspieler von Wonder Woman aus den Comics ist, sehr schade ist.

Auch zuvor will der Funke bei der von Kristen Wiig gespielten Figur nicht wirklich überspringen. Dies liegt unter anderem auch daran, dass man sich entschieden hat, den Electro-Weg aus Amazing Spider-Man: Rise of Electro zu gehen. Barbara wird zu Beginn als die typische tollpatschige Verliererin ohne Selbstvertrauen dargestellt, die von der Hauptfigur in den Bann gezogen, dann aber durch ein Ereignis verändert wird und sich schließlich gegen ihre einstige Heldin stellt. Das war schon bei Electro nicht sonderlich spannend und interessant. Gleiches kann man auch über Barbara sagen. Letztendlich ist sie für die Handlung selbst auch gar nicht notwendig. Den kurzen Endkampf hätte auch jede andere generische CGI-Figur übernehmen können.

Bei Maxwell Lord kommt dagegen wieder die Problematik zum Tragen, dass man mit Wonder Woman 1984 scheinbar einen Film aus den 80ern imitieren wollte. Pedro Pascal sieht man definitiv an, wieviel Spaß er in seiner Rolle hatte, die Figur selbst ist aber sehr überzeichnet, und der Darsteller neigt zum Overacting. Auch lässt der Film am Ende aus unerfindlichen Gründen offen, was genau denn nun die Konsequenzen für das Handeln von Lord und Minerva sind. Gerade im Falle von Lord fehlt da einfach etwas, schließlich war dieser für einige katastrophale Ereignisse zuständig.

Alles in allem lässt sich festhalten, dass Wonder Woman 1984 inhaltlich an den typischen Fortsetzungsproblemen eines zweiten Teils leidet. Dinge, die im ersten Teil ankamen, müssen zwanghaft wiederholt werden, und alles andere muss unbedingt größer, umfangreicher und bombastischer sein. Dazu gibt es gleich eine ganze Reihe von Dingen, die nur auftauchen, weil man glaubt, dass der Zuschauer sie cool oder beeindruckend findet beziehungsweise nur als Fanservice fungieren, unabhängig davon, ob sie innerhalb der Handlung Sinn ergeben oder logisch sind. Gerade inhaltlich fällt Wonder Woman 1984 im Vergleich zum Vorgänger dadurch deutlich ab.

Fazit

Wer bei Wonder Woman 1984 in der Lage ist, seinen Kopf auszuschalten, viele Logikfehler übersehen kann und einfach Lust auf einen wilden und trashing Ritt aus den 80ern hat, sollte auf seine Kosten kommen. Für alle anderen dürfte die Fortsetzung dagegen eine große Enttäuschung sein. Überdreht, unlogisch, viel zu lang und mit Effekten, die oft einfach nicht gut aussehen, trüben den Gesamteindruck deutlich. Dazu kommen einige fragwürdige Entscheidungen bei der Geschichte und den neuen Figuren. Es bleibt zu hoffen, dass man beim dritten Teil hier wieder einen stärkeren Fokus auf diese Aspekte.

Nemesis Spiele – Kritik zu The Expanse 5.10

SPOILER

Die letzte Episode dieser Staffel zögert nicht lange und steigt direkt in die Handlung ein. Monika Stuart (Anna Hopkins) hat sich im Laufe der letzten paar Folgen im Hintergrund als eine nützliche Detektivin erwiesen. Die Serie gibt vermeintlich unwichtigen Crewmitgliedern, die nicht am unmittelbaren Geschehen teilhaben, etwas Sinnvolles zu tun. Bevor sie jedoch ihre Ermittlungen fortsetzen kann, wird sie unwirsch von Bull (José Zúñiga) mit einer Hiobsbotschaft eines bevorstehenden Free-Navy- beziehungsweise Gürtler-Angriffs unterbrochen.

Zwischen diesen beiden Figuren und Holden (Steven Strait) entwickelt sich trotz gewisser Spannungen langsam eine stimmige Chemie. Dies ist möglicherweise auch notwendig, denn zumindest Bull und seine Fähigkeiten als Pilot könnten sich in der nächsten Staffel noch als nützlich erweisen. Typisch für Holden ist jedenfalls, sich bereitwillig opfern zu wollen, damit seine Freunde eine bessere Überlebenschance haben. Nebenbei unterbindet er noch Bulls rassistische Gürtler-Kommentare.

Weltraum-Duell mit dramatischen Konsequenzen

Stammregisseur Breck Eisner untermauert die Feuerkraft und die Übermacht der Free Navy vor der finalen Konfrontation noch einmal, indem er die Kamera in einer recht eindrucksvollen Szene von einem Raumschiff zum nächsten springen lässt. Auch wenn es nicht unbedingt leicht fällt, den Überblick zu behalten, gestaltet Eisner die gesamte Sequenz dank der dynamischen Schnitt-Montagen und einer spannungserzeugenden musikalischen Untermalung von Clinton Shorter äußerst mitreißend. All diese Elemente ergeben ein beeindruckendes Weltraum-Duell.

Im Nachhinein lässt sich sicherlich leicht behaupten, dass Camina Drummers (Cara Gee) Entscheidung, den Angriff auf die Rocinante zu sabotieren, vorhersehbar gewesen ist. Allerdings handelte es sich um eine Figur, die stets zwischen mehreren Stühlen saß: Sie fühlte sich immer hin- und hergerissen zwischen dem Gürtler-Volk, ihrer eigenen Besatzung und Holdens Crew beziehungsweise ihrer Freundschaft zu Naomi (Dominique Tipper).

Außerdem befindet sie sich schon seit dem Beginn ihrer Reise auf der Suche nach einer eigenen Identität, einem Zuhause und vielleicht sogar nach einer politischen Ideologie, der sie folgen kann. Diesen Zwiespalt stellte Gee fortwährend gut dar, dass das Ergebnis dieses Duells zumindest für Nicht-Buchleser vielleicht gar nicht so absehbar war. Dass Karal (Olunike Adeliyi) eines relativ unzeremoniellen Todes stirbt, nämlich durch die Hand einer vergleichsweise unerforschten Nebenfigur namens Michio (Vanessa Smythe), kommt dann doch relativ überraschend daher.

Anschließend scheinen sich alle Mitglieder von Caminas Crew bewusst zu sein, dass das gemeinsame Leben dieser kleinen harmonischen Truppe nach dem Angriff ein Ende genommen hat. Wie um diesen Punkt noch einmal zu unterstreichen, wirft Marco Inaros (Keon Alexander) ein ehemaliges Besatzungsmitglied aus der Luftschleuse und schickt Camina die entsprechende Video-Aufzeichnung dieser Macht- und Rache-Demonstration zu. Serge (Wilex Ly) war ebenfalls eine Hintergrundfigur, zu der Zuschauer wahrscheinlich keinerlei Bindung aufgebaut haben. Möglicherweise hat kaum jemand einen zweiten Gedanken an ihn verschwendet, seitdem er im Rahmen des Free-Navy-Austauschprogramms von Caminas zu Marcos Besatzung überwechselte.

Sein Tod wird dem Publikum nicht direkt gezeigt. Die Zuschauer beobachten Drummers Crew, wie sie Serge beim Sterben zusieht. Eine kluge Regie-Entscheidung, denn für das Publikum hat sein Ableben keine große emotionale Bedeutung. Vielmehr wird durch die schmerzhaften und überzeugenden Reaktionen seiner Kameraden wesentlich besser deutlich, dass Drummers Entscheidung, sich gegen Marco zu stellen, einen erheblichen Preis hat.

Rettung in letzter Sekunde

Naomis Geschichte nimmt ebenfalls buchstäblich wieder Schwung auf, als sie ein Triebwerk ihres Raumschiffes/Weltraumgefängnisses aktivieren kann. Die letzten Episoden schilderten durchaus spannend und weitestgehend monolog- und dialogfrei ihre diversen Rettungsversuche. Es wird trotzdem wieder höchste Zeit, dass etwas physische Bewegung ins Spiel kommt.

Ihr gesamter Überlebenskampf kulminiert in ihrem Sprung aus dem Raumschiff – und noch einmal muss an dieser Stelle Clinton Shorters gänsehauterzeugender Score gelobt werden. Das gepaart mit Tippers schauspielerischer Leistung, die Verzweiflung, Resignation, Mut im Angesicht von Todesangst sowie eine Form von Hoffnung auf Rettung ihres eigenen Lebens vermischt, machen diese Szene zum Höhepunkt dieser Episode.

Die subjektive Kameraarbeit von Jeremy Benning trägt ebenfalls ihren Teil dazu bei. Alle Beteiligten, sowohl vor als auch hinter der Kamera, arbeiten auf dem höchsten Niveau. Naomis Rettung erschien sicherlich unvermeidlich. Der Moment, in dem es allerdings geschieht und in dem Bobbie Drapers (Frankie Adams) Stimme hinter ihr zu hören ist, stellt jedoch eine lohnende und bewegende emotionale Katharsis dar, auf die die letzten drei Episoden hingearbeitet haben.

Schließlich kann sich jeder seine eigenen Gedanken zu Cas Anvars Abgang machen. Wer sich diesbezüglich an James S. A. Coreys Twitter-Account richten möchte, muss sich eventuell aber ein beherztes “Geht niemanden etwas an!“ oder “Fuck off!“ gefallen lassen. Die Autoren Daniel Abraham, Ty Franck und Naren Shankar hatten sicherlich keine einfache Aufgabe zu erfüllen. Alex' Ableben hat dementsprechend ein leichtes Poochie-kehrt-zu-seinem-Heimatplaneten-zurück-Feeling (bekannt aus der Simpsons-Episode “Poochie, der Wunderhund“), welches sich wahrscheinlich nicht vermeiden ließ.

Zwar hat sich die Serie immer mit den körperlichen und gesundheitlichen Folgen der Raumfahrt und den damit einhergehenden Belastungen durch die g-Kraft auseinandergesetzt, sein Ende wirkt dennoch etwas unbeholfen. Wie schon zu Beginn dieser Review angedeutet, ist es durchaus vorstellbar, dass Bull beziehungsweise Darsteller José Zúñiga als Ersatz schon für die nächste Staffel in den Startlöchern steht.

Abschiede, Wiedervereinigungen und pathosgeladene Reden

Leider wirkt auch der gesamte Abschluss mit Amos (Wes Chatham) und Erich (Jacob Mundell) etwas verkürzt und antiklimaktisch. Andererseits gibt es zwischen den beiden vermutlich nicht mehr viel zu sagen: Amos hat sein neues Leben gefunden, Erich muss wieder von vorne beginnen – die zerbrochene teure Whiskey-Flasche ist letztendlich ein Symbol dafür, dass alles, was sie einst für wichtig erachtet haben, vielleicht doch nicht so wichtig war … oder es ist nur eine zerbrochene Whiskey-Flasche, die für einen nett-amüsanten Moment sorgt. Dafür gestaltet sich die Wiedervereinigung von Amos und Naomi umso emotionaler und zwischen ihm und Holden umso unterhaltsamer, als er versucht Clarissa Mao (Nadine Nicole) auf das Schiff zu mogeln.

Pathosgeladene, etwas sentimentale Reden lassen sich am Ende einer solchen Staffel vielleicht nicht vermeiden. Aber wenn schon eine solche Rede, dann bitte mit der rauchigen Stimme von Shohreh Aghdashloo. Außerdem wird dem relativ siegessicheren Moment sofort wieder der Wind aus den Segeln genommen. Der Cliffhanger folgt nämlich auf dem Fuße. Zum Schluss bleibt jedoch weiterhin die Frage, ob die 6. Staffel alle Handlungsstränge abschließen wird und Showrunner sowie Autoren die vier noch übrig gebliebenen Bücher zu einer Staffel zusammenfassen sowie gewisse erzählerische Entscheidungen der Vorlage einfach ignorieren werden. Letzteres soll keine Kritik darstellen – Fernsehserien beziehungsweise Adaptionen müssen anderen Regeln gehorchen als ihre Buchvorlagen.

Ein Ausblick auf eine unsichere Zukunft

Admiral Duarte ist zu diesem Zeitpunkt für Nicht-Buchleser noch ein großes Fragezeichen. Generell sollten an dieser Stelle aber weitere Spekulationen vermieden werden, um dieses ungespoilerte Mysterium für Nicht-Leser zu erhalten. Woran die marsianische Fraktion auf dem Planeten jenseits des Ring-Portals arbeitet, scheint jedoch schon ziemlich weit fortgeschritten zu sein.

Das letzte Expanse-Buch erscheint im Oktober, und Produktion für die sechste und vermeintlich letzte Staffel haben bereits begonnen, sodass mit einer Veröffentlichung zumindest der ersten drei Episoden vielleicht schon im Dezember 2021 zu rechnen ist. So bleibt Buchlesern immerhin noch genug Zeit, das letzte Buch zu verschlingen und dann mit bittersüßer Abschiedsmelancholie Vergleiche zur Serienadaption anzustellen – immerhin müssen Fans kein Game-of-Thrones-Szenario befürchten, bei der die Serie den Autor der Buchvorlage überholt.

Fazit:

Insgesamt handelt es sich bei “Nemesis Spiele“ um eine runde Abschluss-Episode, die viele der Handlungsstränge Staffel auf eine spannende und emotionsgeladene Weise zu Ende bringt, auch wenn die gesamte Season oftmals Probleme hatte, den vielen Storylines gerecht zu werden – vielleicht wären ein bis zwei Episoden mehr die Lösung gewesen.

Trotzdem handelte es sich mal wieder um eine thematisch und psychologisch spannende Reise. The Expanse bleibt eine Serie, die weiterhin mit vielen interessanten Bällen jongliert, die von Klassenkampf über Terrorismus und den moralischen Strickfallen bei dessen Bekämpfung bis hin zu psychologischem Missbrauch und letztendlich Zusammenhalt von Freunden und Familie ein reichhaltiges Potpourri bietet, mit der kaum eine andere aktuelle Serie des Genres konkurrieren kann.

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