Filmkritik: Die Pinguine aus Madagascar

Unvergessen war ihr Auftritt in Madagascar. Stoisch hoben sie ihre Flossen und blieben ihrem Leitspruch "Just smile and wave, boys, just smile and wave" treu. Denn sie sollten vor allem eins sein - niedlich. Und genau diese Niedlichkeit ist der Schlüssel für das Spin-Off.

Als Babypinguine schon waren Rico, Kowalski und ihr Anführer Skipper eine eingeschworene Truppe, die ihre Umwelt in Frage stellte. "Was ist der Pinguin und wo geht der hin?" Wenn es nach den anderen Pinguinen gehen sollte - gar nicht. Denn die Hauptaufgabe eines Pinguins ist es eben, niedlich auszusehen. Mehr nicht. Das reicht dem Trio aber nicht und als sie ein Ei retten, aus dem kurz darauf Private zur Vervollständigung des Quartetts schlüpft, nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Sie verstehen sich selbst als Elite-Einheit, die mal eben zur Geburtstag von Private Hochsicherheitsgebäude entert, um den letzten verblieben Käse-Flip-Automaten aufzusuchen. Dumm nur, dass sich in diesem Automaten die Nemesis der Pinguine versteckt: Dave, der Oktopus. 
Warum Nemesis? Nun, Dave war lange Zeit die Attraktion des Zoos, bis ihm die niedlichen Pinguine die Schau stahlen. Seitdem ist er zur Nebenattraktion geworden und das schürt in ihm nur eins - Rache! Sein Ziel ist es, aus den flauschigen Frackträgern mit Hilfe seines Medusa-Serum in Mutanten zu verwandeln, die garantiert niemand mehr putzig, süß und vor allem - man ahnt es schon - niedlich finden wird.

So viel also zum Plot. Der aufmerksame Leser wird gemerkt haben, dass ein Wort öfter auftaucht: Niedlich. Ja, die Grundgeschichte basiert in der Tat vor allem auf der Tatsache, dass Pinguine erst einmal drollig anzusehen sind. Spätestens seit Happy Feet ist das schon genügend unter Beweis gestellt worden und allerspätestens seit Benedict Cumberbatchs Unfähigkeit, das Wort "penguin" korrekt auszusprechen, haben diese Tierchen Kultstatus entwickelt.

Reicht das aber für 90 Minuten Unterhaltung? Die ehrlich Antwort lautet leider nein. Der Film hat nach ungefähr einer halben Stunden leider sämtliches Gag-Pulver verschossen. Danach wird die Geschichte zunehmend düsterer, sodass sämtliche Kinder, die mit im Kino saßen, immer stiller wurden und nichts mehr fanden, das zum Lachen war. Das kann nun aber nicht das Ziel des Films sein - die eigene Zielgruppe zu verschrecken. Für die ganz Kleinen (der Film ist übrigens ohne Altersbeschränkung freigegeben) schienen vor allem die Szenen im Labor des wahnsinnig gewordenen Oktopus eher Horror- denn Komödienpotential zu besitzen. 

Zum Teil vermittelt der Plot zudem das Gefühl, dass er nicht weiß, welche Richtung er denn nehmen soll und welche Botschaft er vermitteln möchte. Erwachsenwerden? Freundschaft? Toleranz? Irgendwie schwankt Die Pinguine aus Madagaskar zwischen einer wirren Mischung aus Science Fiction und Slapstick-Komödie. Was schade ist, denn mit dem Spin-Off verspielen die possierlichen Kerlchen jede Sympathie, die sie in Madagaskar aufgebaut haben.

Für ein Kino-Tag mit dem ab 6jährigen - für die Kleineren ist er zum Teil wie erwähnt zu gruselig und auch zu lang - bestimmt eine nette Unterhaltung. Aber leider kein Film, bei dem die Erwachsenen nicht irgendwann auch heimlich auf die Uhr schielen und sich fragen, wie lange es noch zum unvermeidlichen großen Showdown dauert.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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