Buchvorstellung: Amizaras-Chronik

Im seit Ewigkeiten andauernden Krieg der Ariach sind Menschen Marionetten der mächtigen, engelähnlichen Über-Wesen. Zwischen Mitte des vergangenen Jahrhunderts und Anfang des neuen Jahrtausends geraten zwei besondere Personen zwischen die umkämpften Fronten: Rafaela und Atila werden zu wichtigen Akteueren und ihre Handlungen vermögen es, über den Ausgang des Krieges und damit das Fortbestehen der Menschheit auf Erden zu entscheiden. Ihr Abenteuer wird sich über insgesamt vier dicke Wälzer erstrecken, die neben ihrer umfangreichen Fantasy-Gesichte eine weitere Besonderheit mitbringen: Der eigens für die Amizaras-Chronik gegründete Verlag Amizaras Management Service GmbH arbeitet akribisch am extravaganten Design der Hardcover-Bände, die als illustrierte Romane erscheinen und inhaltliche Aspekte mit kunstvollen Designelementen wie Zeichnungen und Skizzen verbinden. Grund genug für uns, sich nicht nur die beiden bereits erschienenen Teile Aschamdon und Sarathoas genau anzusehen, sondern auch mit Herausgeber Holger Stiebing und Autor Valerian Caithoque über ihr außergewöhnliches Werk zu plaudern.


Die Idee ist dem kreativen Geist von Verleger Holger Stiebing entsprungen, nach dessen Konzept Autor Valerian Caithoque - ein Pseudonym, der Autor will aus beruflichen Gründen anonym bleiben - die Romane verfasst hat bzw. verfasst. Eine der Besonderheiten des Projektes ist die optische Aufmachung der einzelnen Bände. Die um ca. 700 Seiten starken Hardcover-Wälzer sind rein äußerlich betrachtet eine Wucht: Am Buchrücken befindet sich ein verzierender Kunstlederteil, der stimmig zum ansprechenden Cover, auf dem ein inhaltlich relevantes Symbol abgebildet ist, passt. Die stabile Bindung des überformatigen Buches erscheinen wertig, ebenso die Papierqualität der Seiten.

Auch im Inneren des Buches findet sich der Anspruch, Design und Inhalt zusammenfließen zu lassen: Alle Seiten sind künstlich "auf alt" getrimmt, in grau gehalten, das sich zum äußeren Seitenende hin ins Schwarze verdunkelt. Zwischen dem Romantext finden sich zahlreiche Zeichnungen und Abbildungen, die auf die Handlung hin- bzw. verweisen, aber auch versteckte Hinweise auf deren Fortschritt enthalten können. Comic-Künstler oder Zeichner wie Florian Stitz (Das schwarze Auge) und Felix Mertikat (Steam Noir), der zudem das Cover erstellt hat, steuern die Illustrationen bei, die im Zusammenspiel mit der farblichen Seitengestaltung für visuelle Opulenz sorgen. Diese unterstreicht die aussergewöhnliche und nicht wenig ambitionierte Idee des Projektes, in Zeiten des digital publishings eine Lanze für die Besonderheit des gedruckten Buches zu brechen. Bei allem Lob für die vielen positiven Eindrücke soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Lesbarkeit der Textzeilen durch die Kolorierung der Buchseiten abnimmt, das das Lesevergnügen vereinzelt mindert, was jedoch zu verzeihen ist.

Mit Aschamdon ist ein wahrer Hingucker gelungen, der nicht nur inhaltlich sondern auch in den erwähnten künstlerischen Designbelangen mit dem im März diesen Jahres veröffentlichten Nachfolger Sarathoas überzeugend fortgesetzt wird. Weil erneut zahlreiche Künstler ihre Arbeiten beisteuern, ist es völlig verständlich, dass der ursprüngliche Erscheinungstermin nicht eingehalten werden konnte und es für die beiden noch ausstehenden Bände keinen genauen zeitlichen Veröffentlichungsplan gibt. Man darf wohl zwischen 12 und 18 Monaten Wartezeit zwischen den Teilen ansetzen.


Inhaltlich darf der Leser gespannt sein, wie der Konflikt der verfeindeten Ariach-Fraktionen weitergeht. Denen sind alle Mittel recht, ihre Ziele durchzusetzen: Betrug, Intrige und Mord stehen an der Tagesordnung. Die Ariach lenken seit Langem unerkannt und im Verborgenen das Geschehen auf der Erde und prägen damit den Verlauf der (Menschheits-) Gesichte. Wie sehr die bevorstehenden Entwicklungen auch die Menschheit betrifft, wird in Aschamdon nur angedeutet, jedoch schon in Sarathoas fokussiert. Anhand zweier Hauptfiguren, deren 50 Jahre auseinander liegende Geschichten in sich abwechselnden Kapiteln erzählt werden, lernt der Leser Rafaela und Atila kennen, die ihn durch die Amizaras-Chronik begleiten werden. Rafaela wird von Ariach Aschamdon Zeit ihres Lebens mit Aufgaben betraut, deren Ergebnisse ihm helfen, Vorteile im ewigen Kampf zu gewinnen. Als Gegenleistung bietet er Rafaela und ihren Angehörigen die Aussicht auf das ewige Leben, worin diese eine Chance sieht, vor allem die leidvolle Existenz ihrer Mutter zum Guten zu wenden. Während Rafaela zwischen 1944 und 1965 unter Aschamdons Anweisung Geheimbünde infiltriert und sich auf die Suche nach wichtigen Artefakten macht, jagt Kunst-und Antiquitätenhändler Atila im Jahr 2002 nach unendlichem Reichtum. Als er in den Besitz eines mächtigen Artefaktes gelangt, krempelt sich sein Leben adhoc um. Er wird Teil eines kleinen Personenkreises, der ebenfalls in den Krieg der Ariach involviert ist. Bald befindet sich Atila auf einer Queste, die den Krieg entscheiden könnte. Autor Valerian Caithoque erzählt in Aschamdon von den geheimnisvollen Ariach-Geschöpfen und wie sie Menschheitsgeschichte seit Jahrtausenden begleiten und lenken. Ihr Zwist ist es, der in Zukunft über Leben und Tod auf der Erde entscheiden wird. Von dieser schwerwiegende Bedeutung erfahren Leser und Figuren auf den 720 Seiten des ersten Teils der Amizaras-Chronik. Wo sich der Premierenband mit Figureneinführung und den Storygrundlagen beschäftigen muss, steigt der Nachfolger sofort ins Geschehen ein und legt damit eine deutlich rasantere Narration vor, was dem Lesefluss guttut und viel Freude bereitet. Es gelingt, weiterhin Spannung zu bieten, was die Vorfreude auf den dritten Teil immens schürt.




Bei allem Lob für die optische Präsenz des Mammut-Werkes muss allerdings auch Platz für Kritik sein. Obwohl der Band 1 seinen Leser bereits mit den ersten Kapiteln gefangen nimmt und ihn problemlos bei der Stange hält, verliert sich diese Sogwirkung zwischen Mittel- und Schlussteil etwas. Das Interesse für Rafaela und Atila bleibt dabei erhalten, jedoch verläuft sich das Voranschreiten der Gesichte zu sehr in Details. Manche Handlungsabschnitte nehmen im Gesamtkonstrukt zu viel Raum ein. Zudem wird dem Leser zum gleichen Zeitpunkt die Zuordnung der Namen nicht gerade einfach gemacht. Zwischen Geheimbünden, deren Mitgliedern, anderen Funktionären der Menschen und den einzelnen Ariach ist es schwer, den Überblick zu behalten. Auf der einen Seite erfreut eine umfangreiche Story mit Tiefgang und Bedeutung sehr, aber um die gesamte Wirkung zu erfassen muss nicht nur höllisch gut aufgepasst, sondern auch die ein oder andere Passage ein zweites Mal durchgekaut werden. Wenn Aschamdon auf die Zielgerade einbiegt, findet Valerian Caithoque jedoch zu alter Stärke zurück und schafft es, die Spannung auf Sarathoas anzuheizen.

Mit den bisher erschienenen zwei Bänden der Amizaras-Chronik gelingt dem Kreativ-Team hinter dem Projekt ein spannendes Werk, welches trotz kleinerer Kritikpunkte für Fantasyfans eine sinnvolle Investition bedeuten kann, die viel Lesefreude bereit hält. Für die optische Aufwertung des heimischen Bücherregals ist in jedem Fall gesorgt. Die beiden Bände der Amizaras-Chronik beweisen, wie sehr ein durchdachtes und mit kreativer Kraft entwickeltes Buch formal und inhaltlich anspricht - auch heute, im digitalen Zeitalter, kann ein Buch so viel mehr sein, als nur beschriebenes Papier.



Lest nachfolgend das RnD-Interview mit Autor Valerian Caithoque und Herausgeber Holger Stiebing:

RnD: Wie kam die Idee auf, ein in seiner Form derart ambitioniertes Werk umzusetzen, das sich weitestgehend von gängigen Produkten unterscheidet?

Stiebing: Ausgangspunkt war die Liebe zu schönen Büchern und die Faszination, welche diese ausstrahlen. Besonders aufwändig gestaltete Exemplare kommen immer wieder in Fantasy- und Mystery-Filmen vor. Aber auch die historische Buchkunst war eine Quelle der Inspiration. Kloster unterhielten ganze Abteilungen, die damit beschäftigt waren, die Texte gestalterisch zu ergänzen. Kupferstiche und Holzschnitte von Dürer kennt auch heute noch fast jeder. Die Geschichte der Amizaras-Chronik eignet sich perfekt für diese in der heutigen Zeit unübliche Verbindung von Text, Einband und Illustrationen. Wenn man das Buch das erste Mal in der Hand hält, soll man nicht wissen, ob es ein altes Zauberbuch oder ein Roman ist.

RnD: Gibt es Chancen und Risiken bei einem solchen Vorgehen?

Stiebing: Die Chance ist, dass wir vor dem endgültigen Durchbruch des E-Books nochmal zeigen können, was ein Buch für uns sein könnte. Viele junge Menschen stehen an unserem Messestand und blättern mit großen Augen in den Seiten. Das Risiko war, dass es in der heutigen digital dominierten Zeit kein Interesse mehr für „richtige“ Bücher geben könnte. Glücklicherweise ist das Gegenteil der Fall und wir haben bereits nach 10 Monaten eine 2. Auflage von Band 1 drucken müssen.

RnD: Wie kam die Zusammenarbeit mit den Künstlern und Illustratoren zustande und gab es Vorgaben seitens des Autors/Verlags oder hatten die Zeichner jedwede künstlerische Freiheit?

Stiebing: Ich habe das künstlerische und inhaltliche Konzept der Amizaras-Chronik entwickelt und entsprechend das Team aus Autor, Illustratoren, Layout, Lektorat etc. zusammengestellt. Künstlerische Freiheit gab es nur, wenn es zum Konzept passte.

RnD: Sind Sie im Nachhinein mit dem Werk formal und inhaltlich, wie es letztendlich auf den Markt gekommen ist, zufrieden?

Stiebing: Insgesamt sind die beiden bisher erschienen Bände so geworden, wie wir es alle erhofft hatten. Natürlich gibt es immer Details, die Anlass zur Unzufriedenheit gaben und dann in den Folgeauflagen abgestellt wurden. Zudem enthält der erste Band an einigen Stellen zu massiven Input zur komplexen Hintergrundgeschichte. Aber andererseits finden viele Leser genau das gut und die anderen überfliegen diese Seiten. Aus heutiger Sicht würden wir diese Inhalte wohl mehr verteilen.

RnD: Mussten Kompromisse eingegangen werden und wenn dem so ist, in welchen Belangen und weshalb?

Stiebing: Inhaltlich und von den Illustrationen her haben wir keine Kompromisse machen müssen. Band 1 war da schon heftig, aber bei Band 2 mit seinen über 300 Illustrationen ist jede Seite ein Unikat. Niemand, der bei Verstand ist, würde so ein Buch produzieren. Aber beim Einband mussten wir damals einen Gang zurückschalten. Statt des ursprünglich geplanten Rindsledereinbandes sind wir dann doch auf eine vergleichsweise günstige Variante umgeschwenkt, die aber auch hochwertig und im Vergleich zu „normalen“ Büchern trotzdem noch sehr teuer ist. Aber wir wollten das Buch zu einem erschwinglichen Preis von 24,80 Euro für Band 1 rausbringen, da mussten wir uns etwas zurücknehmen.

RnD: Sind Sie mit der Anzahl der Verkäufe zufrieden und wie erleben Sie die Reaktion auf Ihr Werk?

Stiebing: Die Bücher verkaufen sich, selbst an den Maßstäben großer Verlage gemessen, sehr gut. Als Kleinstverlag wird man vom Buchhandel allerdings fast komplett ignoriert. Aber auf Messen und Cons konnten wir genug Menschen auf unser Werk aufmerksam machen und viele Blogger und einschlägige Internet-Seiten haben uns großartig unterstützt. Die Rezensionen sind überwiegend positiv und unsere Zielgruppe hat das Buch fantastisch aufgenommen. Die Amizaras-Chronik richtet sich an erwachsene Leser, welche düstere Abenteuergeschichten voller Geheimnisse und Rätsel mit einem komplexen Hintergrund mögen.

RnD: Was passiert in Sarathoas? Wird Aschamdon lückenlos fortgesetzt?

Caithoque: Die Handlung geht übergangslos weiter. Auch folgen wir den gleichen Hauptpersonen wie in Band 1. Die beiden Handlungsstränge werden jedoch nach etwa zweidrittel des Buches im Rahmen eines actionreichen Zwischen-Showdowns vereinigt. Die Aufgabe der Protagonisten wird immer klarer und viele Fragen werden beantwortet. Allerdings werden auch neue Fragen aufgeworfen und wir begleiten Rafaela und Atila bei der Suche nach Antworten an fantastische Schauplätze. Außerdem wird eine neue Hauptfigur eingeführt und die Feedbacks dazu sind bisher umwerfend. Das hat uns sehr erleichtert, weil diese Figur in Band 3 eine große Rolle spielen wird.

RnD: Gibt es Unterschiede zum ersten Teil?

Caithoque: In jedem Fall. Der Hauptunterschied liegt darin, dass wir uns insgesamt mehr auf die Handlung konzentrieren konnten. Die meisten Personen sind ja bereits eingeführt und von der Hintergrundgeschichte haben wir in Band 1 schon viel rübergebracht. Dadurch ist Band 2 wesentlich rasanter. Außerdem werden die Handlungsorte rascher gewechselt, was dem Ganzen zusätzlich Drive gibt.

RnD: Wie wird die Amizaras-Chronik weitergehen? Ist tatsächlich nach dem als Schlussteil angekündigten vierten Band alles erzählt?

Caithoque: Wir werden die Amizaras-Chronik mit Band 4 in einem spektakulären Finale zu Ende führen. Jeder Leser wird das befriedigende Gefühl bekommen, die Geschichte komplett erlebt zu haben. Allerdings haben wir bis dahin eine komplexe und faszinierende Welt voller Möglichkeiten geschaffen. Schon jetzt werden wir von Lesern mit Anfragen zu der Zeit nach Band 4 bombardiert. Wird die Vorgeschichte zu den Ereignissen in der Amizaras-Chronik erzählt? Könnten nicht andere Figuren weitere Abenteuer erleben? Was ist mit den ganzen Geschichten, die sich während der bisher erzählten Ereignisse zugetragen haben, von denen wir aber nur am Rande erfahren haben? Fakt ist, dass wir derzeit zu diesen Fragen noch keine Antworten haben. Der Grund: Wir konzentrieren uns voll auf die Vollendung der Amizaras-Chronik.

RnD: Finden in Zukunft Lesungen statt und wenn ja wo und wann?

Caithoque: Wir führen regelmäßig Lesungen durch. Vor Kurzem auf der RPC in Köln und demnächst auf der NordCon in Hamburg. Begleitet werden die Lesungen von einer kurzen Präsentation des Gesamt-Konzeptes der Amizaras-Chronik im Stil eines Making of. Neuigkeiten und Termine erfährt man auf unserer Website oder auf unserer Facebook-Seite. Dort kann man auch kostenlos das in unregelmäßigen Abständen erscheinende „Making of Amizaras“ bekommen, welches über Hintergründe, Recherchen, Illustrationen etc. berichtet.

Wir bedanken uns herzlich bei Valerian Caithoque und Holger Stiebing für das Gespräch.

Hier gehts zur Homepage des Verlags mit zahlreichen Grafiken und Making of-Elementen.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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