Die Schiffbrüchigen der Zeit Band 2

Die Schiffbrüchigen der Zeit, Band 2, Rezension
Jean- Claude Forest & Paul Gillon

Der zweite Band der von Zeichner Paul Gillon und  Autor Jean- Claude Forest  erschaffenen Serie „Die Schiffbrüchigen der Zeit“ zeichnet sich nicht nur durch die Befreiung der ebenfalls aus der tiefsten Vergangenheit stammenden Valerie Haurèle aus, sondern ist neben den exotischen Hintergründen eine ungewöhnliche Charakterstudie. Alleine die in  Christopher Cavallieri verliebte Mara ist eine attraktive, erotische und von Herzen gute wie entschlossene Frau.  Der mit einem zu hohen Tempo erzählte Plot konzentriert sich auf die Rettung der beiden Frauen aus sehr unterschiedlichen Situationen.  Es lohnt sich, mit dem Ende dieses Kapitels anzufangen. Valerie kann die im Sterben liegende Mara nur durch eine Blutspende retten, da sie aus Versehen im ersten Band sein Blut infiziert hat.  Alleine verschiedene Ideen – eine Kollision im All, eine Sabotage an Bord des Schiffes und einen mehrtätigen Flug - fassen Gillon und Forest auf nur zwei Seiten zusammen, ohne das eine dieser Ideen nachhaltig extrapoliert worden  ist. Aus dem Nichts taucht Christopher Cavallieri auf und ist im richtigen Moment zur Stelle. Das er gleichzeitig einen weiteren, zumindest in der Theorie persönlichen Konfliktherd entfacht, wird im folgenden Abenteuer eher zur Sprache kommen. Um seine Valerie Haurele aus dem Tiefschlaf in einer durchsichtigen Blase zu Beginn des Abenteuers zu retten, muss ein entsprechendes Bergungsschiff gekapert werden.  Zumindest reagiert Cavallieri vor der abenteuerlichen Rettung ausschließlich auf die  verschiedenen Bedrohungen, während er kurz vor der Rettung skrupellos die allerdings als Piraten/ Verbrecher  heimtückisch ermordet und sich dann noch darüber ärgert, dass deren Anführer bewaffnet gewesen ist.  Paul Gillon argumentiert, dass Cavallieri zu einem derartigen harten Mann in einer brutalen wie fremdartigen Welt geworden ist, aber viel eher hat der Leser das Gefühl, als suchen Forest und Gillon einen Ausweg aus den klassischen wie klischeehaften Heldensituationen, denn sein Schiffbrüchiger der Zeit ist kein Buck Rogers oder Flash Gordon, kein Luc Orient und vor allem ist die Beziehung weder zwischen Mara und Christopher noch angedeutet zwischen Valerie und ihm vergleichbar mit der populären „Valerian & Veronique“ Reihe. Es ließe sich argumentieren, dass in diesem Fall der Zweck die Mittel heiligt, aber so tief dringt die Handlung nicht in das Geschehen ein. Relativ schnell werden auf der erotischen Ebene die Fronten geklärt.  Während Mara still leidend schon lange in Cavallieri verliebt ist, kommt zwischen der geretteten Valerie und Cavallieri im Grunde keine Chemie auf. Für die Eifersucht besteht erstens kein Grund – immerhin kannte ihn Valerie vor dem Einfrieren nicht einmal richtig – und zweitens können die beiden sich begegnenden Frauen angesichts der zahllosen Actionabzweigen keine Verbindung miteinander aufbauen. Immerhin hat Cavallieri einige waghalsige Manöver unternommen, um die zweite Schiffbrüchige der Zeit zu retten.  Das Dreiecksverhältnis wird noch um eine exotische wie aggressive Prostituierte erweitert, die Cavallieri quasi brandmarkt. Das Titelbild gibt diesen Augenblick eindrucksvoll wieder.  In der Tradition des „Heavy Metal“ Magazins haben Zeichner und Autor eine Reihe von exzentrischen und vor allem gut skizzierten sehr unterschiedlichen Figuren positioniert. Neben den aus dem ersten Band bekannten Helfern den Gangsterchef Herr des Himmels Kolli oder die glorreichen Kämpfer von Roubo-Ein-Sarra oder Bat-Ad-Ballabar, die direkt aus Afrika in die Tiefen des Sonnensystem versetzt worden sind.

Interessant sind auch die einzelnen sehr bizarren Kreaturen, denen der Leser stellvertretend für den immer zu wenig überraschten Protagonisten auf einer Variation des Flusses Styx mit entsprechenden Totenwächtern genauso begegnet wie den Angreifern während der finalen Auseinandersetzung, die neben dem Versetzten ganzer Wälder unter anderem auch gigantische fliegende zu naturalistische Fische einsetzen. Mit den kräftigen, aber wenig realistischen, sondern eher surrealistischen Farben erschafft insbesondere Jean- Claude Forest eine bizarre, aber interessante Atmosphäre.

Inhaltlich leidet der Band wie „Der schlafende Stern“ nicht unter zu wenigen Ideen, sondern unter zu vielen hektischen Episoden, die zwar mit zwei roten Handlungsfäden miteinander verbunden sind,   aber ihre einzelnen Szenarien nicht zufriedenstellend ausspielen. Hier sei neben den schon erwähnten Auf- bzw. Endszenen auch die Rettung Maras aus einem Würfel durch das Lösen eines Rätsels – Cavallieri selbst muss zugeben, dass ihre Rettung wirklich ein Zufall gewesen ist – erwähnt. Im übertragenen Sinne muss der Protagonist seine beiden Frauen aus Gefängnissen – einmal eine Kugel, einmal ein Würfel – retten, was zumindest in dieser Konzentration auch schematisch erscheinen könnte. Wie angedeutet ist die Handlung ausgesprochen sprunghaft und die einzelnen Szenen werden stellenweise zu abrupt abgebrochen als konsequent und vor allem auch vielschichtig genug zu Ende erzählt. Das Universum der „Schiffbrüchigen der Zeit“ ist ohne Frage farbenprächtig und exotisch. Die vielen Ideen reizen die Leser. Die halbnackten Frauen befriedigen die visuellen Gelüste, auch wenn insbesondere der Protagonist Cavallieri in der vorliegenden Form ein ausgesprochener arroganter Unsympath ist. Das im Untertitel erwähnte „Rätsel der Charoner“ wird zwar nicht gelöst, aber dank des ungewöhnlichen visuellen Erzählstils und dieses aus sehr unterschiedlichen „Epochen“ zusammengesetzten Patch Up Universums wird der Leser trotzdem gut unterhalten.     

Splitter Verlag 

EinbandHardcover
Seiten56
Band2 von 10
Lieferzeit3-5 Werktage
ISBN978-3-95839-101-7
erscheint am:01.07.2015
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