Kritik zu Lucifer 2.02 - Liar, Liar, Slutty Dress on Fire

SPOILER

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Lucifer Still Tricia Helfer

Der Moment, auf den die Fans von Lucifer seit Ende von Staffel 1 gewartet haben, ist gekommen: Mama ist da - und dieses Mal so richtig.

Stand sie am Ende der letzten Folge noch als Cliffhanger im Aufzug, erfahren wir nun in einer passend inszenierten Rückblende, wie sie erst einmal den richtigen Körper finden musste.
Der eine oder andere wird dankbar sein, dass die Wahl schließlich auf das recht ansehnliche Exemplar von Charlotte (Tricia Helfer) gefallen ist. Eine Tatsache, die Lucifer (Tom Ellis) auch verstört, schließlich wäre Charlotte sonst genau sein Beuteschema - aber wer hat schon gerne unkeusche Gedanken, wenn er die eigene Mutter ansieht? Wie gern die Serie immer wieder mit sich selbst kokettiert, wird vor allem bei der Charaktereinführung von "Mom" deutlich. Da gemäß Lucifers Erfahrung Menschen durch blutverschmierte Kleidung irritiert sein könnten, packt er Charlotte erst einmal in die Kleidung von Maze (Lesley-Ann Brandt); mit dem Erfolg, dass die Zuschauer eine Folge lang eine knapp bekleidete Tricia Helfer zu sehen bekommen.

Ein Schneesturm im Sonnenstudio

Der Fall der Woche ist dann wie erwartet die Auflösung des Mordes beziehungsweise Nicht-Mordes an Charlotte, inklusive Verwicklung in einen Drogendealer-Ring. Hier ist Lucifer Chloe wieder einmal einen Schritt voraus, hat er doch den Vorteil, dass das vermeintliche zweite Opfer quietschlebendig in seinem Appartement sitzt. Positiv fällt dabei auf, dass die Drehbuchautoren darauf achten, Chloe nicht als ahnungsloses Dummchen darzustellen.

Zwar hält sie sich strikt an ihre übliche Vorgehensweise bei den Ermittlungen, dennoch hat man nie den Eindruck, dass sie den Kontext des Falls nicht erschließen könnte. Außerdem lässt Lucifer zudem durchblicken, dass er durch seine lange Existenz schon einiges erlebt hat und deswegen die Motive menschlichen Handelns schneller überblicken kann.

Erfreulich ist, dass er in dieser Episode wieder austeilen darf. Das Timing für diese kleine Prügel-Einlage stimmt und ruft in Erinnerung, mit wem wir es bei Lucifer eigentlich zu tun haben.

Auch der Teufel darf mal auf der Denkleitung stehen

Im Vordergrund von "Liar, Liar, Slutty Dress on Fire" stehen jedoch erstaunlich leise Momente, deren voller Umfang sich erst im Laufe der Folge erschließt. Die Vehörszene von Trixie und ihren Eltern zur Zerstörung der Puppe mag anfangs komisch anmuten, schlägt dann aber einen wunderbaren Bogen zu dem Konflikt der Handlung - denn eigentlich geht es hier darum, dass Kinder die Motivation ihrer Eltern selten nachvollziehen können. Eben weil sie noch Kinder sind.

So hat Lucifer hier die Position des bockigen, sturen Sohnes inne - genau wie Chloes Tochter. Lucifer kann nicht verstehen, warum seine Mutter nicht eingeschritten ist, als sein Vater ihn aus dem Himmel verstoßen hat und trägt ihr dies immer noch nach. Er kommt vorerst gar nicht auf die Idee, dass sie Gründe für ihr Handeln gehabt haben könnte.

In diesem Sinne steht er Trixies einfacher Logik "Ich möchte ein neue Puppe, also zerstöre ich meine alte Puppe" in nichts nach. Erst Chloe muss ihm beibringen, dass Eltern manchmal Dinge machen müssen, die Kinder nicht verstehen. Ein Punkt, der zeigt, dass auch Lucifer sich charakterlich in der Serie weiter entwickelt.

Nichts ist, wie es scheint

Vorerst unklar bleibt noch, was gerade mit Amenadiel (D.B. Woodside) geschieht. Bereits zum Staffelauftakt war deutlich, dass er gerade seine Kräfte verliert. In den wenigen Szenen, in denen Lucifers Bruder nun zu sehen ist, wird seine Lage dennoch eindringlich dargestellt. Die Szene, in der Amenadiel seine zerrupften Flügel ausbreitet und seine Angst sowie Verzweiflung darüber ersichtlich ist, gehört definitiv zu den starken Momenten der Folge.

Lucifer wäre aber nicht Lucifer, wenn die Folge nicht wieder mit einem kleinen Cliffhanger enden würde. In einer intensiv gespielten Szene kommt es zu einer Annäherung zwischen Mutter und Sohn, die den Zuschauer fast glauben lässt, dass Gott der Böse in dem Gefüge ist. Fast. In letzter Sekunde offenbart sich jedoch - für Lucifer selbst nicht ersichtlich -, dass Charlotte ein falsches Spiel treibt. In welche Richtung dieses Spiel geht, erfahren wir dann in der nächsten Woche mit "Sin Eater".

Fazit

Nach dem Staffelauftakt nimmt Lucifer ordentlich an Fahrt auf und deutet an, dass gerade im Bezug auf Charlotte wohl noch mit einigen Überraschungen zu rechnen ist - sehr spannend sind die zu erwartenden Auswirkungen auf Lucifer, der anscheinend gerade dabei ist, wieder Vertrauen in seine Mutter aufzubauen.

Nach wie vor punktet die Serie mit Details, die künftige Ereignisse andeuten - so dürfte wenigen der Blick, den Charlotte ihrem Sohn zuwirft, als dieser Chloe bei der Festnahme beobachtet, entgangen sein. Für die kommenden Folgen wäre allerdings wünschenswert, dass die neu zum Team hinzugestoßene Ella (Aimee Garcia) etwas mehr zu sehen ist und nicht ein eher blasser Nebencharakter bleibt.

Lucifer 2x03 Promo "Sin-Eater" (HD)

Lucifer Staffel 2

Originaltitel: Lucifer (seit 2016)
Erstaustrahlung am 25.01.2016 bei Fox / 15.06.2016 bei Amazon Prime Video
Darsteller: Tom Ellis, Lauren German, Kevin Alejandro, D. B. Woodside, Lesley-Ann Brandt, Scarlett Estevez, Rachael Harris
Produzenten: Tom Kapinos, Ildy Modrovich, Len Wiseman, Jonathan Littman, Jerry Bruckheimer
Staffeln: 3+
Anzahl der Episoden: 51+


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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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