Volle Kraft voraus! - Kritik zu Vaiana

Vaiana (Lina Larissa Strahl) ist die 16-jährige Tochter des Häuptlings Tui (Thomas Nero Wolff) von Motunui - und nicht auf den Kopf gefallen. Ihr erschließt sich nicht, warum es dem Volk verboten ist, niemals weiter hinaus zu segeln als bis an den Rand des Riffs. Schließlich waren die Bewohner Motunuis einst ein stolzes Volk von Seefahrern. Außerdem ist das Mädchen noch mit einer besonderen Verbindung zum Ozean gesegnet.

Als das Leben auf der Insel schließlich von einer Finsternis bedroht wird, macht sich Vaiana, ermutigt von ihrer Großmutter Tala, auf den Weg, um die Insel zu retten. Dazu benötigt sie die Hilfe des Halbgotts Maui (Andreas Bourani).

Grundsätzlich klingt die Geschichte von Vaiana nach den üblichen Zutaten für einen Disney-Film: Wir haben eine Heldin im Teenager-Alter mit einer Besonderheit - in diesem Falle die magische Verbindung zum Ozean. Besagte Heldin hat eine große Aufgabe zu erfüllen. So weit nichts Neues.

Dennoch schafft Vaiana es, sich von den Filmen aus dem Hause Disney in der letzten Zeit, wie zum Beispiel Frozen, abzuheben.

Keine Klischees beim weiblichen Hauptcharakter

Starke weibliche Figuren gab es zwar schon öfter. Aber bei Vaiana fällt besonders positiv auf, dass der Charakter vielschichtig gezeichnet ist. Zum einem hat das Mädchen die Verbindung zum Ozean, die zu einem mystischen Element ausgebaut wird und aus dem Ozean im Verlaufe des Films einen ganz eigenen Charakter macht.

Dann hat man Vaiana aber noch ein paar Probleme gegeben, die vermutliche viele Jugendliche auf der Welt haben: Unverständnis den Regeln gegenüber, die Erwachsene im vermeintlich guten Willen aufgestellt haben. Und was macht man, wenn man mit Regeln nicht einverstanden ist? Richtig. Rebellion!

In diesem Falle ist es keine kopflose Rebellion, schließlich ist die Existenz von Vaianas Volk bedroht. Hier zeigt der Film eine Stärke darin, dass das Studio seine Hausaufgaben gemacht hat. Denn die Inspiration lag in den Mythen der polynesischen Völker, die einst die besten Seefahrer der Welt waren. Bis ihre Expeditionsfahrten plötzlich stoppten. Genau an diesem Punkt setzt ein Handlungspunkt von Vaiana an und gibt in einer kurzen, gelungenen Sequenz einen Überblick über diese Geschehnisse.

Das Paradies im Winter

Deutlich wird in der Umsetzung ebenfalls, dass das Produktionsteam zur Recherche unter anderem Fidschi und auch Neuseeland bereist hat. Der Ergebnis dieser Reise ist in vielen Facetten von Vaiana sichtbar: Von der Animation bis zur Musik ist der Film eindeutig von den vielen Gesprächen und Erfahrungen der Produktion mit den Mitgliedern des Oceanic Story Trust beeinflusst. Die Treuhandgesellschaft wurde extra gegründet und stellte sicher, dass der Film das Erbe der polynesischen Völker respektiert.

Die Musik. Sie darf in einem Disney-Film natürlich nicht fehlen. Bereits nach knappen zehn Minuten gibt es die erste musikalische Einlage. Geschrieben wurden die Stücke unter anderem von Lin-Manuel Miranda und Opetaia Foa'i (Sänger und Komponist der ozeanischen Gruppe Te Vaka). Entstanden ist ein abwechslungsreicher Soundtrack. "You're Welcome" von Dwayne Johnson ist definitiv ein Garant für gute Laune, während "How far I'll go" sich nahtlos in die Reihe der pompösen Disney-Lieder einreihen wird. Die Nominierung für einen Golden Globe hat das Stück schon einmal eingefahren. "We Know The Way" hingegen spielt mit den Elementen der kulturellen Wurzeln von Vaiana.

Hahn gegen Schwein

Damit Vaiana nicht allzu schwer wird und vor allem noch kindgerecht bleibt, dürfen die komödiantischen und niedlichen Momente natürlich nicht fehlen. Gerade bei den Jüngsten sollte der Hahn Heihei, der gelinde gesagt nicht die hellste Kerze am Baum ist, für einige Lacher sollten. Für den Niedlichkeitsfaktor ist Pua, Vaianas kleines Hausschweinchen, zuständig.

Insbesondere sticht aber natürlich Maui aus der Handlung heraus. In der Originalversion wird dieser Charakter exzellent von Dwayne Johnson gesprochen. Maui ist ein muskelbepackter Kerl, der auf den ersten Blick narzisstisch und sehr von sich überzeugt wirkt, aber - wie nicht anders zu erwarten - das Herz am rechten Fleck hat. Um diese Figur noch pädagogisch wertvoll zu machen, hat man ihm Tattoos verpasst, die als sein Gewissen fungieren und die Moralwerte vermitteln sollen, an die Maui sich eigentlich halten sollte.

Ganz ohne kleine Schwächen kommt Vaiana jedoch auch nicht aus. Vermutlich ließ es sich nicht vermeiden, in einem Seefahrt-Abenteuer auch Seeräuber einzubinden. Diese Sequenz wurde leider eindeutig vom hauseigenen Fluch-der-Karibik-Franchise inspiriert und hätte auch entfallen können. Ebenso sollten Tolkien-Fans sich in einigen Momenten an die Herr-Der-Ringe-Filme erinnert fühlen.

Diese kleinen Fehltritte werden in allem aber von einem Film aufgefangen, der mit großartigen Bildern und einer durchdachten Geschichte auffährt. An dieser Stelle darf man tief in die Phrasen-Kiste greifen, da Vaiana sich in der Tat am besten mit "Ein Film, der Jung und Alt Spaß bereiten wird" beschreiben lässt und definitiv das Erbe von Frozen antreten kann.

Fazit

Vaiana schafft es, seine Zuschauer mit einer atemberaubenden Animation für einige Stunden von dem kalten Winter in die paradiesische Südsee zu entführen. Der perfekte Film, um mit den Kindern (wenn ihr keine habt, borgt euch welche!) zwischen den Jahren ins Kino zu gehen und vom Feiertagsstress abzuschalten. Aber Achtung - wer zu Fernweh neigt, könnte anschließend in Versuchung geraten, eine Reise gen Ozeanien zu buchen.

Vaiana Teaser-Poster
Originaltitel:
Moana
Kinostart:
22.12.16
Laufzeit:
107 min
Regie:
Ron Clements, John Musker
Drehbuch:
Jared Bush, Ron Clements, John Musker, Pamela Ribon, Taika Waititi
Darsteller:
Dwayne Johnson (Maui), Alan Tudyk, Auli'i Cravalho (Moana), Phillipa Soo
Vaiana handelt von dem Mädchen Moana, die sich mit einem Segelboot auf eine Reise durch den Südpazifik begibt. Sie plant, eine geheimnisvolle Insel zu finden und verbündet sich dazu mit dem Halbgott Maui.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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