Sieben kleine Schwesterlein - Kritik zu What happened to Monday?

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What happened to Monday?

Im Jahr 2073 herrscht auf der Erde eine dramatische Überbevölkerung, die zwangsläufig zu Ressourcenmangel und Hungersnöten führt. Die Regierung versucht daher, mit einer strikten Ein-Kind-Politik gegen die drohende Auslöschung der Menschheit vorzugehen. Alle Familien werden im sogenannten Kinder-Zuteilungsbüro registriert, das von der erbarmungslosen Nicolette Cayman (Glenn Close) geleitet wird. Mitten in diesem totalitären Regime werden der Familie Settmann in einem provisorischen Krankenhaus Siebenlinge geboren. Die Mutter stirbt bei der Geburt. Die Schwestern, die nach den sieben Wochentagen benannt wurden (alle gespielt von Noomi Rapace), werden heimlich von ihrem Großvater (Willem Dafoe) in einem Versteck aufgezogen. Alle Schwestern teilen sich eine Identität und einen Job, zu dem jede an einem Wochentag und unter Einhaltung strenger Zeitpläne nach draußen darf. Das riskante Spiel funktioniert einige Jahre lang - bis Monday eines Tages nicht mehr nach Hause zurückkehrt.

Sieben auf einen Streich

Ursprünglich sollten die Siebenlinge bei What happened to Monday? männlichen Geschlechts sein, doch Regisseur Tommy Wirkola (Dead Snow, Hänsel und Gretel: Hexenjäger), der das Projekt von der berühmten Hollywood-Blacklist übernommen hat, war sich sicher, dass seine Wunschkandidatin Noomi Rapace dieser Herausforderung gewachsen sein würde. Nach einer etwas umständlichen Einführung und einem kurzen Moment der Ernüchterung - denn natürlich wurde hier mit allen filmischen Mitteln wie unterschiedlichen Perücken, Kleidungsstilen und Accessoires gearbeitet - kann Rapace die meisten der sieben Figuren tatsächlich größtenteils überzeugend transportieren.

Es sind hier jedoch viel eher die kleinen Gesten und Bewegungen, die das große Ganze bei What happened to Monday? ausmachen: Rapace überzeugt mit Mimik und Körpersprache insgesamt deutlich mehr als die bemüht unterschiedlichen Aufmachungen. Das ständige Fallenlassen der Wochentagsnamen, um die Zuschauer um jeden Preis bei der Stange zu halten, verwirrt oft eher, als dass es hilft - vor allem dann, wenn die Figuren auch noch ihre Kleidung tauschen. Aber sei's drum: Rapace zieht die Sache mit spürbarer Inbrunst durch und überzeugt durch vollen Körpereinsatz.

Willem Dafoe ist als strenger, aber liebender Großvater ein Glücksgriff - leider ist ihm nur wenig Zeit auf der Leinwand vergönnt. Glenn Close hingegen versucht mit aller Macht, mit ihrer Rolle gegen ihre Schauspiel-Vergangenheit als Cruella de Vil anzuspielen, was ihr jedoch nur mäßig gelingt. Zu holzschnittartig sind die Dialoge, die sie mit den Schwestern und den Kollegen in ihrer Zentrale führen muss. Auch Marwan Kenzari (Die Mumie, Ben Hur) stellt sich als Herzbube einer der Schwestern in manchen Szenen erstaunlich tumb an, ist jedoch als treuer Begleiter durchweg sympathisch. Die Newcomerin Clara Reid liefert als junge Version der Schwestern ebenfalls eine durchweg solide Leistung ab.

Drehbuch: Erfreulich konsequent, Ausführung: ausreichend

Generell muss man der Grundidee bei What happened to Monday? mit genug Wohlwollen entgegenkommen. Der eine oder andere offensichtliche Plot-Twist ist zwar bereits zu erahnen, jedoch gelingt es Tommy Wirkola mit erstaunlicher Sicherheit, die ganz großen Untiefen geschickt zu umschiffen, in die die Handlung streckenweise zu geraten droht.

Stattdessen macht der Film auch dem geübten Dystopie-Zuschauer immer wieder klar, wie konsequent er mit seinen Figuren umzugehen weiß. Auch futuristische technische Entwicklungen wie smarte Spiegel finden ihren - größtenteils sinnvollen - Einsatz und werden nicht nur als Spielerei benutzt.

Umso ärgerlicher ist es, wenn zwischen den durchaus überzeugenden und spannenden Momenten die Starrheit und Funktionalität des Drehbuchs zu spüren ist. Solcherlei Szenen ziehen den ansonsten spannenden Actionthriller unnötig in die Länge - hier hätte Wirkola eine Menge überflüssiges Material herauskürzen können.

Kamera und Effekte: Kammerspiel mit solider Action

Bei What happened to Monday? wird immer wieder zwischen Kammerspiel-Thriller und beeindruckenden Action-Szenen auf den Dächern der in blaugrauen Tönen gehaltenen Stadt gewechselt. Noomi Rapace erweist sich nach der Millennium-Trilogie hier erneut als gute Wahl, was sämtliche Stunt-Szenen angeht. Die Kamera weiß auch im reduzierten Raum alle Figuren gut in Szene zu setzen.

Fazit: Muss man wollen

Bei What happened to Monday? kommen Action- und Dystopiefans gleichermaßen auf ihre Kosten. Noomi Rapace kann mit ihrem nuancierten Spiel überzeugen. Zwar muss der Zuschauer die eine oder andere abenteuerliche Drehbuch-Wendung schlichtweg hinnehmen - ist er jedoch über die erforderlichen Hürden geklettert, ist der Film durchaus für einen unterhaltsamen Kinoabend geeignet.

What Happened To Monday? - Ab 12.10.2017 im Kino (Deutscher HD-Trailer)

What Happened To Monday? Filmposter
Originaltitel:
What Happened To Monday?
Kinostart:
12.10.17
Regie:
Tommy Wirkola
Drehbuch:
Max Botkin, Kerry Williamson
Darsteller:
Noomi Rapace, Glenn Close, Willem Dafoe, Marwan Kenzari
In naher Zukunft zwingen Überbevölkerung und Hunger die globale Regierung zu einer drastischen Ein-Kind-Politik.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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