New Eden - Kritik zu Star Trek: Discovery 2.02

SPOILER

Nach dem erfrischenden Auftakt der zweiten Staffel begibt sich Star Trek: Discovery wieder in altbekannte Trek-Gewässer. Dazu mit einem altbekannten Trek-Veteranen hinter der Kamera: Jonathan Frakes hat die Regie übernommen.

“All dies ist ist schon mal geschehen …”

Battlestar Galactica trifft Star Trek? Nicht nur die gute, alte “Glaube vs. Wissenschaft”-Debatte ist alles andere als neu. “New Eden” erinnert gleich mehrfach an diverse Episoden aus anderen Trek-Serien, vor allem Star Trek: Raumschiff Voyager.

Das mysteriöse rote Signal ist zurück und führt die Discovery in den weit entfernten Beta-Quadranten. Überraschenderweise stößt sie dort nicht nur auf einen erdähnlichen Planeten, sondern entdeckt auch Signale von menschlichen Bewohnern. Ein empfangener Hilferuf sorgt jedoch für Verwunderung: Ein schneller Scan der Oberfläche zeigt, dass die Menschen sehr unterentwickelt, weit vor Warp-Fähigkeit, leben. Irgendwie müssen sie hier doch hingekommen sein, warum gibt es kein Zeichen von moderner Technik? Fanfiction-Schreiber sind sicherlich schon aktiv - ein Crossover mit dem Finale von Battlestar Galactica ruft laut.

Wie es sich für Oldschool-Trek gehört, ist es für einen Teil der Crew Zeit, sich in Kostüme zu schmeißen, um den fremden Planeten zu erkunden und dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Während dessen erkennt die Schiffsbesatzung eine weit größere Gefahr: Der Planet ist bedroht, der nukleare Winter steht kurz bevor - eine schnelle Lösung ist gefragt.

“Man muss wohl dabei gewesen sein”

Wie sehr hat sich Captain Pike eigentlich vorab mit der Discovery beschäftigen können? Auf der einen Seite hat er den Auftrag, das Kommando zu übernehmen, von der Föderation bekommen und ja auch definitiv Wissen über Vorgänge an Bord und über die Besatzung. Dann wieder jedoch erstaunlich wenig. Ist das nun tiefes Vertrauen in Burnham, Saru und Co oder Pikes Abenteurergeist?

Der Sporenantrieb galt letzte Woche noch als eingemottet. Und zack ist er wieder da. Zugegeben, das moralische Dilemma scheint wohl hauptsächlich zu sein, dass in den Kriegswirren die Experimente und Genmanipulationen sowie Einsatz eines Menschen als Netzwerkpilot durchgingen, aber eigentlich von der Föderation verboten sind. Stamets hat die Fähigkeit zum Navigieren aber nunmal und befindet sich noch an Bord. Also wird die Abkürzung genommen, um überhaupt zeitig im Beta-Quadranten sein zu können. Und auch gleich nochmal, um rund um die Strahlung des Planeten präzise navigieren zu können. Wie … praktisch. Dabei hatten die Serienmacher doch mit der Einmottung gerade so noch die Kurve bezüglich zukünftiger Kanon-Diskrepanzen bekommen. Wieso wird die Kiste gleich wieder geöffnet?

Ich bin heute im Fragen-Modus und mache gleich weiter: Tilly ist Fähnrich. Gibt es da nicht gewisse Beschränkungen, Zugangssperren, Aufsichtspersonen? Was unterscheidet Tilly tatsächlich so sehr von all den Offizieren um sie herum? Wie ist es möglich, dass sie mal eben so Experimente am Asteroiden vornehmen kann, die das komplette Schiff in Gefahr bringen können? Und auf dem Weg von Krankenstation direkt auf die Brücke wird man nicht auch mal aufgehalten? Woher weiß Stamets eigentlich, was vor sich geht und hat auch gleich einen Lösungsvorschlag inklusive fertiger Berechnung, nur Augenblicke nachdem die Gefahr für den Planeten überhaupt erkannt wurde?

Von roten Engeln und steinernen Kirchen

Die Geschehnisse auf dem Planeten bleiben leider sehr dünn. Bei begrenzter Erzählzeit mag der Einsatz von Klischees nützlich sein, aber wirklich Stimmung und emotionale Bindung kommt so nicht auf. Beim Dritten Weltkrieg im Jahre 2053 sind auf der Erde 600 Millionen Menschen gestorben. Auf wundersame Weise haben einige überlebt, die sich in eine Kirche geflüchtet haben. Wie die heiligen Schriften, Kirchenfenster und die religiöse Führerin der Planeten-Bewohner erzählen, erschien ein roter Engel, der sie rettete. Es hat sie (samt Kirche?) in den Beta-Quadranten verschlagen. Dort lebt die Kolonie seit über 200 Jahren, alle Religionen friedlich vereint, in bescheidener Einfachheit.

Leider gibt es keinerlei Erklärung, warum eine Kolonie von Menschen aus dem 21. Jahrhundert derart lebt und sich im Verlauf der 200 Jahre auch nichts weiterentwickelt hat. Zumal durch Jacob, die einzige neue Figur, der zumindest etwas Charakter zugesprochen wird, bekannt ist, dass auch Wissenschaftler dabei gewesen sind.

Gerade im Hinblick darauf, dass die Thematik “Glaube versus Wissenschaft” sowohl eine aktuelle als auch bereits vielschichtig tausendfach beleuchtete ist, kratzt das Motiv in “New Eden” noch nicht einmal an der Oberfläche. Allerdings ist anzunehmen, dass diesbezüglich noch deutlich mehr kommt. Der Rote Engel scheint der rote Faden der Staffel zu sein. Wer weiß, vielleicht hat ja die Erscheinung den so logisch erzogenen Spock derart verstört, dass er sich in die Psychiatrie hat einweisen lassen. Man erfährt durch Pike nämlich lediglich, dass er das hat und nicht aus welchem Grund.

An Bord der Discovery gibt es zudem nun noch eine weitere Person, die scheinbar Geister sieht. Nach Stamets und seinem Hugh hat Tilly nun auch eine visualisierte innere Stimme, die sie unterstützt. In Erscheinung tritt diese als unbekanntes Crew-Mitglied, die sich später als alte Schulfreundin von Tilly herausstellt. Dass sich diese an Bord befindet scheint Tilly erstaunlich wenig zu überraschen. Um so größer die Überraschung, dass niemand unter dem Namen an Bord ist und ihre Schulfreundin laut Computeraufzeichnung vor geraumer Zeit verstorben sei. Nun verbringen Tilly und Stamets nunmal beide viel Zeit zusammen mit dem Sporen-Netzwerk. Kommt hier die kleine grüne Spore, die im Finale der ersten Staffel auf Tillys Schulter landet, wieder ins Spiel? Oder hat sie durch den ganzen Stress einfach nur Halluzinationen? Eine weitere Episode für Hoaxilla: Discovery.

Wohoo, Teamwork!

Abgesehen von den inhaltlichen Fragen und etwas dünner Erzählung erfreut das Zusammenspiel der Figuren. Wie gewünscht erhält auch die Brückencrew mehr Screentime und darf sogar mal ganze Sätze sprechen. Eine sehr gute Entscheidung, dass Lieutenant Joann Owosekun (Oyin Oladejo) zusammen mit Burnham und Pike Teil des Außenteam-Trios wurde. Es ist zwar nicht viel, aber sie bekommt tatsächlich etwas zu tun. Ähnlich ihre Kollegin Detmer, die sich an Bord der Discovery abermals als brillante Navigatorin auszeichnet. Zudem scheint die (noch namenlose?) Ärztin aus der letzten Episode nun öfter aufzutauchen.

Gegenüber Tilly hätte Saru durchaus etwas mehr den Kommandanten-Ton anschlagen können, ansonsten darf er sich aber als fähiger Captain präsentieren. Hier kommt die Aufteilung in Bodenteam und Schiffsbesatzung zu Hilfe, dass sowohl Pike als auch Saru ihrer Führungsrolle nachkommen können.  Erneut wird auch der Unterschied zu Lorca deutlich: Im Gegensatz zu Lorcas “Kontext ist nur was für Könige” ist Pike eher auf der Seite von “neuer Kontext kann unsere Perspektive verändern”. Derweil scheinen sich Burnham und Pike immer mehr aneinander zu gewöhnen.

Nicht zuletzt über die Verbindung durch Spock gibt es einiges unter vier Augen zu besprechen, wobei man mehr über die Charaktere erfährt und sich schließlich Burnham auch bezüglich ihrer Engel-Erscheinung offenbart. Pike ist Glauben ohnehin scheinbar aufgeschlossen, jedoch hat er durch die Aufzeichnung des geborgenene Soldatenhelms auch etwas Handfestes: Das Video von der Rettung der Menschen aus der Kirche zeigt deutlich die Erscheinung des Roten Engels. Dies überrascht mich nun jedoch weniger als die Tatsache, dass der alte, verstaubte Datenträger ohne Probleme sofort erkannt und abgespielt werden kann. Ich hätte da noch eine lediglich zehn Jahre alte SD-Karte, die Zicken macht. Discovery zu Hilfe!

Leider mit keinem Wort erwähnt wurde der Verbleib der Ingenieurin Reno aus der letzten Episode und auch Tyler, L’Rell und Imperatorin Georgiou wurden noch nicht gesichtet.

Fazit

“New Eden” ist definitiv Star Trek und eine Episode, die man sich noch in Staffel 1 eher nicht hat vorstellen können. Durchaus solide, aber eben auch altbacken und inhaltlich dünn.

Spannend wäre zu gucken, inwieweit sich die Ansichten von Alt-Fans, die das Thema schon zigfach durch haben, und Neu-Zuschauern hier unterscheiden. Man möge sich aber bitte nicht in der ganzen Religionskiste verrennen.

Star Trek: Discovery Logo 2017

Originaltitel: Star Trek: Discovery
Erstaustrahlung 24. September 2017 bei CBS All Access / 25. September 2017 bei Netflix
Darsteller: Sonequa Martin-Green (Michael Burnham), Jason Isaacs (Captain Gabriel Lorca), Michelle Yeoh (Captain Georgiou), Doug Jones (Lt. Saru), Anthony Rapp (Lt. Stamets), Shazad Latif (Lt. Tyler), Maulik Pancholy (Dr. Nambue), Chris Obi (T’Kuvma), Shazad Latif (Kol), Mary Chieffo (L’Rell), Rekha Sharma (Commander Landry), Rainn Wilson (Harry Mudd), James Frain (Sarek)
Produzenten: Gretchen Berg & Aaron Harberts, Alex Kurtzman, Eugene Roddenberry, Trevor Roth, Kirsten Beyer
Entwickelt von: Bryan Fuller & Alex Kurtzman
Staffeln: 2+
Anzahl der Episoden: 29+


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