Saints of Imperfection - Kritik zu Star Trek: Discovery 2.05

SPOILER

Gleich zu Beginn: Auch in Episode 2.05 von Star Trek: Discovery ist Spock nach wie vor nicht zu sehen. Allerdings tauchen auf der Suche nach dem flüchtigen Halbvulkanier andere verloren geglaubte alte Bekannte auf. Und “Die Heiligen der Unvollkommenheit” lässt die Discovery erneut Grenzen des Möglichen ausreizen.

Hätt ich Euch heut’ erwartet...

Greys’s Anatomy hat das mit den pseudo-philosophischen Voiceovern irgendwie besser raus. Dennoch rahmen Burnhams Gedanken rund um Glaube und Hoffnung zu Beginn und Ende die Episode gut ein. Diese setzt nämlich beinahe nahtlos an ihren Vorgänger an: Tilly wurde scheinbar von Sporen aufgelöst im mysteriösen Kokon-Wesen, was Burnham massiv zusetzt. Doch Stamets gibt nicht auf einen Weg der Rettung zu finden.

Trotz des Vorfalls, der alle sichtbar betrübt, geht die inoffizielle Mission weiter. Man glaubt sich Spock dicht auf den Fersen und setzt gar Torpedos ein, um sein Shuttle manövrierunfähig zu machen. Doch auch in der mittlerweile fünften Episode ist keine tatsächliche Sichtung zu vermelden - aus dem Shuttle tritt nicht Spock, sondern Georgiou.

Keine große Überraschung: Auch Sektion 31 ist auf der Suche nach dem Flüchtigen. Pike fällt die Spannung, die die Anwesenheit von Georgiou und später auch Tyler auslöst, natürlich auf und erwartet eine Erklärung - zumindest innerhalb der Serie hat er diese jedoch noch nicht erhalten.

Doch auch der Captain selbst trifft auf einen alten Bekannten: Agent Leland, der dem Schiff der Sektion 31 vorsteht, ist ein Weggefährte aus Akademiezeiten. So kommt es nicht nur zu kumpelhaften Vergleichen der eigenen Leistungen, sondern auch Kompetenzgerangel. Sektion 31 mag das schönere Spielzeug und weitreichende Befugnisse haben, aber als Teil der Föderation eben doch auch innerhalb gewisser Schranken. Schön zu sehen, wie Pike auch mal seinen autoritäreren Captain zeigt und mit klaren Ansagen Grenzen setzt.

Und wo sich schon alles ein wenig nach Klassentreffen anfühlt, darf auch Admiralin Cornwell noch einen Auftritt haben. Als Mittlerin gibt sie quasi den Befehl zur Zusammenarbeit. Tyler bleibt als Agent von Sektion 31 an Bord der Discovery. Die Suche nach Spock ist auf absehbare Zeit also ein Gemeinschaftsprojekt, da muss man sich schon mal zusammenraufen.

Upside Down & Inside Out

Leuchte-Welten haben mich ja schon bei Avatar am meisten begeistert. Entsprechend kann ich auch der funkelnden Neon-Sporen-Dimension einiges abgewinnen. In diese hat “May” ihre Freundin Tilly gebracht, damit sie ihnen hilft, ein zerstörerisches Monster zu besiegen. Und dabei haben die Sporen-Lebewesen beeindruckende Fähigkeiten gezeigt. Tilly ist nicht tot. Der Kokon, den man auf der Discovery sieht, ist eine Art Transporter. Sie wurde aufgelöst und in der Sporen-Welt, wo es einen zweiten Kokon gibt, wieder zusammengesetzt.

Dies findet auch der clevere Stamets heraus und hat gleich einen Rettungsplan in der Tasche: Er kann die Discovery so halb ins Sporennetz springen lassen, ohne einen Austrittsort anzugeben. Bis zu einer Stunde könne man so mit dem Schiff in der Parallelwelt verweilen und Tilly suchen.

Gesagt, getan. Pike ist ja abenteuerlustig. Und schließlich ist man auch unterwegs, um in ungeahnte Welten vorzudringen. Man evakuiert Teile des Schiffs und bringt die Besatzung in Regionen, die am längsten vor den zersetzenden Sporen sicher sind. Und los geht es. Das Rumgewackel und durch die Brücke stolpern -  hach, fast wie bei einem richtig schönen Ionensturm.

Was ein Glück, dass Tilly auch sofort sieht, dass ihr Taxi da ist. Und sich Mission Monsterjagd mit ihrem Wunsch, die Discovery zu betreten, überschneidet. Burnham und Stamets finden sie und May nahezu sofort. Aber das wäre alles zu reibungslos und unkompliziert. Dass sich das Monster als Hugh Culber herausstellt, macht die Sache gleich viel spannender. Inklusive tragischen Moment, als man Stamets’ Herz ein zweites Mal brechen sieht.

Anders als Tilly, für die tatsächliche menschliche DNA vorlag, gab es für Culber in der Sporenwelt nämlich kein passendes Gewebe, so dass er nicht einfach mit den anderen zurück auf die Discovery kann. Doch Tilly ist ja ebenso clever wie Stamets und kann “May” überzeugen, den Kokon auf der Discovery für Culbers Rückkehr zu opfern, damit aber den direkten Zugang zwischen Sporenwelt und Discovery für sie zu verschließen.

Was für ein Ausflug mit Forschungsdaten für mehrere Generationen. Immerhin hat Tilly “May” versprochen, dass sie sich wiedersehen und auch weiter kümmern wird. Und hat Stamets über das Sporennetz einen Weg Richtung Unsterblichkeit gefunden? In seinem Zwischenzustand in Staffel 1 ist es ihm über einen Kuss unbewusst gelungen, den toten Culber ins Sporennetz zu transferieren. Und wie man nun sieht, funktioniert auch der Weg zurück. Totgeglaubte leben länger. Hoffe doch sehr, dass all das nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen ist und für die Charakterentwicklung im Weiteren ein Thema bleibt.

Fazit

Das Team aus Drehbuchschreiberin Kisten Beyer und Regisseur David Barrett liefern eine runde Episode ab. “Die Heiligen der Unvollkommenheit” ist sicherlich nicht sonderlich subtil (apfelessende Schlangen-Georgiou!) oder mit der ganz feinen Feder gezeichnet, in sich aber stimmig und bringt zudem gut lose Handlungsstränge der Vergangenheit zueinander.

Charaktermomente, leuchtende Welten, ausreizen von technischen Möglichkeiten und ein wenig Kompetenzgerangel - eine gute Stunde Star-Trek-Unterhaltung.

Promo: Star Trek: Discovery: "Saints of Imperfection" (S2E5)

Star Trek: Discovery Logo 2017

Originaltitel: Star Trek: Discovery
Erstaustrahlung 24. September 2017 bei CBS All Access / 25. September 2017 bei Netflix
Darsteller: Sonequa Martin-Green (Michael Burnham), Jason Isaacs (Captain Gabriel Lorca), Michelle Yeoh (Captain Georgiou), Doug Jones (Lt. Saru), Anthony Rapp (Lt. Stamets), Shazad Latif (Lt. Tyler), Maulik Pancholy (Dr. Nambue), Chris Obi (T’Kuvma), Shazad Latif (Kol), Mary Chieffo (L’Rell), Rekha Sharma (Commander Landry), Rainn Wilson (Harry Mudd), James Frain (Sarek)
Produzenten: Gretchen Berg & Aaron Harberts, Alex Kurtzman, Eugene Roddenberry, Trevor Roth, Kirsten Beyer
Entwickelt von: Bryan Fuller & Alex Kurtzman
Staffeln: 2+
Anzahl der Episoden: 15+


Regeln für Kommentare:

1. Seid nett zueinander.
2. Bleibt beim Thema.
3. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.

SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

Beiträge von Spammern und Stänkerern werden gelöscht.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren.
Ein Konto zu erstellen ist einfach und unkompliziert. Hier geht's zur Anmeldung.