Kritik zu Captain Marvel: Kree sucht Skrull für 90er-Jahre-Date

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Captain Marvel

Die Kriegerin Vers (Brie Larson) gehört zu den Elitesoldaten der Kree. Sie wurde für den Krieg gegen die Gestaltwandler der Skrulls ausgebildet, der schon viele Jahre lang währt. Auch wenn Vers keine Erinnerungen an ihre Herkunft hat, ist sie den Kree treu ergeben und brennt darauf, endlich auf eine Mission geschickt zu werden.

Ihr Wunsch wird ihr schließlich erfüllt, doch gerät das Team von Vers in einen Hinterhalt der Skrulls. Diese scheinen auf der Suche nach kriegsentscheidenden Informationen zu sein, wobei sie glauben, dass Vers der Schlüssel zu ihrem Sieg ist. Bei ihrer Suche nach Antworten verschlägt es Vers auf den Planeten Erde im Jahr 1995. Hier trifft sie den S.H.I.E.L.D.-Agenten Nick Fury und beginnt, dem Geheimnis ihrer Herkunft auf die Spur zu kommen. Doch die Skrulls geben nicht auf, und schon bald folgt der Krieg zwischen den beiden Alienfraktionen der Kriegerin auf die Erde.

Trägem Beginn folgt spaßige Unterhaltung

Captain Marvel ist der 21. Film des Marvel Cinematic Universe, und mittlerweile dürfte wohl so jeder Zuschauer wissen, was ihn bei einer Marvel-Produktion erwartet. Die klassische Marvel-Formel aus Action, Humor und sympathischen Charakteren ist auch in diesem Kinoabenteuer wieder präsent. Wer damit weiterhin Spaß hat, der wird auch in Captain Marvel voll auf seine Kosten kommen. Allerdings dauert es zunächst etwas, bis die Handlung an Fahrt aufnimmt. Die ersten 20 Minuten können sich durchaus etwas ziehen, da der Film zunächst auf der Heimatwelt der Kree beginnt und viel Exposition betrieben werden muss. Das gelingt den Machern leider nur bedingt spannend. Selbst die erste Actionszene, die durchaus etwas Auflockerung hätte bringen können, findet auf einem eintönigen Planeten statt und besitzt nichts, was groß im Gedächtnis haften bleibt.

Captain Marvel

Nach der Ankunft von Carol Danvers auf der Erde entwickelt sich Captain Marvel dann aber zu einer unterhaltsamen und vor allem spaßigen Angelegenheit. Besonders das Zusammenspiel zwischen Carol Danvers und Nick Fury macht große Freude und erinnert an klassische Buddy-Cop-Komödien. Die Geschichte selbst gewinnt dabei zwar keinen Oscar, weiß aber doch auch zu überraschen und fällt nicht ganz so berechenbar aus, wie man zunächst glauben möchte. Auch war es eine gute Entscheidung Marvels, auf die 80er Nostalgie-Welle zu verzichten und stattdessen den Sprung in die 90er zu wagen. Gerade für die Kinder der 90er gibt es ein paar nette Ideen im Film, ohne dass die Retro-Schiene übertrieben wird.

Die Kree und der Skrull

Eine der Stärken der Marvel Studios war es schon immer, die passenden Darsteller für ihre Helden zu finden. Auch im Falle von Brie Larson bestätigt sich dies wieder. Zwar wirkte die Schauspielerin in den Trailern mitunter etwas steif und blass, im tatsächlichen Film kann davon aber keine Rede mehr sein. Carol Danvers ist starrköpfig und entschlossen, besitzt auch einen Hang dazu, die Personen um sie herum aufzuziehen und scheint zu jedem Spaß bereit. Dies alles formt Brie Larson zu einer interessanten Figur, die sich nahtlos in das Marvel-Helden-Ensemble einfügt.

Ebenfalls erwähnenswert ist Ben Mendelsohn als Talos. Mendelsohn war in den vergangenen Jahren in dem einen oder anderen Blockbuster als Antagonist zu sehen, durfte aber in Filmen wie Rogue One oder Ready Player One meist nur den eindimensionalen Bösewicht spielen. Vor dem Hintergrund, dass Marvel-Filme ohnehin eher selten gute Antagonisten enthalten, sprach vieles für eine weitere langweilige Figur. Das Ergebnis sieht aber zum Glück anders aus. Talos gehört zu den unterhaltsamsten Charakteren im Film und hat sogar einige der besten Lacher auf seiner Seite. Man merkt Mendelsohn an, wie viel Spaß ihm die Sache gemacht hat, es bleibt zu hoffen, dass man ihn nicht zum letzten Mal gesehen hat.

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Im Gegensatz zu Talos steht allerdings Dr. Wendy Lawson. Die von Annette Bening gespielte Figur wird schon früh im Film als bedeutendste Person im Leben von Vers aka Carol Danvers eingeführt. Leider vergessen die Macher im Anschluss tatsächlich auszuarbeiten, warum das der Fall ist. Dies wirkt wie eine verschenkte Möglichkeit. Und auch Jude Law als Mentor und Trainer von Vers bleibt im Film eher blass und bekommt leider kaum Möglichkeiten, aus seiner Figur etwas zu machen.

Der junge Fury

Neben vielen neuen Gesichtern zeigt Captain Marvel auch ein paar junge Versionen von vertrauten Figuren. An erster Stelle ist hier natürlich Nick Fury zu nennen, der 1995 noch ein kleiner Agent mit zwei funktionierenden Augen ist. Samuel L. Jackson spielt diese Version von Fury gewohnt unterhaltsam und darf endlich auch mal wieder aktiv werden. Dabei muss man erneut den Hut vor den Verjüngerungseffekten ziehen. Diese wurden von Marvel in der Vergangenheit bereits mehrfach in kurzen Szenen eingesetzt. In Captain Marvel müssen sie sich nun über einen gesamten Film bewähren und können absolut überzeugen. Auch Clark Gregg als Phil Coulson erhält eine digitale Verjüngerungskur, allerdings hält sich der Umfang seines Auftritts in Grenzen.

Captain Marvel

Nicht ganz so gut sind dagegen die Actionszenen des Films geraten. Hier bietet Captain Marvel am Ende leider nur Durchschnittsware, von der kaum etwas wirklich Eindruck macht. Ähnlich wie die schon angesprochene erste Kampfszene sind auch die weiteren actionlastigen Momente kaum mehr als Durchschnitt. Potenzial, wie beispielsweise der Kampf mit der Oma in der S-Bahn, wäre durchaus vorhanden gewesen. Leider wird aus der Szene weder viel gemacht, noch kann sie überraschen, da der Trailer hier schon viel vorwegnimmt.

Langfristig gesehen wird sich zudem zeigen, ob Marvel sich mit seiner neuesten Heldin nicht ein unnötiges Problem geschaffen hat. Captain Marvel ist praktisch der Superman des MCU und kommt fast schon zu stark herüber. Wenn man eine Figur hat, die ohne Probleme in den Weltraum fliegt, ganze Raumschiffe zerlegen kann und anscheinend über keine wirklichen Schwachstellen verfügt, dann wird es natürlich schwierig, Geschichten zu erzählen, die eine echte Gefahr für Carol Danvers beinhalten. Wie genau die Autoren die Sache angehen, dürfte sich allerdings schon bald in Avengers: Endgame zeigen.

Captain Marvel

Fazit

Mit Captain Marvel wird das MCU um eine Heldin erweitert, die sich problemlos in das sympathische Ensemble einfügt. Nach eher zähen Anfangsminuten nimmt der Film an Fahrt auf und entwickelt sich zu einem unterhaltsamen Spektakel, das viel Spaß macht. Vor allem die Darsteller können dabei wieder einmal überzeugen und sorgen dafür, dass es definitiv um einen der besseren Marvel-Solofilme handelt. Zu den besten Werken des MCU fehlt am Ende aber doch ein Stückchen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Marvel Studios

CAPTAIN MARVEL – Offizieller Trailer (deutsch/german) | Marvel HD

Captain Marvel Logo-Poster
Originaltitel:
Captain Marvel
Kinostart:
07.03.19
Regie:
Anna Boden, Ryan Fleck
Drehbuch:
Meg LeFauve
Darsteller:
Brie Larson, Jude Law, Samuel L. Jackson, Ben Mendelsohn, Djimon Hounsou, Lee Pace, Lashana Lynch, Clark Gregg
Bei Captain Marvel handelt es sich um die Air-Force-Pilotin Carol Danvers, deren genetische Struktur bei der Explosion eines außerirdisches Gerätes verändert wird.

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