Kritik zu John Wick: Kapitel 3

John Wick (Keanu Reeves) ist auf der Flucht. Nachdem er in einem Continental-Hotel ein Mitglied der Hohen Kammer getötet hat, wurde der beste aller Auftragskiller exkommuniziert. Fortan stehen ihm keine Dienste der geheimen Attentätergesellschaft zur Verfügung. Damit jedoch noch nicht genug, aufgrund des Mordes wurde auch ein Kopfgeld von 14 Millionen Dollar auf ihn aufgesetzt. Dies sorgt dafür, dass es schon bald jeder Killer in New York auf ihn abgesehen hat.

Währenddessen haben auch die Verbündeten von John Wick mit ein paar Problemen zu kämpfen. Die Hohe Kammer hat eine Richterin (Asia Kate Dillon) ausgesendet, welche die Geschehnisse aus dem zweiten Teil untersuchen soll. Sowohl Winston (Ian McShane) als auch der Bettlerkönig (Laurence Fishburne) sollen für ihre Unterstützung zur Rechenschaft gezogen werden, womit beide allerdings alles andere als einverstanden sind.

Abwechslungsreiche Action im Minutentakt

Die John-Wick-Reihe hat sich innerhalb von zwei Filmen für viele Kinofans zu einem Benchmark für Action entwickelt. Auch der dritte Teil bleibt diesem Motto treu und schafft es, sich im Vergleich zu den ersten beiden Filmen sogar noch zu steigern. Kapitel 3 ist eine rasante Achterbahnfahrt, die eine spektakuläre Action-Szene an die nächste reiht und dem Zuschauer nur wenig Verschnaufpausen bietet.

Action an sich bedeutet aber nicht immer auch automatisch Unterhaltung oder Spannung. So gibt es viele Filme, die einen ähnlichen Ansatz verfolgen, trotz vieler Explosionen und Kämpfe aber nicht dafür sorgen können, dass die Sache auch über die gesamte Laufzeit interessant bleibt. Regisseur Chad Stahelski vermeidet diese Falle aber gekonnt, da viele der Actionszenen in John Wick: Kapitel 3 immer ein besonderes Etwas bekommen, das sie von anderen Kampfszenen des Films unterscheidet. Besonders in der ersten Hälfte geht es sehr abwechslungsreich zur Sache.

Darüber hinaus findet der Film die feine Linie zwischen Ernsthaftigkeit und Selbstironie. Immer wieder gibt es wirklich witzige Momente und doch läuft John Wick: Kapitel 3 nie Gefahr, sich selbst nicht mehr ernst zu nehmen. So mancher Film neigt dazu, die Sache zu selbstironisch oder schon fast übertrieben witzig anzugehen, sodass man zu einer Karikatur wird. Dies macht John Wick deutlich besser, trotz der Tatsache, dass die Prämisse ja eigentlich sehr abstrus und abgedreht ist.

John Wick Kapitel 3

Zum Ende geht die Luft etwas aus

Trotz der vielen positiven Aspekte lässt sich auch festhalten, dass der Film mit 132 Minuten doch ein paar Minuten zu lang ist. Gerade das Finale zieht sich zum Schluss hin etwas. So werden gleich drei relativ ähnliche Kämpfe aneinandergereiht, von denen mindestens einer zu viel ist. Auch geht John Wick 3 im Hinblick auf die Action-Sequenzen etwas die Luft aus. Die innovativeren Szenen sind alle in der ersten Hälfte des Films zu finden. Der Abschluss ist dann vor allem eine Ballerei, die zwar ein Markenzeichen der Reihe ist, allerdings schon in den ersten beiden Filmen sehr ausgiebig zelebriert wurde. Dass die Gegner aufgrund ihrer Rüstungen nun gefühlt 50 Mal erschossen werden müssen, reicht leider nicht aus, um wirklich hervorzustechen.

Generell lässt sich festhalten, dass die ersten beiden Drittel des Films stärker sind als das Ende. Dies liegt auch daran, dass die Geschichte im späteren Verlauf etwas wichtiger wird. Nur leider kann diese nicht mit den Actionsequenzen mithalten. Zugeben, niemand dürfte sich John Wick: Kapitel 3 anschauen wollen, weil er eine gute Geschichte erwartet. Trotzdem wäre bei der Handlung, die erzählt wird, einfach mehr drin gewesen. Nur weil man ein Action-Feuerwerk abliefern möchte, heißt dies ja nicht, dass nicht auch die Geschichte nachvollziehbar und interessant sein kann. Gerade die Welt, welche in der Reihe mittlerweile erschaffen wurde, bietet dafür eigentlich einiges an Stoff.

John Wick Kapitel 3

Darüber ist es seit dem ersten Film mit Mikael Nyqvist in der Antagonistenrolle nicht gelungen, einen wirklich spannenden Gegenspieler für John Wick zu präsentieren. In Teil 2 blieb Riccardo Scamarcio als Santino D'Antonio eher blass, im dritten Kapitel ist es Mark Dacascos als Zero. Der kann zwar gut kämpfen, bei der Figur selbst will der Funke aber nicht überspringen. Hinzu kommt, dass die Macher den Auftritt eines eigentlich spannenden Charakters in der Hierarchie der Attentäter verschenken. Hier gab sehr viel Potenzial für eine weitere interessante Figur, stattdessen dürfte er kaum jemandem im Gedächtnis bleiben. Am ehesten sticht unter der Riege der neuen Figuren noch Halle Berry heraus, deren Sofia auch in den Actionszenen eine gute Figur macht.

Fazit

John Wick: Kapitel 3 ist eine würdige Fortsetzung der Reihe, die bei der Action im Vergleich zu den beiden Vorgängern noch einmal einen Gang hochschaltet. Vor allem die ersten beiden Drittel des Films sind ungemein abwechslungsreich inszeniert und dürften Fans voll auf ihre Kosten kommen lassen. Das letzte Drittel kann damit nicht mehr ganz mithalten, was unter anderem auch an der Geschichte liegt. Trotzdem ist Kapitel 3 gesamt gesehen mit das Beste, was das Action-Kino aktuell zu bieten hat.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Lionsgate
John Wick Kapitel 3
Originaltitel:
John Wick: Chapter 3 – Parabellum
Kinostart:
23.05.19
Regie:
Chad Stahelski
Drehbuch:
Derek Kolstad
Darsteller:
Keanu Reeves, Ruby Rose, Laurence Fishburne, Ian McShane, John Leguizamo, Lance Reddick, Hiroyuki Sanada, Halle Berry, Anjelica Huston, Asia Kate Dillon,
Im dritten Teil der Filmreihe um den Auftragkiller John Wick (Keanu Reeves) befindet sich der titelgebende Held auf der Flucht.

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