Große und kleine Fragen: Kritik zu Akte X 10.4 "Home Again"

SPOILER

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Akte X Episode 10.04 "Home Again"

Kurzkritik: Halbgare Ideen und schlecht aufgeteilte Handlungsstränge, aber zum Glück auch einige, wenn auch kurze Lichtblicke. Die bisher schwächste Folge der Staffel.

Achtung, Spoiler!

Zwei Geschichten ringen in "Home Again" um die Aufmerksamkeit der Zuschauer - zum einen die eines Monsters, das Obdachlose beschützt, zum anderen die um Scullys im Sterben liegende Mutter.

Das Monster tötet Leute, die den Obdachlosen Schaden zufügen wollen und das mit der für Akte-X typischen Mischung aus Brutalität und Augenzwinkern. Dass die vier Morde (vor allem der dritte) zu den wenigen Highlights der Folge gehören, liegt vor allem daran, dass die Szenen Sinn ergeben und nicht in Melodramatik versinken. Das ist diese Woche leider keine Selbstverständlichkeit.

Das Monster, so erfahren wir, wurde von einem Künstler namens Trashman versehentlich erschaffen. Es ist extrem stark, trägt ein Pflaster auf der Nase, hinterlässst Schleimspuren voller Würmer und fährt hinten in einem Müllwagen mit. Warum? Keine Ahnung. Der (viel zu lange) Monolog, mit dem Trashman die Schöpfung seines Monsters erklärt, wird von Mulder direkt angezweifelt. Und da man seinen Theorien im Universum von Akte X am meisten vertraut, wartet man die ganze Zeit auf die Lösung, die er anzubieten hat. Doch die bleibt aus. Das Monster selbst, der "Band-Aid Nose Man", besitzt offensichtlich eine gewisse Intelligenz, zumindest wirkt er in der Szene, in der er die Politikerin ermordet, amüsiert. Er scheint also nicht nur die Rachephantasien seines Schöpfers auszuleben, sondern eigene Gedanken zu hegen. Und da er visuell und erzählerisch der coolste Aspekt von "Home Again" ist, frustriert es umso mehr, dass Autor Glen Morgan ihn nicht stärker ins Rampenlicht rückt.

Hinzu kommt, dass eine Folge, die auf das Schicksal von Obdachlosen aufmerksam machen will, Obdachlose nur als Statisten benutzt. Zwei dürfen kurze Sätze sagen, der eine sogar nur im Hintergrund, ansonsten schlurfen sie durch die Kulissen. Das wirkt unaufrichtig und ein wenig peinlich.

Scully schlurft leider auch durch ihre Geschichte. Sie verbringt sie größtenteils am Bett ihrer im Koma liegenden Mutter, telefoniert und sinniert so vor sich hin. Irgendwann scheint Mulder zu erkennen, dass er im anderen Handlungsstrang nicht weiterkommt, denn von da an sinnieren sie zusammen. Gillian Anderson ist eine tolle Schauspielerin und sie spielt sich in diesen Szenen die Seele aus dem Leib, während Duchovny sich zurücknimmt und ihr die Bühne überlässt. Der Moment, in der Scully begreift, dass die Fragen, die sie ihrer Mutter stellen wollte, unbeantwortet bleiben werden, macht ihren Verlust greifbar, doch Morgan lässt ihn nicht für sich stehen. Stattdessen kombiniert er ihn mit dem Verlust des Kindes, das Scully und Mulder zur Adoption freigeben mussten und nimmt ihm damit die Stärke.

Gleich zweimal zwingt er Scully langatmige Monologe auf, mit denen die Themen der Handlungsstränge verbunden werden sollen. Die Zeit hätte er besser damit verbracht, Mulder und Scully in die Monsterhandlung einzuarbeiten, damit die nicht praktisch ohne deren Einwirken abläuft.

Und ja, ich verstehe, dass die Folge uns erklären will, dass das Leben manche Fragen unbeantwortet lässt, aber wenigstens eine hätte er klären können:

Wer fährt eigentlich den verdammten Müllwagen?

Akte X: Der Film
Originaltitel:
X-Files: The Movie
Kinostart:
19.06.98
Laufzeit:
121 min
Regie:
Rob Bowman
Drehbuch:
Chris Carter, Frank Spotnitz
Darsteller:
David Duchovny, Gillian Anderson, Mitch Pileggi, William B. Davies, Martin Landau
Schwarze Blut, das aus der töten Kreatur austritt, sammelt sich und kriecht am Körper des Wilden hinauf.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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