Conan, die Scharlachrote Zitadelle

Luc Brunschwig & Le Roux

Luc Brunschwig und Etienne Le Roux haben mit „Die Scharlachrote Zitadelle“ eine Conan Geschichte aus dessen Königsära adaptiert. Robert E. Howard hat die Texte um seinen Barbaren nicht in chronologischer Reihenfolge geschrieben. Howard hat den text 1932 verfasst. Zwischen den letzten Conan Geschichten in „Weird Tales“ und dem Ankauf dieser Novelle lagen eine Reihe von Ablehnungen. Interessant ist, dass Robert E. Howard auf einige historische Inspirationen sowie zwei Werke des Sherlock Holmes Schöpfer Arthur Conan Doyle zurückgegriffen hat. Herausgeber Patrice Louinet geht darauf wieder in seinem informativen Nachwort ein.

Aber andere Aspekte sind relevanter und unterstreichen, dass Howard bei seinen „Conan“ Geschichten im Allgemeinen, aber vielen auch seiner semihistorischen Storys im Besonderen auf einig rote Linien Wert gelegt hat, welche die zahllosen Epigonen nicht nur bei ihren „Conan“ Geschichten mit Füßen getreten hat.

Conan behandelt Frauen mit einem gewissen Respekt. Er hat zwar Gelüste, würde aber diese niemals mit Gewalt durchsetzen. Auch der Sklavenhandel ist im Zuwider. Die Freiheit eines Menschen im Gegensatz zu den vielen Halbkreaturen ist ihm wichtig, wobei er allerdings gegen Feinde rücksichtslos vorgeht. Auch der Tod von Frauen und Kindern wird während kriegerischen Auseinandersetzungen billigend in Kauf genommen. Damit unterscheidet er sich von den vordergründig zivilisierten Männern.

 In „Die scharlachrote Zitadelle“ greift Howard  ein anderes Thema auf. Die Idee, König von Abstammung, aber nicht aufgrund seiner Leistungen zu sein. Conan hat sich den Thron erkämpft. Mit den eigenen Händen. Auch wenn er ein brutaler Barbar ist, liegt ihm das Wohl des eigenen Volks am Herzen. In Person des Barden – Howard greift selten auf ergänzende Erzähler zurück, die er wie im vorliegenden Fall auch noch brutal aus dem Nichts heraus abschlachtet – wird dem Leser der weise König Conan vorgestellt, der die einzelnen Fürsten geeint, eine starke Wehr geschaffen und vor allem für einen gewissen Wohlstand des ihm anvertrauten Volks gesorgt hat. Auch wenn er seinen Thron mit Blut erkämpft hat, geht es ihm um eine friedvolle Zukunft. Kriege oder Feldzüge werden auf das Notwendigste reduziert, die Ränkespiele der Adligen sind ihm ein Groll.

 Ein solches Reich kann auch nur durch Verrat gestürzt werden. Neidische Adlige haben sich mit den Feinden des Reiches verbündet und Conans unterlegende Armee vernichtet. Alleine der König wird zurück ins Reich gebracht, wo er gegen Geld auf den Thorn verzichten soll. Hier zeigt sich ein weiterer unbeugsamer Wille des Barbaren. Er ist nicht käuflich. Wie die amerikanischen Revolverhelden einiger Pulpgeschichten übernimmt er zwar gegen Geld gefährliche Aufträge, er fühlt sich aber im Gegensatz zu seinen Mitstreitern den Auftraggebern oder in diesem Fall dem Volk bis zum Ende verpflichtet.

 Die Ausgangsbasis der Geschichte ist faszinierend, auch wenn die Welt unabhängig von den geheimnisvollen unter der Erde lebenden gigantischen Wesen oder den beiden Zauberern eher an das Mittelalter den die barbarische „normale“ Zeit Conans erinnert. Die Stadt ist ausgesprochen modern, der Lebensstandard hoch und die Adligen erinnern eben nicht an die orientalischen Stämme, mit denen es Conan sonst zu tun hat.

 Wie in den besten Conan Geschichten bleibt nur die Reaktion. Vom Kampf gegen die Angreifer über die Flucht aus dem unterirdischen Labyrinth bis zur finalen Auseinandersetzung, in deren Verlauf das Land förmlich im Blut versinkt. Luc Brunschwig hat sich entschlossen, die Geschichte auf einer fatalistisch offenen Note zu beenden. Erst der Herausgeber erläutert, wohin der Barbar in den nächsten Geschichten weiterzieht, wobei die Chronologie eben meistens erst von den Autoren entwickelt worden ist, die Howards Lücken zwischen den einzelnen Conangeschichten mit eigenen Texten gefüllt haben.

 Der Spannungsbogen weicht von den klassisch stereotypen „Conan“ Geschichten ab. Dem Barbaren wird in mehrfacher Hinsicht der Boden von nicht unbedingt Freunden, aber scheinbaren Verbündeten unter den Füßen weggezogen.

 Die Zeit im Gefängnis, im Labyrinth ist eine dieser effektiven Szenen, die im Grunde keinen nachhaltigen Sinn machen. Das Volk muss davon ausgehen, dass König Conan mit seinen Leuten gefallen ist. Der Barde hat es als einziger Überlebender verkündet. Warum Conan auf der einen Seite zum Abdanken mit Geld zwingen, wenn es leichter wäre, den angeschlagenen Barbaren still und heimlich zu töten? Auch der Aufenthalt im Kerker mit den unzähligen Gefahren, die Conan nur mit Hilfe eines anderen, seit Jahren gefangen gehaltenen Zauberers überwinden kann, macht nur der Logik folgend keinen Sinn. Freude über einen qualvollen Tod des Barbaren können die neuen Herrscher auch nicht empfinden, er würde ja abseits und unbemerkt in der Dunkelheit stattfinden.

 Das einzige logische Argument wäre, diesen Abschnitt als übernatürlichen Einschub anzusehen, der es Robert E. Howard erstens ermöglichte, den Text als „Conan“ Geschichte zu deklarieren und zweitens ihn an „Weird Tales“ zu verkaufen. Spätestens während des Showdowns muss auch der Barbar erkennen, dass es in seiner Welt nicht nur Zauberer, sondern auch Wesen gibt, die mächtiger als das Schwert sind.

 Etienne Le Roux stellt die Schlachten deswegen wahrscheinlich auch als eine Mischung aus Alpträumen und erdrückenden Realitäten dar. Die Grenze ist fließend. Kritisch gesprochen greift Robert E. Howard aber auch auf einige Sequenzen wie den sprechenden, vom Körper abgetrennten Kopf zurück, die er nicht nur in „Conan“ Texten, sondern auch anderen Arbeiten aus seiner Feder verwandt hat. Das Ideenrecycling fällt aber angesichts der guten und interessanten Exposition weniger ins Gewicht. So rückt der Barbar erst relativ spät in den Mittelpunkt des Geschehens, während der Leser dem ängstlichen, aber seinen König entschlossen verteidigenden Barden folgt, der mehr Loyalität in seinem Herzen trägt als Conans verbliebene Streitmacht zusammen.

 Es ist nur konsequent, dass er seinem König treu bis in den überraschenden Tod ist. Dabei handelt es sich auch um den Wendepunkt der Handlung, denn Conan übernimmt zeitgleich, aber in seinem Verließ unter der Stadt auch weit entfernt wieder die Initiative.

 „Die scharlachrote Zitadelle“ ist eine der besten „Conan“ Geschichten. Nicht weil die Mischung aus Sword & Sorcery am Besten funktioniert, sondern weil Robert E. Howard noch deutlicher macht, das der vordergründige Barbar in dieser dekadenten Welt der Mensch mit den meisten Prinzipien ist, der Verantwortung vor allem für Andere übernimmt. Es ist eine logische Extrapolation von Ansätzen, die schon in den chronologisch früher spielenden „Conan“ Geschichten erkennbar gewesen sind. Dabei ist „Conan“ kein Kostverächter, wie sein persönlicher, aber anscheinend auch freiwilliger Harem demonstriert.

 Ein Bogenschlag sind die von unbekannten Wesen bewohnten Höhlen unterhalb der Stadt. Fast nebenbei wird erwähnt, das die Stadt über eine alte andere Siedlung gebaut worden ist. Das Grauen kommt bei Howard immer aus dem Inneren der Erde. Damit folgt der Texaner seinem Freund und Schriftstellerkollegen Lovecraft, mit dem er eine Abneigung gegen die „höhere Zivilisation“ und die dekadenten Adligen teilte, während vor allem Howards Herz für die Männer geschlagen hat, welche die Initiative ergreifen und dadurch über sich selbst hinauswachsen. Kaum eine Geschichte demonstriert das besser als „Die scharlachrote Zitadelle“.

 Luc Brunschwig hat die wichtigsten Aspekte der Novelle bis auf das überstürzte Ende sehr gut zusammengefasst und sich zusammen mit seinem Zeichner Le Roux, sowie dem für die Farben zuständigen Hubert Mühe gegeben, auf der einen Seite eine dynamisch kurzweilige Geschichte zu erzählen, auf der anderen Seite aber auch eine andere Variante dieser Ära zu entwickeln.

Conan der Cimmerier: Die scharlachrote Zitadelle

  • Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
  • Verlag: Splitter-Verlag; Auflage: 1. (23. August 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3962192069
  • ISBN-13: 978-3962192068
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