Draculas unheimliches Nachleben – Zum 170. Geburtstag von Bram Stoker

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Dracula

Am 8. November vor 170 Jahren wurde Bram Stoker geboren. Er verfasste im Laufe seiner Schriftstellerkarriere mehrere Bücher und Kurzgeschichten, die noch heute ihre Leser finden. Sie alle stehen aber im Schatten seines Vampirromans über den Karpatenfürsten Vlad III. Drăculea.

Bram Stoker arbeitete sieben Jahre an Dracula, bevor der Roman am 18. Mai 1897 veröffentlicht wurde. Vor 120 Jahren wurde so aus dem historischen Vlad Drăculea der untote Graf Dracula. Eine Figur, die aus der Literaturgeschichte, der Filmindustrie und der Popkultur nicht mehr wegzudenken ist.

In der Hörspielreihe Gruselkabinett wurden gleich mehrere von Bram Stokers Geschichten wie Das Haus des Richters, Das Schloss des weißen Lindwurms oder Das Amulett der Mumie vertont. Allerdings darf Stokers Hauptwerk auch dort natürlich nicht fehlen.

In der Gruselserie von H. G. Francis gibt es sogar mehrere Dracula-Folgen. Dabei ist nur das Hörspiel Dracula, König der Vampire eine freie Interpretation der Romanvorlage. Draculas Insel, Gräfin Dracula, Tochter des Bösen und Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten setzen die Geschichte auf ihre eigene spezielle Art und Weise fort.

Die erste Adaption der Abenteuer von Jonathan Harker, Mina Murray und Professor van Helsing war allerdings kein Hörspiel, sondern ein Theaterstück. Hamilton Deane, ein Jugendfreund von Bram Stoker, verfasste das Drama 1925. Das Stück wurde ein Erfolg und zwei Jahre später auch in New York aufgeführt. Die Hauptrolle dort übernahm der ungarische Schauspieler Bela Lugosi.

Lugosi verkörperte den Vampirfürsten 1931 auch in der Verfilmung von Regisseur Tod Browning. Allerdings nur in der englischen Version. In der zeitgleich gedrehten spanischen Variante spielte Carlos Villaria Dracula. Es war aber Lugosis Darstellung, die für lange Zeit das Bild des berühmten Grafen prägte.

Dabei sah der Vampir in der allerersten Verfilmung von 1922 ganz anders aus. In Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens spielte Max Schreck ein hässliches Monster mit Glatze, Klauen und spitzen Nagezähnen. Der Stummfilm stand unter dem Vorwurf, ein Plagiat zu sein. So ordnete ein Gericht an, das komplette Filmmaterial inklusive aller Kopien zu vernichten. Einige wenige Filmrollen blieben aber weltweit erhalten.

Nosferatu – eine Symphonie des Grauens

Tod Browning drehte für Universal die erste autorisierte Fassung des Stoffes – aber nicht die letzte. Ende der 50er Jahre inszenierte Terence Fisher für die britischen Hammer-Studios die erste Farbversion mit Christopher Lee in der Hauptrolle.

Der Film war für Hammer so erfolgreich, dass man den Vampirfürsten 1965 in Blut für Dracula wiederauferstehen ließ. Es folgten fünf weitere Fortsetzungen, deren Tiefpunkt wohl 1972 Dracula jagt Minimädchen darstellt. Dracula schien auf den besten Weg, zur Witzfigur zu werden.

Einen Ansatz, den Roman Polanski in Tanz der Vampire und später Mel Brooks in Dracula – Tot aber glücklich konsequent fortsetzen. Auch bei seinen kurzem Gastspiel in einer Folge der Serie Buffy – Im Bann der Dämonen kommt Dracula nicht gut weg. Viele der Zuschauer der Serie dürften ihren ersten Kontakt mit dem Vampir in der Sesamstraße gehabt haben, wo er unter dem Namen Graf Zahl auftritt.

Weder Francis Ford Coppolas werkgetreue Verfilmung Bram Stoker's Dracula noch der Actionfilm Van Helsing, welcher zur Abwechslung den berühmten Vampirjäger in den Mittelpunkt stellte, konnten die Tatsache verbergen, dass der berühmte Vampir seinen Schrecken verloren zu haben scheint.

Hotel Transsilvanien

Seinen erfolgreichsten Auftritt hatte Dracula zuletzt in Hotel Transsilvanien. Dracula Untold, welcher die Ursprungsgeschichte von Vlad Drăculea erzählte, floppte hingegen. Ob der Vampirfürst in das Dark Universe von Universal integriert wird, ist zurzeit ungewiss.

Wenn Dracula es nicht ins Dark Universe schafft, könnte er theoretisch auch im Marvel Cinematic Universe auftreten. 1972 erschien bei Marvel die erste Ausgabe der Comicserie Die Gruft von Graf Dracula, welche lose auf dem Werk von Bram Stoker basiert.

Alan More setzt in Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen Stokers Roman auf eine ganz eigene Weise fort. Nicht Dracula hat dort seinen Auftritt, sondern die mittlerweile zum Vampir mutierte Mina.

In Kim Newmans Roman Anno Dracula steht wieder der Vampirfürst selbst im Mittelpunkt. Newmann beschreibt, wie die Welt aussehen würde, wenn Dracula nicht besiegt worden wäre. Dabei baut der Autor, wie auch Alan Moore, viele Figuren der Literatur und Popkultur in die Handlung mit ein.

Der deutsche Schriftsteller Herbert Rosendorf beschreibt in seiner Kurzgeschichte Der Bettler vor dem Cafe Hippodrom hingegen einen mitleiderregenden Graf Dracula. Die einstige Geißel der Karpaten findet sich in der Gegenwart nicht mehr zurecht. Ähnliches schildert auch das Lied Der Graf der Band Die Ärzte. Deren Schlagzeuger und Sänger Bela B ist so großer Dracula-Fan, dass er sich nach dem Schauspieler Bela Lugosi benannte.

Auch wenn John Polidori (Der Vampyr 1816) und Joseph Sheridan Le Fanu (Carmilla 1872) bereits vor Bram Stoker Vampirbücher veröffentlichten, war es doch Dracula, der das Bild der Blutsauger nachhaltig prägte. Stoker erlebte den Erfolg seines Romans nicht mehr. Er starb 1912 in finanziell bescheidenen Verhältnissen.

Seit 1987 wird jährlich in seinem Gedenken der Bram-Stoker-Award verliehen, den unter anderem Stephen King erhielt. Dieser hat mit Brennen muss Salem selbst eine eigene Dracula-Version verfasst.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Jofa-Atelier Berlin-Johannisthal/Prana-Film GmbH © Columbia Pictures/Sony Pictures Animation

Bram Stoker’s Dracula - Trailer Deutsch 1080p HD

Van Helsing Filmposter
Originaltitel:
Van Helsing
Kinostart:
06.05.04
Laufzeit:
126 min
Regie:
Stephen Sommers
Drehbuch:
Stephen Sommers
Darsteller:
Hugh Jackman, Kate Beckinsale, Richard Roxburgh, David Wenham
In einem transsylvanischen Schloss erweckt Dr. Frankenstein seine Kreatur zum Leben – finanziert und gesponsert von Dracula. Das Experiment gelingt, doch ein wütender Mob der Dorfbewohner stürmt das Schloss. Frankenstein und sein Monster müssen fliehen. In einer alten Windmühle kommt es zum ersten Showdown, die Mühle brennt nieder und Dr. Frankenstein wird unter den brennenden Trümmern begraben.

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