Kritik zu The Walking Dead 8.06: The King, the Widow, and Rick

SPOILER

Am 10. Dezember geht The Walking Dead in die Winterpause. So kurz vor dem Midseason-Finale bringt “The King, the Widow, and Rick“ die Geschehnisse der bisherigen Staffel noch einmal zusammen und die Figuren in Position.

Siegessicher

Auch die Charaktere selbst brauchen ein Update, was durch Briefe geschieht, die an abgesprochenen Orten versteckt werden. In einem Voiceover hört man die drei Anführer von Hilltop, Kingdom und Alexandria sich über die Lage nach der großen Schlacht austauschen und auch Mut zusprechen. 

Trotz großer Verluste sieht man sich klar auf der gewinnenden Seite. Noch ein letzter großer Kampf, und das Leben in einer besseren Welt – ohne Negan und als vereinte große neue Gemeinschaft – kann beginnen. Klingt also alles danach, als würde die große Katastrophe schon um die Ecke grinsend die Messer wetzen.

Kriegsgefangene

Der Konflikt im Hilltop zwischen Jesus und Maggie – und Gregory – spitzt sich zu. Es gibt nach wie vor geteilte Meinung darüber, was mit den gefangenen Saviors passieren soll. Jesus freut sich über ein vermeintliches Einsehen von Maggie. Doch diese stellt deutlich klar, dass sie die Savior nur solange am Leben lässt, wie sie noch als Druckmittel/Geiseln für Tauschangebot dienlich sein könnten – eine Integration in die Gesellschaft sei ausgeschlossen.

Zugegeben tun weder die Serienschreiber noch die Charaktere an sich etwas dafür, auch nur den Hauch von Sympathie oder Verständnis für die Savior aufzubringen. Alle primär Handelnden werden als nicht nur gewaltbereite, sondern geradezu sadistisch motivierte wandelnde Gefahrenquellen gezeichnet. Wieviel Menschlichkeit kann man sich in so einer Welt leisten, selbst als Jesus?

Für Kopfschütteln sorgte ja schon die Entscheidung, Gregory überhaupt auch nur in die Nähe des Hilltops zu lassen. Der unfähige ehemalige Anführer wurde sogar wieder aufgenommen, und anstatt den Ball erst einmal flach zu halten, geht er großmäulig Maggie und Co. auf die Nerven. Gut, dass sie ihn durchschaut und die Gefahr durch ihn erkennt. Gregory jedoch zu den Saviorn zu sperren – ein hervorragendes Grundrezept für vorzügliches Desaster.

Alleingänge

Nach der Trennung des Bro-Teams Daryl und Rick versucht jeder auf eigene Weise gegen die Savior vorzugehen. Wie spätestens in der letzten Episode deutlich geworden, ist Daryl auf Rache und Schutz durch komplette Zerstörung des Sanctuary und das Töten jedes einzelnen Saviors und Verbündeten aus. Rick hingegen will am Plan festhalten und gemeinsam mit möglichst vielen geeinten Gemeinschaften vorgehen und auch hinterher eine bessere Lebenswelt für alle schaffen.

Rick begibt sich hierfür alleine zu Jadis und ihrer Mannschaft, um die opportunistischen Verräter mit Polaroids der misslichen Lage der Savior von einem Rückwechsel in sein Team zu gewinnen. Was auch immer er erwartet hat – er endet als Gefangener nackt in einem Metallcontainer.

Daryl und Tara machen sich auf, um Negan und alle Savior zur Strecke zu bringen. Ein Glück für Michonne und Rosita, denen es in einem Außenposten nicht gelungen ist, die geheime Waffe – eine riesige fahrende Musikanlage, um Zombiehorden umzulenken – zu zerstören. Dies übernimmt Daryl spektakulär mit einem Lkw als Rammbock. Als hätte Norman Reedus sich vertraglich möglichst viel Kfz-Action mit Explosionen gesichert. Den Mit-Kanonen-auf-Spatzen-Krawumm-Award hat sich aber definitiv Rosita verdient, die mit einer tragbaren Panzerabwehr einen einzelnen Mann pulverisiert.

Mit zumindest geografisch demselben Ziel vor Augen, bildet sich aus Rosita, Daryl, Tara und Michonne eine neue Vierergruppe – die jedoch den ursprünglichen Gemeinschaftsplan im Kampf gegen Negan scheitern lassen könnte.

Der gebrochene König

Carol hat an einer anderen Front zu kämpfen. Nach der verheerenden Niederlage und dem tragischen Tod von einem Großteil seines Kingdoms ist Ezekiel ein gebrochener Mann. Theatralisch wertvoll leidet er zurückgezogen auf seiner Bühne vor sich hin. Jerry hält rein aus Gewohnheit seinen Platz als Palastwache. Das Kingdom irrt führungslos.

In einer starken Szene versucht Carol zu Ezekiel vorzudringen – durch eine offene Tür ist dieser Part einfach, ihn jedoch emotional zu erreichen gelingt ihr scheinbar nicht so recht. Sie ist dabei die Stimme vieler Zuschauer: Ezekiel war bislang ein guter Anführer, der für seine Gemeinschaft etwas Wunderbares geschaffen hat und seine Rolle nicht nur hervorragend spielte, sondern einnahm. Gerade jetzt nach herben Rückschlag müsste er für “sein Volk“ da sein, mit ihnen trauern und einen Weg zeigen, Hoffnung geben.

Das ist es, was einen starken Anführer ausmacht. Er hat das Zeug dazu, und selbst wenn er glaubt, dass nicht, soll er halt weiterhin schauspielern. Fake it till you make it. Möge er sich besinnen und sein “Ich kann das nicht“ kein endgültiger Abgesang sein. Ezekiel und das Kingdom bereichern The Walking Dead in dieser für die Serie schwierigen Staffel.

Erwachsenwerden

Carl lässt das Schicksal des Typen, den er an der Tankstelle getroffen hat, nicht los. Mit Verpflegung legt er sich auf die Lauer und sieht so auch, dass dieser ein Fallenspezialist ist. Überrascht von Carls Freundlichkeit stellt sich der ausgehungerte Einzelgänger als Saddiq vor. Seine Fallen baut er nicht nur zum Schutz, sondern auch, um seine Mutter zu ehren – diese hält es nämlich für möglich, dass man durch das Töten eines Zombies die Seele des befallenen Menschen befreit.

Weil es eine Zombieserie ist, wird an dieser Stelle nochmal die Möglichkeit genutzt und Carl mit Saddiq in einen Kampf mit einer kleinen Beißergruppe geworfen, die dem mittlerweile sehr erfahrenen Zombiekiller Carl erstaunlich viel zu schaffen macht.

Für ihn ist klar: Man kann seine Eltern auch ehren, ohne es ihnen nachzutun. Manchmal müssen halt auch die Nachkommen ihren Eltern zeigen, wie es geht. Entgegen der neuen Politik seines Vaters, dass alle von außen eine Gefahr sind und man ihnen entsprechend auch nicht helfen sollte, will er Saddiq in die Alexandria-Gemeinschaft aufnehmen.

Wenn man sich die Entwicklung hin zum vom Schicksal arg gebeutelten, kampferprobten, eigenwilligen Jungspund noch einmal Revue passieren lässt, so ist vom gut behüteten kleinen “Caaaaaaarrrrllll“ von einst nicht mehr viel übrig. Und hört sonst noch jemand den Serientod schon seine Sense schärfen?

Fazit

Wie bereits seit einiger Zeit sehr durchmischt. Die letzten beiden Episoden mit Fokus auf wenige Charaktere wirkten deutlich stärker als dieser erneute Mischmasch einzelner Gruppierungen. Allerdings ist es für ein mögliches großes Midseason-Finale wohl nötig, die verschiedenen Handlungsstränge noch einmal auf einen Punkt zu bringen.

Überzeugen kann “The King, the Widow, and Rick“ vor allem durch die starken Szenen zwischen Carol und Ezekiel sowie Carl und Saddiq, und dass es durchaus neugierig darauf macht, wie der große Kampf nun tatsächlich ausgehen wird.

The Walking Dead Staffel 6

Originaltitel: The Walking Dead (seit 2010)
Erstaustrahlung am
31.10.2010 bei AMC / 11. Mai 2012 bei RTL1
Darsteller:
Andrew Lincoln (Rick Grimes), Norman Reedus (Daryl), Lauren Cohan (Maggie), Chandler Riggs (Carl), Melissa McBride (Carol), Steven Yeun (Glenn), Laurie Holden (Andrea), Danai Gurira (Michonne), Sonequa Martin-Green (Sasha), Jon Bernthal (Shane), Sarah Wayne Callies (Lori), Jeffrey DeMunn (Dale), Michael Rooker (Merle), David Morrissey (Govenor), Scott Wilson (Hershel), Michael Cudlitz (Abraham), Emily Kinney (Beth), Chad L. Coleman (Tyrese), Lennie James (Morgan), Jeffrey Dean Morgan (Negan), Alanna Masterson (Tara), Josh McDermitt (Eugene), Christian Serratos (Rosita)
Produzenten: Gale Anne Hurd, David Alpert, Robert Kirkman, Charles H. Eglee, Glen Mazzara, Scott M. Gimple, Greg Nicotero, Tom Luse, Frank Darabont
Basiert auf der gleichnamigen Comicreihe von Robert Kirkman
Entwickelt von Frank Darabont
Staffeln: 9+
Anzahl der Episoden: 115+

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