Dark: Kritik zu ersten deutschen Netflix-Serie

Der kleine beschauliche Ort Winden, der unmittelbar in der Nähe eines Atomkraftwerks liegt, wird seit zwei Wochen von dem mysteriösen Verschwinden eines Jugendlichen auf Trab gehalten. Für den 16-jährigen Jonas Kahnwald (Louis Hofmann) ist dieses Thema jedoch nur von untergeordneter Bedeutung. Nachdem sich sein Vater vor einigen Wochen erhängt hat, kehrt der Junge erstmals wieder an seine Schule zurück. Es dauert nicht lange und Jonas ist wieder mit seinen alten Freunden vereint. Die Gruppe schmiedet einen Plan, um am Abend im Wald das Marihuana-Versteck des verschwunden Jungen ausfindig zu machen. Dabei kommt es jedoch zu einer Katastrophe, die schon bald verschiedene Entwicklungen in Gang setzt.

Dark ist die erste deutsche Eigenproduktion des Streaming-Dienstes Netflix und unterscheidet sich schon vom Grundaufbau deutlich von dem, was man sonst typischerweise an deutscher Serienware geboten bekommt. Anstatt des nächsten Krimis oder einer weiteren Comdeyserie setzt Netflix bei Dark auf Mystery. Darüber hinaus holte sich der Streaming-Dienst mit Regisseur Barab bo Odar und Produzentin/Autorin Jantje Friese das Team ins Boot, welches bereits mit Who am I beweisen konnte, dass erfolgreiche Genre-Produktionen aus Deutschland möglich sind.

Auch im Falle von Dark scheint diese Rechnung aufzugehen. Die Serie überzeugt zunächst einmal mit einer tollen Optik, die sie von vielen deutschen Produktionen unterscheidet. Dark sieht man an, dass hier auch finanziell nicht gespart wurde, was der Geschichte in jedem Falle zugute kommt. Die düstere Handlung wird durch die entsprechenden Bilder hervorragend unterstützt, und es gelingt den Machern, die Zuschauer sehr schnell in ihren Bann zu ziehen.

Im Gegensatz zu beispielsweise Stranger Things, zu dem durchaus gewisse thematische Ähnlichkeiten bestehen, fällt Dark zu Beginn teilweise sehr düster aus. In gewisser Weise ist die Serie das Ergebnis, wenn man Stranger Things den Spaßfaktor durch die Kinderdarsteller in der 1. Staffel entziehen würde. Themen wie Selbstmord, Kindesentführung und Kindesmord geben Dark eine gewisse Schwere. Dies ist wohlgemerkt nicht negativ gemeint. Wer zur Advents- und Weihnachtszeit aber vielleicht eher Lust auf etwas spaßige Unterhaltung hat, sollte Dark eventuell auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Wer sich jedoch auf die Geschichte einlässt, der dürfte froh sein, dass Netflix wieder einmal alle Episoden am Stück veröffentlicht hat. Man gerät schnell in einen Sog, und es dürfte nicht wenige Zuschauer geben, welche die Staffel in wenigen Tagen durchbingen.

Dark Netflix

Besonders spannend wird dabei sicherlich das Ende werden. So muss man durchaus festhalten, dass die Serie zu Beginn sehr viele Fragen und Rätsel aufwirft. Netflix stellte für Rezenzionszwecke vor dem Start nur die ersten drei von insgesamt zehn Episoden zur Verfügung, daher lässt sich nicht ganz sagen, ob die Auflösung am Ende der Serie auch gerecht wird. Ähnlich wie bei Lost besteht durchaus die Gefahr, dass die Autoren vielleicht die eine oder andere Frage zu viel in die Geschichte gepackt haben. Aufgrund der Spannung und der Qualität der ersten drei Folgen sollte man Barab bo Odar und Jantje Friese aber definitiv einen Vertrauensbonus geben.

Einen wichtigen Faktor bei der Umsetzung der Serie spielen auch die Darsteller. Louis Hofmann als Jonas und Oliver Masucci als Ulrich Nielsen stechen hier zunächst heraus, ebenfalls sehr positiv sind Lisa Vicari und Moritz Jahn zu nennen, die trotz ihrer jungen Jahre überzeugen können. Generell ist der Cast von Dark exzellent besetzt und zeigt einige Spielfreude.

Allerdings muss man auch festhalten, dass die Serie den Zuschauer zu Beginn mit sehr vielen Figuren konfrontiert. Die Geschichten von gleich vier Familie werden miteinander verwoben, die sich teilweise zudem über drei Generationen strecken. Damit jedoch nicht genug, in der dritten Episode sorgt eine Handlungsentwicklung dafür, dass noch weitere neue Gesichter dazu kommen. Dass man als Zuschauer dann durchaus den Überblick bei der Frage, wer gehört noch einmal zu wem, verlieren kann, ist nicht unwahrscheinlich.

Dark Netflix

Fazit

Spannung und ein düstere Erzählweise sorgen in Dark dafür, dass man schnell in einen Sog gerät. Der Auftakt der ersten deutschen Serie von Netflix kann in allen Bereichen überzeugen und muss sich in keinem Falle vor den US-Produktionen des Streaming-Anbieters verstecken. Es bleibt zu hoffen, dass die Macher das Niveau über die gesamte Laufzeit halten können und auch ein befriedigendes Ende inklusive Antworten auf die vielen Rätsel schaffen.

Originaltitel: Dark (2017)
Erstaustrahlung am 01.12.2017
Darsteller: Bob Loblaw, Bob Loblaw
Produzenten: Max Wiedemann, Erik Barmack, Baran bo Odar, Jantje Friese,
Staffeln: 2+
Anzahl der Episoden: 10+


Regeln für Kommentare:

1. Seid nett zueinander.
2. Bleibt beim Thema.
3. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.

SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

Beiträge von Spammern und Stänkerern werden gelöscht.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren.
Ein Konto zu erstellen ist einfach und unkompliziert. Hier geht's zur Anmeldung.