The Orville Staffel 1 - Eine Liebeserklärung

Ob nun The Expanse, Star Trek: Discovery oder Dark Matter - nach längerer Durststrecke gibt es für Freunde von Geschichten in und um Raumschiffe endlich wieder reichlich frischen Stoff. Doch eine Serie überraschte 2017 besonders: The Orville. Nach einem ersten Eindruck durch die Pilotepisode folgt nun ein spoilerfreier Blick auf die gerade beendete erste Staffel.

Die Mischung macht's

Seth MacFarlane wurde vor allem durch Family Guy und American Dad bekannt. Der spezielle Humor stößt auf klar geteilte Meinung - während die einen schon bei Ankündigung einer Science-Fiction-Serie von MacFarlane die Augen rollten, freuten sich andere.

Die Vermarktung von The Orville ließ im Vorlauf eher auf eine Comedy oder Parodie schließen, zeigte aber bereits mit der Pilotepisode große Liebe zum Genre. Sicherlich gibt es den ein oder anderen flachen Witz oder Gags, die bestimmt nicht jedermanns Geschmack sind - doch halten sich diese erfreulich im Hintergrund und scheinen die ernsthaften Elemente sowie emotionalen Momente erst recht zu verstärken.

Und doch ist es gerade auch der Humor, der die Serie so speziell macht. Einige Dialoge könnten so oder zumindest so ähnlich aus dem Freundeskreis stammen oder erinnern an Kommentare beim gemeinschaftlichen Gucken alter Star-Trek-Episoden, was schnell eine gewisse Nähe zu den Charakteren aufkommen lässt.

"Das ist das bessere Star Trek."

Die ständigen Vergleiche der verschiedenen Science-Fiction-Serien miteinander ist zwar naheliegend, wird aber meist keiner so wirklich gerecht.

Mit Star Trek: Discovery wollte man etwas Neues wagen und das Franchise modernisieren. The Orville ist ganz klar eine Hommage an Vergangenes und dürfte jeden ansprechen, der gerne dieses wohlige Nostalgie-Gefühl bei Erinnerung an vor allem Star Trek: The Next Generation hat - gewürzt mit einigen ordentlichen Lachern.

Gut grinsen musste ich dann aber doch, als sich zwei Episoden in ihrer Handlung in gewisser Weise ähnelten. Ohne weder die eine noch die andere Serie groß spoilern zu wollen: Zwei Besatzungsmitglieder begeben sich mit einem Tarngerät auf ein gegnerisches Schiff - was in Star Trek die Klingonen, sind bei The Orville die Krill. Und zumindest beim direkten Vergleich dieser Geschichte muss auch ich zugeben, dass The Orville es deutlich charamanter - und auch überzeugender - gelöst hat.

Kompakt erzählt

Während der Trend in Serien zu immer komplexeren Erzählweisen geht, die gleich mehrere Episoden oder gar Staffeln überspannen, ist The Orville knackig geschrieben und schließt mit jeder Folge den jeweiligen Erzählstrang ab.

In knapp 45 Minuten wird jede Woche eine neue Welt erkundet, eine andere Gefahr des Weltalls überstanden oder persönliche Konflikte gelöst. Dass dennoch recht schnell eine Bindung zu den Charakteren entsteht und im Verlauf der zwölf Episoden klare Weiterentwicklungen erkennbar sind, zeugt davon, dass die Serienschaffenden ihr Handwerk verstehen.

Hierbei nutzt man auch geschickt die Freiheiten, die man durch die Positionierung als Comedy hat. So setzt man sich mit schwierigen, gesellschaftlich relevanten Themen deutlich lockerer auseinander und trifft dennoch genug den Kern der Sache, um der Serie die nötige Tiefe zu geben.

Dies ist ebenfalls das Erfolgsrezept bei den Charakteren. Keiner - nicht einmal der von sich selbst arg überzeugte Schleim-Alien - dient rein dazu, sich über sie lustig zu machen. Jeder bekommt eine Hintergrundgeschichte und eine klar erkennbare Persönlichkeit, die auch immer mal wieder plotrelevant wird. Zudem geht man nicht den oft genommenen Weg, bei dem eigentlich komplett unqualifizierte Leute durch Zufall verantwortungsvolle Jobs übernehmen müssen, sondern lässt jeden Charakter die nötigen Fähigkeiten für seine Position haben oder gar hoch ausgebildete Top-Kandidaten sein.

Hilfreich ist dafür sicherlich auch der schauspielerisch überzeugende Cast. Neben den Hauptdarstellern Seth MacFarlane, Adrianne Palicki, Penny Johnson Jerald, Scott Grimes, Peter Macon, Halston Sage, J. Lee und Mark Jackson sind unter anderen Robert Picardo, Charlize Theron, Holland Taylor, Rob Lowe und Liam Neeson in Gastrollen zu sehen.

Fazit

Seth MacFarlane und sein Team wissen, was sie tun. Durch die klar erkennbare Liebe zum Genre und der mit Bedacht eingesetzte MacFarlane-Humor ist eine ernstzunehmende Science-Fiction-Serie entstanden, die einen sowohl laut lachen lässt und doch auch zu Gesprächen über diverse ernste Themen anregt.

So ist The Orville ein gutes Beispiel dafür, dass man auch mit altbekannten Geschichten und altmodisch wirkender Optik etwas frisches Neues schaffen kann.

Noch ist The Orville in Deutschland nicht verfügbar. Die ProSiebenSat.1-Gruppe hat sich die Rechte gesichert, aber noch nichts über eine geplante Veröffentlichung bekannt gegeben. Derweil hat Fox in den USA bereits eine zweite Staffel bestellt.

FOX’s The Orville-Intro

The Orville | official trailer (2017)

Erstes Promobild zu Seth McFarlanes Sci-Fi-Comedy-Serie The Orvelle

Originaltitel: The Orville (2017)
Erstaustrahlung am 10.09.2017
Darsteller: Seth MacFarlane (Ed Mercer), Adrianne Palicki (Commander Kelly Grayson), Penny Johnson Jerald (Doctor Claire Finn), Scott Grimes (Lieutenant Gordon Malloy), Peter Macon (Lieutenant Commander Bortus), Halston Sage (Lieutenant Alara Kitan), J. Lee (Lieutenant John LaMarr), Mark Jackson (Isaac)
Produzenten: Seth MacFarlane, Brannon Braga, David A. Goodman, Jason Clark
Staffeln: 2+
Anzahl der Episoden: 12+


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