The Iron Throne - Kritik zum Serienfinale von Game of Thrones

SPOILER

Nach acht Jahren, acht Staffeln und 73 Episoden ist der Kampf um den Eisernen Thron entschieden. Mit "The Iron Throne" trägt das Serienfinale von Game of Thrones den passenden Namen, denn die Frage des Herrschers wird nun final geklärt. Der Weg dahin brachte allerdings einiges an Drama, dem dann ein bittersüßes Ende folgte.

Das Ende der Königin

Ob und wie gut "The Iron Throne" funktioniert, hängt vermutlich sehr stark davon ab, ob man sich als Zuschauer mit den Geschehnissen in der vergangenen Episode arrangiert/abgefunden hat. "The Bells" traf, freundlich ausgedrückt, eher auf kontroverse Zuschauerreaktionen, wobei vor allem die Wandlung von Daenerys als zu abrupt oder nicht nachvollziehbar kritisiert wurde. Im Staffelfinale gibt es zu dem Thema auch generell keine Diskussion mehr. Die Königin beschreitet endgültig den Pfad der dunklen Seite der Macht und ängstigt ihre einst engsten Verbündeten Jon und Tyrion nicht nur durch brutale Befehle in Hinblick auf die überlebenden Lannister-Soldaten, sondern auch mit einer brachialen Ansprache.

In einer parallelen Welt, in der Game of Thrones nicht zwei verkürzte Staffeln Zeit hatte, um seine Geschichte zu beenden, sondern drei komplette Staffeln erhalten hat, wäre sicherlich auch hier mehr Platz für die Ausarbeitung der Figuren und ihre Entwicklung gewesen. Auch wenn Tyrion im späteren Verlauf noch einmal auf die wiederholten grausamen Taten der Königin hinweist, und dabei auch dem Zuschauer den Spiegel vor das Gesicht hält (so lange die Grausamkeiten gegenüber bösen Männern begangen wurden, waren sie akzeptabel), ist die Entwicklung immer noch schwer zu akzeptieren. Schließlich ist Daenerys auch die Frau, die ihre Drachen einmal für Monate einsperrte, weil sie für den Tod eines Kindes verantwortlich waren. Dass diese Königin nun ohne ein Wimperzucken selbst ganze Familien auslöscht und dabei keine Schuld fühlt, ist trotz der Dinge, die ihr in Westeros wiederfahren sind, schwer nachvollziehbar.

Auf der anderen Seite nehmen sich die Autoren dagegen sehr viel Zeit für Jons Entscheidung. Hier dauert es beinah zu lang und man möchte ihn schon während seines Gesprächs mit Tyrion schütteln. Vielleicht wäre die Sache etwas anders gewesen, wenn Jons Liebe zuletzt nachvollziehbarer gewesen wäre. Letztendlich liefen seine letzten Treffen mit Daenerys aber immer darauf hinaus, dass er sie zuerst abwies und ihr dann seine Treue versicherte. Unsterbliche Liebe sieht anders aus. Der finale Moment zwischen den beiden Figuren ist allerdings sehr gut inszeniert, vor allem wenn man vergessen kann, welche Abkürzungen die Autoren genommen haben, um diesen zu erreichen.

Dass dabei auch der Eiserne Throne sein Ende findet, ist auf der einen Seite ebenfalls irgendwie passend. Mit dem Ende der Targaryens wird auch der Thron eingeschmolzen. Es wirkt aber wieder etwas gewollt, dass es dann ausgerechnet der Drache ist, der den Thron quasi eindampft, die Szene an sich macht dies aber nicht weniger eindrucksvoll.

Game of Thrones Staffel 8.06

Der letzte Lannister

Auch wenn Jon und Daenerys wichtige Rollen spielen, die klare Hauptfigur des Serienfinales ist Tyrion Lannister. Der Letzte der Lannister war fast in allen wichtigen Momenten der Folge vertreten und drückte ihnen seinen Stempel auf. Hier muss man auch noch einmal den Hut vor Peter Dinklage ziehen, der für eine der besten TV-Darstellungen überhaupt verantwortlich war und im Staffelfinale noch einmal sein ganzes Können zeigen darf. Bisher wurde der Darsteller schon drei Mal für seine Arbeit in Game of Thrones mit einem Emmy ausgezeichnet, nach dieser Folge ist ein vierter Preis alles andere als unwahrscheinlich.

Tyrion ist es auch, der am Ende die Frage des neuen Herrschers entscheidet. Neben der Wahl von Bran, die aus Tyrions Sicht durchaus nachvollziehbar ist, während sie auf der anderen Seite so gar nicht zu Brans Charakter passen will, ist auch die Art und Weise der Entscheidungsfindung wieder etwas arg einfach. Nachdem mehrere Jahre lang jeder Adlige mit einer halbwegs großen Armee seinen Anspruch auf den Thron anmelden konnte, wird die Sache nun sehr schnell und ohne Diskussion abgenickt. Gleiches gilt auch für die Entscheidung, dass der Norden nun selbstständig wird. Dies wird ebenfalls ohne große Kontroverse hingenommen und es darf durchaus die Frage gestellt werden, warum die anderen Königreich sich Bran überhaupt unterordnen.

Auch ist es etwas unverständlich, was genau Figuren wie Ser Davos oder Ser Brienne überhaupt bei dem Treffen verloren haben, abgesehen davon, dass die Charaktere Hauptfiguren in Game of Thrones sind. Mit mehr Zeit wäre die Szene sicherlich etwas nachvollziehbarer gewesen, aber diesen Kritikpunkt hat man nun auch schon oft genug angebracht. Die Frage nach dem neuen König musste geklärt werden und die Lösung an sich, dürfte zumindest für die Menschen von Westeros keine schlechte sein.

Game of Thrones Staffel 8.06

Was am Ende bleibt

Nachdem der neue König gefunden ist, heißt es nun Abschied nehmen und dies nicht nur für die Zuschauer. Jon wird gewissermaßen aus dem Reich verbannt, wobei Tyrion die Entscheidung als eine bezeichnet, mit der niemand wirklich zufrieden ist und die daher wohl der ideale Kompromiss war. Beinah möchte man diese Aussage auf das Ende von Game of Thrones selbst beziehen. Der gewaltigen Erwartungshaltung der Fans an die finalen Folgen konnten die Macher am Ende vielleicht einfach nicht gerecht werden und so ist die finale Staffel vielleicht der Kompromiss, der zwar immer noch unterhält, aber niemanden wirklich zufriedenstellt.

Auf der anderen Seite fühlt sich das Ende für viele Figuren zumindest richtig an. Jon ist zurück im Norden, vereint mit einem Freund und seinem treuen Wolf, ohne die Verantwortung, die er nie wirklich wollte. Sansa ist unabhängig und muss sich niemandem gegenüber rechtfertigen. Arya sucht eine neue Herausforderung, während Tyrion nun die Chance bekommt, ein besseres Königreich aufzubauen. Dabei hat er mit Bronn, Sam, Ser Davos und Ser Brienne tatkräftige Unterstützung (das Ganze hat sogar durchaus Potenzial für eine Comedyserie).

Trotz des an sich positiven Endes vermeiden die Macher von Game of Thrones ein süßes Happy End und lassen die Figuren mit einer gewissen Bitternis zurück. Zu viele Menschen mussten sterben, um in der Welt von Westeros an diesen Punkt zu kommen. Als Zuschauer fällt das Abschiednehmen am Ende ebenfalls nicht leicht. Auch wenn die 8. Staffel es vielen Fans nicht einfach gemacht hat, war Game of Thrones doch ein Fernsehereignis, wie es bisher noch nie zu sehen war. Trotz holprigen Endes lieferte Game of Thrones in seinen acht Jahren doch so viele tolle, spannende, tragische und mitunter auch witzige Momente, wie nur wenige Serien es bisher geschafft haben.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© HBO
Game of Thrones Logo

Originaltitel: Game of Thrones (2011-2019)
Basiert auf der Fantasy-Reihe Das Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin
Erstaustrahlung am 17.04.2011
Darsteller: Peter Dinklage (Tyrion Lennister), Lena Headey (Cersei Lennister), Emilia Clarke (Daenerys Targaryen), Kit Harington (Jon Snow), Sophie Turner (Sansa Stark), Maisie Williams (Arya Stark), Nikolaj Coster-Waldau (Jaime Lennister)
Produzenten: David Benioff, D. B. Weiss, Carolyn Strauss, Frank Doelger, Bernadette Caulfield
Staffeln: 8
Anzahl der Episoden: 73


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