Fedcon 2019: Interview mit Bruce Boxleitner aus Babylon 5

Neben Panels, Fragestunden, Autogrammen, Fotoshootings und dem umfangreichen Programm der FedCon hatten Stefan und Johannes auch Gelegenheit, Interviews mit den Star-Gästen zu führen. Darunter auch Bruce Boxleitner, der zusammen mit seiner Kollegin Mira Furlan in Bonn zu Besuch war.

Bruce Boxleitner ist vor allem bekannt für seine Rolle in Tron sowie die prägende Rolle des John J. Sheridan in der TV-Serie Babylon 5. Zuletzt spielte der den Präsidenten der USA in Supergirl. Wir sprachen mit ihm über die Entwicklungen im Film- und Fernsehgeschäft sowie die Bedeutung von Babylon 5 für die heutige Serienlandschaft.

Robots & Dragons: Sie hatten eine lange und erfolgreiche Karriere. Welche positiven und negativen Veränderungen im Filmgeschäft haben Sie bemerkt?

Bruce Boxleitner: Wir erleben gerade interessante Zeiten. Tatsächlich ist es jetzt wesentlicher politischer, als ich mich je erinnern kann. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist, das liegt nicht an mir zu beurteilen. Es verändert sich immer, mit jeder Generation verändert es sich. Ich habe davon drei, vier Jahrzehnte mitbekommen. Als junger Mensch im Filmgeschäft, besonders in Fernsehserien, habe ich mit Gastauftritten angefangen, und ich habe das Gefühl, ich habe mich hochgearbeitet, habe auf dem Weg dorthin gelernt. Denn das ist sehr anders als im Theater aufzutreten, aber ich wollte das. Es war mein Wunsch, TV- und Filmdarsteller zu werden. Aber was mir aufgefallen ist: In den 1970ern waren alle Hauptrollen meist ältere Erwachsene, als junger Mensch war man deren Töchter oder Söhne. Ich habe jede Menge Halunken gespielt, böse Buben – glauben Sie es oder nicht, aber dieses adrette Gesicht war ein Drogenschmuggler auf Hawaii mit schulterlangem Haar und Schnurrbart. Heute ist es anders herum, ich bin auf der anderen Seite des Spektrums. Ich bin der alte Typ. Ich könnte jede Menge Beispiele nennen, in denen der ältere Typ mit weißem Haar die Hauptrolle gespielt hat und die jüngeren hatten nur Nebenrollen. Mir geht es nicht darum, Altersdiskriminierung anzuprangern. Es ist nur so, dass es jetzt weniger Rollen gibt. Aber es ist vielleicht auch eine gute Gelegenheit – ich habe gerade in Supergirl den Präsidenten der USA gespielt, das macht mir also nichts aus. Obwohl, das war ja ein etwas dubioser Charakter. [...]

Das war ein Phänomen für mich. Als ich anfing, war ich immer einer der jüngsten Leute auf einem Set, ich war das Kind, jetzt bin ich der Älteste auf dem Set. Der Älteste! Und ich bin gerade mal 69 geworden, das ist … bemerkenswert. Insgesamt denke ich, das, was gerade passiert, ist sehr aufregend, und ich hoffe, ich kann weiter ein Teil davon sein. Was gerade im Fernsehen geschieht, denke ich, ist eine Art neues Goldenes Zeitalter, dort wird bessere Arbeit gemacht als in Spielfilmen.

Fedcon Bruce Boxleitner

R&D: Wo wir vom Fernsehen sprechen: Babylon 5 war Teil dieser Veränderungen, mit seinem fünf Staffeln umfassenden Handlungsbogen, etwas, das heute selbstverständlich ist. War Ihnen damals klar, dass diese Serie etwas Besonderes ist?

Bruce Boxleitner: Ja, das mit dem Handlungsbogen war damals gar nicht gewünscht. Ich denke, das war auch etwas, was das attraktiv gemacht hat. Ich kam ja in der zweiten Staffel dazu, habe Michael [O'Hare, die Red.] ersetzt, und es war sehr spannend, weil es sehr ungewöhnlich war. Damals war es meist so, dass die Geschichte mit dem Ende der Episode abgeschlossen war. Nun aber diese weiterführende Geschichte zu haben, war sehr ungewöhnlich. Und nun ist das überall so. Weil wir kein zentralisiertes Fernsehen [syndicated television] mehr haben, wir haben keine Wiederholungen mehr. Wir streamen. Wir haben diese verschiedenen Technologien, wir schauen auf unseren Smartphones. Das hat es erlaubt, das Ganze zu öffnen und von den alten Beschränkungen zu befreien, denke ich. Das sind natürlich nur meine Meinungen, da können wir uns drüber streiten.

Das Fernsehen, das ich sehe, läuft über Netflix, Amazon, Hulu und so weiter, und das hat eine unglaubliche Energie und Kreativität für das ganze Geschäft freigesetzt. Wenn wir mal an Game of Thrones denken, ich bringe das mal als Beispiel für ein modernes Babylon 5, da gibt es gewisse Ähnlichkeiten, weil das ja auch eine erfundene Welt ist, die da präsentiert ist. Jeder Charakter hat eine eigene Reise – die können auch mal getötet werden, das hat Joe [gemeint ist J. Michael Straczynski, Schöpfer von Babylon 5, die Red.] auch gerne gemacht, mit Figuren, die sehr beliebt waren –  das ist besser als jeder Spielfilm, den ich in den letzten Jahren gesehen habe, vor allem die letzten Episoden [von Game of Thrones, die Red.] waren eher wie im Kino, darum haben sie ja zwei Jahre gebraucht. Die Rollen, die Schauspieler bekommen, werden auch immer besser, weniger tatsächlich in den Spielfilmen, weshalb die Kinobetreiber auch so verzweifelt versuchen, dich ins Kino zu locken.
Denn ich kann zuhause vor meinem 4K-Bildschirm sitzen – es ist großartig, ich bin schwer von meiner Couch wegzubewegen. (lacht) Und ich glaube, Babylon 5 war ein Vorreiter davon, da wir gerade populär wurden, als das Internet anfing.

R&D: Sie haben ja erwähnt, dass Sie einen Präsidenten gespielt haben. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Bruce Boxleitner: Ich habe ja vorher auch schon einen Präsidenten als Senator gespielt, das kommt mit der Zeit, wenn man (er zeigt auf die angegrauten Schläfen unseres Redakteurs Stefan), wie Sie langsam an den Seiten, graue Haare bekommt. Damit kommt ja angeblich ein bisschen Würde und Gravitas. Ich war schon immer ein Hobby-Historiker, ich kenne also meine Geschichte und die Präsidenten der USA. Aber das hat Spaß gemacht, das war ja das Superhelden-Genre, und ich war der Gegenspieler von Supergirl.

R&D: Danke für das Gespräch!

Babylon 5 - Das Tor zur dritten Dimension
Originaltitel:
Babylon 5: Thirdspace
Kinostart:
04.09.02
Laufzeit:
91 min
Regie:
Jesús Salvador Treviño
Drehbuch:
J. Michael Straczynski
Darsteller:
Bruce Boxleitner, Claudia Christian, Mira Furlan, Richard Biggs, Jeff Conaway, Stephen Furst, Patricia Tallman
Als im Hyperraum ein Artefakt unbekannter Herkunft gefunden wird, dauert es nicht lange, bis die Station Besuch von IPX bekommt, die das Objekt untersuchen wollen. Sheridan willigt im Austausch gegen Informationen und Waren für die unter dem Embargo der Erdregierung leidenden Station zu.

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