Robots & Dragons: Die besten Filme der Jahre 2010 bis 2019

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Arrival: Deutsches Hauptplakat

Mit dem heutigen Tag endet nicht nur das Jahr 2019, es werden auch gleich die sogenannten 2010er abgeschlossen. Grund genug, um für uns einmal einen Blick auf die vergangenen zehn Jahre zu werfen und zu schauen, welche Filme uns denn wirklich herausragend begeistert haben. Keine einfache Aufgabe, aber irgendjemand muss sich ihr ja stellen (bei Serien haben wir direkt aufgegeben). Und damit Vorhang auf für unsere Filmhighlights aus den Jahren 2010 bis 2019.

Nele Bübl

Ein Jahrzehnt der Superhelden-Filme/Comic-Serien. Alles schön und gut, doch im Kino so richtig begeistern konnte mich nur einer: Thor. Bisher drei Teile, jeder in seiner Art anders - alle ein großer Spaß. Gehören zu den wenigen Filmen der letzten Jahre, die ich mir auch noch ein zweites oder drittes Mal angesehen habe.

Und wo wir gerade bei 'großer Spaß' sind - Mad Max: Fury Road. Meeeeehr Power. Irres Gekicher. Die praktischen Effekte, der wenige Dialog, die Geräuschkulisse - ein richtiges Kinoerlebnis und große Filmkunst.

Weniger spaßig: The Hunger Games. Auch wenn die späteren Teile der dichten und erdrückenden Erzählung der Bücher nicht mehr ganz gerecht werden, so ist die Bildsprache doch wichtig und wird nach wie vor in Protestbewegungen weltweit immer mal wieder aufgegriffen. Als der Hype um die Bücher von Suzanne Collins damals losging, war ich von all den pseudo-dystopischen Jugendbuchtrilogien schon längst angenervt. Bei Freunden guckte ich dann aber doch in den ersten Film rein und war sofort gefesselt. Also habe ich mir gleich die Bücher besorgt und war sowohl angetan als auch von der schnörkellosen Härte überrascht. Ein Zitat, das sich fest einbrannte: "Es ist nicht die Frage, was ich einatme, sondern wen.". Die Brutalität schlägt vor allem wegen der sich so realistisch anfühlenden Erzählung richtig durch. Weil aber nicht einfach alles schwarz-weiß und verdammt ist, sondern auch Hoffnung auf Änderung aufzeigt - ohne auf einmal in ein rosarotes Happy End zu gipfeln - gehört die Panem-Reihe für mich definitiv zu den wichtigsten Filmen der vergangenen zehn Jahre.

Florian Rinke

Das Jahrzehnt hatte eine Menge guter Superheldenfilme zu bieten. Mit The Dark Knight Rises schloss Christopher Nolan seine Batman-Trilogie ab und Konkurrent Marvel brachte den ersten Avengers-Film und Captain America: Wintersoldier ins Kino. Mein Lieblingssuperheldenfilm kam aber völlig ohne bekannte Figuren aus. Man kann sich sogar streiten, ob die Protagonisten in Chronicle wirklich Helden sind. Der Film zeigt ein relativ realistisches Szenario, was passieren würde, wenn normale Personen plötzlich Superkräfte bekommen. Es geht um Freundschaft, Angst und wie Macht Menschen verändert. Außerdem ist Chronicle der einzige auf Dauer erträgliche Found-Footage-Film, den ich kenne.

Auch das Gruselgenre konnte mich mit so unterschiedlichen Filmen wie It Follows, The Cabin in the Wood oder Get Out in den letzten zehn Jahre begeistern. Mein Horrorhighlight ist aber Attack the Block. Alienmonster, die ein Hochhaus in einem heruntergekommenen Viertel Londons terrorisieren. Der Film ist lustig, ein wenig trashig und dennoch spannend. 84 Minuten sehr gute Unterhaltung.

Ab 2015 kamen auch eine Reihe neuer Star-Wars-Filme in die Kinos, die mir wie Das Erwachen der Macht und Der letzte Jedi gut gefallen haben. Solo: A Star Wars Story war optisch durchaus ansehnlich, aber inhaltlich eher überflüssig. Ganz anders sieht es mit Rogue One: A Star Wars Story. Die Geschichte um die Rebellen, welche die Pläne des Todessterns stehlen, ist eine Bereicherung für das Star-Wars-Universum. Der Film zeigte im Finale einige der besten Action-Szenen des letzten Jahrzehnts und bewies noch einmal eindrucksvoll, warum Darth Vader zu den fiesesten Schurken der Filmgeschichte gehört.

Auch wenn Okja in Deutschland nicht ins Kino kam, verdient der Film von Bong Joon Ho hier erwähnt zu werden. Der koreanische Regisseur liefert eine bunte Mischung aus skurrilen, emotionalen und grauenhaften Bildern. Mir ist danach der Appetit auf Superschweine restlos vergangen. Apropos Tierfilmen, an dieser Stelle müsste ich auch kurz Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind und Zoomania lobend erwähnen.

Stefan Turiak

Snowpiercer ist Vieles: Mad Max im Schnee, Klassenkampf-Parabel, Plattform für eine verrückte Tilda-Swinton-Verkleidung. Vor allem aber trägt der Film aber die manchmal skurrile und gleichzeitig verstörende Handschrift des Regisseurs Bong Joon Ho. So zum Beispiel, wenn er die Protagonisten gegen eine Armee aus maskierten Soldaten der Oberschichten antreten lässt, die ihre Streitäxte in den Innereien beziehungsweise dem Blut eines Fisches tränken und ein verdreckter Chris Evans auf dem Höhepunkt dieser Schlacht auf eben diesen Fisch ausrutscht. Ein Film, der voller kleiner und großer Einfälle steckt und als Happy End eine offene Frage stellt.

Arrival lässt es dagegen wesentlich unblutiger zugehen. Die im Zentrum stehenden Aliens sehen aber immerhin ein wenig wie Tintenfische aus. In dem Science-Fiction-Drama von Regisseur Denis Villeneuve basiert auf einer sehr empfehlenswerten Kurzgeschichte von Auto Ted Chiang namens The Story of your life geht es um Sprache beziehungsweise Kommunikation über Länder- und Spezies-Grenzen hinaus. Und ja: Um Liebe und dass man keine Angst vor ihr haben muss, auch wenn klar ist, dass sie tragisch endet.

Auch in seinem nächsten Film namens Blade Runner 2049 spart Villeneuve ein großes, episches Action- und CGI-geladenes Finale aus – selbst wenn es Action gibt. Der Regisseur entscheidet sich jedoch gegen eine große, revolutionäre und kriegerische Auseinandersetzung mit der gesamten Menschheit. Stattdessen entscheidet er sich für menschlichere Taten als die paar Menschen, die noch auf dem Planeten Erde verweilen. Blade Runner 2049 ist eine Fortsetzung, die ihre eigene Bildsprache findet und dennoch gleichzeitig eine würdige Reminiszenz an den Vorgänger darstellt, ohne ein schnöder Aufguss zu sein. Es ist ein Wunder, dass der Film so existiert und schade, dass er nicht mehr Gegenliebe in Form von Box-Office-Erfolg erfahren hat, auch wenn es verständlich ist, dass diese Fortsetzung rein konzeptionell kein Kassenmagnet ist. Arrival und Blade Runner 2049 – und zu einem gewissen Grade auch die vorangegangenen Filme von Villeneuve – lassen mich aber tatsächlich auf die Dune-Neuverfilmung hoffen.

Mad Max - Fury Road legt dagegen eine völlig andere Gangart an den Tag - sprichwörtlich und im übertragenen Sinne. Hier geht es ausschließlich um die sture Vorwärtsbewegung, zumindest so lange, bis es nicht mehr weitergeht, dann fährt man eben mit Volldampf wieder zurück. Das mag simpel erscheinen, hat aber sehr viel mehr zu bieten, als es auf den ersten Blick den Anschein hat: Einen Herrscher, der einen religiösen Personenkult um sich herum erschaffen hat, um lebensnotwendige Rohstoffe für sich zu horten und alle seine Untergebenen zu kontrollieren; ein verrückter Max, der erst nach dem Alleinsein und dann nach Erlösung sucht. Und nicht zu vergessen, ein Musiker mit einer Flammenwerfer-Gitarre, was einfach eine wunderschön-bekloppte Idee ist, um sie in einen Endzeit-Actionfilm hineinzuwerfen. Und vieles, vieles mehr, was aber hier zu weit gehen würde.

Augenscheinlich simpel geht es auch in der John-Wick-Trilogie zu: Die russische Mafia tötet den kleinen Hund eines ehemaligen Profikillers und stiehlt zudem noch sein Auto. Im Gegenzug schießt Keanu Reeves allen aus einem halben Meter Entfernung ins Gesicht. Die unschöne Wahrheit über die Hauptfigur, die sich erst im zweiten Film eröffnet: John Wick ist wahrscheinlich süchtig nach dem Rachefeldzug und der facettenreichen Profikiller-Welt, die sich in der Action-Trilogie präsentiert. Deswegen begibt er sich immer weiter in diesen Höllenschlund – sehr zu meiner Freude, denn schließlich bietet Regisseur Chad Stahelski die beste Action-Ballett-Choreografie seit langem im Hollywood-Kino, das nicht nur auf CGI- und Greenscreen basiert.

Katrin Hemmerling

Das letzte Jahrzehnt war gefühlt das Jahrzehnt der vielen Marvel-Verfilmungen und großen Dramen gemischt mit einer Prise "Was zum Teufel hat DC sich dabei gedacht?". Nach einigem Rumsuchen und Vergewissern habe ich es aber auch geschafft, mir einige Top-Filme herauszusuchen.

X-Men: Days of Future Past war genau das, was ich jemals von einem X-Men-Film haben wollte. Großartige Szenen, wie Quicksilver, der zu Time in a Bottle mal eben in seinem Tempo durch eine Küche wirbelt gepaart mit Momenten, die mir ans Herz gegangen sind. Wann hätte ich denn damit rechnen können, dass der junge Charles auf den älteren Charles trifft? Der Film ist für mich die beste Umsetzung des X-Men-Franchises. First Class hatte mich schon hoffen lassen, dass man mit dem Franchise auf einem guten Weg war - und Days of Future Past hat gezeigt, wie wunderbar das Ensemble aufeinander eingespielt war. Dass es danach stetig bergab ging, ignoriere ich tapfer weiter.

An Steve und Tony kam niemand in den vergangenen Jahren vorbei. Die stärkste Leistung von beiden gab es für mich in Captain America: Civil War. Drama. Drama. Und noch mehr Drama zeigte die Geschichte um die gespaltenen Lager der Avengers. Dazu noch eine der bombastischen Showdowns, die Marvel jemals auf die Kinoleinwand gebracht hat - und fertig ist der Marvel-Film, den ich mir immer wieder angucken kann, ohne dass er mir langweilig wird.

"Der alte Mann Logan" schrieb Johannes zur Kritik von Logan. Mit diesem Film nahm Hugh Jackman endgültig seinen Abschied von der Rolle, mit der er vermutlich für immer verknüpft werden wird. Und es war ein würdiger Abschied. Anders als alles, was es zuvor zu Wolverine gab - und vermutlich deswegen so großartig. Was mit einem Trailer anfing, der passend zu Johnny Cash' Verison von Nine Inch Nails' "Hurt" unterlegt war, fand schließlich ein Ende in einem Film, der endlich nicht mehr zum Mainstream passen musste. Genau das hat dem Abschied von Wolverine einfach nur gut getan.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 steht an dieser Stelle stellvertretend für den Abschied von Hogwarts. Sowohl Bücher als auch Filme haben mich jahrelang begleitet - bis es im Sommer 2011 dann zu Ende ging. Es war ein bittersüßer Abschied, gefiel mir doch gerade das letzte Buch mit den letzten Entscheidungen von J.K. Rowling nur bedingt. Aber ich wusste, dass mir etwas fehlen würde. Schließlich war es schön, immer wieder nach Hogwarts zurückzukehren. Über die Entwicklung des Harry-Potter-Fandoms mit den nur bedingt funktionierenden neuen Filmen rund um Newt Scamander und den auch mitunter doch recht irritierenden Aussagen der Autorin selbst decken wir einfach mal den Mantel des Schweigens ... und erinnern uns an die Zeit, als Hogwarts noch ein Zuhause war.

Tobias Maibaum

5 Zimmer Küche Sarg (What we do in the shadows) darf hier stellvertretend für die kleinen Filmperlen der vergangenen zehn Jahre stehen. In dem Streifen, mit dem Taika Waititi ein weites Publikum erreichen konnte, geht es um die Idee einer Vampir-Wohngemeinschaft in Neuseeland. Weiterer Beschreibung bedarf es eigentlich nicht mehr. Viele Gags sind im Internet schon fest etabliert, inzwischen gibt es sogar eine Serie zum Franchise.

Wir schließen das Jahrzehnt der Superheldenfilme ab, so viel lässt sich sicher sagen. Die Ermüdungserscheinungen sind an vielen Ecken deutlich sichtbar, mehr Abwechslung ist dringend nötig. Zum Glück gibt es ihn dann doch, den Film, der über die Erwartungen des Genres hinausgeht und einfach mehr leistet. Spider-Man: A New Universe ist ein besonderes Stück Kinogeschichte, was tollen Charakteren Platz außerhalb der Maske gibt und mit verschiedenen Animationsstilen Abwechslung schafft.

An dieser Stelle seiewirklich vor allen sensiblen Themen gewarnt, denn mit Die Taschendiebin zieht Park Chan-wook (Regisseur des Kultfilms Oldboy) wieder alle Register, was Gewalt und Nacktheit angeht. Die Geschichte aus dem japanisch besetzten Korea der 1930er Jahre wurde trotz nicht-jugendfreier Inhalte in 176 Länder verkauft – eine Meisterleistung in der südkoreanischen Filmlandschaft. Der Thriller wird beinahe ausschließlich von den durchweg großartig besetzten Figuren getragen und knackt wahrscheinlich einen Rekord für die meisten dramatischen Wendungen in einer Geschichte.

Das Anime-Studio Kyoto Animation ist wahrscheinlich leider erst durch eine Tragödie in internationale Schlagzeilen geraten, war aber schon vorher das größte japanische Studio mit Animation, die ausschließlich im eigenen Haus gemacht wird. Im Drama A Silent Voice (Koe no Katachi) zeigen sie all ihr Können bei der Handlung um ein taubstummes Mädchen, was sich über die Jahre mit einem ehemaligen Mitschüler anfreundet, der sie aufgrund ihrer Behinderung früher übel schikaniert hat. Auch die Synchronsprecherin der Hauptfigur ist eine Erwähnung wert, weil sie für die Rolle gelernt hat, wie eine Taubstumme zu sprechen.

Ich könnte an dieser Stelle auch noch die gesamten Empfehlungen vom Kollegen Stefan wiederholen, nutze aber den Raum, um mein persönliches Highlight, die Kizumonogatari-Trilogie zu erwähnen. Diese ist Teil der Monogatari-Animeserien und quasi unmöglich zu empfehlen, ohne vorher alle Staffeln gesehen zu haben. In den skurrilen Filmen gibt es stundenlange Dialoge, viel zu lange visuellen Humor und die besten Kämpfe, die in Japan gezeichnet wurden. Sorry, Dragonball, aber zwei Vampire, die sich in einem Baseballstadium gegenseitig mit einem einzigen Schlag enthaupten, ist schwer zu toppen.

Anne Jerratsch

In der Redaktion mussten wir erstmal ganz schön knobeln, bis wir nennenswerte Genrefilme gefunden hatten. War nicht der Großteil der Fantasy- und Scifi-Reihen bereits beendet? Mitnichten! Einiges konnte mit einem Remake oder einem Weiterdreh den dringend benötigten neuen Schwung erlangen. So durfte sich beispielsweise die Planet-of-the-Apes-Reihe zwischen 2011 bis 2017 gleich mit drei durchweg beeindruckenden Prequel-Teilen schmücken. Hier wird die Düsternis und die Metaphorik eines Kriegsfilms, die zu Beginn der Dekade vorwiegend Christopher Nolan zugeschrieben wurden, von Cloverfield-Erfinder Matt Reeves konsequent durchgesetzt. Motion-Capture-Experte Andy Serkis als Affe Caesar hat sich mit seinem intensiven, emotional anrührenden Spiel in der Affen-Dystopie schauspielerisch vielleicht noch verdienter ein Denkmal gesetzt als er es mit dem Wesen Gollum bei der Herr der Ringe-Reihe tun konnte.

Erzählerisch boten die Jahre nach der Erfindung des iPhone auch einiges im Menschen-Leben-mit-Technik-Genre (oder wie man das nun nennen mag). Hier wurde mal mehr, mal weniger erfolgreich versucht, das eigene Erinnerungsvermögen in eine Cloud hochzuladen - Johnny Depp als Multimillionär scheiterte mit dem unsäglich uninspirierten und verkitschten Transcendence, Scarlett Johansson durfte in Lucy hingegen zeigen, wie viel mehr man aus dieser Idee machen kann. Richtig glänzen durfte sie jedoch mit ihrer rauen Stimme in Spike Jonzes Her, wo sie Joaquin Phoenix als eine Art Super-Siri bezirzt, die sich bald über die Grenzen des menschlichen Denkens hinwegbewegt. Physischer ging es bei dem auch optisch hervorragend ausgeführten Ex Machina zu, eine Weiterführung der Frage, was einen Menschen wirklich zum Menschen macht. Serien wie Westworld oder, zumindest in Teilen, auch die Netflix-Perle Maniac versuchen in ähnlicher Weise, diese identitären Probleme zu behandeln.

Etwas fröhlicher und optisch absolut überragend durften sich in den 2010ern auch Filme für eine jüngere Zielgruppe geben. Lobend erwähnt seien hier die zahlreichen Versionen der Lego-Filme, von Lego - The Movie bis zu den kleinen Insider-Witzen im Lego-Batman-Film. Die Spielzeug-Schlachten sind natürlich eine reine Dauerwerbesendung für Merchandise, aber darüber hinaus machen sie einfach Spaß und punkten mit einem Tempo und einem Witz, den man auch in Erwachsenenkomödien oft vergeblich sucht. Auch Ralph reichts darf sich hier eine Belobigung abholen. Zu einem modernen Klassiker könnte sich in den kommenden Jahren möglicherweise Spider-Man: A New Universe des Regisseurtrios, bestehend aus Peter Ramsay, Bob Persichetti und Rodney Rothman mausern. Die animierte Erzählversion der Spider-Man-Geschichte kann mit so viel mehr Charme punkten als die Spielfilm-Remakes der vergangenen Jahre - und das, obwohl diesmal so gut wie kein Peter Parker auftaucht. Doch mit viel Herz und Liebe zum Detail zeigt der Film, dass er nicht nur die Grenzen des Animationsgenres sprengen kann, sondern auch die Möglichkeiten des Comics vollkommen verstanden hat. So geht Kreativität!

Florian Kaiser

Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) hebt sich nicht nur durch den ungewöhnlichen Titel respektive dessen Schreibung von der breiten Masse ab. Rückblickend betrachtet war das Gefühl beim Schauen dieses (leider immer noch) Geheimtipps ein wenig vergleichbar mit dem, das wenige Monate später die deutsche Fast-Academy-Award-Hoffnung Victoria in mir hervorgerufen hat. Diese Arthouse-Perle entfaltet eine ähnliche Sogwirkung und verzichtet zwar nicht auf (nahezu) alle Schnitte, lässt einen aber im Glauben, dem wäre so. Dadurch erscheint das Dargebotene ungemein intensiv. Maßgeblich dafür verantwortlich sind allerdings natürlich die Darsteller - allen voran Michael Keaton. Das Leben des von ihm verkörperten Riggan Thomson weist einige Parallelen zu seiner eigenen Vita auf. Der eine war einst Birdman, der andere Batman, beide gefeierte Stars, bevor es ruhig um sie wurde. Und dieser Tatsache ist sich der Hollywood-Veteran selbstredend vollkommen bewusst und liefert vielleicht auch deshalb eine seiner besten, wenn nicht sogar die beste Leistung seiner Karriere ab - flankiert von einer starken Emma Stone und einem überzeugenden Edward Norton. Eine, die dem Schauspieler zu dem Comeback verhilft, das seiner Rolle (in dieser Form) nicht vergönnt ist. Dass das von Regisseur und Drehbuchautor Alejandro G. Iñárritu erdachte Werk mit insgesamt vier Oscars (Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch und Beste Kamera) ausgezeichnet worden ist, kommt daher nicht von ungefähr. Und dass Michael Keaton schließlich 2016 als Vulture/Geier sein MCU-Debüt feiern durfte, setzte dem Ganzen mit etwas Verzögerung gewissermaßen die Metaebenen-Krone auf.

Das Thema Künstliche Intelligenz wurde schon in unzähligen Leinwandabenteuern thematisiert - einmal oberflächlicher, einmal tiefgründiger. Nach 108 Minuten Ex Machina stand für mich außer Frage, dass sich an diesem Drama in Zukunft alle Science-Fiction-Produktionen mit einem vergleichbaren Schwerpunkt werden messen lassen müssen. Denn dieses Kammerspiel ist so klug geschrieben, die Handlung so wendungsreich, so packend sowie berührend und all das, ohne auch nur im Geringsten Effekthascherei zu betreiben. Dieser Film beweist, dass es manchmal nicht mehr als tolle Akteurinnen und Akteure sowie ein gutes Drehbuch braucht, um das Publikum nach der Vorstellung zufrieden den Heimweg antreten zu lassen. Zugegeben, auch in Sachen musikalische Untermalung und Optik wird den Zuschauern einiges geboten, das steht jedoch nicht im Vordergrund. Vielmehr ist es Alicia Vikander, die - trotz beeindruckender Performances ihrer Spielpartner (Domhnall Gleeson und Oscar Isaac) - ebendiese komplett in den Schatten stellt. Und den Goldjungen, den die Schwedin 2016 für ihre Interpretation der Gerda Wegener im nur wenige Monate nach Ex Machina angelaufenen The Danish Girl gewinnen konnte, hat sie mit Sicherheit auch der von ihr zum Leben erweckten KI Ava zu verdanken.

Ballett wird seit jeher mit Perfektion assoziiert, mit Harmonie, Klarheit und einer gewissen Leichtigkeit. Wenn man - wie in Black Swan - diesem Schein nun die knallharte Realität, die von Druck, Neid und der Gewissheit, früher oder später verdrängt zu werden, gegenüberstellt, liefert das allein schon genug Material für interessante Geschichten. Darren Aronofsky nutzte auch sämtliche dieser Zutaten, um aus ihnen ein Grundgerüst zu bauen, das es ihm ermöglichte, seine Vision so umzusetzen, dass sie optimal zur Geltung kommen konnte: ein Horror-Thriller-Gemisch, bei dem stets das Publikum gezwungen ist, zwischen Wahn und Wirklichkeit zu unterscheiden, und dem es gelingt, die Musik von Tschaikowskis Schwanensee maximal bedrohlich wirken zu lassen. Darüber hinaus muss selbstverständlich Natalie Portman an dieser Stelle noch angemessen gewürdigt werden: Wenn man nicht nur einem, sondern im Grunde zwei Charakteren Leben einhauchen muss, ist dies schon enorm anspruchsvoll. Wenn innerhalb kürzester Zeit zwischen diesen zwei Persönlichkeiten wieder und wieder hin und her gewechselt werden muss, und zwar so, dass der Zuschauer mit der Protagonistin förmlich mitleidet, ist es Oscar-würdig. Und deswegen war Portmans überaus erfolgreiche Award Season 2011 nur folgerichtig.

Hannes Könitzer

Denis Villeneuve ist für mich einer der Regisseure der vergangenen zehn Jahre, schuf er doch mit Prisoners, Sicario und Blade Runner 2049 gleich mehrere beeindruckende Werke. Sein Highlight ist meiner Meinung nach aber immer noch ganz klar Arrival. Schon die Trailer hatten Hoffnungen auf einen Sci-Fi-Film gemacht, der eben einmal nicht durch lautes Getöse zu punkten versucht. Der Film selbst konnte diese Hoffnungen dann noch einmal deutlich überbieten. Arrival hat mich vom ersten Moment an mitgenommen und bis zum Abspann nicht mehr losgelassen.

Ähnliches wie über Arrival lässt sich auch zu Inception sagen, der mich auf gleiche Weise über die gesamte Laufzeit fesseln konnte. Zwar ist der Film von Christoper Nolan inhaltlich nicht ganz so stark wie der seines Kollegen Villeneuve, dafür punktet Inception aber optisch etwas mehr. Neben The Dark Knight ist er die Traumreise von Leonardo DiCaprio einfach der beste Film von Nolan und immer wieder einen Blick wert.

Die Jahre 2010 bis 2019 standen ohne Zweifel im Zeichen der Comicverfilmungen. Auch wenn das Genre schon davor populär war, in den vergangenen zehn Jahren wurde die ganze Sache noch einmal auf ein neues Level gehoben. Vor allem Marvel Studios hat das Kino dominiert und dies, obwohl 2015 auch die Rückkehr von Star Wars brachte. Der beste Film des MCU ist für mich allerdings nicht der Kassenschlager schlechthin Avengers: Endgame, sondern Captain America: Civil War. Das dritte Soloabenteuer von Captain America, das eigentlich ein verkappter Avengers-Film ist, war für mich aufgrund der Flughafenszene und des etwas ruhigeren Endes der etwas bessere Film im Vergleich zum Finale der Infinity-Saga.

Ebenfalls erwähnt werden muss an dieser Stelle Logan. Der Abschied von Hugh Jackman als Wolverine ist einfach ein Brett unter den Comicverfilmungen. Bereits in der erste Szene wird deutlich, dass Logan in seinem finalen Film endlich von der Leine gelassen wird und sich nicht mehr um Jugendfreigaben scheren muss. Trotzdem artet der Film aber nicht in eine sinnlose Gewaltorgie aus, sondern erzählt auch eine emotionale Geschichte, wie es nur wenige Vertreter des Genres schaffen.

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