Kritik zu Turbo Kid - Splatterspaß in der Postapokalypse

Die folgende Kritik enthält kleine Spoiler für die ersten fünfzehn Minuten des Films.

Eine öde Landschaft irgendwann in den 1990ern. Die Zivilisation ist zusammengebrochen, die letzen Menschen leben im Müll einer vergangenen Welt und versuchen, irgendwie zu überleben. The Kid (Munro Chambers) ist ein Teenager, der die Gegend nach Dingen durchsucht, die sich noch irgendwie verwenden lassen. Dafür wird er von einem Händler mit rar gewordenem Wasser und Comics entlohnt. Seine Lieblingsfigur ist Turbo Ranger, ein Superheld, der die Bösen bestraft und den Guten hilft. The Kid ist allerdings weit davon entfernt, selbst ein Held zu sein. Das Einzige, was ihn in dieser brutalen Welt am Leben erhält, ist sein BMX-Rad, mit dem er von den Bösen flieht und den Guten... ma ja, lieber auch aus dem Weg geht. Beherrscht wird die kleine Stadt von einer Bande unter der Führung des sadistischen Zeus (Michael Ironside), der den Wasserhandel unter seine Kontrolle gebracht hat und aus einer unbekannten Quelle neues bezieht. Als The Kid einem hyperaktiven und geistig vielleicht nicht ganz gesunden Mädchen namens Apple (Laurence Leboeuf) und einem Cowboy namens Frederic (Aaron Jefferies) begegnet, gerät er ins Visier von Zeus - und muss über sich selbst hinauswachsen.

Turbo Kid ist eine Homage an die zahlreichen Mad-Max-Ableger, die in den 80ern und frühen 90ern die Videotheken überschwemmten. Billigproduktionen wie Megaforce und Der Kampfkoloss versuchten, sich gegenseitig mit irrwitzigen Gefährten und noch irrwitzigeren Frisuren zu überbieten. Turbo Kid fängt den Charme dieser Zeit perfekt ein, untergräbt jeden nostalgischen Gedanken jedoch durch absurden und lakonischen Humor.

Die Fahrzeuge, mit denen sich seine Figuren verfolgen und attackieren, sind Fahrräder, und allein der Anblick schwerst bewaffneter und gepanzerter Männer, die hektisch in die Pedale treten, ist das Eintrittsgeld schon wert. Die Handlung ist minimalistisch und der Look angemessen billig, aber die drei Regisseure und Autoren (François Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell) wissen genau, was sie tun. Sie haben mit Turbo Kid eine verrückte und detailverliebte Welt erschaffen, die dank der hervorragenden Besetzung zum Leben erwacht.

Seinen Vorbildern angemessen wird ordentlich und sehr kreativ gesplattert, dennoch lässt er seinen Figuren Zeit, sich zu entwickeln und zu Persönlichkeiten zu werden. Diese Menschlichkeit inmitten des Grotesken und Absurden macht aus Turbo Kid mehr als nur postapokalyptischem Spaßsplatter. Sie macht ihn zu einem richtig guten Film.

In den USA hat Turbo Kid bereits einen Verleih gefunden. Hoffen wir, dass sich auch in Deutschland jemand des Films annimmt. In Stuttgart und München wird er in den nächsten Tagen auch noch auf dem Fantasy Filmfest laufen.

Hier schon mal der Trailer, in dem man auch den großartigen Soundtrack hört.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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