Person of Interest - The Day the World Went Away: Kritik zur 100. Folge

SPOILER

Person of Interest war schon immer eine Serie, die so ein bisschen unter dem Radar läuft, und dies obwohl sie aus qualitativer Sicht genau das Gegenteil verdient hätte. Vermutlich ist es das Fall-der-Woche-Prinzip, das viele Zuschauer glauben lässt, man habe es mit einem weiteren einfach gestrickten Procedural zu tun. Und zugegeben, in seinen schwächsten Folgen bewegt sich Person of Interest durchaus auf dem Niveau von CIS, NCIS, Castle und Co. Schwingen sich die Macher dagegen aber zu Höchstleistungen auf, wie sie es beispielsweise in der 100. Folge getan haben, dann gehört die Serie mit zum Besten, was das amerikanische Fernsehen zu bieten hat.

Schon in den vergangenen Jahren hatten sich die Trilogien in der Staffelmitte rund um Episode 10 zu den wichtigsten Episoden einer Staffel entwickelt. Da Person of Interest in diesem Jahr endet und zudem nur 13 Episoden bestellt wurden, agiert die zehnte Folge dieses Mal aber eher als Auftakt zum Serienfinale. Dies ändert allerdings kaum etwas an der Qualität der Folge. Wenn man sieht, was die Showrunner Greg Plageman und Jonathen Nolan schon hier auf die Zuschauer abfeuern, kann man sich eigentlich nur auf die letzten drei Episoden freuen.

"The Day the World Went Away" bietet sowohl in actiontechnischer Hinsicht als auch aufgrund der starken Dialoge das Beste auf, was man bei Person of Interest zu sehen bekommt. Dabei sorgt schon gleich der Auftakt der Folge für richtig Spannung. Nachdem die Handlanger von Samaritan schließlich doch auf die Spur von Harold kommen, steht dieser plötzlich im Fadenkreuz der künstlichen Intelligenz. Samaritan lässt nichts unversucht und hetzt gleich mehrere Gruppen von bewaffneten Söldnern auf Team Maschine. Es entwickelt sich eine actionreiche Jagd durch New York, die letztendlich mit mehreren Verlusten endet und der Entscheidung Harolds, die Maschine von der Leine zu lassen.

Der perfekte Mix aus Action und Emotionen

In Hinblick auf actionreiche Szenen waren die Macher von Person of Interest ja generell nie Kinder von Traurigkeit. In der 100. Folge überbieten sie allerdings locker alles, was sie bisher geschaffen haben. Von mehreren Schießereien bis hin zu einer für TV-Serien-Verhältnisse spektakulär inszenierten Verfolgungsjagd ist eigentlich alles dabei. Was die Episode dabei aber so großartig macht, ist die Tatsache, dass die Geschichte nie ihre Charaktere aus den Augen verliert. Trotz all der Action sorgt "The Day the World Went Away" mit gleich mehreren emotionalen Momenten für Gänsehaut und vor allem am Ende wird sich vermutlich der eine oder andere Zuschauer eine Träne aus dem Auge gewischt haben.

Dass der Kampf gegen Samaritan nicht ohne Opfer gewonnen werden kann, dürfte den meisten Zuschauern der Serie schon länger klar gewesen sein. In der 100. Episode gibt es nun die ersten großen Rückschläge für das Team. Dies schmerzt vor allem deshalb, weil die vorherige Folge mit der Rückkehr Shaws und der endgültigen Aufnahme von Fusco in das Team scheinbar einen Aufwärtstrend brachte. In "The Day the World Went Away" findet dieser aber erst einmal ein jähes Ende. Zuerst trifft es mit Elias einen Charakter, der trotz seiner kriminellen Vergangenheit einer der Zuschauerlieblinge war. Der Tod von Elias ist aber perfekt inszeniert und bringt seinen Charakter zu einem runden Abschluss. Darüber hinaus fungiert er aber auch als Ablenkung. Als Zuschauer fühlt man sich beinah sicher, da die Macher sicherlich nicht zwei große Charaktere in einer Folge umbringen werden. Dies stellt sich jedoch auf bittere Weise als Trugschluss heraus.

Ein schmerzhafter Verlust

Dass es Root am Ende doch erwischt, ist an sich keine so große Überraschung. Wenn man ehrlich ist, gab es bei der Figur über die Jahre hinweg immer wieder Momente, in denen man ihren Tod eigentlich schon erwartet hat. Bisher sprang Root dem Sensenmann jedoch immer wieder von der Klinge. Irgendwann ist aber auch ihr Glück aufgebraucht. Das Opfer von Root, um Finch zu retten, passt aber ähnlich wie bei Elias einfach sehr gut zu ihrer Charakterentwicklung. Die finale Konversation der beiden zeigt zudem noch einmal, wie sich die Beziehung zwischen Root und Finch in den vergangenen Jahren entwickelt hat und beinhaltet vieles von dem, was die Zuschauer an der Dynamik der beiden so lieben. Abgesehen von dem Moment mit Finch, bekommen zudem auch Root und Shaw noch einmal die Möglichkeit, ihr Zusammenspiel zu beweisen. Dass deren Flirt/tiefgründiges Gespräch wieder einmal inmitten eines Schusswechsels stattfindet, spricht dabei Bände. Gerade aus diesem Grund ist aber auch diese Szene ganz klar eines der Highlights und sorgt dafür, dass der Tod von Root am Ende noch mehr schmerzt.

Trotz der beginnenden Beziehung zwischen Shaw und Root wirkt sich ihr Tod letztendlich aber am stärksten auf Finch aus. Schon die ganze Staffel über kämpft der Programmierer mit seinen sich selbst auferlegten Regeln und muss sich der Frage stellen, wie weit er gehen will, um Samaritan zu stoppen. In "The Day the World Went Away" rückt der innere Konflikt schließlich in den Mittelpunkt und führt am Ende zu einer Gänsehautszene. Als Finch sich direkt an Samaritan wendet und der künstlichen Intelligenz den finalen Kampf ansagt, zeigt Darsteller Michael Emerson, wie gut er ist. Klar, wer Lost gesehen hat weiß, dass Emerson schauspielern kann. In den letzten Minuten der 100. Episode beweist er aber noch einmal sein ganzes Können. Dass er am Ende die Maschine um aktive Hilfe bittet, kurz nachdem diese sich die Stimme von Root als ihre eigene ausgewählt hat, setzt den perfekten Schlusspunkt unter einer perfekten Folge.

Fazit

Mit der 100. Episode von Person of Interest zeigen die Macher wieder einmal, was für ein außergewöhnliches Format sie geschaffen haben. Die Folge ist vollgestopft mit emotionalen und actionreichen Momenten und bietet perfekte Unterhaltung. Darüber hinaus wird der Grundstein für die finalen drei Episoden der Serie gelegt, die nach diesem Auftakt richtig viel versprechen.

Person of Interest Staffel 5 Banner

Originaltitel: Person of Interest (2011-2016)
Erstaustrahlung am 22.09.2011
Darsteller: Jim Caviezel (John Reese), Taraji P. Henson (Jocelyn "Joss" Carter), Kevin Chapman (Lionel Fusco), Michael Emerson (Harold Finch), Amy Acker (Root), Sarah Shahi (Sameen Shaw)
Produzenten: Jonathan Nolan, Greg Plageman, Denise Thé, J.J. Abrams, Bryan Burk
Staffeln: 5
Anzahl der Episoden: 103


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