Star Trek: Picard

Star Trek: Picard - Showrunner Michael Chabon & Patrick Stewart äußern sich zum Staffelfinale

SPOILER

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Ende vergangener Woche feierte das Staffelfinale von Star Trek: Picard seine Premiere und brachte einige Handlungsstränge rund um den titelgebenden Serienveteranen zu einem Abschluss. Im Zuge der Folge haben die Produzenten der Serie sowie Hauptdarsteller Patrick Stewart auch mit dem Hollywood Reporter gesprochen und ein paar Einblicke in den Entstehungsprozess gewährt.

Das Finale brachte sowohl den finalen Tod von Data als auch ein vorübergehendes Ableben von Picard selbst. Die Entscheidung für Letzteres soll schon sehr früh in der Planung der Staffel gefallen sein, wie Showrunner Michael Chabon verrät.

"Wir haben vermutlich über rund 25 Wege diskutiert, wie wir es umsetzen. Es war ein Plan, den wir bereits sehr zeitig aufgstellt hatten. Am Anfang ist es wie bei einem Baum, bei dem du dich rückwärts bis zum Stamm vorarbeitest. Während du Entscheidungen triffst, nimmt die Zahl der Möglichkeiten immer weiter ab. Zu Beginn hatten wir vielleicht 25, dann waren wir bei acht verschiedenen Wegen, danach bei sechs und schließlich bei dem, den wir gewählt haben."

Picards Entscheidung, sein Leben für die Androiden zu riskieren, war dabei für Chabon die natürliche Entwicklung, für die Geschichte, die man rund um künstliche Leben und seine Daseinsberechtigung erzählen wollte.

"Es gab einen Moment in unserer Planung, als Akiva Goldsman, Kirsten Beyer und ich zu Alex Kurtzman gegangen sind. Wir kamen zu der Erkenntnis, dass wir unserer Aussagen in der Staffel auch Taten folgen lassen mussten. Wenn wir behaupten, dass künstliche Lebensformen ein Recht aufl Leben haben und auch darauf dieses zu verteidigen und Picard derjenige ist, der da draußen sein Leben riskiert und dafür kämpft, dann sollte er den Beweis auch mit seinem Leben antreten."

Trotz des Todes seines menschlichen Körpers müssen die Fans auf Picard in naher Zukunft aber nicht verzichten, schließlich erhielt der Admiral eine neue Chance als synthetische Lebensform. Die Veränderung soll jedoch nicht einfach unter den Tisch gekehrt werden, in dem Picard einfach zum Alltag zurückkehrt. Wie Chabon erklärte, wird sich das Staffelfinale weiter auf die Figur auswirken.

"Wir werden in jedem Fall nicht einfach so tun, als wäre nichts passiert. Wie es auch immer weiter geht, die Tatsache, dass Picard einen neuen Körper und praktisch auch neuartige Gehirnstrukturen hat, werden sich auswirken. Auch wenn sein Geist und sein Wesen weiterhin identisch sind, wird all dies in der Zukunft eine Rolle spielen."

Für Hauptdarsteller Patrick Stewart brachte die finale Episode die Chance, die Beziehung zwischen Jean-Luc Picard und Data zu einem runden Abschluss zu bringen und gleichzeitig noch einmal mit seinem alten Freund Brent Spiner zusammenzuarbeiten. Sowohl für die Figuren als auch die Darsteller war dies Stewart zufolge eine intensive Angelegenheit.

"Der Inhalt der Szene war so bedeutend und so wichtig für die Figuren und gleichzeitig waren die gegenseitige Zuneigung und der Respekt so groß. Picard wusste, dass dies vermutlich das letzte Mal sein würde, dass er mit Data zusammentreffen würde und wir mussten dem gerecht werden. Picard fühlte immer noch diese Schuld wegen Datas Tod und die zwei Figuren hatten niemals einen richtigen Abschied. Wir haben fast einen ganzen Tag an der Szene gedreht, es war eine sehr intensive Erfahrung."

Mit dem Ende der 1. Staffel dürfte die Geschichte rund um Data nun endgültig abgeschlossen sein. Star Trek: Picard geht allerdings in eine zweite Runde. Einen offiziellen Starttermin hat die neue Staffel bisher aber noch nicht.

Et in Arcadia Ego Teil 2 - Kritik zu Star Trek: Picard 1.10

SPOILER

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Das war es also, das große Finale der ersten Staffel von Star Trek: Picard. Im Prinzip erwartet den Zuschauer nichts, was nicht schon in den bisherigen Episoden in Erscheinung getreten ist. Und dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack.

So nicht.

Reden wir nicht erst um den heißen Brei herum: Ich könnte vieles hinnehmen und bei einigem die guten Aspekte betonen. Ich habe an sich ein eher sonniges Gemüt und bin nicht allzu schwer zu unterhalten. Aber: Du gibst mir keine Sterbeszene von einem Charakter wie Picard nebst trauernden Freunden, nur um dies kurz danach wieder rückgängig zu machen. Schon gar nicht, wenn das auf diesem faulen, vorhersehbaren, billig umgesetzten Weg geschieht. Einfach … NEIN.

Ja, diese Entscheidung vermag eventuell, mir die komplette Staffel oder gar Serie zu verhageln. Und ebenfalls ja - wäre Picard an dieser Stelle überraschend tatsächlich von uns gegangen, hätte ich mindestens den Mut der Serienmacher gelobt und es vielleicht sogar richtig gut gefunden.

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Auf der anderen Seite kann man natürlich froh sein, dass dies noch nicht das finale Finale von Jean-Luc gewesen ist. Es wäre ihm und uns zu wünschen, dass das es in Kreisen von Charakteren passiert, die ihm und uns näher sind. So kann man die Trauer von Raffi, Seven und Rios zwar nachvollziehen, aber nicht spüren. Von Elnors Gefühlsausbruch ganz zu schweigen - dafür muss im Vorhinein mehr kommen.

Wenig überraschend hat Jurati ihre Finger im Spiel und transferiert Jean-Lucs Bewusstsein in den Golem, der praktischerweise auch gleich so angepasst wird, dass er wie der aktuelle Picard aussieht und ohne Superkräfte normal weiter altert. Es stellt sich die Frage: Warum dann überhaupt der ganze Aufbau, die Rückerinnerung an Picards Krankheit? Dieses Damoklesschwert, das über ihn und jeder Episode schwebt und zu einem endgültigen tragisch-guten Ende des geliebten Charakters führen könnte - im hohen Alter wegen einer Krankheit, der Mensch Picard. Das hätte doch richtig gut sein können und auch noch über eine zweite, vielleicht dritte Staffel getragen.

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Ja klar, sein Körper ist wirklich gestorben, aber Jean-Luc eben nicht. Und er nimmt das auch erstaunlich gelassen auf. Er hat doch an sich klar geäußert, dass er weiß, was auf ihn zukommt und der Tod während eines letzten Abenteuers begrüßenswert ist. Keine weitere Patientenverfügung.

Mit welchem Recht und ethischem Verständnis greifen da Jurati und Kollegen dermaßen drastisch ein? Und wieso übergehen die Serienmacher das, als wäre der Bewusstseinstransfer und die Wiedererweckung eines Toten ein Sonntagsspaziergang? Dazu noch handelt es sich ausgerechnet um Picard, der an seinem Erlebnis mit den Borg nach wie vor deutlich zu knabbern hat. Und der macht weiter, als wäre nichts gewesen. Es gibt da nichts zu klären, zu diskutieren, zu streiten? Keine Anpassungsschwierigkeiten? Echt nicht?

Im Daten-Limbo

Und es hört nicht einfach auf. Der Ärger und das Unverständnis über den Picard-Untod trübt gleich den an sich schönen Abschied von Data mit. Kurzzeitig war ich irritiert mit Sprung zur Entrüstung, dass wir innerhalb von Star Trek das Treffen von Picard und Data im Jenseits, vor einer Ansammlung von irdischen Götterfiguren, gezeigt bekommen. Zum Glück ist es “nur” Datas Daten-Limbo in Kombination mit dem Picard-Bewusstsein-Transferstatus.

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Ignorieren wir sämtliche “Wie zur Hölle soll das denn gehen? Was geschieht hier überhaupt?”-Fragen und konzentrieren uns auf das Gespräch der Beiden. Eigentlich will Picard nur hören, dass er sich nicht weiter schlecht fühlen muss, Data keinen Groll gegen ihn hegt und sogar lieb hat. Das bekommt er, so dass Picard ins Licht gehen und Datas ausknipsen kann.

Datas letzter Wunsch, die Vervollkommnung seiner Menschwerdung: Ein richtiger Tod, ein Leben mit einem Ende. In einer Simulation, in der er altert, stirbt, auf dem letzten Weg von seinem Captain Jean-Luc Picard begleitet wird. Blue Skies.

Das ist schön und könnte ans Herz gehen - wenn es nur nicht in einer so ärgerlichen Rahmenhandlung eingebettet wäre. Data hätte ein würdigeres Ende verdient. Nungut, immerhin ist quasi die komplette erste Staffel von Star Trek: Picard ihm gewidmet. Mit etwas Abstand blicke ich eventuell wohlwollender auf alles und kann noch vernünftig Abschied nehmen. Aber jetzt noch nicht.

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Alles egal

War sonst noch was? An sich ja, aber es ist alles so fuc**** egal. Haben wir uns echt dafür durch die belanglosen Borgwürfel-Szenen gequält? Welchen Nutzen hatte das Ganze? Zu Beginn der Folge habe ich mich gefragt, wie es sein kann, dass Narissa dort rumschlawenzelt und Narek auch einfach so durch die Vordertür hereinspazieren kann. Aber nö, egal, alles einfach egal. Das Aufeinandertreffen der Geschwister? Egal.

Der Kampf zwischen Seven und Narissa, der Sturz in die Tiefen des Artefakts - wie der komplette Charakter Narissa: egal. Der an sich funktionsfähige Borgwürfel bleibt mit den XB jetzt einfach auf Synthhausen-Planet zurück, oder wie? Nagut, was soll schon passieren.

Sutra - egal. Die wird einfach von Dr. Soong ausgeknipst. Er musste erst durch Videobeweise sehen, dass sie es in Wahrheit war, die Saga getötet hat. Als ob das alles nicht vorher klar war. Auf einmal erkennt Dr. Soong seinen Fehler. Egal. Alle anderen Synth spielen spontan ebenfalls keine Rolle mehr. Ob noch mehr Probleme bereiten könnten? Die Ethik hinter allem? Genauso egal wie die irgendwo lauernden Mega-Synth-Tentakel-Monster.

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Die Zhat Vash mit ihren 218 romulanischen Warbirds? Egal. Die Space-Wachhund-Orchideen: Hübsch, aber arg unnütz und daher egal. Dass Commodore Oh so einfach die Sternenflotte unterwandern konnte: egal. Lösen sich die Zhat Vash jetzt auf oder suchen sie sich einen neuen Zweck?

Was genau Sojis Mission gewesen sein soll, werden wir wohl nie erfahren. Und Dr. Noong halte ich nach wie vor für Lore. Vielleicht sollte ich doch mit dem Schreiben von Fanfiction anfangen.

Nicht ganz so egal

Nagut, das Auftauchen der Föderations-Flotte war, trotz ziemlich deutlichem Copy&Paste-Gewese, wirklich nett und Captain Riker sowie sein Gespräch mit Admiral Picard erfreut mein Herz. Genießen wir diesen Augenblick. Im Prinzip machen sie nämlich nichts, sie wollen nur spielen. Obwohl ihm die Uniform sehr gut steht, hoffe ich doch, dass sich Will jetzt schnell wieder auf nach Nepenthe zum Pizzabacken für seine Familie macht.

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Picard hat Rios den einen oder anderen Trick abgeguckt und kann die La Sirena immerhin gut genug steuern, um das Raumschiff nicht sofort zu crashen und noch nicht mal von einem der zig Warbirds abgeschossen zu werden. Wie praktisch, dass Rios das magische Reparatur-Dingsbums der Synth hat liegen lassen und Agnes damit sofort umgehen kann. So ein allkönnendes-Zauber-Gerät ist für faule Drehbuchschreiber natürlich arg nützlich.

Am Ende hat an Bord der La Sirena anscheinend niemand Fragen. Der nicht-tote Jean-Luc ist nun wieder Admiral Picard und Dank neuen Körper wieder voll bereit für weitere Abenteuer. Jurati ist endgültig alles vergessen und vergeben, so dass sie sich die langweilige Zeit im All wieder mit Rios vertreiben kann. Und ohne Hinführung ist Seven nun anscheinend nicht nur Teil der Crew, sondern auch in irgendeiner Weise mit Raffi verbandelt. Nagut, ist jetzt auch … egal.

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Fazit

Ich weiß es doch auch nicht. Mit etwas Abstand möchte ich mich im Lauf der nächsten Woche noch an ein Fazit der ersten Staffel machen. Jetzt gerade bin ich erstmal vor allem einfach sauer und enttäuscht. Aber hey, es hat ein richtiges Ende und kommt ohne unnötigen Cliffhanger aus. Das ist doch immerhin etwas.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Picard 1.09

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Der erste Teil des großen Staffelfinales von Star Trek: Picard spaltet die Gemüter. Auch das TrekCheck-Trio ist sich bei Et in Arcadia Ego nicht komplett einig. Während Nele durchaus noch positive Aspekte aus der Episode ziehen kann, sind Anne und Johannes zunehmend genervt. 

Die Rollenspieltruppe rund um Jean-Luc wird erst von einem liebestollen Lügen-Romulaner angegriffen, bekommt die Show von einem impostant auftauchenden Borgwürfel gestohlen und dann sämtliches Mojo von Riesen-Space-Orchideen ausgesaugt. Auf dem Planeten geht es auf zu Synthhausen und gleich auf Zeitreise in die frühen TNG oder auch gleich Klassik-Trek-Zeiten. Wo mal wieder mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet werden.

Am Ende haben wir vor allem eine Sammlung an Dingen, wie wir auf keinen Fall am Freitag im Finale sehen wollen. Ob wir wohl sämtliche bis jetzt rausgeschnittenen Szenen zu sehen bekommen, in denen sich Elnors Charakter formt?

Et in Arcadia Ego Teil 1 - Kritik zu Star Trek: Picard 1.09

SPOILER

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Willkommen in Synthhausen - Star Trek: Picard Episode 1.09 eröffnet das große Finale der ersten Staffel. Dabei fühlt sich Et in Arcadia Ego Teil 1 zwischenzeitlich wie eine Folge aus Klassik-Zeiten an.

Alea iacta est

Nach einer schnellen Reise auf der Space-Überholspur-Achterbahn liegt er vor unserer Sirena-Crew: Coppelius, der Heimatplanet von Soji. Die Freude währt jedoch nur kurz, denn Narek ist ihnen auf den Fersen und schießt fleißig um sich.

Die Folge steigt also gleich mit ordentlich Action und hübscher Raumschlacht vor Planeten-Hintergrund ein, was durch das imposante Auftauchen des Artefakts ein Sahnehäubchen und gleich noch eine Kirsche in Form von Synth-Wachhund-Orchideen als Krönung oben drauf bekommt.

Es ist auf jeden Fall ein spannendes optisches Feuerwerk. Und dann geht es auf den Planeten. Wie schon die ganze Staffel hinsichtlich des Tons gespalten war, so ist es auch die aktuelle Episode in sich. Ganz erschließt es sich noch nicht, warum der Borgwürfel schon jetzt ins Spiel gebracht wird.

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Nachdem von den Orchideenwesen alle Raumschiffe - mit mal mehr, mal weniger Schaden - auf die Oberfläche gebracht worden ist, ist der kurze Abstecher von der Sirena-Crew rüber zum Artefakt eigentlich ziemlich überflüssig und inhaltsarm. Und das sage ich, die jede Sekunde Screentime von Seven begrüßt. Es scheint recht deutlich zu sein, dass die XBs nebst Elnor und dem Würfel noch eine entscheidende Rolle spielen werden - warum sie dafür aber schon in diesem ersten Teil des Finales auftauchen mussten, erschließt sich vermutlich erst nächste Woche.

Don’t drink the Kool-Aid

Während Star Trek: Picard mit einem langsamen Erzähltempo und einigen Umwegen begonnen hat, geht es im Vor-Finale schneller zur Sache. Statt einer denkbaren Wanderung auf dem neuen Klasse-M-Planeten mit möglichen Gefahren springen unsere Helden von ihrem Raumschiff rüber zum Borgwürfel und schließlich auch zur Coppelius-Station, Sojis “Geburtsort”.

Befand man sich eben noch in einem recht modern geschnittenen Weltraumschlacht-Action-Drama, so fühlt sich der andere Handlungsteil der Folge sehr altmodisch (oder positiver: nostalgisch) vertraut an, wie eine Episode der Klassik-Serie. Auch The Next Generation 1.08 “Justice” kam mir gleich in den Sinn, was die Grundstimmung betrifft. Trotz einiger bekannter Gesichter wirken die Figuren nämlich eher fremd, und trotz scheinbar friedlicher Hippie-Kommune im Paradies/Arkadien fühlt man von Beginn an eine gewisse Bedrohung. Eine Gemeinschaft hübscher Personen in spärlichen Walle-Gewändern und freundlichen Lächeln - das ging bisher doch fast nie gut.

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Ist die metallisch-schimmernde Haut mancher Synth eigentlich eine Modesache? Immerhin scheint es ja anders zu gehen und schon Data hat bei der Schaffung seiner Tochter Lal einen menschenähnlicheren Hautton getroffen. So wirkt es erstmal wie ein Schmink-Neuling, der es deutlich mit dem Bronzer und Highlighter übertreibt.

Kult-Führer und “Vater” der Gang ist Dr. Soong. Nicht DER Dr. Soong, aber sein Sohn, Altan Inigo. Wie viele Rollen hat Brent Spiner eigentlich mittlerweile in Star Trek schon alles gespielt? Der in der letzten Folge genannte Synth Beautiful Flower scheint also doch kein uns bekanntes Gesicht zu haben.

Der böse Zwilling. Drilling. Mehrling.

Kam euch das Leben dort nicht auch furchtbar langweilig vor? Was machen die Synth die ganze Zeit? Zumal es ja auch so scheint, als würden sie alle recht eng in und um der Station leben. Dass Maddox und Soong sich voll in ihre Forschung schmeißen, klar. Aber was war der größere Plan, was sollen die Synth mit sich anfangen? Kein Wunder, dass manche von denen etwas am Rad drehen.

Wie wir bereits wussten gibt es noch mehrere Geschwister von Soji, Dajh und Janah. Ähnlich wie Narissa ist auch sofort klar: Sutra ist das grün-gold-schimmernde schwarze Schaf der Familie. Der sprechende Hut hätte sie bestimmt dem Hause Slytherin zugeordnet. Sehr strebsam und dabei über Leichen gehend. Ob es nächste Woche ein Duell zwischen Narissa und Sutra geben wird? Und wenn einen ihre fiese Art schon durch den Fernseher anspringt, wieso fällt das niemanden der Charaktere, nicht einmal im Ansatz, auf?

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Dass diese Synth ganz besonders weiterentwickelt sind und auch natürlich über gewisse Fähigkeiten und schnelles Lernen hervorstechen - klar. Aber warum man über die reine Lektüre die vulkanische Gedankenverschmelzung lernen kann, erschließt sich mir nicht so recht. Ist aber natürlich für die Handlung sehr praktisch, endlich kann die Botschaft der Adominition entschlüsselt werden: Kurz, so unrecht haben die Romulaner gar nicht. In den Schatten jenseits der Galaxie warten seit “hunderten von tausenden Jahren” synthetische Hüter, um alle Synth vor der Bösartigkeit und den Gefahren durch biologische Lebensformen zu beschützen. Und mit beschützen meint Sutra in ihrer Interpretation: Alle töten.

Wie dem auch sei - ich bin gespannt, wer sich hinter der gottähnlichen KI-Supermacht verbirgt und bin bereit für den Auftritt der Cylonen. Aber vermutlich steckt eh Synth-Spot hinter allem. Katzen und Weltherrschaft halt.

I love you - I know

Für Jurati ist Coppelius natürlich ein Traum. Zwar glaube ich, dass sie noch etwas im Schilde führt, aber es ist nicht verwunderlich, dass Sutra keine Lüge bei ihr entdeckt, als Jurati erklärt, sie würde sich voll uns ganz dem Schutz der Synth und der Fortsetzung der Arbeit von Maddox und Soong verschreiben. Wie auch immer man sich die Bewusstseins-Transplantation vorzustellen hat.

Vielleicht wird die ja auch noch eine Art “Rettung” für Picard? Nach einem Schwächeanfall hat dieser seiner Crew nun endlich reinen Wein eingeschüttet, was insbesondere bei Jurati und Raffi zu sichtbaren Gefühlsausbrüchen führt. Und auch wenn am Charakter Raffi teils heftige Kritik geäußert wird, Michelle Hurds schauspielerische Leistung ist durchgehend stark und überzeugt auch diesmal wieder. Daher funktioniert die Szene, in der sich JL und Raffi ihre (freundschaftliche) Liebe gestehen. Etwas, das für Picard schon ein ziemlicher Schritt ist.

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Wie passend ist da auch die kurze Konversation von Elnor und Jean-Luc: Abschiede sind härter, wenn man nicht weiß, ob man einander noch einmal wiedersieht. Was ja eigentlich immer der Fall ist, auch wenn den meisten von uns das glücklicherweise eher selten bewusst ist.

Kurz hatte ich die Befürchtung, dass Soji sich von Nareks Gesäusel einlullen lässt. Aber nein, sie bleibt stabil und stutzt den Kerl ordentlich zurecht. Leider, leider wird der Romulaner für Sutras bösen Plan der Boshaftigkeit gebraucht und so wird die liebliche Saga geopfert.

Selbst die isoliert lebenden Synth glauben nicht (mehr) an Picards warme Worte und Macht in der Sternenflotte. Allerdings hätten sie ihn ja statt in Hausarrest zu stecken auch gleich töten können, wenn sie das nun eh mit allem biologischen Leben vorhaben. Wieso warten? Und wer rettet die Lage nun zuerst? Soji, Narek, die Ex-Borg, die Sternenflotte oder Riker mit dem klapprigen Schiff von Captain Randall?

I googled it, so you don’t have to

Ausflug in mein altes Schulwissen-Hirn, heftig unterstützt von Wikipedia: Der Titel der Episode ist auf ein Bild (oder eher zwei, wie Datas Gemälde) von Nicolas Poussin zurückzuführen. “Et in Arcadia Ego” -  “Auch ich bin in Arkadien” soll daran erinnern, dass man selbst im Paradies dem Tod nicht entfliehen kann. Eigentlich geht es ja ohnehin meist wahlweise um Liebe und/oder Sex und/oder Tod. Wenn ich Arkadien höre, singt in meinem Kopf aber immer gleich Theo Lingen (angelehnt an Offenbachs “Orpheus in der Unterwelt”).

Der Synth-Planet teilt sich den Namen mit einem Charakter aus E.T.A. Hoffmanns “Der Sandmann”. Coppelius ist ein als hässlich beschriebener Mann mit erdgelber Haut und grünen Augen. Passend zu Coppelius heimlichen Experimenten kann man den Namen sowohl vom italienischen Wort für Augenhöhle oder dem lateinischen für verschmelzen herleiten.

Fazit

Die vorletzte Episode der Staffel zeigt einiges und wirft doch auch gleich wieder mehr Fragen auf. Vom Stil bleibt man sich treu - sowohl bombastisch-dramatisch als auch alberne Elemente mit einer Portion Trek-Nostalgie können bei Star Trek: Picard gut zusammen existieren. Und wieder habe ich keine Ahnung, was uns nächste Woche im großen Finale erwartet.

Es ist das erste Mal in dieser Staffel, dass ich es unschön finde, nicht gleich weiter gucken zu können. Ein gutes Zeichen. Bislang fand ich diese quasi lineare "Old-School-Variante" bislang ja ganz nett.

Star Trek: Picard - S01E10 - "Et in Arcadia Ego, Part 2" Trailer / Season Finale

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Picard 1.08

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Etwas verzögert aber doch noch am Start - unser TrekCheck zu Star Trek: Picard 1.08. Um von unserem möglichen Synth-Dasein abzulenken sind wir diesmal trotz vollständigem Trio bei unter einer Stunde geblieben.

Es gibt mal wieder eine Kampfszene inklusive Rettung von Elnor, Seven entdeckt die Queen in sich und spielt - zur Freude von Nele - mit grüner Leuchtetechnik und an Bord der La Sirena erhält Jurati nach Beichte bei Pater Picard scheinbar Absolution. Währendessen verzieht sich Rios freiwillig ins Home-Office. Seine Hologramm-Vertretungen halten dabei nicht nur das Schiff in Ordnung, sondern helfen auch Detektiv Raffi nach und nach einige lose Fäden zusammenzubringen.

Das Ganze wird vor allem erzählt statt gezeigt, aber dies gut umgesetzt und es ist begrüßenswert, dass die ganze Geschichte nicht noch länger hinausgezögert wurde. In wenigen Stunden geht es schon weiter, ab Mitternacht hat Amazon die neunte - und damit vorletzte - Folge der Staffel im Angebot.

 

Bruchstücke - Kritik zu Star Trek: Picard 1.08

SPOILER

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Das ging jetzt doch fix - in Star Trek: Picard 1.08 “Bruchstücke” kommen multiple Planeten, multiple Persönlichkeiten und multiple Handlungsfäden zusammen. Dies geschieht in weiten Teilen zwar über die an sich unelegante Methode des “tell, don’t show”, aber in schicker Raumschiffumgebung, also kann man da auch wieder ein Auge zudrücken.

Hexenzirkel in Space

Nachdem der Galaxienebel der Eingangsszene vorbeigezogen ist, findet man sich erneut in einem Flashback eines Ereignisses wieder, das 14 Jahre vor der aktuellen Handlung stattgefunden hat.

Commodore Oh ist also eine halb-vulkanische Romulanerin und als Mitglied der geheimen Geheimorganisation Zhat Vash mit einem Langzeit-Plan geheimer Geheimagent innerhalb der Sternenflotte, um das Universum vor der erneuten Zerstörung durch Synths zu beschützen. Auf merkwürdige romulanische geheime Geheimart.

Der Kern der Zhat Vash, die das geheime Geheimnis hüten, scheint nur aus Frauen zu bestehen? Schon der Voice-Over-Text spricht von den “vier Müttern”, und auch die Auserwählten, die das Initiationsritual vollziehen sollen, sind alles Frauen. Mit den Kutten und dem Licht-Symbol-Handlauf hat das schon was von Hexenzirkelklischee.

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Jedenfalls kann man nur Zhat Vash werden, wenn man die grausame Wahrheit des geheimen Geheimnisses überlebt. Dieser Teil der Romulaner glaubt, dass vor hunderttausenden von Jahren Synths schon einmal so weit entwickelt waren, dass sie beinahe alles Leben ausgelöscht hätten oder anderweitig auf jeden Fall ganz schreckliche Dinge getan haben. Innerhalb der Zhat Vash wird dieses Wissen immer weitergetragen, und die Aufgabe ist es, eine Wiederholung zu verhindern.

Passend zu Narissas-Abziehbild-Bösewichtigkeit ist sie die einzige, die bei der Prozedur maximal mit der Wimper zuckt, während ihre Tante Ramdha zumindest ein wenig den Verstand zu verlieren scheint und alle anderen auf vielfältige grafisch-grausame Weise Selbstmord begehen.

Ähnlich wie bei Juratis Leichtgläubigkeit stellt sich aber schon die Frage, woher all diese Information über das Geschehen dazumal stammt und warum das alle immer sofort zu überzeugen scheint, ja gar in unmittelbare Verzweiflung treibt. Das könnte doch alles auch eine Legende, ein Mythos oder gar bewusste Fake-News sein. Ich brauch da einen Faktencheck!

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We are the Borg … oder auch nicht

Hugh kennt Seven! Gut, das ist an sich wenig überraschend, aber es gibt nun eine offizielle Bestätigung. Erstmal rettet sie Elnor, was vor allem dadurch gelingt, dass die anderen Romulaner anscheinend immer noch nicht ihre Schusswaffen wiedergefunden haben oder einfach gerne mit einem hoch ausgebildeten Nahkämpfer ein wenig rangeln wollen. Da wäre dann allerdings die Blendgranate unfair.

Ein kurzer Tröst-Knuddler für Elnor, und schon geht es an die Arbeit: Seven channelt ihre Borg-Verbindung und schiebt hübsche grüne Hologramm-Technik-Dinge durch die Luft. Da steh ich bekanntlich ja drauf, völlig unabhängig von Sinn und Unsinn. Um alles zu retten, bleibt wohl nur ein Weg: Seven macht sich kurzzeitig zur neuen Borg-Königin, um mit Hilfe des Kollektivs die Romulaner loszuwerden. Die sind jedoch schneller und haben die verbleibenden Drohnen einfach ins All gespült (bei aller Tragik sehr hübsch anzusehen). Die paar übrigen XBs an Bord des Artefakts erledigen den Job, Narissa kann sich allerdings noch durch Beamen retten. Und was eben noch wie eine grandiose Plotentwicklung für Seven und die Borg ausgesehen hat, versandet ebenso wie schon bei Hugh wieder sofort. Seven schafft es erstaunlich schnell wieder weg von der Borg-Verschmelzung zurück zu Annika. Es sind noch nicht mal Löcher in der Jacke durch die Verbindungskabel geblieben, oder? Magisch.

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Es bleibt die Hoffnung, dass das Artefakt und überhaupt die ganze Borg-Geschichte noch eine größere Rolle spielen, gerne auch als Hauptplot der zweiten Staffel. Immerhin scheint Ramdha an Bord geblieben zu sein. Es klingt an, dass sie mit ihrem Wissen über das Zhat Vash Ritual dazu geführt hat, dass bei ihrer Assimilation der Borgwürfel vom Kollektiv getrennt und geschädigt worden ist. Die Macht von geheimen Geheimwissen.

Seven ist weiterhin großartig, Elnor immer noch weitgehend überflüssig und Narissa ein schnarchiger böser Klischee-Bösewicht, da hilft auch das winzige Fitzelchen mehr Persönlichkeit in dieser Episode nicht.

I want to believe

Raffi braucht doch keinen Aluhut (und überraschend schnell auch keinen Alkohol mehr), ihre Verschwörungstheorie stimmt und fügt sich zusammen, auch wenn die Frage nach der mysteriösen Konklave der Acht weniger ein “Wer” als ein “Wo” ist. Helfen tun ihr hier die vielen Persönlichkeiten von Rios. Der zeigt passend zur aktuellen Corona-Lage nämlich, dass man sich selbst als Captain eines vergleichsweise kleinen Raumschiffes in soziale Isolation begeben und quasi aus dem Home-Office heraus seine Hologramme die Arbeit übernehmen lassen kann. Ist das albern? Ja, schon, aber Santiago Cabrera spielt all seine Charaktere mit so viel Freude und Sprachgewandtheit, dass das klar geht - und es außerdem zur Gesamtstimmung von Star Trek: Picard passt.

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Für Rios’ Rückzug sorgt allerdings kein Virus, sondern die schockierende Begegnung mit Soji. Das Gesicht kennt er doch. Skinjobs, sie sind überall (ich unterdrücke mal wieder die ganze Zeit diverse BSG-Anspielungen). Ich bin erleichtert, dass es sich bei Jahna nicht um eine vergangene Liebe von Rios handelt. Allerdings muss ja nun echt nicht jeder Charakter derart in den Hauptplot verwickelt sein. Was ist das bitte für ein Zufall, dass ausgerechnet Rios der Captain von Picards Mission ist?

Rios hat einst in der Sternenflotte auf der USS ibn Majid (NCC-75710) unter Alonzo Vandermeer gedient, der wie ein Vater für Rios gewesen ist. Sie haben der Sternenflotte einen “Ersten Kontakt” gemeldet - eben mit besagter Jahna, die sich nun als weitere Soji-Schwester rausstellt, und einem weiteren Mann, der sich “Beautiful Flower” nannte. Unerwartet wurde Rios Zeuge, wie Vandermerr die beiden kurz darauf hinrichtet. Als er diesen zur Rede stellt, begeht Vandermeer Selbstmord, und so ist es Rios’ Aufgabe, das Ganze zu vertuschen.

So, wie stehen die Wetten, was wird spekuliert - ist “Beautiful Flower” eher Typ Data oder Typ Maddox, oder nochmal jemand ganz anderes?

Ab nach Hause

Ohne derlei Vorgeschichte ist aber auch Raffi nicht so begeistert von Sojis Anwesenheit an Bord. Schon wieder schleppt Picard vertrauensselig ganz ohne Sicherheitscheck jemand Neues an. Jean-Luc nimmt die Nachricht über Juratis Verrat erstaunlich gelassen auf und glaubt scheinbar auch sofort alles, was sie auf Nachfrage so als Erklärung hervorbringt. Jean-Luc, Fakt oder Fiktion?

Jurati darf sogar kurz drauf schon mit Soji alleine sein und wechselt von stark traumatisiert beim Anblick dieses technischen Meisterwerks zurück zu ihrem neugierig-aufgeregten Selbst. Sie erkennt Soji als Persönlichkeit an, schwört dem Morden ab und schon herrscht Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung an Bord der La Sirena. Manches kann so einfach sein. Was ist schon ein Mord, gerade wenn es womöglich ja “nur” ein Synth war, wer weiß das schon, und sie hat doch gesagt, dass es ihr leid tut. Schwamm drüber.

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Mit all seinen neuen Informationen wagt Jean-Luc noch einmal einen Versuch bei der Sternenflotte - und tatsächlich, Admiral Clancy glaubt ihm und sichert Unterstützung zu. Die beiden haben eine seltsame Art sich ihre Zuneigung mittels harscher Worte mitzuteilen - “Waste of space” und “Shut up, Picard” - aber nun gut, wenns gefällt. Auf jeden Fall will ich da mindestens Riker, gerne auch Troi, Geordie, Worf und Co. bei der Hilfsmission sehen.

Wobei es ja wohl gar nicht zum Rendevouz bei Deep Space 12 kommen wird. Als Sojis realisiert, dass ihre Brüder und Schwestern in Gefahr sind, übernimmt sie die La Sirena, um sofort zum Planeten mit den zwei roten Monden und dem Gewitter zu fliegen. Picard ist es mittlerweile auch egal, probieren sie es halt mit ihrer Methode. Außerdem könnte er das Schiff ja ohnehin nicht selbst fliegen. Zudem scheint Kestras Kompass Sojis Routenplanung zuzustimmen.

Fazit

Auch wenn das Ganze sehr viel Erzählerei ist, so begrüße ich doch, dass die ganze Geschichte nicht noch länger hinausgezögert wurde und einem rund abschließenden Zweiteiler, der alles zusammenfügt, nichts im Wege steht. Mit dem Artefakt und Seven sowie der La Sirena und Rios’ Erinnerungsstücken an die Sternenflotte ist die Erzählung zumindest hübsch eingebettet und von guten Schauspielern getragen.

“We have powerful tools: Openness, optimism and the spirit of curiosity. All they have is secrecy and fear, and fear is the great destroyer.”

Star Trek Picard Episode 9 Preview Trailer • "Et in Arcadia Ego, Part 1"

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Picard 1.07

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Diese Woche ist das TrekCheck-Trio wieder komplett, der Podcast zu Star Trek: Picard 1.07 hat also wieder die volle Länge.

In "Nepenthe" ist der Handlungsstrang im Artefakt, an Bord der La Sirena und rund um Soji und Picardvorangekommen, eingebettet in sowohl Wiedersehensfreude als auch Trauer über den Tod von Hugh und das Leid geliebter Charaktere. Deanna und Will sind an dieser Stelle ideal, um sowohl die Figur Picard durchatmen zu lassen und noch einmal neu einzunorden, aber auch um mit ihrer tragischen Geschichte die Welt von The Next Generation und Star Trek: Picard zu verbinden.

Eine bittersüße, schöne, runde Episode, die für jeden etwas zu bieten hatte - auch für diejenigen unter uns mit einer gewissen Faszination für Körperflüssigkeiten.

Nepenthe - Kritik zu Star Trek: Picard 1.07

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Star Trek: Picard lädt diese Woche ein nach “Nepenthe”. Episode 1.07 treibt die Handlung voran, lässt dennoch aber auch zumindest Jean-Luc genug Raum, um bei alten Freunden etwas durchzuatmen. Und mich eine Runde (also eine gute Stunde) heulen. Genre diesmal: Coming-of-Age-Familien-Dramedy.

Hopeful Fool

Selbst wenn Narissa nicht ihren Bruder mit irgendeinem merkwürdigen BDSM-Kink beeindrucken will, ist sie in ihrer Klischee-Bösewichtigkeit nervig. Aber halt auch tödlich. Leider kommt es wie erwartet: Nachdem man uns noch kurz glauben lässt, dass uns Hugh erhalten bleibt, trifft ihn Narissas Wurfdolch. Eine arg anachronistische Waffe um einen Ex-Borg der Föderation weit in der Zukunft auf einem von Romulanern besiedelten Borg-Würfel niederzustrecken.

An dieser Stelle sei noch einmal die schauspielerische Leistung von Jonathan DelArco gewürdigt, der es in nur wenigen Szenen geschafft hat, dem Zuschauer auf der einen Seite den aus TNG bekannten Hugh aber eben auch dessen enorme Weiterentwicklung wirklich nahe zu bringen. Und über Hughs Entsetzen auch das Schicksal der bisher eher bleichen sonstigen XBs greifbar zu machen. “I was that much of a hopeful fool again for a minute. Thanks for that.”.

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Zwar bekommt Elnor hauptsächlich wieder die Action-Szenen zugeschoben, dennoch scheinen die Geschehnisse im Artefakt in ihm etwas auszulösen. Hoffentlich setzt sich das in den verbleibenden Episoden entsprechend fort und er darf noch irgendwas zwischen Naivling und Killermaschine zeigen. Bestenfalls an der Seite von Seven beziehungsweise den Fenris Rangern, die er über Hughs Fenris-Ranger-Notrufknopf kontaktiert. Jetzt, wo Hugh nicht mehr für die Rechte und bessere Behandlung der XB kämpfen kann.

Die Leiden der Agnes Jurati

Zwar ist der verbleibenden Crew der La Sirena bewusst, dass es nicht mit rechten Dingen zugehen kann, dass die Romulaner sie einfach so ziehen lassen - aber dennoch wollen sie erstmal möglichst schnell möglichst viel Abstand zum Artefakt schaffen. Narek schwingt sich in einen schicken Sportwagen und heften sich an ihre Fersen. Was ihm deutlich erleichtert wird, da Jurati einen Ortungschip in sich hat.

Es sind drei Wochen vergangen, seit Commodore Oh sie am Daystrom Institute aufgesucht hat, wie uns die Eingangsszene zeigt. Anscheinend ist Oh trotz anderslautender Aussagen der Showrunner doch tatsächlich Vulkanierin. Nicht nur wegen der spitzen (Segel-)Ohren, die durch die Bügel der Sonnebrille noch einmal extra betont werden, sondern vor allem weil sie Jurati über die klassische vulkanische Gedankenverschmelzung das drohende Synth-Elend vermittelt. Das bekommen wir zwar auch zu sehen, aber wirklich schlau wird man daraus nicht. Es stellt sich vor allem die Frage, woher Oh all das überhaupt weiß beziehungsweise wann sie das erlebt hat. Kommt sie aus der Zukunft oder doch aus dem Spiegeluniversum? Bei den Ohren ist die Sonnenbrille doch sicher keine modische Entscheidung. Und warum glaubt Jurati anscheinend allen immer alles direkt. Selbst mit Gedankenschmelze ist immer noch nicht deutlich gemacht, warum sie Maddox töten und die Crew hintergehen muss.

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Zum Glück scheint Raffi wieder einigermaßen nüchtern zu sein, genug um der aufgewühlten Jurati allerlei Drogen und emotionale Unterstützung bieten zu können. Die Wahl fällt auf Torte und Kakao. Und auch Rios darf neben Flugfähigkeiten zusätzlich seinen Spürsinn benutzen - allerdings hält er es für deutlich wahrscheinlicher, dass Raffi diejenige mit dem Verfolgungschip ist.

Die arme Jurati. Das Ganze belastet verständlicherweise doch arg. Und ihre Versuche sich mitzuteilen bleiben ungehört und unerkannt. Die Folge lässt offen, ob sie wirklich Selbstmord begehen wollte oder aber bewusst sich nur ins Koma bringen, was anscheinend die Wirkung des Chips beendet. So oder so: Harter Tobak - zum Glück springt das Medizinische-Notfall-Hologramm doch noch rechtzeitig wieder an.

Pubertät in 30 Minuten

Picard weiß nicht wohin mit sich. Oder doch, eigentlich weiß er es sehr genau - er lässt sich mit dem Stargate des Artefakts in die vertrauten Arme seiner Freunde und langjährigen Weggefährten katapultieren. Auf Nepenthe werden er und Soji von Kestra Troi-Riker (benannt nach Deannas Schwester) begrüßt, die mit sich selbst Waldläufer-Rollenspiel spielt.

Lulu Wilson spielt die Tochter von Will und Troi so auf den Punkt, dass sie einem sofort vertraut scheint und somit gut als Vehikel für Sojis Coming-of-Age-Geschichte beziehungsweise Pubertät-im-Schnelldurchlauf fungiert. Über sie wird die Verbindung ihrer Eltern mit Picard und eben auch Data noch einmal deutlich gemacht, ohne aber alte Trekkies zu langweilen. Im Gegenteil, es ist ein gar charmanter Nostalgie-Trip mit Griff in die Gefühlskiste. Und man überspringt damit auch sich lange hinziehende Vertrauensfragen von Soji gegenüber Picard und Co., es wird alles in einem Aufwasch gleich abgearbeitet.

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Was im übrigen eine unserer Theorien erhärtet: Troi war anscheinend vor allem für Picard an Bord der Enterprise. Der zeigt sich weiterhin sozial extrem unbeleckt und holprig. Und dann auch noch mit einem Quasi-Teenie. Sehr schön zu sehen, wie sowohl Deanna als auch Will Jean-Luc da gehörig auf den Pott setzen. Auch die gezeigte Freude über das Wiedersehen, direkt im selben Atemzug geäußert wie “Du bist hier, weil du Hilfe brauchst, oder?”. Zum Glück kennen sie ihren Pappenheimer Picard - und haben ihr Familienidyll mit ausreichend Sicherheitsvorkehrungen versehen.

“Ein Mittel gegen Kummer und Groll und aller Leiden Gedächtnis”

Es ist kein Zufall, dass sich die Familie auf den Planeten Nepenthe zurückgezogen hat. Was wie das Paradies für ein Leben in der Ruhe der Natur aussieht, war vor allem der verzweifelte Versuch das Leben ihres Sohnes zu retten. Thaddeus Troi-Riker (benannt nach einem Riker-Ur-Ahn) ist an Mendaxic Neurosclerosis gestorben. Eine Krankheit, die sich mit positronischer Unterstützung eigentlich leicht heilen ließe - aber die Behandlung fiel dem Bann gegen alles, was mit Synths zu tun hat, zum Opfer.

Die Familie ließ sich auf Nepenthe nieder, um ihrem Sohn das restliche Leben so angenehm wie möglich zu machen. Der Name Nepenthe stammt aus der griechischen Mythologie und heißt übersetzt in etwa “gegen Kummer”. Es soll der Helena geschenkt worden sein und soll, Wein beigemischt, Angst und Sorge vertreiben.

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Davon könnte ich jetzt einen Schluck vertragen. So schön es ist, Deanna, Will und Picard wieder beisammen zu haben und zu sehen, wie gut die Charaktere nach all den Jahren sofort nahtlos wieder miteinander funktionieren - ihre Trauer zerreißt mir fast das Herz. Wieder einmal muss ich einfach das extrem gute Schauspiel loben. Jonathan Frakes bringt Leichtigkeit und Sicherheit - er funktioniert super als alter Freund, Ratgeber, Vater aber eben auch Sternenflottenoffizier, der weiß, worauf es ankommt - inklusiver rascher Beobachtungsgabe und Hinweis auf Sojis’ Kopfbewegung, die auch Data so eigen gewesen ist.

Dazu strahlt Marina Sirtis eine derartige Wärme und Lebenserfahrung aus - wie sie einfach perfekt die altbekannte Counselor für alle mimt und dann doch auch alleine durch Blicke die tiefe Trauer über den Tod ihres Sohnes rüberbringt. Die Szene mit Jean-Luc in Thaddeus’ scheinbar unberührtem Zimmer gibt innerhalb kürzester Zeit der gesamten Geschichte und jedem anwesenden Charakter zusätzliche Tiefe. Der kurze schmerzerfüllte Blick zwischen Deanna und Will, als Soji das Wort für “Heimat” in der von ihrem Sohn erfundenen Sprache sagt. Ich will sie einfach nur in den Arm nehmen.“I’m not as brave as I used to be.” “That means you’re wiser.”

Fazit

Was für eine grandiose Episode. Der Handlungsstrang im Artefakt, an Bord der La Sirena und rund um Soji und Picard ist vorangekommen, eingebettet in sowohl Wiedersehensfreude als auch Trauer über den Tod von Hugh und das Leid geliebter Charaktere. Deanna und Will sind an dieser Stelle ideal, um sowohl die Figur Picard durchatmen zu lassen und noch einmal neu einzunorden, aber auch um mit ihrer tragischen Geschichte die Welt von The Next Generation und Star Trek: Picard zu verbinden.

Und jetzt brauche ich Counseling. Vermutlich muss erstmal die Podcast-Selbsthilfegruppe genügen.

Star Trek Picard Episode 8 Preview Trailer • "Broken Pieces"

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Picard 1.06

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Star Trek Picard Folge 106

In Star Trek: Picard 1.06 geht es endlich im Artefakt richtig zur Sache. Wobei, das tut es irgendwie auch auf der La Sirena. Der TrekCheck zu "Die Geheimnisvolle Box" ist dieses Mal ein Zwiegespräch zwischen Anne und Nele, da Johannes sich mit eigenen (Umzugs-)Boxen herumschlagen muss. Ein shirtloser Rios reicht uns für etwas Gegiggel, schlechte Sex-Witz-Versuche und Gedanken an wilde Techno-Parties im Borgwürfel.

Die Folge bot relativ stringente Action an den richtigen Stellen, ein wenig Herzschmerz, Sex und Tröste-Rios an anderen und die Fäden wurden endlich zusammengeführt. Picard selbst jedoch bleibt weiterhin recht passiv - wie auch in den Folgen zuvor schickt er seine Crew gern voraus, um auszukundschaften oder vorzufühlen. Dass er, wie in Raffis Fall, auf persönliche Freundschaften nicht wahnsinnig viel Wert legen kann, verstehe ich sogar. Ein mitfühlendes Wort wäre hier aber nicht falsch gewesen. Picard braucht vielleicht wirklich dringend den Riker-Charme als Hilfestellung oder eben Troi an Bord.

Ein Dank geht abermals an Jens Dewald für die Musik!

Die geheimnisvolle Box - Kritik zu Star Trek: Picard 1.06

SPOILER

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Star Trek Picard Folge 106

Nicht nur der Folgentitel kündigt Geheimnisvolles an. In der sechsten Folge von Star Trek: Picard: "Die Geheimnisvolle Box" werden die beiden Haupthandlungsstränge endlich zusammengeführt. Der englische Titel verrät hier wieder etwas mehr: “Impossible” scheint zu sein, was “Robogirl” Soji feststellt. Picard und seine Crew hingegen begeben sich auf Tour in das Innere des Borgwürfels. Und eine weitere Neuerung gibt es in dieser Woche: Nach einem Doppelpack Jonathan Frakes als Regiechef gibt dieser den Staffelstab an Maja Vrvilo ab, das Drehbuch stammt vom Haus- und Hofschreiber Nick Zayas, der uns bis zum Staffelende begleiten wird. Die sechste Folge gönnt sich mit immerhin knapp 50 Minuten ein klein wenig mehr Laufzeit, die der Erzählung auch recht gut zu Gesicht stehen.

Unsubtile Fragestunde

Wie wir es bereits beim Podcast zur vorigen Folge vermutet hatten, wagt sich Star Trek: Picard zumindest kurz in horrorähnliche Gefilde vor: Die kindliche Soji tapst des Nachts bei Gewitter im Nachthemd durch den elterlichen Flur, nur um in das offenbar geheime Labor ihres Vaters/Erschaffers zu stolpern. Leider hat sich die Erinnerung zwar festgefressen, ist aber nur schematisch abrufbar, so dass sie sofort wieder erwacht - wer kennt das nicht, gerade wo es spannend wird, wacht man auf. Doch dazu kommen wir später.

Erst einmal darf Soji in den Morgenstunden in ihrem Quartier mit Narek Löffelchen spielen. Dieser gibt sich bei seiner Fragestunde wenig subtil, aber vielleicht ist Soji ja auch nur zu müde, um aus Sätzen wie “Ich muss alles über dich wissen” herauszuhören, dass Narek mehr als nur Frischverliebten-Neugier antreibt. Nun denn, um ihn zu beeindrucken, spult sie erst einmal ihr angelesenes (oder eher: upgegradetes) Romulaner-Wissen herunter: Narek hat nämlich noch einen weiteren Namen, der nur der inneren Familie vorbehalten ist. Ist vielleicht gut zur Vertrauensbildung, aber ganz ehrlich - bei all den Namen blickt so langsam niemand mehr durch. Ich bete, dass sich dieser wenigstens halbwegs merken lässt. Vergeblich, wie wir am Ende der Folge wissen. Aber bei den Romulanern scheint einfach irgendein Silbengenerator angeworfen zu werden das passt dann wohl schon.

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Nareks Frage, ob Sojis Träume echte Erinnerungen oder nur Hirngespinste sind, ist vielleicht für das Fortkommen der Story interessant, aber jeder, der schonmal irgendwie geträumt hat, wird hier seinen Fernseher anschreien: Woher soll Soji, die gerade vor allem an ihrer Wahrnehmung zu zweifeln beginnt, das denn in diesem Moment wissen? Genau so funktionieren Träume, die vermischen schonmal Unterbewusstsein mit Realität - manchmal kann ein bekloppter Traum einem sogar schonmal den Tag versauen. Ein bisschen Mitdenken wäre hier angebracht, Spitzohr! Immerhin werden die beiden Lovebirds ein wenig warm miteinander, so dass ich laaangsam bereit bin, deren Liebe auch zu kaufen. Oder zumindest das wenigstens oberflächliche Interesse von Narek an dem Robo-Girl.

Auch im Team Picard, wie wir es der Einfachheit halber mal nennen, wird etwas rumpelig herumgefragt: Jurati gibt nochmal Maddox’ offizielle Krankenakte wieder (Herzstillstand) und darf wenigstens ein bisschen was von ihrer Trauer dabei sehen lassen. Wieso allerdings niemals wieder auf das abgeschaltete Medizinhologramm eingegangen wird - hm. Offenbar kommt Jurati damit einfach durch, aber hoffen will ich es nicht. Das wäre dann doch deutlich zu einfach.

Elnor, der in dieser Szene wie ein nerviger Teenager neben den Erwachsenen steht, fällt hier als irgendwie unpassendes Crewmitglied auf, indem er überflüssige Fragen stellt. Wie jeder echter Krieger legt er dabei das Schwert niemals ab, falls mal jemand verteidigt werden muss oder jemand eine frische Stulle braucht. Aber hat die Figur auch eine echte Funktion? Picard ruft ihn später zur Ordnung, dass er gefälligst auf seinem Zimmer, äh, auf dem Schiff bleiben soll, aber wer hält sich schon daran, was einem Erwachsene sagen?

Locutus of Borg war nie ganz weg

Dr. Jurati darf indes nochmal von Locutus von Borg erzählen, und ersetzt damit netterweise eine schnelle Google-Suche - allerdings ist die Szene relativ unnötig, denn direkt im Anschluss kriegen wir dasselbe nochmal gezeigt, wenn Picard, der in seinem neuen Lieblingsrückzugsort, dem Holo-Chateau, endlich auch mal die Datenbanken des Schiffes zur Recherche nutzt, erneut nachschlägt, wie das denn damals nochmal war.

Immerhin gibt es hier die wunderbare Möglichkeit, durch die Darstellung des halbdurchsichtigen Holo-Screens mit nur einer einzigen Einstellung die ganze Geschichte zu erzählen. Picard und die Applikationen im Gesicht als Locutus, kurze, sekundenlange Schnitte zeigen die offensichtlich schmerzhafte Prozedur der Borg-Werdung, die Picard tief in sein Hirn verbannt hat. Stewart zeigt hier noch einmal, wie viel man mit wenig Worten sagen kann.

Vertrau dem Christobal

Was Frakes nicht sehen wollte, hat die neue Regisseurin schon ganz richtig erkannt: Rios’ Qualitäten als empfehlenswertes Boyfriend-Material werden in dieser Folge besonders hervorgehoben. Wer bereits in den vorigen Folgen ein gewisses Knistern zwischen Jurati und Rios erspürt hat, wird nun belohnt: Mc Dreamy, der (ohne Shirt) ein paar Bälle kickt, und Jurati kommen sich näher. Ich weiß noch immer nicht, was ich von diesem Love Interest halten soll, Christobal hat auf dem Schiff auch nicht gerade viel Auswahl, aber die beiden scheinen sich gut zu verstehen. Rios darf auch den Seelendoktor spielen: “Wie fühlst du dich jetzt”? dürfte hiermit als offizieller Anmachspruch aller Weltraumpiloten gelten.

Kästchen, öffne dich!

Das eigentlich titelgebende Objekt, das natürlich viel mehr ist als das, hält Narissa in den Händen: Eine tatsächlich geheimnisvolle Box, die aussieht wie ein romulanischer Zauberwürfel und wohl auch genau das ist. Sie ist, wie jede gute große Schwester, einfach und ohne anzuklopfen in Nareks Quartier gestürmt und kramt in seinen Sachen. So langsam kaufe ich diese Geschwistersache tatsächlich ein wenig mehr, nur hätte man hier auch die alberne Eifersuchtsszene lassen können. Wenig subtil unterhalten sie sich schließlich über ein bestimmtes Stück Mechanik, das eben nicht nur Spielzeug für Narek, sondern auch Werkzeug bzw. Waffe für wen auch immer ist.

team picard

Hinein in den Würfel!

Team Picard hat sich mit Raffis Überredungskunst einen Diplomatenpass verschafft. Picards “Ich habe mir dazu mal ein paar Gedanken gemacht…” als Einwurf kommt hier so verspätet, dass es nur noch witzig ist. Stattdessen nutzt das Team alte Verbindungen. Allerdings musste dafür die ohnehin schon angeschlagene Raffi, die wieder ohne Scham trinkt und raucht, eine Freundschaft opfern. Wer auch immer Emmy nun genau ist, ich will mehr von den beiden sehen. Schön, hier mal eine echte Frauenfreundschaft gezeigt zu bekommen (Raffi nennt sie immerhin “Babe”, das dürfte schon mehr als eine entfernte Nachbarin sein, die man mal zum Kuchenessen einlädt.)

Wie Jean-Luc nach Erbettelung des notwendigen Passes Raffi beklatscht: Wow, Empathie muss er echt nochmal im Duden nachschlagen. Auch als die Fanfare ertönt, ist das Cockpit eher leer als voller jubelnder Menschen. Irgendwie war das mal anders, JL. Merkste selbst, ne?

Tief getroffen von der nun gekündigten Freundschaft zieht sich Raffi zurück, Rios ist auch hier der emotional zugängliche Psychodoc, der sich um sie kümmert. Tatsächlich hat Raffi offenbar niemandem von ihrem Sohn erzählt, hier tut sie es zum ersten Mal Rios gegenüber, so verletzlich ist sie. Gut, sorum kann man die Figur auch erzählen. Jetzt funktioniert es tatsächlich und ich bin kurz davor, mich zu Raffi ans Bett setzen zu wollen.

Zurück zu Agent Soji: Nareks Recherche hat sie misstrauisch gemacht. Die tägliche (!) Facetime-Verabredung mit ihrer “Mutter” läuft nicht, wie sie soll, und Soji räumt ihre spärlichen Kindheitserinnerungen aus. Was sonst bei Mama im Keller lagert, passt bei dem Robo-Girl in eine bunte Lunchbox (Netter Verweis zu ST:Voyager mit den “Adventures of Flotter”, die es mittlerweile zu ihrer eigenen Merchandise-Reihe geschafft haben) und scannt deren Alter.

So ein Scanner wäre schon sehr praktisch, denke ich beim Gucken, wenn man mal den einen oder anderen Beleg für die Steuer zuordnen muss, oder wenn man wissen will, ob die Einkäufe noch gut sind. In Sojis Fall geht das Ganze eher schlecht aus, denn sie stellt fest, dass sie laut Scan gerade mal drei Jahre alt zu sein scheint. Verständlicherweise steht sie damit kurz vorm Nervenzusammenbruch.

Picard Hugh

Wiedersehen mit Hugh

Picard trifft nun nach länglicher Vorbereitung endlich auch im Borg-Kubus ein, und ich liebe einfach die Wandgestaltung der sich ineinanderschiebenden Würfel, die wie ein merkwürdiges Uhrwerk aussehen. Es wispert, sirrt und bitzelt, und Picard leidet auf einmal unter heftigen Locutus-Flashbacks. Nötig ist das nicht, angenehm ist das sicher auch nicht, aber nun.

Gute Gelegenheit, sich mal um die Bauweisen dieser Evil Machines Gedanken zu machen, denn tatsächlich gibt es dort immer irgendwelche Abgründe, die ins tiefste Nichts reichen. Aber wieso bauen die Borg (und alle anderen dunkeln Maschinenwesen in diesem Genre) überhaupt so? Die Gefahr, in irgendeinen Spalt zu fallen, ist ja tatsächlich sehr real und die Wesen zu kostbar. Aber gut, die Borg sind ja auch nicht Experten für “Schöner wohnen”, vielleicht ist es tatsächlich irgendwie effizienter, so zu wohnen.

Eine besondere Freude ist es, den Auftritt von Hugh (Jonathan del Arco) zu beobachten - und die erste echte herzliche Umarmung von Picard. Mit del Arco kehrt noch ein Ex-TNG-Darsteller in die Serie zurück, was mich ehrlich freut. Hugh hat sich zum Chef der Rückgewinnungsstation hochgearbeitet, erweist sich allerdings auch nicht als kreativster Namensgeber: xBs für Ex-Borgs, naja gut. Er redet Picard auch nochmal ins Gewissen, dass er die Angst vor Locutus ablegen solle, “das ist alles sehr lange her” - nun, so lange nun auch wieder nicht, denn auf irgendeinem Flur wird er tatsächlich kurz erkannt. (“Locutus, bist du’s?”) Für derartige Scherze sind wir doch hier!

Wie sich herausstellt, ist Hugh sich durchaus bewusst, dass Narek als nicht sehr subtiler Spion auf seinem Artefakt herumspukt. Aber weiß er auch von Narissa? Oder dem Plan mit Commodore Oh?  Wieso schmeißt er die Spione nicht einfach raus? Oder verletzt er damit irgendwelche Nutzungsverträge, wie Picard sie erwähnte? Mit wem wurde dieser abgeschlossen, und was passiert, wenn man ihn bricht?

Narek Soji Picard

Escape Room Date mit Narek

Narek zeigt ihr den geschützten Raum, der allerdings nicht abhörsicher ist, um mit ihr zusammen den Traum zu kapern. Vorher erfahren wir noch den echten Namen von Narek (Hrai Yan), doch wozu das gut sein soll, keine Ahnung, Vielleicht bonding. Aber Soji hat dafür gerade keine Zeit, sie ist nun endgültig der personifizierte Philip- K.-Dick-Roman, dessen Träume man inceptionmäßig kapern kann. Sie lernt mit Nareks Hilfe ihr Unterbewusstsein zu modifizieren, um zu sehen, dass sie eine Art Pinocchio zu sein scheint - Holz hätte ich hier als letztes erwartet. Spannende optische Darstellung auf jeden Fall, mal was anderes.

Außerdem kommt sie offenbar von einem Planeten mit zwei Monden. Nun gut. Irgendwie wäre Maddox zu kapern und auszufragen einfacher gewesen, aber es gibt sicher… Gründe dafür, es so zu machen. Dramaturgische vor allem, nehme ich an.
Als er sie schließlich im Raum allein lässt (und den Würfel, der nicht nur eine Art feinmechanischer Spieluhr, sondern auch eine Waffe ist, oho) bei ihr, wird sie durch ein Gas betäubt - muss noch jemand an bestimmte Kriegstötungsmethoden denken?

Muss man das so darstellen? Zwar aufregender als einfach wegpennen und gelöscht werden, aber das war doch etwas sehr heftig. Es reicht aber aus, um Soji in den Kampfmodus zu versetzen, mit dem sie das schöne Parkett zerlegt. Picard kann Soji schließlich aufspüren und mit ihr in eine Art geheimem Kraftfeld fliehen, während Hugh und Elnor als letzte Wache vor dem Sturm wütender Romulaner zurückbleiben. Und hier bekommt Elnor endlich mal den Actioneinsatz, für den er sich hier angestellt hat. Es darf munter drauflosgeköpft werden.

Hoffentlich sehen wir die beiden bald relativ unversehrt wieder. “Meine Freunde, wählt bitte das Leben!” lautet der letzte Satz, den wir hier von Elnor hören. Das scheint sich auf Nepenthe abzuspielen, wie auch der Trailer für die gleichnamige nächste Folge zeigt.

Und hier treffen wir endlich, endlich auch auf Riker. Ich bin gespannt.

Fazit

Die Folge bot relativ stringente Action an den richtigen Stellen, ein wenig Herzschmerz, Sex und Tröste-Rios an anderen. Dass die Fäden zusammengeführt wurden, wurde auch Zeit. Picard selbst jedoch bleibt weiterhin recht passiv - wie auch in den Folgen zuvor schickt er seine Crew gern voraus, um auszukundschaften oder vorzufühlen, Dass er, wie in Raffis Fall, auf persönliche Freundschaften nicht wahnsinnig viel Wert legen kann, verstehe ich sogar. Ein mitfühlendes Wort wäre hier aber nicht falsch gewesen. Picard braucht vielleicht wirklich dringend den Riker-Charme als Hilfestellung.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© CBS All Access / Amazon Prime Video

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