Star Trek: Picard

Keine Gnade - Kritik zu Star Trek: Picard 1.05

SPOILER

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Ein Regisseur, zwei sehr unterschiedliche Folgen. Auch diese Woche inszenierte Jonathan Frakes Star Trek: Picard, dieses Mal nach einem Drehbuch von Kirsten Beyer - das anscheinend mehr Inhalt bot. Es geschieht so einiges in Episode 1.05 “Keine Gnade” (OT: “Stardust City Rag”). Ein wenig wurde man also gleich mit dem deutschen Titel gespoilert. Das hat irgendwie Tradition.

Icheb

Huh, wieso muss ich mein Alter bestätigen? Ah, ahja. Deshalb. Alles klar. Die Enthauptungsszene der letzten Woche war also nur ein kleiner Teaser für die Brutalität dieser Episode. Ich glaube ich hätte es auch ohne expliziter Szenen verstanden, aber nungut.

So kommt nur keine Freude über das überraschende Wiedersehen mit einem altbekannten Charakter auf Planet Vergessen auf (keine Übersetzung, auch in OV heißt der so). Icheb (Casey King statt Manu Intiraymi) wurde einst als Kind von den Borg assimiliert und von Seven of Nine nicht nur gerettet, sondern quasi als Pflegekind angenommen. Nach der Rückkehr der Voyager ist Icheb der Sternenflotte beigetreten, wie anhand des kurz gezeigten Abzeichens zu sehen ist.

Dass es sich bei dem armen Opfer auf dem Seziertisch nicht um irgendwen handelt, erklärt auch, warum bei der sadistischen Prozedur kein Kortikalknoten gefunden werden kann - das war eine Art “Organspende” von Icheb an Seven of Nine (Star Trek: Voyager 7.02 “Unvollkommenheit”).

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Wenig verwunderlich also, dass Seven hart getroffen ist. Nicht nur, dass sie ihren Sohn auf so grausame Weise verlieren muss, ja ihm selbst noch den Gnadenschuss gibt - es stellt sich raus, dass ihr Vertrauen zu Bjayzl dieser überhaupt erst Zugang zu Icheb verschaffen hat. Bjayzl hat einen Faible für Borg-Implantate - oder auch einfach für alles, was auf dem Markt Geld bringt. Und Teile jung assimilierter Ex-Borg scheinen besonders lecker zu sein, oder so.

Wie der Zufall es will - schon kurz nach der plötzlichen Zusammenkunft von Seven und Picard führt der gemeinsame Weg nicht nur nach Freecloud, sondern eben auch zu besagter Bjayzl, die schillernde Chefin einer fragwürdigen Bande in einer Art Space-Las-Vegas-Berghain ist.

Eine klassische Verkettung: Die Tal Shiar wollen Maddox, Bjayzl besorgt diesen, Picard will Maddox, Seven will Rache an Bjayzl, Picard hat Seven, Bjayzl will Seven, Picard bekommt Maddox - und Seven ihre Rache.

Seven

Seven wird in dieser Folge bei ihrem Vor-Borg-Namen Annika genannt. Allerdings nicht von Picard, sondern von Bjayzl. Es wird von einer engen, persönlichen Beziehung gesprochen, aber nicht weiter ausgeführt. Es wirft dennoch Fragen auf: Benutzt Seven den Namen Annika eben nur im engsten Freundes/Partner-Kreis oder war das ein Teil ihres Weges weg von ihrem Ex-Borg-Dasein zurück zur vollen Menschlichkeit, was durch den grausamen Verlust von Icheb und den massiven Vertrauensbruch torpediert wurde?

Über Seven wird auf jeden Fall nochmal deutlich, dass sich die Föderation nicht nur von den Romulanern zurückgezogen hat. Mit dem Angriff auf den Mars sind weite Teile insbesondere der ehemals neutralen Zone ins Chaos gestürzt und mehr oder minder auf sich alleine gestellt. Seven ist Teil einer selbstermächtigten “Bürgerwehr”, den Fenris Rangern, die auf eigene Faust für etwas Ordnung und Gerechtigkeit sorgen. Oder was sie darunter verstehen. Mit einigen Ressourcen, Schiffen, Waffen und Geld auf Freecloud als Basis.

Mitunter mag man eventuell zwischendurch immer mal wieder stocken, weil man sich fragt: Planet Fenris? Fenris Ranger? Müsste da nicht irgendwas läuten? Ich mag die Art, wie manche Dinge gerade ausreichend verständlich natürlich einfließen, ohne übererklärt zu werden, auch wenn sie keine Trek-Serien-Vergangenheit haben. Es ist viel passiert in den letzten 14 Jahren.

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Auch wenn der deutsche Titel es leicht gespoilert hat, so war durch die Darstellung ab einem gewissen Punkt abzusehen, dass sich Seven nicht so einfach von ihrer Rache verabschiedet. Die Art und Weise wie sie am Ende aber noch recht persönlich und ruhig mit Picard spricht, um im nächsten Moment im vollen Action-Modus Bjayzl zur Strecke bringen, hätte ich in der konkreten Form dann doch nicht erwartet.

Generell sei gesagt, wie großartig Jerry Ryan als diese veränderte Seven ist. Zum einen eine spannende Entwicklungsgeschichte, zum anderen so fantastisch gespielt, dass ich am liebsten gleich eine eigene Serie mit ihr hätte. Genug Material gäbe es ja - “Seven of Nine, the Ex-Borg Ranger from the Delta Quadrant”. Als i-Tüpfelchen erklingt für einige Sekunden das Voyager-Theme. Sollte das ein Test für ein weiteres mögliches Spin-off sein: Bin dabei!

Picard

Ne, Moment, ich bin noch nicht fertig mit Seven anschmachten. Aber jetzt kommt Jean-Luc mit ins Spiel. Der Austausch zwischen ihr und Picard, die Vorwürfe, das Verstehen - brillant.

Im Verlauf der Episode wird bestätigt, dass sich die beiden zuvor noch nicht real begegnet sind, aber natürlich “kennt” man sich dennoch. Immerhin verbindet die beiden nicht nur die Sternenflotte, sondern vor allem auch, dass sie beide mal zwischenzeitlich Teil des Borg-Kollektivs waren. Und das verändert einen nachhaltig, selbst wenn es nur kurz war, wie bei Picard. Da ist ein tieferes Verständnis, wie sich nicht zuletzt im intimen Zwiegespräch am Ende zeigt: Ja, die vollständige Rückkehr zum Menschsein ist jeden Tag erneut ein Kampf. Für beide.

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Doch auch wenn die sonstigen Ansichten und Erfahrungen weniger verbindend sind, harmonieren nicht nur Seven und Jean-Luc, sondern auch Ryan und Stewart hervorragend. Seven ist nicht voller Ehrfurcht und Huldigung gegenüber den sagenumwobenen Admiral Picard, sondern äußert sich sichtlich abschätzig über seinen Chateau-Arbeitsraum. Ihr ist auch klar, dass Picard die Ranger aus Sicht von Sternenflotten-Idealen kritisch sieht, aber das sei nunmal die harte Wirklichkeit, in der sie nach bestem Wissen und Gewissen ihren Beitrag leistet - und alles sei besser als einfach aufzugeben und abzuhauen. Treffer, versenkt. Man merkt, dass dies auch bei Jean-Luc langsam angekommen ist.

Jenseits der ernsten Thematik haben sowohl Picard als auch Stewart Spaß mit dieser anderen Welt. Ich kann mir zu gut das Geschehen am Set vorstellen, wie manche vielleicht versuchen, den Ton etwas runter zu regulieren, aber Jonathan Frakes als Regisseur Stewart noch bestärkt. Dieser grandios komplett übertriebene falsche französische Akzent und das comichafte Auftreten des Space-Piraten-Picard. Irgendwie charakter-untypisch und gerade deshalb so toll, da gut in die Handlung eingebunden und sich nicht nur die Welt, sondern eben auch Picard auf seine alten Tage geändert hat und sichtlich in der Rolle aufgeht.

Elnor

Elnor ist hauptsächlich anwesend und niedlich. Er fügt sich langsam in die neue Situation ein. Dazu gehört auch dazuzulernen. Aufgewachsen in einem Orden, der unbedingte Offenheit lehrt, ist Lügen zum Beispiel nicht so angesagt. Entsprechend ist es für ihn auch nicht leicht, eine andere Person darzustellen, als er nunmal wirklich ist. Er ist einfach Elnor.

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Auch für Werbung scheint er nicht die Zielgruppe zu sein, oder aber es sind einfach keine Daten von ihm vorhanden, um ihn personalisierte Spam-Werbung zu schicken. Alle anderen erhalten nämlich für sie angepasste Werbe-Hologramme, sobald sie sich Freecloud nähern. Dass die La Sirena keinen Ad-Blocker hat, tstststs. Ich stell mir das gerade auf der Enterprise vor, wenn bei einem so großen Schiff jeder erstmal eine personalisierte Werbung bekommt und mitunter peinlich geoutet wird.

Rios

Rios ist diese Woche Reiseführer. Er passt mit seiner Welt(raum)-Gewandtheit auf den Trupp auf und fasst auch für den Zuschauer im Vorbeigehen nochmal schnell zusammen: Diese blonde Frau...irgendwas mit einer Zahl. Ja, genau. Seven. Seven war ein Borg. Sie kommt aus dem Delta-Quadranten. Picard und Seven kennen sich irgendwie. Achja stimmt, der war ja auch mal ein Borg, die Folge ist lange her.

Auch wenn Raffi ihn nochmal daran erinnern muss, dass er auf Freecloud nicht seinen mürrischen Weltraumnomaden geben kann, sondern extrovertierter auftreten muss, so scheint ihm die Rolle doch sehr zu liegen und zu gefallen. Er mimt einen Facer, einen Zwischenhändler/Vermittler, bei denen es sich von Vorteil zeigt, wenn sie möglichst extravagant daherkommen, um bloß nicht mit irgendeiner Seite verwechselt zu werden.

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Es sind ja oft die kleinen Dinge - so richtig gerissen hat es mich nämlich bei seiner Getränkebestellung mit dem Nachsatz “mit zwei Schirmchen” in Quarks-Bar. Scheint eine Filiale oder Franchise zu sein, denn von dem Ferengi ist weit und breit nichts zu sehen. Dabei wird er gleich noch ein weiteres mal erwähnt: Raffi hat die Daten zu Rios’ Facer nämlich mit falschen Angaben bestückt, eben auch mit glühender Referenz von Quark, dem der Facer bei einem Problem geholfen haben soll. Quark ist also auf Freecloud bekannt und hat ein gewisses Renommee.

Raffi

Raffi darf zeigen, dass sie im Gegensatz zu Picard ihre Hausaufgaben gemacht hat und etwas von der wilden Welt in der ehemals neutralen Zone versteht. Sie gibt noch allen einen guten Rat und verabschiedet sich dann. Denn wie sie anfangs klargestellt hat: Sie ist kein dauerhaftes Crew-Mitglied, sie will nur selber nach Freecloud.

Der Grund gibt dem Charakter noch einmal mehr Tiefe. Sie hat dort ihren Sohn Gabriel ausfindig gemacht und hofft auf Wiedervereinigung. Doch der Traum zerplatzt schnell und schmerzhaft. Zwar bleibt alles zivil (und lässt es daher noch realistischer wirken), doch macht Gabriel sehr deutlich, dass er auf sie als Mutter weiterhin verzichten kann. Mit seiner romulanischen Partnerin und dem anstehenden Nachwuchs hat er seine eigene kleine Familie, die es zu schützen gilt.

Raffi hat für die Romulaner-Rettungs-Mission ihre Familie verlassen und ist auch nie wieder wirklich zurückgekehrt. Ihre Drogensucht und die nach außen hin scheinbare Vernarrtheit in wilde Verschwörungstheorien haben zum Bruch mit ihrem vorherigen Leben und einen nachhaltig verletzten und enttäuschten Sohn geführt. Da gibt es kein einfaches Anknüpfen. Was schließlich auch Raffi einsehen muss und sich in ihre Kabine auf der La Sirena verkriecht. Zur Freude von Picard. Nicht über ihren Zustand, aber dass sie eben doch an Bord bleibt.

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Jurati

Was - Agnes spielt ein falsches Spiel? Wer hätte das denn bitte erwartet? Achso, stimmt - jeder, jeder hat das erwartet. Sie ist also tatsächlich nicht nur die nette witzige brillante Wissenschaftlerin.

Der Rückblick auf ihre wahre Verbindung und Beziehung mit Maddox (John Ales, nicht Brian Brophy) ist über ein Video aus besseren Zeiten gelöst. Das gibt dem dramatischen Ende gleich nochmal mehr Gewicht. Auch ist es ein wirklich netter Dreh, dass ausgerechnet Maddox zwar alle einzelnen Zutaten repliziert, aber die eigentlich gewünschten Kekse selbst backt, weil die replizierten einfach nicht richtig schmecken.

Wie erwähnt kommt es wenig überraschend, dass Commodore Oh etwas mehr mit Dr. Jurati besprochen hat, als diese gegenüber Picard zugibt und ganz eigene Absichten verfolgt. Was auch immer Oh ihr gezeigt hat, es muss mit der Kybernetikforschung zusammenhängen und so grausam sein, dass sie deswegen ihren geliebten Dr. Maddox umbringt.

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Praktisch, dass sie sich sehr gut mit Computern und AI auskennt. Sie dürfte in der Lage, sein das Logbuch und Einträge des medizinischen Holo-Programms ändern zu können. Das wäre ansonsten eine sehr kurze Mordermittlung. Wieso lässt sich das Programm in einer derartigen Notsituation eigentlich einfach so abschalten und alarmiert nicht gleich den Rest der Besatzung?

Immerhin lässt sie Maddox lange genug leben, dass er kurz vor dem Schlussakt Picard das nächste Puzzlestück geben kann. Ja, die Tal Shiar sind hinter ihm her. Sie haben sein Labor zerstört. Dahj und Soji wurden auf der Erde beziehungsweise dem Artefakt positioniert, um die Wahrheit über den Synth-Angriff aufzudecken. Maddox vermutet nämlich sowohl Teile der Romulaner als auch der Föderation dahinter. Nebenbei wird bestätigt, dass es sich bei Dahjs und Sojis “Mutter” um ein AI-Programm handelt, das beide in Notsituationen aktivieren kann.

Fazit

Eine volle Folge mit rasanten Schnitten, in der sowohl die Handlung als auch jeder Charakter vorangetrieben wird. Nach der Vorschau und der eher amüsanten letzten Episode habe ich leichtere Kost erwartet, doch trotz einzelner witziger Elemente ging es brutal zur Sache - nicht nur wegen grausamer Seziertischszenen, sondern vor allem harten Charakterschicksalen.

Aber das ist eine Erkenntnis zur Halbzeit: Die Serie setzt bisher jede Woche auf einen anderen Stil-Schwerpunkt und weiß zu überraschen, ohne aber der Vorgeschichte oder gar Picard selbst untreu zu sein. Gut so.

Nächster Halt: Romulanischer Ex-Borgwürfel-Artefakt-Rückgewinnungsstation.

Star Trek: Picard - The Impossible Box - Episode 6 - Preview

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Picard 1.04

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Diese Woche ist das Trio Johannes, Anne und Nele wieder komplett und unterhält sich im TrekCheck über die kurzweilige vierte Episode von Star Trek: Picard.

"Unbedingte Offenheit" ließ uns häufiger gut lachen und bedudelt mit abwechslungsreicher Musik - da ist es auch egal, dass es inhaltlich nicht wirklich voran geht. Das weitere Zusammensuchen der Rollenspielgruppe untermauert nochmal die fragwürdigeren Seiten von Picards Charakter (gut so!) - der treibt das mit dem sich nur melden, wenn man mal etwas braucht, echt auf die Spitze.

Wenig überraschend stammt unsere Podcastmusik auch dieses mal wieder/immer noch von Jens Dewald - erneutes Danke!

Unbedingte Offenheit - Kritik zu Star Trek: Picard 1.04

SPOILER

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Inhaltlich kommt Star Trek: Picard dieses Woche nicht wahnsinnig weit voran, Episode 1.04 “Unbedingte Offenheit” bietet aber dafür mit einem wilden Genre-Mix einiges an Unterhaltung. Das Drehbuch stammt von Michael Chabon, Regie führte Jonathan Frakes.

Wie bizarr!

Dies gleich vorweg - die Serienmacher wissen, dass es stellenweise doch etwas bekloppt ist. Über die Figur Agnes Jurati teilen sie unumwunden mit: Ja, zugegeben, romulanische Assassinen-Kampfnonnen-Sekte mit Waisenjunge Legolas -  ist alles a weng bizarr, bietet aber hübsche Szenen.

Picard begibt sich also auf Außenmission auf dem Planeten Vashti, wo einst zumindest einige Romulaner im Rahmen der Rettungsmission, mit Hilfe der Schwesternschaft Qowat Milat (besagte Nonnen) übergesiedelt worden sind und sich auf Versprechen von Picard/Sternenflotte verlassen haben. Tjanun, dann passierte die Marsattacke und Jean-Luc hat sich für 14 Jahre verkrümelt. Stolze Leistung, Jean-Luc. Slowclap.

Bei allem Verständnis, dass ohne die Föderation nichts Großes ausgerichtet werden kann, aber zumindest mal eine Brieftaube schicken oder sich auch nur über den Werdegang des Planeten/der Siedlung ab und an informieren war neben der Pinot-Ernte wohl nicht drin. So setzt sich das Thema “Ich melde mich, wenn ich was brauche - dafür schauspieler ich auch eine Entschuldigung” fort, oder wie Raffi es genervt auf den Punkt bringt: “The man can’t even take a guilt trip without using a starship”.

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Togo hon dad, Legolas! Dago hon!

Jean-Luc schlägt also noch zu Zeiten der Rettungsmission in einem weißen Leinenanzug nebst Panama-Hut (Kolonialherr-Cosplay? Kolumbianischer Drogenbaron? Bibel-Missionar? Tourist?) auf, spielt ein wenig mit dem Waisenjungen Elnor, bringt ihm europäische Kultur näher und hätte vermutlich auch noch einen Brunnen gebaut, wenn nicht die Marsattacke seine Achtsamkeits-Auszeit im exotischen Kloster unterbrochen hätte.

14 Jahre später braucht er einen Assassinen (that escalated quickly), und wie praktisch, dass die Schwestern den kleinen Elnor, der nun im vollen Legolas-Modus ist, nicht nur in ihrer Religion (absolute Offenheit, lass die Gefühle fließen), sondern auch Kampfkunst unterrichtet haben. Da er wegen seines Geschlechts eh nie wirklich Teil ihrer Gemeinschaft werden kann und mit Picard das ein oder andere aufarbeiten muss - ab ins All mit ihm.

Doch zuvor muss Jean-Luc noch loswerden, wie kacke er Rassismus (vor allem, wenn es ihn scheinbar selbst betrifft) findet. In der Westerndorf-Siedlung (mit Akustikgitarre/auffälligen Klängen?) auf Vashti erinnert man sich jedoch auch sehr gut daran, wer Picard ist und was sie ihm vermeintlich zu verdanken haben - nämlich nichts weniger, als auf seine Worte reingefallen zu sein, was kurzzeitig die Romulaner verunsichert, verstreut und schließlich auch gespalten habe. Eine verärgerte Gruppe Romulaner, die ihre Heimat verloren hat - was soll schon schief gehen. Immerhin sind sie so nett, dass sie sich an den Anfang der Folge erinnern und so nicht nur - passend zum vorgelesen Buch “Die drei Musketiere” - statt ihre Phaser zu nutzen ein Duell mit Degen initiieren, sondern auch Elnor die Möglichkeit geben zu zeigen, was er kann. Warum auch immer Picard überrascht ist, dass ein Assassine/Personenschützer-Elb tötet. Wobei ich zugegeben in einer Trek-Serie nun auch nicht mit solch einer Enthauptungsszene gerechnet habe (oder gebraucht hätte), aber nungut.

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Der Weltraum, unendliche Weiten ...

… Langeweile - zumindest für Dr. Jurati, die anscheinend noch nie zuvor im All gewesen ist. Gut, ich mochte Agnes ohnehin ab ihren ersten Auftritt, aber in dieser Episode wächst sie mir nochmal mehr ans Herz. Sie taut auf und zeigt neben Kompetenzbewusstsein nun auch ein sichereres Auftreten und Humor, gerne mehr.

Bevor ich das Wichtigste vergesse: Unser Schiff hat einen Namen - La Sirena (mehr so wie Meerjungfrau oder wie Martinshorn?!?).

An Bord gibt es ein Wiedersehen mit dem “Gastfreundschafts-Hologramm” und dank diesem sowie Zhaban müssen wir auch jenseits der Erde nicht auf die warmweiche Weingutwelt verzichten (plus: man spart sich, einen weiteren Innenraum zu bauen). Raffi darf nochmal zeigen, dass sie keine Lektion der Nonnen nötig hat, da sie insbesondere JL ohnehin immer mit unbedingter Offenheit entgegnet, und wir lernen ein weiteres Hologramm-Ego sowie Schimpfworte von Rios kennen.

Als Bonus bekommen wir eine kleine feine Raumschlacht und Technik-Spielereien zu sehen. Mit Leuchtdingen in der Luft per Hand rumschieben àla Tony Stark und Blick von der Brücke auf Planeten kann man mich irgendwie immer wieder begeistern. Sehr schön auch der kurze Moment, in dem Jean-Luc den “Auf den Schirm”-Befehl gibt und sofort selbst merkt, dass er ja gar nicht der Captain an Bord ist.

Tatsächlich gelungen und überraschend finde ich das Auftauchen von Seven of Nine. Also das Wie, Wo und Wann - dass sie eine Rolle hat, war ja klar. Laut des Ready Room, CBS’ offizieller Folgennachbesprechung, soll sie uns noch etwas länger begleiten.

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And they have a plan

BSG-Zitat heißt: Ab zum Borgwürfel-Artefakt-Rückgewinnungsstation. Aber ich bitte euch, das ist dieses mal ja beinahe wörtlich so gefallen. Narissa-Rizzo macht immer noch einen auf Möchtegern-Georgiou-Domina-Cersei-Bösewicht zu Bösewichtmusik (langweiliger als Weltraum) und gibt ihrem Bruder Narek zu verstehen: “Your little robot girl has a plan” - nicht vergessen, sonst Schmerz.

Narek versucht zwar halbherzig, mit Hinterfragen mehr über Soji und ihrer Herkunft zu erfahren, noch lieber schliddert er aber mit ihr zu Liebesfilm-Musik durch Borgwürfel (hübsche Kulisse) und fummelt rum. Gosh, die Musikauswahl in dieser Folge macht mich irgendwie fertig. Musste bei dem gesäuselten “I see you” noch jemand an Avatar denken?

Und wie praktisch ist bitte, dass man im Borgwürfel einfach nur bisschen durchkehren und Lichterketten aufhängen muss, um eine Mitarbeiter-Bar zu bekommen. Das entspricht völlig meiner realen Erfahrung, wie man jeden noch so schlimmen Raum sofort gleich wohnlicher wirken lassen kann. Auch hier gilt: Mit Leuchtdingen kriegt man mich.

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Fazit

Das hört sich bis jetzt vielleicht schon wieder alles eher negativ an, dabei hatte ich ehrlich jede Menge Spaß mit der Episode. Der Genre-Mix aus Fantasy-Abenteuer-Action-Comedy-Liebes-Western-Sci-Fi-Film nebst entsprechender Musik und Enthauptung, gepackt in eine Episode, kam nur etwas unerwartet. Aber alles gut, ich fliege weiter voll Vertrauen mit Jean-Luc und erfreue mich an tollem Schauspiel, lache nur auch mehr als gedacht. Schon der Trailer zur nächsten Folge verspricht gleich weitere Beklopptheiten.

Star Trek: Picard - "Stardust City Rag" Episode 5 Preview

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Picard 1.03

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Diese Woche hat unser TrekCheck eine etwas andere Besetzung. Sturm Sabine hat Neles Internet lahm gelegt und so ist dan­kens­wer­ter­wei­se spontan Stefan eingesprungen, um mit Johannes und Anne über Star Trek: Picard 1.03 zu quatschen.

Und da gab es ja so einiges - enttäuschte Ex-Sternenflottler, Wolverine-Raumschiff-Piloten mit besonderem Ego, Action im Chateau Picard und mystische romulanische "News". Plus dem Gefühl, dass Picard endlich wieder in seinem Element ankommen darf.

Übrigens haben wir mittlerweile einfach vollkommen akzeptiert, dass das mit Namen bei uns vermutlich nie so ganz flüssig laufen wird. Immerhin sind es aber weniger Remoulaner geworden. 

Die Musik hat Jens Dewald für uns kreiert.

Das Ende ist der Anfang - Kritik zu Star Trek: Picard 1.03

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Alle soweit nötig auf aktuellen Stand gebracht, Figuren auf Position -  na denn man tau! Im Verlauf von Star Trek: Picard 1.03 “Das Ende ist der Anfang” verlässt Jean-Luc endlich die Erde und blüht sichtbar auf. Und auch auf dem Borg-Würfel aka Artefakt geht es schrittweise voran.

All of this has happened before…

Ich wollte die Battlestar-Galactica-Anspielungen ja eigentlich runterfahren, aber sie drängen sich so auf! In kurzen, über die Folge verteilte Szenen von der Romulanischen Rückgewinnungsstation bekommen wir einiges und gleichsam wenig an neuen Informationen. Das scheinen Mythengebilde so an sich zu haben. Aber der Reihe nach:

Es gibt ein Wiedersehen mit Ex-Borg (XB) Hugh (Jonathan Del Arco), der von den Romulanern als Leiter des Rückgewinnungs-Projektes eingesetzt wird.  Dr. Soji Asha scheint Nachwuchskraft zu sein, eigentlich Anthropologin, die aber im Rahmen der Ent-Borgung die Lebewesen hinter den Implantaten therapeutisch begleitet. Da sticht sie durch viel Empathie und Sprachtalent hervor, was Hugh zu schätzen weiß.

Deswegen ermöglicht er ihr ein Treffen mit Ramdha (Rebecca Wisocky), einer der wenigen von den Borg assimilierten Romulanerinnen, die zurückgewonnen werden konnte. Ramdha galt als eine der führenden Expertinnen für romulanische Mythologie/Spiritualität (oder wie sie bevorzugt, die “News”). Soji begründet ihren Wunsch damit, dass sie an der therapeutischen Bedeutung eines geteilten mythologischen Rahmenkonzepts interessiert sei. Der scheint nämlich den Romulanern zu helfen, dass sie schneller/besser wieder Zugang zu ihrem Vor-Borg-Selbst bekommen als andere. Sie zeigt in der Kommunikation mit Ramdha, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht hat und die Grundzüge versteht. Ramdha aber halt auch - mit Hilfe ihrer “Tarotkarten”: Soji ist eine von zwei Schwestern und die prophezeite “Zerstörerin”.

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Gut, irgendwoher müssen ja auch Narek und Schwester Narissa aka Lt. Rizzo ihre Information über Soji haben. Die Geschwister sind wieder vereint (also, trotz gewisser Lannister-Vibes nicht SO), aber nur die Möchtegern-Georgiou mit zurückgespitzten Ohren scheint darüber erfreut.

Halten wir fest: Soji ist noch nicht voll aktiviert und ahnt nichts von ihrer eigentlichen Identität (wie praktisch, dass ihre “Mutter” sie bei kritischen Nachfragen einfach schlafen schicken kann). Auf jeden Fall hat Soji mehr Wissen als sie haben dürfte und fragt statt nach Mythen nach den Hintergründen der Assimilierung des romulanischen Schiffes und wie es dazu kam, dass dies den Borg-Würfel schadete.

Wer also hat Soji dort platziert und für wen arbeitet sie? Warum wissen Romulaner da anscheinend mehr? Ein synthetischer Schläfer-Skin-Job mit prophetischer Vorhersage, großen Namen und Mythologiegespinst. “There must be some kind of way outta here …” - nur nicht verheddern, liebe Serienmacher!

Entgeisterung

Auf der Erde geht und ging es derweil deutlich weniger spirituell, sondern knallhart politisch zur Sache. Wieder einmal begeistert das Schauspiel aller Beteiligter. Die Rückblickszene kurz nach dem Moment, in dem der Austritt von Picard von der Sternenflotte angenommen wurde - brillant. In wenigen Minuten wird klar: Raffi war Untergebene und enge Vertraute von Admiral Picard im Rahmen der Romulaner-Rettungs-Mission. Und nicht nur von der Sternenflotte, sondern auch von Jean-Luc (an das JL muss ich mich erst noch gewöhnen) über die Aufgabe persönlich schwer getroffen und enttäuscht.

Die Rettungs-Mission ist ohnehin nur unter Protest in der Föderation zustande gekommen und durch den Mars-Angriff hatte es dafür endgültig keine Rückendeckung mehr gegeben. Obwohl mit Anstrengung trotz der Schäden und nötiger Ressourcenumverteilung die Fortsetzung möglich gewesen wäre. Doch dass Picard in der Sternenflotte keinen Rückhalt mehr hat, auch sein “wir müssen das machen, ansonsten gehe ich” sofort ernst und angenommen wurde - das hat ihn sichtbar ehrlich erschüttert und jeglichen letzten Funken Kampfgeist erlöschen lassen. Mit unmittelbaren moralischen und persönlichen Konsequenzen für ihn und Raffi.

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Raffi, einst Offizierin der Sternenflotte, verliert mit einem mal ohne eigene Schuld ihren Status und ihre Karriere. Picard trifft sie 14 Jahre später drogenabhängig im Trailer mitten im Nirgendwo (Vasquez Rocks! :D), und Raffi hält mit nichts zurück, auch nicht den Hinweis auf die doch sehr unterschiedlichen Verhältnisse, in denen beide leben (was wieder das Fass zu Fragen rund um “Kein-Geld-Trek-Welt-Utopie” aufmacht). Und dass Picard auch kein Freund oder sonderlich gut im Kontakthalten ist. Jeder kennt doch so jemanden, der sich nur meldet, wenn er was braucht.

Aber Picard weiß, wie er sie (oder eher eben ein Raumschiff) bekommt: Mit romulanischer Geheimpolizei auf Erden hat man Raffis Aufmerksamkeit. Sie vermutet seit jeher ja ohnehin die Tal Shiar in Zusammenarbeit mit jemanden aus der Sternenflotte hinter dem Angriff auf den Mars.

Übrigens, wer sich mehr für Picards und Raffis gemeinsame Zeit in der Sternenflotte und die Rettungs-Mission interessiert: Am Mittwoch erscheint mit “Star Trek: Picard - Die letzte und einzige Hoffnung” die Vorgeschichte als Begleitroman (von Una McCormack). Um nicht zu spoilern erscheint dazu noch eine eigene Kritik, aber so als Vorabinfo. Es war auch Patrick Stewarts Wunsch, dass das Buch erst nach Episode 3 herauskommt.

Heimelig, aber kein Zuhause

Trotz seiner Enttäuschung und obwohl auch sein Alter einen Ruhestand durchaus rechtfertigen würde - angekommen ist er im ach so heimeligen französischen Weingut nie. Er hat es wirklich versucht, wie er Laris kurz vor dem bevorstehenden Abschied mit Blick in die Sterne sagt.

Kurz nachdem Zhaban noch ein Lunchpaket zusammengestellt hat, können sich die beiden Mitbewohner von ihrer anderen Seite zeigen: Ein Trupp Tal Shiar (oder auch Zhat Vash, der Geheimnisgrad bleibt offen) greift an. Wie gut, dass Laris und Zhaban selbst romulanische Spezialkräfte gewesen sind und überall im beschaulichen Chateau Picard Waffen versteckt haben. Außer den Angreifern wird niemand ernsthaft verletzt (kurz habe ich um Picards Mitbewohner gebangt!), aber Neues erfahren wir auch nicht. Nagut, dass Zhaban und der eine Angreifer aus dem Norden kommen und daher Dickköpfe wären.

So kommt Dr. Agnes Jurati aber auch zu ihrem ersten Actioneinsatz. Nachdem sie Besuch von Commodore Oh erhalten hat und über Picard ausgefragt worden ist, macht sie sich gleich auf nach Frankreich, um sich ihm anzuschließen. Ist sie jetzt (eventuell unwissentlich) im Auftrag/als Spionin für Oh dabei? Und warum trägt Oh eine Sonnenbrille? Gerade wenn sie als Vulkanierin durchgehen will, die lichtunempfindlicher sind. Rieche ich das Spiegeluniversum? Oder macht man das so, wenn man geheime heimliche Geheimagentin ist?

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Sag es, SAG ES!

Ich habe schon lange niemanden mehr so aktiv NICHT Platz nehmen sehen wie Jean-Luc mit Blick auf den Kommandosessel. Raffi hat ihm tatsächlich ein (schickes) Raumschiff nebst (ebenfalls schicken) Piloten besorgt. Es liegt nicht nur an der einsetzenden Musik, dass Picard mit Betreten des Schiffes gleich wieder anders, vertrauter wirkt. Leichter, zuversichtlicher - schon beinahe aufgeregte Freude sind zu spüren.

Synth sind verboten, hochentwickelte Hologramme aber nach wie vor erlaubt. Sagt ja gleich etwas über Wolverine-Rios (Santiago Cabrera), dass er es so witzig-fürsorglich, aber eben auch nach seinem Bilde programmiert. Jean-Luc zeigt sich gleich begeistert, denn er vermutet in Rios beste Sternenflotten-Manier. Immerhin sei das Schiff nach allen Richtlinien tadellos. Ohne genaue Hintergründe zu bekommen, aber im Gespräch mit seinem Hologramm eben doch bestätigt: Ja, Rios war anscheinend bei der Sternenflotte und das grausame Ende seines Captains nimmt ihn immer noch mit. Und jetzt ist da die Legende Picard bei ihm an Bord.

Natürlich findet sich auch Raffi am Ende auf dem Schiff wieder, und so ist die fast komplette Rollenspielgruppe (ich warte immernoch auf den vulkanischen Legolas aus den Trailern) bereit für den Abflug.  Sehr schön, die unterschiedlichen Reaktionen zu sehen: Die entnervte Raffi, die enthusiastische Agnes und Rios, der sich wohl doch auch zumindet etwas positiv an seine Sternenflottenzeit erinnert und beinahe stellvertretend für uns Zuschauer zu denken scheint: Sag es, ich warte! Ein guter Aufbau, auch in der Körpersprache schön vereint (die eine Seite in bekannt-beliebter Pose, in der anderen Hand noch ganz bodenständig die Mitbringsel aus Frankreich im Jutebeutel) hin zu einem perfekten Moment: Captain Jean-Luc Picard zurück auf der Brücke. Engage!

Fazit

Dicht und spannend erzählt, eine gute Mischung aus Charaktermomenten, Action und Geheimniskrämerei mit einem äußerst befriedigenden Höhepunkt als Episodenabschluss. In dieser Folge zeigt sich deutlich die andere Erzählweise und eigene Geschichte, ohne aber das Wesentliche von Picard zu verlieren oder die Serienvergangenheit zu schädigen. Im Gegenteil.

Noch sechsmal schlafen, bis es endlich weitergeht!

Star Trek Picard Episode 4 Preview

Karten und Legenden - Kritik zu Star Trek: Picard 1.02

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Nachdem die Auftaktepisode zu Star Trek: Picard mit einem heißen Earl Grey begrüßte und die Rückkehr leicht machte, fordert die zweite Folge einiges an Aufmerksamkeit und Geduld  - “Karten und Legenden” (OT: “Maps and Legends”) dient vor allem der weiteren Exposition.

Leuchtende Augen sind nie ein gutes Zeichen

Mit der Einstiegsszene bekommen wir ein weiteres Puzzlestück bezüglich des Angriffs auf den Mars geliefert. Es gibt einen winzigen Einblick in den Alltag der Utopia Planitia Flottenwerft. Wobei, nicht ganz Alltag - es ist “First Contact Day” und somit ahnt man schon: Die Feiertags-Schmalspurbesetzung hat noch mehr Pech, als sie vermuten.

Dass man gerade bei so schwerer Arbeit, bei der es auch auf Präzision und hochspezifisches Technikverständnis ankommt, mit auf Roboter, KI oder auch gleich Androiden setzt - freilich. Eine Prophezeiung aus “Wem gehört Data?” ist also wahr geworden: Die Erschaffung und Versklavung von Synth-Lebensformen. Aber was zur Hölle haben sie sich denn bei der Black-Mirror-Creep-Armee gedacht? Wie kann da irgendwer schlafen oder auch nur mal den Rücken zukehren? Dieser starrende Blick und das falsche Lächeln wird mich bestimmt noch einige Zeit verfolgen.

Zoom auf die Augen und es ist klar: Gleich passiert was. Plötzlich leuchtende Augen sind nie ein gutes Zeichen. Wobei man auch jetzt noch nicht weiß, was hinter der plötzlichen Rebellion oder eben Übernahme der Synth und dem Angriff auf den Mars steckt. Und welchen Zweck hat der Selbstmord (?) des Synth F8?

Erklärs mir, als wäre ich 5

Man merkt, schon jetzt gibt es deutlich mehr Fragezeichen als letzte Woche. Und es hört nicht auf - ich glaube nämlich, ich bin etwas zu dumm für diese Episode mit ihrem Infodump. Zugegeben musste ich erstmal googeln und mir graut es jetzt schon vor den Aussprachversuchen im Podcast.

Also langsam: Picards Mitbewohner/Mitarbeiter/Freunde Laris und Zhaban erzählen eine alte romulanische Legende, die womöglich etwas mit Dahjs Angreifern zu tun haben könnte. Es gibt die Tal Shiar, die romulanische Geheimpolizei (der auch Laris und Zhaban einst angehörten). Aber angeblich gibt es noch eine viel geheimere, mysteriösere Organisation. Nein, nicht Sektion 31, sondern die Zhat Vash. Diese sollen ein uraltes Geheimnis hüten, das so erschütternd ist, dass man den Verstand verlieren könnte, wenn man es zu hören bekommt. Keine Ahnung, was es ist, aber Laris vermutet, dass es mit der tiefen Abneigung der Romulaner gegen künstliches Leben (habe ich da was verpasst?) zu tun haben könnte.

Um dieser Spur nachzugehen, werden Picard und Laris in Dahjs ehemaligem Apartment kurzerhand zu Detektiven. Wie gut, dass Laris einiges an romulanischer Spezialtechnik behalten hat, mit der man sogar die Vergangenheit sichtbar machen kann. Was ... irgendwie funktioniert. Hier Technobabbel einfügen.

Dr. Jurati ist zwar sehr sympathisch, aber auch nur semi-informativ, weil Kybernetikwissenschaftler wohl ebenfalls gerne Geheimniskrämer sind. Nach ihren Recherchen vermutet sie, dass Dahj (und ihre Schwester) nicht älter als drei Jahre sind und mit fabrizierten Bewusstsein und Erinnerungen gezielt platziert worden sind. Immerhin wird bestätigt, dass Data und Dr. Maddox nach ihrem holprigen Start (“Wem gehört Data?”) tatsächlich einen freundschaftlichen Austausch pflegten.

Und dann wäre da ja noch der Borgwürfel aka die “Romulanische Rückgewinnungsstation”, auf der aber gar nicht so viele Romulaner selbst aktiv sind. Der bunte Mix aus Lebewesen mit unterschiedlichsten Fähigkeiten hilft den Romulanern bei der Erkundung und beim Durchkärchern aka Nutzbarmachung des Würfels und auch bei der “Befreiung” der Assimilierten von ihrem Borg-Dasein. Soweit richtig, ja? Irgendwie scheint dort niemanden das “Warum” zu interessieren, aber okay - immerhin ohne allzu große Verluste auf eigener Seite, wenn man dem Schild “This facility has gone 5,834 days without an assimilation” glauben kann. Das wären immerhin ~16 Jahre. Hoffe doch, wir bekommen dazu in nicht allzu ferner Zukunft noch etwas mehr Erklärung.

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Tyler-Voq vs. Romulan-Rizzo

Unterm Strich führt alles aber zu einer erfreulichen Erkenntnis bei Jean-Luc: Er muss wohl noch einmal ab ins All. Und dazu braucht es ein Schiff. Also ab zum Sternenflottenhauptquartier, um die Bestellung persönlich abzugeben.

So sehr ich (Captain!) Picard liebe, bin ich geneigt, auch Admiral Clancy (Ann Magnuson) Recht zu geben: Welch Anmaßung. Die Situation am Empfang war ja noch beinahe niedlich, wie er eigentlich davon ausgeht, direkt erkannt (und hofiert) zu werden. Ist aber nicht. Und warum genau glaubt er, nach seinem Abgang dann jetzt doch wieder mal eben so wieder in Sternenflotte aktiv werden zu können und gar Kommando über ein Schiff zu bekommen? Auch Clancys Ausführung über die Zwickmühle bezüglich der Romulaner sind nachvollziehbar, auch wenn man sie nicht gutheißen muss: 14 Föderationspartner haben angekündigt, sich aus der Gemeinschaft zu verabschieden, sollte man die Romulaner-Rettungsmission in Angriff nehmen. Ideale der Sternenflotte hin oder her.

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Immerhin schürt Picard aber genug Zweifel, dass Admiral Clancy zumindest wegen der möglichen Romulaner-Geheimbund-Geschichte mal nachfragt. Blöd nur, dass sie das ausgerechnet bei Commodore Oh (Tamlyn Tomita) tut. Die Romulaner haben nämlich auch schon die Sternenflotte unterwandert. Eben mit besagter Commodore Oh, die anscheinend als Vulkanierin durchgeht (oder ist sie tatsächlich Vulkanierin auf Seiten der Romulaner?) und Lt. Rizzo, die sich nur ein wenig die Ohren rundgeschliffen hat. Da musste der arme Voq ganz andere Prozedere über sich ergehen lassen.

Nicht genug: Rizzo ist auch noch Nareks Schwester (oder verlorener Bruder?). Seine Anbandlung mit Soji ist ebenfalls eine Mission - er soll rausbekommen, wo sich weitere Androiden, wie sie einer ist, befinden. Rizzos rabiates Vorgehen war bei Dahj eher katastrophal als erfolgreich. Narek verfolgt bei Soji eine andere Strategie, die aber auch noch keine Ergebnisse gebracht hat - scheint im Gesamten für alle Beteiligten aber zumindest zwischenzeitlich spaßiger zu sein. Wenn da mal nicht Gefühle in den Weg kommen …

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Ein letztes Abenteuer

Das klingt bislang vermutlich alles eher negativ, dabei fand ich die Folge insgesamt gar nicht so schlecht. Gerade wenn man im Hinterkopf hat, dass die Staffel nur zehn Episoden umfasst und man in kurzer Zeit sowohl Leute wieder abholen als auch auf einen Stand bringen muss, damit man die eigentliche Geschichte, die man erzählen will, rüberbringen kann.

Dass die Episode trotz Informationsüberladung funktioniert und zusammenhält, ist den gut geschriebenen, eingängigen Charakteren und überzeugendem Schauspiel zu verdanken - und sinnvoll platzierten, schön eingebauten Nostalgie-Momenten. Das Anlegen des Kommunikators unterm Sternenhimmel, die altbekannten Uniformen, die Projektion der verschiedenen Raumschiffe der Sternenflotte - funktioniert komplett.

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Dabei muss ich bei Demenz-Themen doch immer weinen! Eine weitere Aha-TNG-Erinnerung ist nämlich, als Jean-Lucs Arzt und alter Freund aus Stargazer-Tagen bei einem Hausbesuch die Ergebnisse eines medizinischen Scans mitteilt. Alles super, wäre da nicht das Irumodische Syndrom, für das auch in der Zukunft noch keine Heilung in Aussicht ist. Es ist eine neurologische Erkrankung, bei der  - teils über Jahre - nach und nach die synaptischen Bahnen zerfallen, was schließlich zu Senilität und Tod führt. Picard nimmt die Nachricht überraschend gelassen hin. Allerdings kommt sie für ihn auch nicht aus dem Nichts. Schon Jahre zuvor, im Rahmen der Handlung des Zweiteilers “Gestern, Heute, Morgen” (TNG 7.25/7.26), informierte Dr. Crusher ihn, dass er die Veranlagung zu dieser Krankheit hat.

Ein Grund mehr für Jean-Luc, es noch ein letztes Mal zu wagen. Und wie Dr. Benayoun anklingen lässt - vielleicht ereilt ihn da draußen zwischen den Sternen ja ein gnadenvolleres, schnelleres Ende. Auch wenn jetzt noch klarer als vorher ist: Er braucht eine Crew. Zhabans Vorschlag, dafür Leute wir Riker, Worf und LaForge anzufunken, verwirft Picard. Sie würden ihm zuliebe sofort dabei sein und alles riskieren, aber er möchte diese Verantwortung nicht noch einmal tragen. Also schwenkt Zhaban um: Es werden Leute gebraucht, die Picard hassen und nichts zu verlieren haben.

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Da ist Jean-Luc ihm einen Schritt voraus, er hat bereits Raffi Musiker (Michelle Hurd) kontaktiert. Mit einem Flugtaxishuttle (wie retro!) geht es ab in die Wüste, wo fern von Allem besagte Raffi in einem Trailer/Shuttle haust und anscheinend wirklich nicht allzugut auf Picard (oder überhaupt irgendwen?) zu sprechen ist. Welche Geschichte die beiden verbindet, erfahren wir vermutlich in der nächsten Episode. Sie kennen sich auf jeden Fall gut genug, dass Jean-Luc weiß, dass sie ihm bezüglich des benötigten Raumschiffs helfen kann und er sie mit Nennung von romulanischen Geheimagenten und einer Flasche guten Weins dazu bekommen kann, ihn zumindest anzuhören. Die Szene hat ein wenig “Firefly auf Tatooine”-Vibes.

Fazit

Die Euphorie der letzten Woche kühlt angesichts der enormen Infoflut und massigen Exposition etwas ab, Patrick Stewart schafft es dennoch, die Episode zu tragen und gut geschriebene Charaktere halten das Ganze zusammen. Auch wenn Jean-Luc sich nichts aus Science-Fiction macht. Und kräftig geflucht wird. Mit Lens-Flare-Einsatz.

Alles auf Position? Können wir jetzt endlich los?

Star Trek Picard: Episode 3 - "The End is The Beginning" - Trailer

Star Trek: Picard - Serienstart sorgt für Rekorde

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Star Trek: Picard kommt nicht nur bei Fans und Kritikern sehr gut an, die Serie erweist sich auch als großer Erfolg für den Streaming-Dienst CBS All Access. So haben die Verantwortlichen bekannt gegeben, dass Picard im Januar gemeinsam mit der diesjährigen Grammy-Verleihung und der NFL-Übertragung für neue Rekordzahlen in Hinblick auf neue Abonnenten gesorgt hat. Seit dem Bestehen von CBS All Access konnte kein Monat mehr Neukunden verzeichnen.

Bisherige Rekordhalter war der Februar 2019, in dem CBS allerdings auch den Super Bowl übertrug. Die vergangene Woche, in der Star Trek: Picard seine Premiere feierte, war dabei allerdings fast so erfolgreich wie die Woche im vergangenen Jahr vor der NFL-Großveranstaltung.

Star Trek: Picard setzte zudem noch zwei weiterer Rekorde. So ist die Serie auch in Hinblick auf die Anzahl der absoluten Streams beziehungsweise der Anzahl der Abonnenten, die eine Eigenproduktion von CBS All Access schauen Spitzenreiter. Die Zahlen liegen über 115 beziehungsweise 180 Prozent über den bisherigen Rekordwerten. Bisherige Rekordhalter war Star Trek: Discovery, was zeigt, dass CBS mit seinem Fokus auf Star Trek für den hauseigenen Streaming-Dienst anscheinend einiges richtig macht. Nicht umsonst befinden sich noch einige andere Star-Trek-Projekte in Entwicklung.

Es bleibt abzuwarten, ob Star Trek: Picard diese Zahlen auch in Zukunft halten kann. Die guten Kritiken und Fanreaktionen dürften die Macher aber optimistisch stimmen. Über Nachschub müssen sich die Fans auf absehbare Zeit auch keine Sorgen machen. Die Serie wurde bereits vor dem Start für eine 2. Staffel verlängert.

Staffel 2 liegt allerdings noch einige Zeit in der Zukunft, schließlich steht aktuell erst einmal die zweite Folge der 1. Staffel auf dem Programm. Diese trägt den Namen "Maps and Legends" und erscheint am Freitag in Deutschland. Hierzulande ist Star Trek: Picard beim Streaming-Dienst Amazon Prime Video zu sehen, wobei Amazon die jeweils neueste Folge bereits um 0.01 Uhr in der Nacht freischaltet.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Picard 1.01

PODCAST

Jean-Luc meldet sich zurück und wenn das kein guter Grund für eine neue Podcast-Folge ist, was dann? Also haben Anne, Johannes und Nele die Mikrofone entstaubt und einen neuen TrekCheck zur Auftaktfolge von Star Trek: Picard aufgenommen.

Obwohl Anne und Johannes ein wenig versuchen Nele in ihrer Euphorie etwas runterzuregulieren sind wir uns einig: Da haben die Regisseurin Hanelle Culpepper, Drehbuchschreiber Akiva Goldsman und James Duff, Showrunner Michael Chabon und Alex Kurtzman sowie natürlich Patrick Stewart als Titelheld und ausführender Produzent einen sehr überzeugenden und vielversprechenden Start hingelegt. Nicht nur wegen schöner Weingutaufnahmen und Bodum-Teebechern mit entkoffeiniertem Earl-Grey-Tee.

Hier wäre übrigens dann auch der Link zum im Podcast erwähnten Reddit-Thread: "What Picard tells us about farming in the future"

Wir mussten uns nach der langen (Winter-)Pause erst wieder eingrooven, aber werden natürlich die komplette Staffel mit wöchentlichen TrekChecks begleiten. Grob könnt ihr davon ausgehen: Schriftliche Kritik der jeweils neuen Episode immer freitags, der Podcast dazu ist für montägliche Erscheinung geplant. Auch wenn heute Dienstag ist. Psssst, nicht petzen! Sagen wir - immer grob in der ersten Wochenhälfte ;)

Gedenken - Kritik zu Star Trek: Picard 1.01

SPOILER

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Happy Picard-Day! Endlich ist es soweit, mit “Gedenken” (OT: “Remembrance”) lieferte Amazon pünktlich gleich ab Mitternacht die Auftaktfolge von Star Trek: Picard.

“Hurra, hurra, ich flieg' mit Picard …”

“... was fuer ein Glueck, ich flieg' mit Jean-Luc!” - Seit der ersten Ankündigung zur neuen Serie ist diese alte J.B.O.-Hymne wieder häufiger Ohrwurmgast. Wie so eine warme Nostalgie-Decke, die ich mir zugegeben auch zumindest in kleinen Teilen von der neuen Picard-Serie erhofft habe. Und der Start enttäuscht nicht. Ich liebe alles und jeden. Das ist es, das ist meine Kritik. Andere Meinungen gerne in den Kommentaren, ich behalte vorerst noch ein wenig meine Herzchenaugen.

Aber was ist denn nun so toll an der Folge? Nun, es beginnt ja schon einmal mit dem wunderschönen Serien-Intro zur Musik von Jeff Russo. Es ist eine perfekte Kombination aus der warm-weichen traditionellen irdischen Weinbergswelt, fortschrittlicher Technik und den beeindruckenden Weiten des Weltraums - alles Fragmente des Lebens und Bausteine des Titelhelden Jean-Luc Picard. So wie es die erste Trek-Serie mit einem Charakternamen im Titel ist, so ist es auch dazu passend das erste Intro, in dem ein Seriencharakter selbst zu sehen ist.

Die eher untypische Nennung nur weniger Darsteller, dafür zahlreicher Mitwirkenden hinter der Kamera direkt in der Titelsequenz, ließ doch kurz schmunzeln. Hauptverantwortlich für die Episode sind die Regisseurin Hanelle Culpepper (Star Trek: Discovery, Gotham, Castle), die Drehbuchschreiber Akiva Goldsman und James Duff sowie die Showrunner Michael Chabon und Alex Kurtzman.

Mit Ruhe und Geduld

Zunächst aber geht man direkt mit der Eingangsszene All In. Eine neu gerenderte Enterprise-D taucht auf dem Bildschirm auf und macht gleich ganz warme Gefühle, ebenso wie das Treffen von Picard (in Alltagskleidung) mit Data (in Nemesis-Uniform) in Zehn Vorne zu Bing Crosbys “Blue Skies” (vgl. Nemesis). Data hat endlich die Sache mit dem Pokerface einigermaßen raus, aber Picard durchschaut ihn natürlich dennoch. Alles wundervolle Erinnerungen an vergangene Enterprise-Tage nicht nur von Jean-Luc, sondern auch uns als Zuschauer.

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Der schöne Moment währt allerdings nur kurz, aus den Aussichtsluken von Zehn Vorne sieht man im Hintergrund den Angriff auf den Mars, wie er mittlerweile aus dem Short Trek “Children of Mars” bekannt ist. Eine einschneidende Tragödie, die Jean-Luc auch noch viele Jahre später Albträume beschert. So erwacht der gealterte Picard einigermaßen zerknittert auf dem familiären Weingut im irdischen Frankreich. Man sehe und staune: Da haben sie ja doch noch ein paar Lampen und sogar Tageslicht irgendwo gefunden. Modernes Star Trek, jetzt auch in hell.

Das warmweich gezeichnete Idyll stellt einen guten Kontrast zur später gezeigten Blade-Runner-Stadt und neuzeitlichen Technik dar. Picard hat sich möglichst weit von der Sternenflotte zurückgezogen und lebt auf seine alten Tage in scheinbarer Bilderbuchharmonie, aber halt auch von Entscheidungen der Föderation verbittert und nach einem Leben voller Abenteuer in beinahe einengender Langeweile. Die beiden Romulaner Zhaban und Laris (Jamie McShane und Orla Brady) sowie sein Hund Number One sind ihm zwar treue Begleiter und Unterstützung (ohne Crew kann Jean-Luc einfach nicht), aber wirklich glücklich wirkt er einfach nicht.

Update im Schnelldurchlauf

Das liegt vielleicht auch an der Tatsache, dass Jean-Luc sich zum zehnjährigen Jahrestag der Zerstörung des romulanischen Heimatplanetens durch eine Supernova zu einem Interview hat breitschlagen lassen. Picard hat sich aus der Öffentlichkeit seit seinem Ausscheiden aus der Sternenflotte ziemlich zurückgezogen, ist aber nach wie vor eine prominente Autoritätsfigur und geschätzter Experte. Natürlich hält sich die digitale Rita Skeeter nicht an die Abmachungen und will Jean-Luc zu einem Statement über die Gründe der vorzeitigen Beendigung seiner Admirals-Karriere nötigen. Weder in der Aufnahmeart (Kameras, Beleuchtung, Ton, Maske - alles da) noch Interviewstil scheint sich in den nächsten hunderten Jahren viel zu tun.

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So wird dem Zuschauer mit viel “tell, don’t show” ein schneller Abriss wichtiger Stationen in der Zeit zwischen Star Trek: Nemesis und Star Trek: Picard geliefert. Ohne allerdings wirklich viel zu erklären. Das ist weder originell noch sonderlich spannend erzählt, erledigt aber in kurzer Zeit einfach den Job.

Es gab also Unstimmigkeit zwischen Admiral Picard und der Sternenflotte, welches Leben es wert ist, gerettet zu werden. Die Romulaner galten seit jeher eher als Feinde der Föderation und immerhin hat man genug anderes zu tun, wieso also massiven Aufwand betreiben und irgendwie helfen. Doch Vorzeige-Sternenflottler Picard hat sich zunächst durchsetzen können, Rettungsaktion wurde gestartet.

Dann kam es zum Angriff auf den Mars durch die Rogue Synth und man hatte auf einmal ganz andere Sorgen.

Schau, schau, Cylonen!

Moment, irgendwoher kenne ich das doch. Und es nicht Star Trek. Werden wir demnächst einen Jean-Luc Picard haben, der durch die Wände eines Raumschiff “Blue Skies” hört, erkennt dass er selbst ein Toaster (Borg-Reste?) ist und die romulanische Restbevölkerung zu einem New Romulus anführt?

Die Cylonen heißen hier Synthetics, kurz Synths, und sind nicht nur Androiden, sondern überhaupt synthetische Lebensformen. Einige von ihnen, alle erschaffen im Daystrom Institute, sind abgedreht und haben den Mars angegriffen. Daraufhin hat die Sternenflotte einen Kahlschlag beschlossen und hat mal eben ALLE Synths verboten. Einfach … weil. Gründe dafür werden ebenso wenig genannt wie was genau die Synth überhaupt “rogue” hat werden lassen. Ich nehme mal an, darauf kommt man im Verlauf der Staffel nochmal zu sprechen.

Natürlich klappt das mit dem Verbot nicht so wirklich. Und ach guck, es gibt sogar Schläfer-Skinjobs, die erst aktiviert werden müssen. Da fühlt man sich ja aus ganz anderen Gründen als einer Partie Poker in Zehn Vorne gleich heimisch.

The Synths were created by Man.
They rebelled.
They evolved.
They look and feel Human.

Großfamilie Data

Macht Platz in der Ahnengalerie, neben Data, Lore, Lal und B-4 kommen die Zwillingstöchter Dajh und Soji Asher (beide gespielt von Isa Briones) und eventuell noch viele, viele mehr hinzu. Durch eine weitere “tell, don’t show”-Szene im Daystrom Institute erfahren wir von Dr. Agnes Jurati (Alison Pill), dass es nicht gelungen ist, aus den an B-4 übertragenen Datenfragmenten vom zerstörten Data diesen wieder herzustellen. Ein Jammer, denn keine andere K.I. war derart hoch entwickelt und menschenähnlich wie Data. Wenn man überhaupt weiterentwickeln wollen würde (was man ja seit Mars-Attack eh nicht mehr darf), bräuchte man unbedingt etwas Data. Data wäre dann quasi eine Art mitochondriale Eva, alle weiteren hochentwickelten Androiden (oder auch andere menschenähnliche Synths?) immer auf ihn zurückzuführen.

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Schade, schade, dass der einzige Wissenschaftler, der sowas (fractal neuroning cloning) rein hypothetisch machen könnte und seit jeher riesiges Interesse an Data gezeigt hat, schon lange abgetaucht ist. Nee, also wie Jean-Luc Datas scheinbare “Tochter” und Super-Synth Dahj begegnet ist, keine Ahnung wie das sein kann. Und wie vorausschauend Data beim Malen und günstig Platzieren seiner Bilder war. Achja übrigens, der Cloning-Prozess ergibt immer Zwillinge. Naja, gibt ja auch zwei Bilder (was jetzt keine biologisch-technisch-künstlerische Verbindung hinerklären soll ;))

Kurz: Ich hoffe, dass wieder Brian Brophy als Dr. Bruce Maddox zu sehen sein wird. Der Mann ist nach wie vor Schauspieler, aber auch Dozent und Leiter des Caltech Theater und hält unter anderem Vorträge wie “Storytelling for Scientists”. Und ein Rewatch der TNG-Folge “Wem gehört Data?” (OT: “The Measure of a Man?”) liegt nahe.

Nobody expects the Romulan Inquisition!

So viel alltägliches Zukunfts-Leben auf der Erde hat man zuvor in Star Trek eher weniger gesehen. Nicht nur Chateau Picard, sondern auch Städte mit Flugtaxis, Seitengassen und winzigem Blick ins Alltagsleben jenseits der Sternenflotte. Wobei es für Dajh ohnehin nicht lange alltäglich bleibt. Hätte ein netter Abend mit ihrem Freund (wie Discoverys Po ein Xahean) werden können, doch Moskau-Inkasso-Ninja-Romulaner halten anscheinend nicht viel von ‘Netflix and chill’.

Sobald Schläfer-Dajh erweckt ist, stellt sich auch die Frage: Wie lange hat Dajh überhaupt schon irgendwo existiert? Sie selbst hat Erinnerung und Bewusstsein und hält auch nach Aktivierung an ihrem Mensch-Sein fest, aber wie viel ist davon tatsächlich erlebt oder nur ins System eingespeist? Ist ihre Mutter echt oder auch nur ein Programm, das sie leitet - und in Notsituation immer wieder Picard aufsuchen lässt? Und was haben die Romulaner mit ihr am Hut?

Die Actionszenen sind jedenfalls beeindruckend inszeniert und der gealterte Picard, der ja ohnehin nie wirklich ein Action-Held war, passend eingebunden. Die Kürze des Serienlebens von Dajh kam nach der Einführung zudem erfreulich überraschend.

Die Darstellerin ist zum Glück nun auch nicht gleich wieder arbeitslos. Wie wir gelernt haben, gibt es eine Zwillingsschwester, die sich sowohl an ihre Familie als auch an ihre Schwester erinnern kann. Soji Asher befindet sich weit weg von der Erde auf einer romulanischen “Rückgewinnungsstation” und scheint dort als Ärztin (und Psychotherapeutin) zu arbeiten. Jedenfalls bietet sie dem Romulaner Narek (Harry Treadaway) an, sich seine Sorgen anzuhören.

Die erste Episode endet mit einem Zoom weg von der Szene, bis die Station als lädierter Borgwürfel zu erkennen ist. Ich habe Fragen. Angefangen mit: Also ich weiß, die Romulaner sind verzweifelt, aber wohnlich ist vermutlich anders, oder? Borgs verfolgen im Design ja einen eher praktischen Ansatz und nicht unbedingt mit Auge für Komfort.

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Fazit

Auch nach dem Schreiben dieser Kritik hält die Liebe für die Auftaktepisode von Star Trek: Picard an. Vielleicht will ich aber einfach mal wieder BSG gucken und bin zu leicht von Pseudo-Cylonen im Trek-Pelz zu begeistern. Aber nein, die Musik, der warmweiche Weinbau, der in Würde gealterte Picard, die Enterprise in voller Schönheit, der gute Anschluss und Verweis an die TNG-Vergangenheit inklusive Jean-Lucs Privatarchriv mit ganz viel Instant-Memorabilia, das hat schon viel Schönes.

Dabei wird sich aber nicht einfach auf die Nostalgie verlassen, sondern deutlich eine eigene Geschichte in einem eigenen Stil und Aussehen erzählt. Natürlich ist es zunächst viel Exposition, die Figuren in Stellung bringen, aber ohne Hürde ist Patrick Stewart als Jean-Luc Picard sofort wieder präsent und knüpft, altersgerecht, beinahe nahtlos an. Zusätzlich macht die Aussicht auf die vorerst knapp eingeführten neuen Charaktere große Lust auf mehr.

“Gentlemen, zuerst hatten Sie meine Neugier, jetzt haben Sie meine Aufmerksamkeit!”

Star Trek Picard | Offizieller Trailer | PRIME Video

Star Trek: Picard - Whoopi Goldberg in Staffel 2

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Sie hat 'Ja' gesagt: Patrick Stewart persönlich hat Whoopi Goldberg eingeladen, in der zweiten Staffel von Star Trek: Picard dabei zu sein. Stewart war Gast in Goldbergs Talksendung The View und sprach im Rahmen dessen, auch im Namen von Alex Kurtzman, die Einladung aus. Seit Beginn der zweiten Staffel von Star Trek: The Next Generation tauchte Goldberg immer mal wieder als Guinan auf, zuletzt war sie im Film Star Trek: Nemesis zu sehen.

Es ist kein Geheimnis, dass die Darstellung der Guinan für Goldberg eine besondere Rolle in ihrem Leben spielt. Als Kind war es für sie eine Offenbarung, als sie das erste Mal in Raumschiff Enterprise mit Nichelle Nichols als Uhura einen schwarzen weiblichen Charakter sah, die weder Sklavin oder Hausangestellte ist. Mit ein Grund, warum sie überhaupt den Weg Richtung eigener Schauspielkarriere einschlug.

Als viele Jahre später Star Trek: The Next Generation startete und Denise Crosby (Tasha Yar) nach nur einer Staffel ausschied, sah Goldberg ihre Chance. Über ihren Freund LeVar Burton und auch ihr Management machte Goldberg den Produzenten mehr als deutlich, dass sie unbedingt dabei sein will. Da sie mittlerweile aber eine bekannte und vielgefragte Schauspielerin war, konnte sie sich nicht Vollzeit für Star Trek verpflichten. So wurde extra für sie die Rolle der Guinan geschaffen - ein mysteriöses, viele Jahrhunderte altes Alien, das als multitalentierte Barfrau im Freizeitbereich 'Zehn vorne' der Crew stets mit gutem Rat oder auch nur Schulter zum Ausweinen bereit steht. Es ist also durchaus passend, dass Guinan und Picard gerade in schwierigen Zeiten wieder aufeinandertreffen.

Sie ist auch nicht die einzige alte Bekannte, die Jean-Luc wiedersieht. Schon in der bald startenden ersten Staffel sind die Trek-Veteranen Brent Spiner (Data), Marina Sirtis (Troi), Jonathan Frakes (Riker), Jeri Ryan (Seven of Nine) und Jonathan Del Arco (Hugh) dabei. Frakes übernahm zudem bei zwei Episoden die Regie.

Star Trek: Picard wird rund 20 Jahre nach Star Trek: Nemesis spielen und einen Jean-Luc Picard zeigen, der sich im Ruhestand befindet. Der ehemalige Captain und Admiral hat sich auf ein Weingut zurückgezogen, bis ihn jedoch eines Tages ein Ereignis zurück ins Scheinwerferlicht bringt. Er stellt eine neue Crew zusammen und begibt sich mit ihr auf ein gefährliches Abenteuer.

Neben alter Weggefährten wird Stewart aber vor allem durch eine Crew neuer Darsteller unterstützt - Santiago Cabrera (Die Musketiere), Michelle Hurd (Daredevil), Alison Pill (The Newsroom), Harry Treadaway (Mr. Mercedes, Penny Dreadful) und Isa Briones (American Crime Story: Versace) sind in weiteren Hauptrollen zu sehen.

An diesem Freitag, den 24. Januar, startet Star Trek: Picard bei Amazon Prime Video.

 

Patrick Stewart Invites Whoopi Goldberg to Return to 'Star Trek' | The View

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